30/01/12
Internet: Ein Kinderspielplatz für die CDU
Es wäre zum Lachen, wenn es nicht so ernst wäre: In der CDU gilt das
Internet offenbar immernoch als großer Kinderspielplatz, auf dem
ansonsten unvermittelbare Abgeordneten endlich auch ein Sandförmchen
gereicht bekommen.
Wie sonst läßt sich die
lächerliche Büttenrede eines CDU-Bundestagsabgeordneten verstehen,
der, man höre und staune, in der Enquetekommission "Internet und
digitale Gesellschaft" sitzt?
Während zu
Wirtschaftsfragen wenigstens der Anschein der Seriosität gewahrt wird,
scheint es vollkommen an den Konservativen vorbeigezogen zu sein, welche
gerade inhärent demokratische Funktion das Internet (noch) besitzt.
Vielleicht war ein obiges Erbrechen von Dummheit nicht anders zu
erwarten, schmerzhaft bleibt es deswegen nicht minder.
Wir verkommen zu einer Republik der Peinlichkeiten.
23/01/12
Wulff dankbar sein
Wulff will doch gewiß gar nicht Präsident bleiben. Sein Ziel ist vielleicht ein ganz anderes, und er hat es fast erreicht:
Niemand hat je so nachdrücklich belegt, wie überflüssig, oder aber reformbedürftig, das Amt des "ersten Mannes im Staate" geworden ist. Es ist nicht mehr als ein nach gerade genehmer Parteiräson zu besetztendes Pöstchen mit monarchischem Abglanz, das viel Geld kostet.
12/01/12
Heiteres Begrifferaten: Schrödern, Wulffen, Silvanern
Denglisch war gestern, hier kommen die Begriffe der modernen Sprache. Ein Rätsel zum Ausfüllen.*
Ehrenwortkonten (eig. Kohlen, aber anders verw.): Einkünfte
unbekannter Herkunft durch Ehrenwort schützen
Guttenbergen /
auch: gutten: Inhalte kopieren und als eigene geistige Leitung
ausgeben
Berlusconisierung: .............................
Den
Otto Graf machen: .............................
Einen Schily
leben: .............................
Schrödern:
.............................
Silvanern: .............................
Wulffen
(ugs. Den Wulf machen): .............................
Zensursula
/ auch: Schäuble 2.0: .............................
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*) Da dieses Blog keine Kommentarfunktion bietet, auf eigenen Plattformen weiterführen ...
06/01/12
Berliner Bildungspolitik: Heroinsüchtige in Schultoiletten
Die Berliner Bildungspolitik (vormals Rot-Rot, nun Rot-Schwarz) ist ein Trauerspiel sondersgleichen.
Ein Beispiel: Da bessern sich an der Schule die Verhältnisse deutlich, dank Wachschutz und Mittagsband, und was passiert nun? Die achthundert Euro für den Wachschutz sind dem A100-hörigen Senat zu viel Geld, und das Geld für die Mittagsband-Betreuer wohl bald ebenfalls (deren Honorar wurde kürzlich um 20% gekürzt).
Die Folge: Nach nur 2 Tagen ohne Wachschutz werden zwei Heroinabhängige laut taz auf dem Schulklo gefunden. Das Mittagsband, die vielseitige und engagierte Nachmittagsbetreuung, steht auf der Kippe.
Ich habe selber in der "guten Zeit", 2008/09, eine Jugger-AG an der Schule durchgeführt, und konnte sie nur deswegen nicht weitermachen, weil wir sage und schreibe für den Winter keinen Hallenplatz bekamen -- und das waren wie gesagt noch gute Zustände. Denn die Richtung stimmte. Eine Folge-AG wurde im Herbst 2011 auf Initiative der Schule (!) gestartet, diesmal sogar mit Hallenplatz. Engagement seitens der Schule und des Quartiersmanagements, das nun dank der grandiosen Bildungspolitik wahrscheinlich verpuffen wird.
Eine Schule, die auf dem besten Weg in eine positive Entwicklung ist, wird so kurzerhand wieder in den Staub getreten -- und dann klagen die Damen und Herren aus der hohen Politik über ansteigende Jugendgewalt. So schafft man sich die Probleme, die man zum billigen Wählerstimmenfang braucht.
Gratulation.
05/01/12
Turley – die USA und das autoritäre Regime: NDAA Law
Der Rechtswissenschaftler Turley stellt in einem Beitrag im Guardian heraus (Übersetzung), welche Bedeutung die Verabschiedung des NDAA-Gesetzes über den Nationalen Verteidigungshaushalt für die USA besitzt:
"... with its [NDAA's] provision allowing him to indefinitely detain citizens. It was a symbolic moment, to say the least. With Americans distracted with drinking and celebrating, Obama signed one of the greatest rollbacks of civil liberties in the history of our country [...] For civil libertarians, the NDAA is our Mayan moment: 2012 is when the nation embraced authoritarian powers with little more than a pause between rounds of drinks. [Herv. rw]" -- weiterlesen
Nicht, daß ihr demokratischer Status die USA in irgend einer Form den
Menschenrechten verpflichten würde, wie zahllose Wirtschaftskriege und
Bushs Folter- und Einkerkerungsmaßnahmen belegen.
Dieses Gesetz
scheint jedoch umfangreiche innenpolitische Folgen haben zu können, und
zwar für nichts weniger als für die Grundfesten der demokratische
Struktur in dem uns oft so unverständlichen Land. Einem Land, das mit
seinem Sendungsbewußtsein und seiner militärischen wie wirtschaftlichen
Macht direkten und nachhaltigen Einfluß auf die Welt nimmt.
Vertrauenserweckender wird dieser "Große Bruder" damit nicht.
Nachtrag: Ebenfalls lesenswert, um sich das Ausmaß des Unrechtsstaates USA vor Augen zu führen:
10 Gründe, weshalb die USA kein freies Land mehr sein können. Mit Vergleichen zu sogenannten Achse des Bösen-Ländern. Zitat:
"President Obama has claimed [...] the right to order the killing of any citizen considered a terrorist or an abettor of terrorism. Last year, he approved the killing of U.S. citizen Anwar al-Awlaqi and another citizen under this claimed inherent authority. Last month, administration officials affirmed that power, stating that the president can order the assassination of any citizen whom he considers allied with terrorists. (Nations such as Nigeria, Iran and Syria have been routinely criticized for extrajudicial killings of enemies of the state.)"
Turley geht sogar noch weiter udn wirft den USA die Verletzung der Prinzipien aus den Nürnberger Prozessen vor:
"The world clamored for prosecutions of those responsible for waterboarding terrorism suspects during the Bush administration, but the Obama administration said in 2009 that it would not allow CIA employees to be investigated or prosecuted for such actions. This gutted not just treaty obligations but the Nuremberg principles of international law. "
04/01/12
Heulen wie der Schloßhund von Bellevue
Die Quittung, wenn es nicht ums Amt, sondern um Pöstchen geht.
PS. Und schon legt das gewisse Boulevardmagazin nach. Es geschieht nicht oft, daß man auf dessen Eröffnungen gespannt sein darf.
PPS. Ach du liebe Güte.
PPPS. Nun bringt die Springer-Presse ihr Geschütz Die Welt in Stellung und schreibt von "Einschüchterungsversuche[n] von oberster staatlicher Stelle". Solche Granaten aus einem Hause, das sonst eher das Hofblatt der Konservativen ist, verheißt nichts Gutes für den damals parteipolitisch gesetzten Bundespräsidenten. Und nicht nur für ihn.
PPPPS. Und schön, daß es eine Art Analogie zum Majestätsbeleidigungsparagraphen gibt. Udo Vetter erläutert die Strafbarkeit von Scherzen über den temporären Herrn von Schloß Bellevue bei monero:
"Wann wurde zuletzt eine solche Anklage erhoben?
Udo Vetter:
Nach meiner Kenntnis ist der Prozess in Dresden seit etwa 50 Jahren der
erste dieser Art in der Bundesrepublik.
[...] monero.de: Was droht
bei einem Verfahren?
Udo Vetter: Die Mindeststrafe sind drei Monate
Haft, eine Geldstrafe ist gar nicht vorgesehen. Selbst wenn das
Verfahren eingestellt werden sollte, etwa weil der Bundespräsident doch
keine Ermächtigung erteilt, sind äußerst unangenehme Erfahrungen
möglich." -- weiterlesen
Gut, daß wir eine vielleicht nicht eben perfekte, vielleicht gern tendenziöse, aber in summa freie Presse haben.
PVS. Gelebter kultureller Austausch: Eine "Dem ... den Schuh zeigen", analog zu "dem Lügenbaron den Schuh zeigen", gab es auch schon. Ersterer war bald darauf weg.
PVPS. Walraff äußert sich zu BILD (bei der er undercover recherchierte) und zu Wulff: "Wulffs Abhängigkeit von Bild ist schon bedenklich, diese Preisgabe bis hin zur Selbstaufgabe." -- mehr in der Berliner Zeitung
03/01/12
Warum ich nichts von PayPal halte
... unter anderem darum:
"PayPal: if you don't like the violin you bought, smash it and we'll give you your money back".
02/01/12
Uhus linguales Kuriositätenkabinett: "Binnen-I" aus freier Wildbahn entnommen
Es lauert überall und bringt den arglosen Leser ins Straucheln: Das
deutsche Missverständnis, die Sprache Gendern zu müssen, weil sonst
angeblich diskriminiert werden würde. Besonders hinterhältig, daß gerade
jene von dieser sprachlichen Kreatur belauert werden, denen die reale
Gleichberechtigung besonders am Herzen liegt.
Zu
diesen absurden Sprachverirrungen haben wir Exemplare aus der freien
Wildbahn entnommen, in Uhus sprachlichem Kuriostätenkabinett studiert
und eine Exhibition dieser Spezies bei
Telepolis eröffnet: "Genderus
phalliculosus ssp."
Nachtrag: Es gibt inzwischen sogar eine Erweiterung für den Browser Opera (und vermutlich auch für Safari und Firefox), was das Binnen-I in vielen Fällen zu tilgen verspricht.
30/12/11
Gemeinsame Autoren-Erklärung zur Überarbeitung des Urheberrechts
Angesichts von Vorschlägen der GRÜNEN und der Piraten zum Thema Verwertungsrechte/Urheberrecht werden Autorenvereinigungen wie PEN, SYNDIKAT, DELIA und auch Quo vadis dazu eingeladen, eine gemeinsame Erklärung ausarbeiten.
Aus dem Schreiben des SYNDIKATS:
"Nicht erst seit die Piratenpartei auf den Plan getreten ist, sondern auch durch den Leitantrag der Grünen kam es in diversen Medien zu Diskussionen rund um das Urheberrecht. Seit Juni letzten Jahres beschäftigt sich auch eine Projektgruppe im Deutschen Bundestag mit dem Thema 'Urheberrecht'[...] Es wird Änderungen geben, davon können wir vermutlich ausgehen. Ob für Schriftsteller, Freie Journalisten, Drehbuchautoren: Ihr Urheberrecht ist definitiv in Gefahr." (Hervorhebung von mir)
"Ihr Urheberrecht ist definitiv in Gefahr"? Etwas, das dem Urheber nach deutschem Recht gar nicht genommen werden kann -- im Gegensatz zu den Verwertungsrechten, die sich ein jeder Verlag in seinen Seitenlangen Standardverträgen für läppische Honorare (ein Euro pro verkauftem Buch und weniger) selbst in den absurdesten Spielarten ganz selbstverständlich von den Autoren greift? Wie der "Aufführung als Bühnenstück" bei Fachbüchern. Oder der elektronischen Gratis-Veröffentlichung als gute Verlagswerbung.
Ich habe mich mit den Vorschlägen der Parteien noch nicht auseinandergesetzt, aber das oben zitierte Anschreiben ist mir in seiner "definitiven" Sprache doch ein wenig allzu ... forsch ... angehaucht. Die meisten Autoren sind wohl leider zu unpolitisch und zu desinteressiert, aber es wäre doch angemessen, sich nicht einfach vor den Karren der finanzschweren Musik- und Filmindustrie spannen zu lassen, die ein großes Interesse an der Wegsperrung von Inhalten haben (siehe auch die GEMA-Kapriolen auf YouTube). Es wird auch interessant zu beobachten sein, wie reflektiert sich die Literaten-Elite des PEN hier einbringen wird. Eine in jede Richtung kritische, umsichtig formulierte Erklärung wäre eine wichtige Sache gerade bei diesem Thema.
Stellungnahmen des Kulturrats und des Verbandes freier Lektorinnen und Lektoren. Ebenso eine weitere Betrachtung hier.
Bleibt zu hoffen, daß der Pavlovsche Reflex "Mein Urheberrecht? Nein! Sofort dagegen!" hier nicht greift, sondern sich die Betreffenden vor Abfassen eines "Manifests" auch wirkich über die Sachlage informieren. Und über die wichtige Frage:
Cui bono?
Addendum: A propos. Wer sich dazu äußert, insbesondere von Seiten der Urheber, kann auch mal bei den Kollegen Musikern zum Thema GEMA reinlesen. Interessante Details.
20/12/11
Über die Versicherungspraxis
Über das windige Wesen von Versicherungen und Versicherungsvertretern ist sattsam geschrieben worden: Unendliche Freundlichkeit beim Abschluß, und wenn es hart auf hart kommt, dann, leider, fehlt da ein winziges Bisschen, tut uns gar nicht Leid, danke für Ihr Geld, alles vertragsgerecht, natürlich. Stimmt nicht immer, aber das Klischee bestätigt sich dann eben doch auch gerne.
Wie im vorliegenden Falle.
Versichert man eine 50er bei der DEVK, bekommt man (zumindest im geschilderten Falle, wiederholt) den höchst erfreulichen Hinweis, bei mindestens zwei Jahren durchgängigem Versicherungsschutz dann auch ein KFZ bei der DEVK gleich mit Schadensfreiheitsrabatt FS 2 (85%) versichern zu können.
Nachdem der Betreffende nun viele Jahre lang brav seine besagte 50er in jenem Hause versichert hat, aber in einem der beiden letzten Jahre statt am 1.3. am 2.4. zur Versicherungsvertretung gegangen war, wurde er bei Anruf bei der DEVK auf Nachfrage hin verbunden in eine Beratungsstelle, die im vorliegenden Falle den Eindruck eines Heims für sexuell frustrierte Dampframmen vermittelt hat (oder zumindest eine solche zu beherbergen schien). Trotz durchgängiger Freundlichkeit seitens des Bittstellers, vulgo Kunden.
Eine solche eher resolut-übelgelaunt zu beschreibende Person erklärte schlankweg, nein, es gäbe keine FS 2, und nein, es spiele überhaupt keine Rolle, daß man vier Jahre Fahrerfahrung mit Versicherung nachweisen könne (wiewohl es bei Schadensfreiheitsrabatten eigentlich, von der Praxis her gesehen, eben darauf ankommt), denn es sei ja nicht jedesmal am 1.3. die Versicherung erneuert worden und also keine kontinuierliche Verischerung nachzuweisen, bei Versicherung am 2.3. wäre ja eventuell noch ein Auge zuzudrücken gewesen, aber so, ein Mal erst nach vier Wochen, nein!
Auf den Hinweis, daß man sich nun bei anderen Versicherungen umsehen werde, kam die pampig zu nennende Verabschiedung "Freut mich".
"Freut mich"? Dafür, daß gerade ein Kunde verloren wurde? Das nennt sich echte Kundenfreundlichkeit. Mit Dank an die DEVK und ausdrücklich keinem "Auf Wiedersehen",
Und ja, die verehrte Dame darf sich freuen, es wurde eine hervorragende Versicherung gefunden. Mit einem unterm Strich sogar günstigeren Tarif. Vielleicht freut sie das sogar so, daß sie an diesem Wochenende einen etwas befriedigerenden Beischlaf genießen kann. Chapeau.
28/11/11
Polizei braucht Nachhilfe: Übergriffe auf die Presse bei Castorprotesten
Noch im Jahre 2011 und nach dem Stuttgart 21-Machtmißbrauch benötigt die Bereitschaftspolizei augenscheinlich Nachhilfe in Sachen Demokratie und damit verbundener Pressefreiheit; ebenso wie in Verhältnismäßigkeit.
Die Übergriffe der Polizei auf Fotojournalisten können aus der Ferne sicherlich nicht genau bewertet werden, sie klingen jedoch reichlich zwielichtig und die Fotos sind, wenn sie authentisch sind, schon ernstzunehmende Hinweise: Pfefferspray, Gummiknüppel, Tritte und ein "Headbutt" mit dem Helmvisier sollen einige der Übergriffe der Staatsmacht auf die demokratische Kontrollinstanz gewesen sein. Selbst wenn einige Fotojournalisten sicherlich keine Chorknaben sind, die Aussage:
"Ihm sei lediglich ein Fall bekannt – in dem sich im Nachhinein herausgestellt habe, dass ein Journalist nicht wie behauptet durch den Schlag eines Polizisten, sondern durch einen Sturz am Kopf verletzt worden sei. " - weiterlesen
klingt doch arg nach dem englischen Scherz, der frisch zusammengeschlagene Gefangene "sei auf dem Weg zur Zelle gestolpert und die Treppe heruntergefallen".
Und auch die Behandlung der "gewöhnlichen" Demonstranten läßt Augenmaß vermissen, wenn ein Polizist beispielsweise einen am Boden Liegenden auf dem Perd zu überrennen scheint.
Da ist wohl noch etwas Nachhilfe für unseren Freund und Helfer vonnöten. Und der Rausschmiß von Prügelfreunden, die fatal an die amoklaufenden Wärter aus "Das Experiment" erinnern. Wer das Gewaltmonopol wahrnimmt, muß auch die Verantwortung tragen. Immerhin, das Internet macht solche Verbrechen öffentlich. Was wieder zur Debatte über die Freiheit des Netzes führt ...
Zur Berichterstattung, es habe ungewöhnlich viele gewaltbereite
Demonstranten gegeben:
Dies mag stimmen oder auch nicht, es ist
keine Entschuldigung für polizeiliches Fehlverhalten. Gewalttätige
Demonstranten handeln illegal und können zur Rechenschaft gezogen
werden. Gewalttätige Polizisten sind durch das Gewaltmonopol (bis zu
einem gewissen Grade) gedeckt. Das bringt Verantwortung mit sich, der
sie gerecht werden müssen.
Nachtrag: Und ein Podcast-Ü-Wagen ist der Polizei auch zu viel Demokratie, wie es scheint. Möge jemand den Damen und Herren in Uniform bitte in Erinnerung rufen, wer ihr Arbeitgeber ist?
Nachtrag II: Teleskopschlagstöcke sind übrigens keine Gummiknüppel (Photo vom Einsatz auf Gorleben, Polizist rechts). Sie sind zu Recht für gewöhnliche Bürger zu tragen verboten ud ddas Pendant zu Hartgummigeschossen. Auf Demonstrationen haben diese Knochenbrecher nichts verloren. Ausgiebiger Einsatz von Pfefferspray, Knochenbrecher -- eine merkwürdige Richtung, in die sich unsere Polizei derzeit entwickelt. Allerdings illustriert das verlinkte Photo auch die Problematik solcher Bilder: Zwar erweckt es den Eindruck, eine unbewaffnete und quasi hilflose Frau werde hier von einer Überzahl hochgerüsteter Polizisten attackiert, jedoch läßt es keine Rückschlüsse darauf zu, was zuvor geschehen ist und welchen Hintergrund die Attacke der Polizei auf die Demonstrantin hat.
Nachtrag III: Einigen Polizisten scheint das brutale Vorgehen so
gut zu gefallen, daß
sie es auch gleich an ganz gewöhnlichen Tagen gegenüber ganz
gewöhnlichen Passanten anwenden -- hier einer Frau; das klingt
schon nach sexueller Erregung des Beamten durch Sadismus, was natürlich
kaum juristische Folgen hat. Beamter
schlägt Frau in den Magen und verhaftet sie, die nach seinem Namen fragt.
Es gibt Freunde und Helfer, die sind eher der Böse Onkel.
Ein
fatales Signal: Sexuell Gestörte, bei der Polizei dürft Ihr Euch so
richtig ausleben. Gegen Radikalisierung hilft derlei nun nicht.
27/11/11
The International Jugger Blog: Tolerance, democratic tenets and human rights are our foundations.
Thanks to a Jugger team in Spain, which displayed loads of Franco fascist symbols (maybe out of naïveté), and the corresponding discussion in our international forum, I felt the need to make a clear statement on Fascism. I may add that my master thesis in history had been on the mixing of Weimar science and nazi ideology and I have done research on popular anthopological magazines and their change during that time.
The statement at The International Jugger Blog:
The International Jugger Blog hereby states that it, as well as anyone posting entries on it, declares that he or she stands for tolerance, democratic tenets and human rights.
Fascism is not just another political point of view.
Fascism
is not a joke.
Fascism is not history.
But learn of fascist
history.
Fascism, and its associated ideologies like Nazi/Neonazi ideologies, negates basic human rights. It is responsible for the death of millions of millions of people, in Germany alone for over 6.000.000 (!) Jews being murdered just for their belief, or just for being what they were; in addition to so many others murdered for their belief, sexual orientation or political engagement. Look it up in the history books.
There is no way we can tolerate such an ideology. This is not a matter of left-wing bearings or similar. This is a duty to anyone respecting human rights.
Politics should not be intermixed with sport. But especially with extremist tendencies, an intermixing is inevitable. So "Politics has nothing to do with sports" does not solve, merely ignore the problem in this case. And ignoring all too quickly equals accepting.
Please do not deep-link the images but copy them on your server, if you want to use them!
19/11/11
Der Linksterrorismus ist viel, viel böser als die kleinen rechten Schlingel!
Ach je, jetzt ist es wirklich vorgedrungen, musste ja so kommen, daß, oh Wunder, hinter den Sieben Bergen, bei den Sieben Zwergen, Kunde ankam, daß die Rechten nun tatsächlich, nein wirklich, wer hätte es gedacht, nie, aber auch nie, weil die ja so nett, und immer so ordentlich, und so ein paar, gut, na ja, Dutzend, Neger und Kanacken und Knoblauchfresser weniger pro Jahr, das ist doch nicht so schlimm, im Gegensatz zu den bösen Linken, die zünden ja auch unsere Autos an, oh, das war ein frustrierter Täter, egal, es stand doch in der Bild, daß das Linke waren, stimmt also, nein, keine Menschen, na gut, die töten sie nicht, ach das sind doch Details!, aber jetzt, die braven Jungs, wirklich, TERRORISTEN sind, nachdem doch gerade Dornröschen Schröder die ganzen Projekte der bösen, bösen Linken, diese ganzen verkappten Staatsfeinde, so glanzvoll und staatsmännisch mit ihrer großen Extremismusklausel unter Generalverdacht gestellt und ausgebremst, fiese linke Propaganda das, nur damit diese Kommunisten wieder ihre verlausten Jugendhäuser weiterbetreiben können, das bringt doch nichts, wegsperren, ist da doch das einzige und so viel billiger als diese sogenannten "Pädagogen", diese schrecklichen Gutmenschen aber auch!, dabei kann es doch gar keinen rechten Terror geben, das ist doch Volkshygiene, weiß doch jeder, ach nein, unsere netten, strammen Jungs, die haben das doch bestimmt nicht so gemeint, das sind arme Opfer der Linksfaschisten, mensch Kristina, reich doch mal den Zucker rüber, ja, ganz ganz schlimm, jemand hat dem Friedrich da das falsche Paper untergeschoben, der kann doch nur den linken Terror, weil rechten, den gibt es doch gar nicht, nein gar nicht, ach Kristina, wenn das der Führer wüsste, schlimm, schlimm, die Torte ist aber gut ...
Ah, Krista, Krista, ich hatte es ganz vergessen, du, laß
uns doch schnell das Neue Deutschland als linksextrem einstufen! Das ist
ja das Gegenteil von Rechtsextrem, nur vielviel schlimmer, du, das
ist eine tolle Idee, oder? Können wir wieder zeigen: Hey, wir tun was!
Nachtrag: Die Süddeutsche hat eine schöne Zusammenstellung darüber, wie Gegner der rechten Mordgesellen und ihrer Brüder im Geiste gern auch pauschal vom deutschen Staat verfolgt werden. Das rechte Auge bleibt blind, allen fadenscheinigen Beileidsbekundungen zum Trotz.
Aktualisierung: Da wird dann auch mal die Immunität des Chefs der hessischen Linksfraktion aufgehoben, der auf einer Anti-Nazi-Demo war, weil "die Staatsanwaltschaft" das so wollte. Als Präzendenzfall durchaus nicht übel, um bei CDU und FDP-Vertretern künftig die Immunität bei jeder beliebigen (dort allerdings eher gehaltvollen) Beschuldigung zu knacken.
16/11/11
V-Männer: Beobachter oder Täter?
Ein Beitrag bei Burks zum Thema Verfassungsschutz und V-Männer illustriert die Crux: Auf der einen Seite werden V-Männer eingeschleust, um Einblick in die Rechte Szene zu bekommen, auf der anderen Seite bauen eben genau diese V-Männer aktiv die Rechte Szene weiter aus, bereiten aktiv Anschläge mit vor und versehen die Szene mit Kompetenz:
"Ein V-Mann [...] baute höchstpersönlich die Bomben, die Neonazis 1977 vor Justizgebäuden plazierten. [...] 1993 bezahlte der VS den V- Mann Michael Wobbe dafür, Sicherheitschef der NF zu sein und in deren Namen Neonazi-Kameradschaften aufzubauen. Mehrere Jugendliche wurden in Füssen verurteilt, weil Wobbe sie aufgehetzt, geschult und sie nach getaner “Arbeit” verpfiffen hatte [...]. Der Solinger V- Mann Bernd Schmitt integrierte Jugendliche in die rechte Szene und bildete sie in seiner Kampfsportschule aus, was ohne ihn nicht geschehen wäre." -- weiterlesen bei burks.de: "Potemkin läßt grüßen"
15/11/11
Sicherheitsdienstmitarbeiter der BVG als grobe Sheriffs
Ein Bericht im Hauptstadtblog über das grobe Betragen von privatem, GSG-artig gekleidetem Sicherheitspersonal in der BVG: Mutmaßliche Nötigung von Fahrgästen und das bezeichnende Zitat:
"Wir bestimmen hier!"
Dem Sicherheitssektor haben jene Angestellten jedenfalls einen Bärendienst erwiesen. Es ist eben ein Risiko, Sicherheit "outzusourcen".
Den Artikel lesen: Neanderthaler in der Tram M10: Wie Sicherheitskräfte Unsicherheit schaffen (Hauptstadtblog)
14/11/11
Über das Gendern: "Innen", "_innen", "innen/-en"
Eine Diskussion über das Gendern im Forum des Autorenkreises Historischer Roman Quo vadis, der an diesem Wochenende seine Historica-Tagung in Singen abgehalten hat, soll ⇒ im Forum des Kreises angestoßen werden. Desgleichen im Monségur-Autorenforum.
02/11/11
Ein Militärputsch als europafreundliche Lösung für Griechenland
Diese These, gegen Entrüstung verkleidet als Herrenwitz, macht derzeit laut Schirrmacher in der Finanzwelt die Runde: Ein Militärputsch in Griechenland wäre eine gute Lösung für Europa, da Griechenland dann nicht mehr in Europa bleiben dürfe.
"'Forbes' [...] dreht das Schleusentor noch ein wenig weiter auf: 'Dieser Witz ist deshalb so traurig und bitter, weil – wenn wir das kleine Problem ignorieren, dass Griechenland dann eine Militärdiktatur wäre – er in Wahrheit ein gute Lösung für Griechenland zeigt.'" - weiterlesen:"Demokratie ist Ramsch", FAZ 1.11.11
Auch sonst ist dieser Artikel in der FAZ durchaus lesenswert. Schirrmacher redet Klartext:
"Es wird immer klarer, dass das, was Europa im Augenblick erlebt, keine Episode ist, sondern ein Machtkampf zwischen dem Primat des Ökonomischen und dem Primat des Politischen. [...] Sieht man denn nicht, dass wir jetzt Ratingagenturen, Analysten oder irgendwelchen Bankenverbänden die Bewertung demokratischer Prozesse überlassen?" -- Weiterlesen:"Demokratie ist Ramsch", FAZ 1.11.11
Und diese Zeilen stehen nicht etwa in der TAZ oder in der jungenWelt. Es sind erstaunliche Zeiten angebrochen.
27/10/11
Einem Autor platzt der Kragen
Dem griechische Autor Giannis Makridakis ist im Angesicht der gegenwärtigen Krise der Kragen geplatzt, und er tat das, was zur edelsten Pflicht eines Schriftstellers qua Beruf gehört: Er schrieb einen Brandbrief.
"Drei Politiker sind jetzt also hervorgetreten – die Nachfolger und Getreuen einer Politik, die seit 30 Jahren die Ungebildetheit feiert, das Nichtige in den Vordergrund stellt, die Betrüger, Unterwürfige, Arschkriecher der Partei und Gescheiterte aus den Kleinkreisen der Politik fördert, die die falschen Väter ernährt, die vorgeben, sie würden sich für die Interessen der Arbeiter einsetzen, bis hin zu den Führungskräften einer korrupten, ignoranten und lächerlichen Lokalverwaltung und Zentralregierung." -- weiterlesen*
Nur sein Optimismus bezüglich des Mitreißens der Verantwortlichen in den Abgrund, der scheint gelinde gesagt unangebracht.
---
*) Das Zitat gibt nur einen kleinen Einblick in den Brandbrief und
ist als Sachzitat aufzufassen. Es stellt keine Auffüllung dieses Weblogs
mit Fremd"-content" dar, dies hat der Blogbetreiber im Übrigen auch gar
nicht nötig, da er im Schreiben durchaus versiert ist.
Das
Zitat ist, wie eindeutig aus dem Eintrag hervorgeht, nicht auf die
Schöpfungskraft des Blogbetreibers zurückzuführen, sondern von der Seite
entlehnt, die unter dem Punkt "weiterlesen" verlinkt wurde. In sofern
gilt "weiterlesen" als Quellennachweis, für den, da es sich um einen
Beitrag im Web handelt, ausreichend Medienkompetenz seitens der
Lesenden vorausgesetzt wird, daß eben diese Lesenden eine reine
Verlinkung anstelle einer ausführlichen Titelnennung als Quellennachweis
erkennen. Selbstverständlich wäre hier auch eine Titelnennung ohne
Verlinkung möglich gewesen, dies ist jedoch aus Gründen der
Bedienbarkeit und Zweck dieses Eintrags nicht zweckdienlich.
Es
besteht kein
Grund zur Abmahnung des Blogbetreibers, liebe progressive TAZ. Der
Blogbetreiber hängt auch an keinerlei
Haken, von dem er gelassen werden könnte, und würde eine
solche Unterstellung mit angemessener Irritation zur Kenntnis nehmen.
Dies
sei nur zur Sicherheit angemerkt.
20/10/11
Die Aktuelle Stunde zum Staatstrojaner: Unterhaltsam
Sehr zu empfehlen, wenn einem nach einer anregenden Mittagspause mit Popcorn ist: Die kommentierte Mitschrift zur Aktuellen Stunde über den Staatstrojaner.
⇒ Teil 1 // Rollenwechsel möchte jemand Eis? // ⇒ Teil 2
Demokratie, wie sie sein soll: Erschütternd, unterhaltsam, vielleicht sogar den einen oder anderen zu eigenem Engagement anregend. Sehr erbaulich.
Nachtrag: Selbst der Stern schießt inzwischen scharf: "Hans-Peter Friedrich (CSU) ist gerne Bundesinnenminister, weil ihm ein fünfstelliges Gehalt und ein sechszylindriger Dienstwagen zustehen. Dass mit der kommoden Ausstattung auch gewisse Amtspflichten verbunden sind, scheint dieser Minister, den sie in Schwaben einen Schlaule nennen würden, nicht gelten zu lassen." - weiterlesen
19/10/11
Deutsche Bank, Goldman Sachs & Co.: Menschen hungern lassen für die Rendite?
Die Deutsche Bank verdient am Hunger der Welt?
Ein provokanter Vorwurf, der mehr Gehalt besitzen könnte, als es uns lieb sein mag und nicht einmal besonders neu ist. Der "Freitag" weist nun in seinem Beitrag "Damit es jede Sau versteht" auf einen Report hin, den Foodwatch veröffentlicht hat: "Die Hungermacher - Wie Deutsche Bank, Goldmann Sachs & Co. auf Kosten der Ärmsten mit Lebensmittel spekulieren" (PDF) erläutert die weltweite Spekulation mit Nahrungsmitteln und ihre Mechanismen mit Hilfe von Grafiken, übersichtlichen Infoboxen und verständlichen Beschreibungen. Der "Böse" ist eben nicht der Finsterling aus einem James-Bond-Streifen. Die Realität ist viel trivialer, und dabei noch viel zynischer.
Der Report eignet sich für den Hausgebrauch ebenso wie für den Einsatz im Schulunterricht. Und er sollte Pflichtlektüre sein in jedem einzelnen Semester der gesellschaftlich immernoch enorm hoch angesehenen Wirtschaftsstudiengänge. Auf daß niemand sagen könne, er habe von nichts gewusst.
⇒ Zur E-Mail-Petition an Ackermann (Foodwatch)
Nachtrag: Der Report zeigt gewisse Wirkung: Die Deustche Bank möchte solche Geschäfte überprüfen.
18/10/11
Berliner Parks: Photographiererlaubnis im eigenen Garten?
Als wir für das Jugger-Buch im Archiv der Jugendkulturen Photos machen wollten, lotste uns unser Photograph Sven auf das Rollfeld des ehemaligen Flughafens Tempelhof (das war Anfang 2010, da hatten wir dort noch keine offiziellen Trainingsflächen). Wegen der ausgezeichneten Möglichkeiten, Einzelpersonen vor einer weiten Fläche abzulichten; eine Gelegenheit, die ihresgleichen in Berlin sucht.
Kaum hatten wir mit den ersten Bildern begonnen, stand die Security (neudeutsch für Parkwächter) da und fragte uns nach einer Aufnahmeerlaubnis, wir befänden uns ja auf nichtöffentlichem Grund. Daraufhin blieb uns nichts, als abzubrechen und in die weitaus weniger gut geeignete Hasenheide auszuweichen. Beachte: Es ging nicht einmal darum, die historischen Gebäude abzulichten. Sondern die Weide und den Himmel möglichst unscharf als Kulisse für eine Personenaufnahme zu nutzen.
Es ist dabei unerheblich, ob diese Erlaubnis problemlos einzuholen gewesen wäre oder nicht. Es geht ums Prinzip: Mit welchem Recht darf uns, Berliner Bürgern, derlei eigentlich verboten werden? Wie kommt der Gärtner bitteschön dazu, dem Besitzer zu verbieten, in seinem Park Photos zu machen? Hat unsere Politik wirklich jedes Maß für die Realität verloren?
Es handelt sich bei Tempelhof immernoch um kommunales Gelände. Das Rollfeld wurde nicht von der derzeitigen Verwaltung finanziert, die Gelder von Grün Berlin und den anderen Sachwaltern zur Instanthaltung und zum Umbau sind zu einem Gut Teil öffentliche Mittel (=unser Geld). Wir bezahlen für Tempelhof. Wir sind die Nutzer der Flächen. Wir sind die Bewohner der Gegend.
Schon was sich die Stiftung preussischer Schlösser und Gärten leistet, ist ein starkes Stück, aber das Ganze kurzerhand auf quasi jede städtische Fläche mit einem Zaun drumherum ausweiten zu wollen, das grenzt an Enteignung der Bürger. Selbst Großkonzernen zu verbieten, Werbephotos auf den Flächen zu machen, halte ich für Unsinn – wenngleich es da vielleicht noch diskutiert werden könnte, wegen diesem magischen Unwort "Wertschöpfung". Aber eine Erlaubnis einholen für kleine Buch- und Kunstdinge, oder einfach zum Spaß mit einer vernünftigen Kamera und Stativ? Das kann nicht angehen.
Die "Kommerzialisierung öffentlichen Raumes", wie es der Schockwellenreiter nannte, treibt hier besonders wilde Blüten.
Engagement gegen diesen Mißstand: Initiative Pro Panoramafreiheit des DJV
09/10/11
Zivilisation=Töten per Joystick
Schön, der neue saubere Krieg: Nun ist es nicht allein mehr die keimfreie Berichterstattung wie zum ersten Golfkrieg, sondern auch das Töten ganz real vom heimischen Arbeitsplatz aus, und zum Abendessen ist man dann wieder bei Heim, Hund und Familie. So sieht der Krieg hochzivilisierter Demokratien also aus. Fortschritt in Reinform.
Dumm nur, wenn diese Errungenschaften von einem Virus befallen werden. Da beschleichen einen doch die Bilder der "Terminator"-Filme (das prophetische Potental scheinbar nur unterhaltender Science-Fiction-Filme ist beängstigend): US-Kampfdrohnen von Virus infiziert.
Das bringt den Regierungen dann gewiß auch wieder trefflich Munition für ihre Forderungen, das Internet zu kontrollieren, da nun auch Waffensysteme unmittelbar davon betroffen sind: Cyberwar, ganz und gar selbst gemacht. Zivilisation ist schon eine tolle Sache.
Zur Erinnerung: So sieht es aus, wenn Bürger in Uniform morden, um Demokratie, Frieden und Gerechtigkeit zu bringen. Es darf gemutmaßt werden, daß dergleichen mit Bildschirm und Maus eher noch leichter fällt. Gewiß sind aber alle gute Eltern, die ihre Kinder lieben und auch prächtig Klavier spielen können.
Addendum: Nur unschön, wenn die Computer-Real-Spieler versehentlich die eigenen Leute ins Visier nehmen.
05/10/11
Ach weh, SPDeh
Es ist schon verständlich, daß gerade die SPD nicht mit einer zu einem ihrer Grundsätze stehenden Partei koalieren will. Täglich einen solchen Kontrast erleben zu müssen, wäre einfach zu grausam für die moderne "Sozialdemokratie".
28/09/11
Pelzig: Ich möchte endlich mal wissen!
Ein über vierminütiger kabarettistischer Ausfall, der das Zeug zu einem ausgewachsenen Manifest hat:
Erwin Pelzig: "Ich möchte endlich mal wissen!" Neues aus der Anstalt, 27.09.2011, 09:22-13:46
Auszug:
"Statt daß endlich mal jemand die richtigen Fragen stellt!
[...] Ich möchte so gerne wissen, was die Kanzlerin gemeint hat, wenn
sie da sagt, das Parlament soll bei den Rettungsschirmen marktkonform
mitbestimmen, marktkonform! [...] möcht ich mal wissen, ob sie
vielleicht eine marktkonforme Demokratie im Auge hat und wenn [...],
dann möchte ich mal wissen, ob ihr vielleicht schon mal der
Gedanke eines demokratiekonformen Marktes ins Hirn gekommen ist, möchte
ich sehr gerne mal wissen!"
Äußerst sehenswert – nein, derlei gehört an die Kirchentore
Bankentore genagelt, mit großen schmiedeeisernen Vierkantnägeln, auf
feistes Schweinspergament geschrieben in Ochsenblut, in Frankfurt an ein
jedes Prachtschloß des modernen Goldenen Kalbes, und in zehnmal
zehnfacher Ausfertigung an jede einzelne Tür im Bundestag, im
Abgeordnetenhaus, in den Parteizentralen, überall!
PS. Und ich möchte auch gern mal wissen, warum ich mir im Fernsehen und jede Stunde im Radio "wegen drei Millionen Aktienbesitzern" einen "Scheißdreck vom Dax anhören muß" (Pelzig), wahrhaftig, ja, das möchte ich wirklich gerne mal wissen!
22/09/11
Mörder in rot-weiß-blau
Schon erstaunlich, wie eine Nation, die selber die Menschenrechte bei
jeder sich bietenden Gelegenheit mit Füßen tritt, eben jene
Menschenrechte immer wieder als Vorwand für Kriege nutzt.
Einmal
wieder ermorden* sie, mangels klarer Beweislage, einen
ihrer eigenen Bürger. Vermutlich von GOtt befohlen.
Eine Angehörige des Opfers befürwortete den Mord gestern im Radio
sinngemäß mit den Worten:
Ob bewiesen oder nicht, die
Hinrichtung ist gut, denn ich will endlich Ruhe haben ...
Ihr seid Barbaren.
*) Mord, da bewußt und aus niederen Beweggründen: Darunter mindestens juristischer Faulheit und menschenverachtender Gleichgültigkeit.
05/09/11
Mecklenburg-Vorpommern: Sechs Prozent zur Schlachtbank
Sechs Prozent der Wähler entscheiden sich für den Ruf "Lämmer zur Schlachtbank" und wählen die rechtsextreme Partei. Eine Ausrede kann die verantwortungslose und üble Politik der etablierten Parteien nicht sein: Das wäre so, als würde man in den Abgrund springen, weil der Alpenpass so fürchterlich schmal ist.
Nein: Sechs Prozent der Wähler in Mecklenburg-Vorpommern finden Totschlag, Rassismus, Gaskammernrhetorik und Chauvinismus eine prima Sache. Dafür gibt es keine Entschuldigung.
Aber: Genausowenig wie für die "Gesinnungserklärung", die unsere Ministerin von Initiativen gegen Rechts fordert. Ihr spielt mit den Schlangen.
Heribert Prantl kommentiert die Hirnlosigkeit der Wähler in der Süddeutschen.
EDIT: Und hier das "wahre Wahlergebnis", das die Nichtwähler berücksichtigt: Burks Blog
30/08/11
"Das muß man doch noch sagen dürfen" - über dumme Argumente für Toleranz gegenüber der NPD
Eine Zusammenstellung typischer Aussagen gegen ein NPD-Verbot oder für Toleranz gegenüber rechtsextremen Parolen findet sich im NPD-Blog. Und zum hahnebüchenen, aber so praktischen populistischen Unsinn, Rechts- und Linksextremismus gleichsetzen zu wollen.
Beispiel:
"Die NPD ist doch auch nicht schlimmer als die Linkspartei…
[...]
[Es] ist eine Gleichsetzung ohnehin böswilliger Unfug, da die NPD
mehrere Alleinstellungsmerkmale aufweist, die in der Öffentlichkeit
bekannt sind: Keine andere in bundesdeutschen Landtagen vertretene
Partei erkennt in ihrem Programm nicht die unantastbare Menschenwürde
aller Menschen an. Keine andere Partei hat vorbestrafte Gewalttäter als
Funktionäre auf ihren Mitarbeiterlisten. Keine andere Partei hetzt so
offen gegen einzelne Personen oder Bevölkerungsgruppen. Keine andere
Partei verherrlicht die NS-Zeit und die deutschen Verbrechen so offen."
-- weiterlesen
Nicht neu, aber sehr aktuell, weil von zunehmender Bedeutung - lesenswert!
25/08/11
Offener Brief: Schwedische Gardinen am Landwehrkanal
Der Bauzaun (wir berichteten hier und hier) steht unverdrossen weiter da, wird hingelegt und abmontiert, aber sogleich von dem glücklichen Auftragsnehmer wieder aufgerichtet. Ein Geldgrab ausgerechnet in Zeiten der Finanznot, in der soziale Einrichtungen ums finanzielle Überleben kämpfen und häufig letztlich geschlossen werden. Und noch dazu ein Ärgerniß besonderer Art.
Nun ist Wahl und dies eignet sich gut, einen offenen Brief an Parteien in Neukölln und Treptow zu schreiben. Mal sehen, (ob) was kommt.
Offener Brief an Parteien in Neukölln und Treptow
Sehr
geehrte Damen und Herren,
die Wahlen stehen an: Zeit, sich als
Bürger der Stadt und Wähler darüber im Klaren zu werden, wem die eigene
Stimme gehören soll.
Ich möchte die Gelegenheit nutzen,
Ihnen eine Frage zu stellen in einer Sache, die mich und andere seit
geraumer Zeit beschäftigt. Es handelt sich eigentlich um etwas von
geringer Bedeutung; und doch bin ich überzeugt, daß es durchaus einen
Brief wert ist, steht es doch für Lebensqualität und, in der heutigen
Zeit besonders bedeutsam, für den bedachten Gebrauch der knappen
öffentlichen Mittel.
Es geht um die seit vielen – mindestens
drei – Jahren entlang des Landwehrkanals auf Neuköllner und Treptower
Seite aufgestellten Bauzäune, die bei den täglichen Spaziergängen und
auf dem Weg zur Arbeit den Blick auf die schönsten Sichtachsen
vergittern und die Stadt Tag um Tag erhebliche Mietgebühren kosten.
Es
sind diesem Brief einige Bilder beigefügt, um zu illustrieren, wie sehr
der Bauzaun den Blick auf die so wertvollen Kanäle verstellt und wie
schildbürgerlich er insbesondere auf Neuköllner Seite – nämlich vor
einem anderen Zaun – aufgebaut wurde.
Es mag sein, daß das
Schiffahrtsamt die Aufstellung zu verantworten hat. Aber Sie sind die
verantwortlichen Politiker für diesen Bezirk, es ist also Ihre Sache, an
dem Zustand etwas zum Guten zu ändern. Gerade wenn hier eine
Kostenbelastung durch das Feststecken in bürokratischem Morast erzeugt
wird.
Mit freundlichen Grüßen etc.
10/08/11
Gewalt in England
Eine ganz gute Zusammenfassung der Misere in England findet sich im World Blog von NBC News:
" when asked by a television reporter: Is rioting the correct way to
express your discontent?
'Yes,' said the young man. 'You
wouldn't be talking to me now if we didn't riot, would you?'"
Die Medien spielen demnach eine Schlüsselrolle: Erst die überbrodende Gewalt macht die Proteste so attraktiv, daß sie von den internationalen Medien überhaupt wahrgenommen und also eine Cance darauf besteht, daß die Probleme dahinter beachtet werden. Der Beitrag schließt mit den Worten:
"And a wider question is: Would anyone care at all if there had not been violence?" -- weiterlesen: "The sad truth behind London riot"
Am Rande bemerkt findet sich eine literarisch anspruchsvolle Beschreibung der Dynamik von Aufständen in Alessandro Manzonis Roman "Die Brautleute", wo eine Überteuerung des Getreides zu einem Volksaufstand mit mannigfaltigen Plünderungen führte, inklusive den (teils spontanen) Plünderern im Kielwasser der Protestierenden. Auch beachtenswert ist ein deutscher historischer Vorfall, an den Burks Blog erinnert.
28/07/11
Respekt, Norwegen!
Ein Landesvater, der nicht etwa Repression, totale Kontrolle und Gegengewalt fordert, sondern politisches Engagement, Besonnenheit, Freiheit und Toleranz; ein Täter, der sich nicht in den Medien ergehen darf, sondern erst einmal höchst presseunwirksam für Wochen isoliert wird -- daß es so etwas tatsächlich noch gibt, war bis zu Jens Stoltenbergs Reaktion (und seiner, man höre und staune, Geheimdienstchefin) in Deutschland wohl eher die Hoffnung weltfremder Idealisten.
Und siehe da: Norwegen macht vor, was man in Deutschland schon aus blankem politischen Kalkül kaum zu hoffen wagen darf. Vernunft anstelle gerade so gut pässlicher Schuldzuweisungen und rücksichtslose Instrumentalisierung für den Ruf nach dem Starken Staat, wie die altbekannten Hetzer ihn hierzulande sogleich durch die Medien tönen ließen. Politik kann also tatsächlich auch kompetent sein. Und siehe da, das Vorbild scheint sogar ein wenig, wenn auch etwas krude, Früchte zu tragen: Innenminister Friedrich erkennt in den Rechten eine ... irgendwie unschöne Sache. Natürlich schön eingereiht neben dem guten alten einfachen zweckdienlichen handlichen Feindbild der "Linksfaschisten" (frei nach dem Hobbyvererbungsbiologen Sarrazin).
Dieses Land hat den tiefen Respekt der demokratisch gesinnten Menschen verdient.
27/07/11
Dieser Beitrag darf ... nicht gezeigt werden
Wozu, darf man fragen, zahlt man GEZ-Gebühren, wenn beim Webstream unserer Öffentlich-Rechtlichen, und zwar wohlgemerkt bei den Tagestehem, ständig solche Pausenbilder (Abb.) minutenlang ins Gesicht springen? In diesem Fall nicht etwa Sport oder solche Sachen, sondern ein kompletter (!) Bericht über einen Täter (nein, nicht Norwegen, sondern zu einem "Ehrenmord")?
25/07/11
Schweigeminute
Angesichts der Tat ist es nicht gerade beruhigend, daß unsere Regierung Maßnahmen gegen Rechtsextremismus (deren Terror - und es ist nichts anderes als Terror - auch hierzulande im Übrigen den "islamistischen" weit überschattet, da genügt ein Blick in die Zahlen für vorsätzliche Körperverletzung und Totschlag über die letzten Jahre) mehr oder weniger mit staatsfeindlichen Umtrieben assoziiert, wenn sie eine "Gewissenskontrolle" von den gegen Rechts engagierten Institutionen abverlangt.
Vor der Schweigeminute wegen der Tat in Norwegen sei ein Hinweis gestattet:
"[Wir] bitten alle Mitarbeiter der Presse: Geben Sie dem Täter kein Forum, indem Sie seine Photos und politischen Ansichten oder gar direkte Aussagen abdrucken. [...] Trotz des kaum begreifbaren Ausmaßes seiner Gewaltanwendung wird er nur dann triumphieren, wenn er die weltweite Berichterstattung über seine Person und seine Ansichten vernimmt. Im schlimmsten Fall regt die Wirkung einer täterzentrierten Berichterstattung zudem Nachahmungstäter an, auf eine ähnliche Weise bekannt zu werden." - IGaK aktuell
Nicht daß ein solcher Expertenhinweis unsere Journaille in irgend einer Weise berühren würde. Verantwortung scheint da doch immer mehr zu einem Fremdwort geworden zu sein.
Nach der Schweigeminute: Die Politik hat nichts besseres zu tun,
als ihre Feindbilder einzunorden und eilig Äpfel mit Birnen zu
vergleichen:
"Friedrich fürchtet Gewaltspirale von Links wie
Rechts" - Quelle: Frankfurter
Rundschau
Daß die CSU wiederum rücksichtslos die Opfer für
ihre politisch-propagandistischen Worthülsen zur
Freiheitsbeschneidung mißbraucht, war vorhersehbar.
Es ist
abscheulich.
Aktualisierung: Zu dem rücksichtslosen Radikalen aus der Union steht ein Artikel im Law Blog, dem nichts hinzuzufügen ist: Der Überwachungs- und Ausgrenzungsstaat
Aber es geht immer noch ein paar Grad schlimmer: Im Vergleich zu den vollkommen hirnrissigen Äußerungen eines US-amerikanischen Talkshowmoderators, der die Opfer mit der Hitlerjugend vergleicht, ist das natürlich kalter Kaffee. Und natürlich wird in Deutschland auch die widerwärtige Hetze mit der so unsachlichen wie beliebigen, aber wundervoll diffamierenden Terminologie des "Gutmenschentums" (welch menschenverachtender Ausdruck in seiner polemischen Sinnhaftigkeit) bereichert. Man möchte sich erbrechen vor so viel ekelhaften Ausdünstungen, die hier in Zeitungen und Mikrophone entleert werden.
Ein hingegen durchaus lesenswerter Artikel läßt sch im NPD-Blog nachlesen: Es gibt keinen unpolitischen Terrorismus. Die Argumentation folgt der These: "Wenn die Morde der RAF mit linksradikaler Ideologie zu tun hatten, und wenn die Anschläge islamistischer Terroristen etwas mit dem Islam zu tun hatten – dann haben die Bombe von Oslo und das Massaker von Utøya selbstverständlich auch etwas mit der politischen Ideologie zu tun, die [der Attentäter] vertritt. "
Und Anonymous ruft dazu auf, das "Manifest" des Täters zu verballhornen und ihn damit zu entmythifizieren. Ein prächtige Initiative, wie ich finde.
02/05/11
Zum aktuellen Tötungserfolg
Im Law Blog findet sich dazu eine rechtsstaatliche Sichtweise:
"Wenn Frau Merkel also unverhohlene Freude über die gezielte Tötung eines Menschen äußert, relativiert sie ohne Not verfassungsrechtliche Eckpositionen." - Weiterlesen
Nachtrag: Es war wohl eher eine Hinrichtung, folgt man der Schilderung im Guardian und weiteren Hinweisen: "Bin Laden, who has suffered for many years with kidney trouble (...) The first group storming the smaller guesthouse met (...), it is now clear, the only hostile gunfire of the whole operation". Wobei die Informationsdecke sehr dünn ist und dies daher immernoch spekulativ, auch ein solcher Einsatz in der Realität etwas anders aussehen mag als in der Theorie. Im Übrigen wäre eine gezielte Hinrichtung für ein Land, in dem immernoch die Todesstrafe vollstreckt wird, an sich auch kein moralisches Problem.
27/04/11
Volkszählung 2011: Euere Daten sind sicher!1!!
Wenn eine Firma wie Sony es nicht schafft, ihre sensibelsten Nutzerdaten zu schützen, ebensowenig wie die UNESCO, wie dann der Staat?
Der Staat, dessen Kommunen hier und da schon heute die Meldedaten ihrer Büger zu Geld machen?
Das Datenschutzversprechen zum "Zensus2011" (mit seinen unsäglichen Nachbarnbefragungen im feinsten Denunziantenstil) ist ein Scherz.
Nachtrag: "Der AK Zensus (...) ruft für den 8. Mai zu einem bundesweiten Aktionstag auf. Am Tag vor dem Stichtag des Zensus11, an dem auch die Haushaltebefragung startet, soll im ganzen Land mit einer Postwurf-Aktion Aufklärungsarbeit über die Gefahren der Volkszählung geleistet werden. Die Idee ist es, sich zum sonntäglichen Informationsspaziergang (...) zu verabreden und die 60.000 Flyer, die extra für diesen Tag gespendet wurden, zu verteilen. " netzpolitik.org Die Flyer lassen sich kostenlos per Mail bestellen, spätestens bis 4. Mai.
Nachtrag II: Und schon ist die erste Sicherheitslücke aufgetaucht, wie Burkhard Schröder in der taz zu berichten weiß. Chapeau Genossen.
26/04/11
Niemals vergessen
Wohl eher nicht mehr. Aber zu welchem Preis - erst mußte dafür ein weiteres AKW in die Luft fliegen.
25/04/11
Bravo, SPD!
Was für ein Ostern: So wird nun auch ein bieder völkisch getünchter, sich in rassenbiologisch anmutender Polemik ergehender Hetzer in den Reihen der Partei der "Sozialdemokratie" geduldet.
Nun gut, seinerzeit hattet Ihr auch fleißig Kriegsanleihen für die wilhelminische Knochenmühle mit unterzeichnet, und einer Euerer späteren Kanzler redete Dinge über soziale Hängematten daher, es ist also nur konsequent ... Wie nötig hättet Ihr jetzt einen Wehner. Aber da ist natürlich weit und breit kein Kandidat zu sehen.
Nachtrag: So, und nun löffelt aus. Viel Vergnügen! Nur profitieren werdet Ihr kaum, der rechte Rand wählt gewiß lieber weiter altbewährte C-Parteien als Euch Weichspüler.
26/03/11
120.000, insgesamt eine Viertelmillionen
Polizeilich geschätzte 120.000 Menschen sind heute auf der
Anti-Atom-Demo in Berlin mitmarschiert, fürs ganze Bundesgebiet wird
von einer Viertelmillionen berichtet. Friedlich, natürlich. Die Unduldsamkeit
scheint im Deutschen erwacht zu sein - schön wäre es, und höchste Zeit
dafür.
Nicht, daß dies unsere Lobbypolitik hindern könnte, nach den Wahlen so weiterzumachen wie bisher, aber es ist ein deutliches und wichtiges Signal.
Und auch wegen den vielen industrieergebenen Brüderles in unserer Politik ist der ganz private Ausstieg um so wichtiger: Der Wechel auf "Öko"-Strom. Und das ist gar nicht mal teuer (im Gegensatz zu der extrem teuren, aber hochsubventionierten und beispielsweise in Sachen Versicherungen auf unsere Kosten schwerprivilegierten Kernkraft).
23/03/11
Anti-AKW-Demos in Berlin, Köln, Hamburg und München am Samstag
Nach Geschehnissen in Japan und der plötzlichen (scheinbaren)
Kehrwende der Regierung werden für
den Samstag, 26. März, Großdemonstrationen gegen Atomkraft
in mehreren Städten veranstaltet:
Berlin - 12 Uhr -
Potsdamer Platz
Hamburg - 12 Uhr - Moorweide
Köln - 14 Uhr -
Deutzer Werft
München - 14 Uhr - Odeonsplatz
Wenn nun
lautstark beklagt wird, wie schwierig doch ein schneller Umstieg sei:
Dieses
Problem wäre vermeidbar gewesen. Es ist jahrzehntelanger
Gleichgültigkeit und Lobbypolitik geschuldet - sonst wären wir mit
erneuerbaren Energien und infrastrukturellen Vorbereitungen schon viel
weiter.
Die Eile ist die Quittung. Die an die Bürger
durchgereicht werden wird - nicht ganz zu Unrecht. Schließlich haben wir
alle vier Jahre brav gekreuzt und hätten beispielsweise auch
geschlossener auf Ökostrom umsteigen können.
Nachtrag: Interessante Details finden sich zur Verbindung des
charismatischen ARD-Vorzeigewissenschaftsmoderators Ranga Yogeshwar mit
der Atomlobby - ausgerechnet
bei der WELT, die über jeden Verdacht der linken Stimmungsmache
erhaben sein dürfte. Nun kann ich Herrn Yogeshwars akademische
Kompetenzen nicht beurteilen, merkwürdig mutet es aber schon an, wenn
der Moderator während Diskussionen um die Wirkung der Reaktorkatastrophe
davon spricht, wie "wir" dieses und jenes gerade
untersucht hätten und zu dem und dem Ergebnis gekommen seien - so, als
wäre er tatsächlich ein forschender Wissenschaftler und kein ...
gebildeter Fernsehmoderator.
Aktive Forschung und Medienmacherei sind
doch eine eher unheilige Allianz.
Nachtrag II: Brüderle spricht eine Wahrheit offen aus: Die sogenannte "Wende" in der Engeriepolitik ist nach seiner Aussage reine Wahlkampftaktik.
18/03/11
Deutsche Post und Onlinebestellungen & DHL
Eine Notiz zu Vorgängen bei der Online-Bestellung von Briefmarken über die Webseite der Deutschen Post:
Fall 1: Bestellung von Marken, Lieferung bleibt aus. Es stellt
sich heraus, daß der Account "vom System gesperrt"
wurde. Der Kundenservice der Post ruft auf die Nachfrage-Mail hin fast
sofort an - hervorragend -, kann aber keine Auskunft darüber geben,
warum dies so ist, da die Sperrung vom System vorgenommen wurde.
Freischaltung
erfolgt dann während des Telefonats.
Fall 2: Daraufhin erneute Bestellung eines Briefmarkensatzes. Da
ein weiterer Satz noch dazugelegt werden soll, wird die Bestellung rund
eine Minute später über den ordnungsgemäßen Weg online wieder storniert,
was soweit auch alles zu klappen scheint.
Zugesendet werden jedoch
beide Bestellungen - die stornierte und die um die neuen Marken ergänzte
Bestellung, das Geld für beide wird abgebucht. Kundenservice mailt, daß
Erstattung durch Rücksendung möglich sei (per Rückgaberecht).
Fall 3: Ein Paket wird in eine Packstation geliefert, ohne daß
der Empfänger dort angemeldet wäre. Auf seinen Anruf hin soll es neu
zugestellt werden, kommt aber nie am Ziel an.
Aktualisierung: Auf
Anruf wurde mir wie gesagt eine erneute Zustellung zugesichert. Diese
fand nie statt - stattdessen lag das Paket neun Tage in der Packstation
(gut, daß nichts Verderbliches enthalten war) und lief dann an den
Absender zurück, wie es sich gerade herausgestellt hat. Service vom
Feinsten!
Passiert derlei öfter?
15/03/11
Geht doch!
Schon werden sieben acht (in Ziffern: 7
8) Atomkraftwerke vom Netz genommen. Und dafür muß es erst einen
mehrfachen GAU, wenn nicht Super-GAU geben?
Das belegt m. E. doch
wohl hinreichend, daß die Regierungen dieses Landes in
unverantwortlicher Weise vorsätzlich Gesundheit und Leben der
Bevölkerung über Jahrzehnte hinweg aufs Spiel gesetzt haben, und zwar
ohne die vielbeschworene Notwendigkeit. So etwas gehört eigentlich vors
Gericht. Wegen Hochverrats an Land und Volk (=konservativ-kompatibel
formuliert).
Nachtrag: Zornbürger Georg Schramm auf der S21-Demo auch zu den
Vorfällen.
12/03/11
Die Kernkraft ist sicher
... außer es
passiert etwas.
Nachtrag: Ein gutes Zitat
vom Hauptstadtblog:
"Jammern hilft nicht. Jede/r kann den Atomausstieg selber machen. Einfach mal die Preise vergleichen. Die Unterschiede sind nicht so groß. Der Wechsel ist auch einfach und der Strom kommt weiterhin aus der Steckdose."
Nachtrag II: Am Montag, von 18:00 bis 18:30, werden Mahnwachen in ganz Deutschland abgehalten. Ihre Anzahl ist, laut Google-Karte, beachtlich. So lange unsere Regierung Lobby über Menschenleben stellt, dürfen wir nicht untätig sein.
Nachtrag III: In Japan fliegt gerade ein Atomkraftwerk Stück für Stück in die Luft, und im Mittags-Magazin der ARD wird geredet über ... Wiederaufbau und den Schaden für die Wirtschaft. Hauptsache die Aktien stimmen - gelebter Zynismus vom Feinsten.
06/03/11
Provolaktionskette "Jude-Nazi-Schwuchtel" in der U8
Eine Begegnung in der Linie U8 liest sich fast wie das korrespondierende Kapitel in den "Kriegersträumen", wo ebenso die altbewährten Provokationen Antisemitismus, Schwulenfeindlichkeit etc. pp. als Beispiel für eine Form der Jugendgewalt angeführt wurden. Denn das ist eben leider oft Wirklichkeit, kein Klischee mehr (bzw. mag ein vormaliges Klischee dann realisiert werden).
Solche Entwicklungen dürfen nicht kleingeredet oder ignoriert werden.
Andererseits darf dies auch nicht dazu dienen, zu relativieren, wie sich
die Aufrechten Deutschen, auch gemäß unserer Kriminalitätsstatistiken, im
rechtsextremen Bereich verhalten. Ein Phänomen, das man nicht mit
dem vorgenannten aufrechnen darf. Wobei jedoch schräge Synergieeffekte
entstehen, wenn beispielsweise Homophobie wie Antisemitismus von beiden
Parteien in merkwürdiger Einigkeit wieder salonfähig gemacht bzw. am
Leben erhalten werden.
Im Hauptstadtblog steht der Feldbericht: Streitsuche
in der U 8: Klischeereihe Jude, Arier, Nazi, Schwuchtel.
26/02/11
"Dem Lügenbaron den Schuh zeigen": Die Demo
Aktualisierung: Guttenberg tritt zurück, meldet
die Tagesschau gerade. Der werthe Herr Von-Und-Zu
Verteidigungsminister, der ohne Sondergenehmigung nicht einmal hätte
promovieren dürfen gemäß seiner Benotung, hat sich endlich wenigstens
ein wenig der Verantwortung stellen müssen. Auch wenn er sich
selbstverständlich als armes Opfer einer bösartigen Medienmaschine, ja
Intrige zu sehen scheint.
Unsere Regierung hat sich aber bereits über
alle Maßen lächerlich gemacht und den deutschen Wissenschaftsbetrieb
schwer beschädigt. Diesen Schandfleck tilgt auch kein verspäteter
Rücktritt.
---------
Für eine kurzfristig anberaumte Demonstration war der Protestzug gegen das Verhalten von Verteidigungsminister Guttenberg in Sachen seiner offenbar größtenteils abgeschriebenen Dissertation durchaus recht gut besucht. Von 500 Teilnehmenden ist die Rede. Gelohnt wurde es mit bestem Wetter und guter Stimmung.
Einzig schade ist es, daß kein fähiger Ad-Hoc-Redner organisiert werden konnte, der eine gehaltvolle, fundierte und tiefgründige Ansprache zu halten verstand (was zu diesem Thema nun gar kein Problem darstellen sollte); so blieben die Reden auf einem dem Anlaß wenig angemessenen eher kindischen und hilflosen Niveau. Dafür traten auch fantasievoll ausstaffierte Demonstranten auf, wie eine junge Frau mit Doktorhut und Pinoccionase. Abschließend wurden dann Schuhe als Zeichen der Verachtung auf den Zaun des Verteidigungsministeriums gesteckt.
Einige Bilder und Pressereaktionen finden sich her. Immerhin sind stern.de, rbb und dpa darauf aufmerksam geworden.
Addendum: Süddeutsche, Berliner Zeitung, das Presseecho auf die Schuh-Aufsteckung ist beachtlich.
Addendum: Ein offener Brief an Frau Dr. Merkel mit (theoretisch wenigstens) 35.000 Unterzeichnern steht hier im Internet bereit (und ist unterzeichnbar)
Nachtrag
25/02/11
"Dem Lügenbaron den Schuh zeigen": Anmaßung?
Am Samstag soll in Berlin eine Demonstration gegen Verteidigungsminister
Guttenberg stattfinden. Im
Protestaufruf wird der Slogan ausgegeben: "Dem Lügenbaron den Schuh
zeigen". Dazu wurde ein Plakat entworfen, auf dem Leute Guttenberg
Schuhe zeigen (Abb. unten).![]()
Abb.:
"Schuhe zeigen" auf einem online verbreiteten Plakat zur Demonstration.
frank.geekheim.de
Ein empörter Blog-Kommentator schrieb daraufhin:
"Diese Aktion ist in ihrer Schlichtheit und Anmaßung kaum noch zu unterbieten. Während in Arabien die Menschen ihr Leben riskieren, verkommt der Protest bei uns zum Karneval mit billiger, geklauter Bildsymbolik. [...] Ihr Berliner Demonstranten aber seid genauso selbstbezogen und abgehoben wie der Lügenbaron, eben echte Wohlstandskinder. Während Menschen in anderen Weltgegenden um Ihre Freiheit kämpfen, kämpft ihr mit Eurer eigenen Beschränktheit."
Es handelt sich bei dem Fall des adligen Herrn Ministers meines Erachtens um kein Kavaliersdelikt und auch nicht um eine karnevaleske Groteske; vielmehr wurde der deutsche Wissenschaftsbetrieb von führenden Vertretern der Regierung in ihrer Beschwichtigungsrhetorik zu einem niedlichen Accessoire der Politik degradiert, die Vorgänge um diese Sache sind schwerwiegend.
Darüber hinaus: Warum nicht Traditionen anderer Völker übernehmen? Einen
Schuh zeigen, ist tatsächlich eine überaus deutliche Form, Verachtung zu
zeigen. Warum also sich nicht der Bildsprache des Nahen Ostens bedienen?
Wenn
erst Schüsse fallen müßten, um deutlichen und nicht zuletzt friedlichen
Protest zu legitimieren, wäre es um unsere Demokratie schlecht bestellt.
Abgesehen davon: "Wohlstandskinder" ist hier ohnehin eine dümmliche
Diffamierung politisch Engagierter, denn "Wohlstandskinder" werden eher
nicht für die Demokratie kämpfen. Wer sich solcherlei Rhetorik bedient,
offenbart sein Wesen als Gegner einer selbstbewußten demokratischen
Gesellschaft.
Nein, ich denke, wir tun gut daran, wie schon vor fünfhundert Jahren von den arabischen Völkern zu lernen. Gerade jetzt.
Wer also seinen Unmut kundtun möchte, mag dies tun am
Samstag, 26. Februar 2011, 12:30 Uhr,
Potsdamer Platz,
Berlin, an der historischen Ampel
Ende:
Bundesverteidigungsministerium, Stauffenbergstraße
Hashtag
bei Twitter: #guttbye
19/02/11
Gerechtigkeit
Für die Sargnagelbestandsaufnahme:
Während die Damen und Herren Volksvertreter unter mächtigem Theaterdonner über 5 Euro mehr für Arme "verhandeln",
räumen die Vertreter jenes die Finanzkrise mitzuverantwortenden Systems, hier einer durch den Bund gestützten Bank, im unteren dreistelligen Millionenbereich "Bonus-"zahlungen ab.
18/02/11
Herr Dr. Xerox von und zu, mit und durch
Eine Zusammenfassung
vieler, teilweise wörtlich übernommenen Passagen für den summa cum laude
bietet die Süddeutsche. Ob die Adenauer-Stiftung wohl einen
Ehrendoktortitel als Ersatz für den Notfall im Koffer hat?
Es
ist doch immer wieder faszinierend zu beobachten, wie geschmiert das
System Konservativismus mit seinen Seilschaften, Mauscheleien und
Zuschanzungen funktioniert, gekleidet in ein Gewand voller hehrster
Moral.
Und es zeigt sich auch schon ein neuer Bestseller am Horizont (vorsicht Satire): Andi Zottmann, Deutschland schreibt sich ab.
Aktualisierung: Sauber, gemäß Guttenplag
liegt der blaublütige Herr Von und Zu bereits bei 68,7% Kopieranteil
(=schamloses Abschreiben der Leistungen anderer). Sogar
bei der ZEIT hat der Freie Herr sich großzügig bedient, und das als
Mitglied einer Partei, die gegen Raubkopien eintritt ...
Das ist für
ein summa cum laude, die bestmögliche Bewertung für herausragende
Forschungsarbeit, nicht übel.
QED: CSU-Mitgliedschaft lohnt
sich! Da braucht man nur noch einen Stapelscanner für den eitlen Titel.
Nachtrag: Ah, wie zu erwarten war, scheint es noch mehr Leichen im Keller der promovierten Politik zu geben. Wie sonst die Furcht der FDP davor, daß Abgeordnete nun unter "Generalverdacht" gestellt werden könnten. Das dürfte noch interessant werden - Internet ist eben nicht nur im Nahen Osten ein unbequemes Ding.
Aktualisierung: Der Titel ist
ihm aberkannt worden. Ob das genügt, ihn der mutwilligen Täuschung
und des Schwindels zu bezichtigen (offiziell)? Jedenfalls wird es wohl
keine rechtlichen Schritte geben (wo kämen wir da hin), und über die
Sache wird schon Gras wachsen, viel zu sehr lechtzen die Deutschen nach
einem hehren Adelsherren über sich (73% der Deutschen finden ihn und
seine öffentliche Entwürdigung der deutschen Wissenschaft laut ARD ganz
fesch). Fragt sich nur noch, was erbärmlicher ist: Sein Versuch, die
Sache zu kaschieren, oder seine lächerlich klingende Aussage, er sei
doch völlig überlastet gewesen und habe sinngemäß einfach gar nicht
bemerkt, daß er abgeschrieben habe (sprich, eine Doktorarbeit ist in
seinen Augen wohl eine Angelegenheit ohne Bedeutung und daher nebenher
abzuhaken), oder gar die Aussage der Volxkanzlerin, er sei quasi
schizophren und im Parlament Politiker, während das als Akademiker eine
völlig andere Sache sei. Oder daß er sich erdreistet, im Parlament gar
zu drohen, nach seiner den Namen nicht verdienenden "Entschuldigung".
Nebelkerzen
und Schmierentheater, was sich ausgezeichnet eignet, um die wahren
Probleme und Ungerechtigkeiten des Landes zu überdecken.
So,
genug gemeckert, jetzt packen wir das Popcorn aus und fragen mal ganz
unschuldig: Gibt
es irgendwo, rein zufällig, nur so als Idee, vielleicht, eventuell ...
schwarze Kassen? Naaaa? Es wird doch noch etwas Verlass auf die
Konservativen sein!
Und der neueste Renner auf dem Elektronikmarkt: Die sogenannte Guttenbergtastatur!
16/02/11
Begriff der Woche: "Flüchtlingsproblem"
Erst Diktaturen, Folterknechte und Selbstbedienungspotentaten stützen und nach Strich und Faden hofieren, und wenn dann die ausgebeuteten Menschen es satt haben und ins von ihnen unwillentlich mitgetragene Gelobte Land ziehen wollen, sie zu Kriminellen erklären. Wer sich in solchen Zeiten erdreistet, in irgend einer Sache mit der "höheren Moral" Europas zu argumentieren, dem gehört die Zunge herausgerissen, in Butter geröstet und rektal wieder eingenäht.
Wie sagte unser aller Innenminister de Maizière in den Tagesthemen? "Wir sind humanitär (...) aber die Frage muß jetzt europäisch und vor Ort gelöst werden, und nicht auf unsere Kosten." Gut, daß wir einen haben, der unsere hart erarbeiteten Pfründe schützt.
07/02/11
"Würdevoller Abgang", "Humanitäre Behandlung"
Merkwürdige Vokabeln, mit denen wir, die ehemaligen (?) Verbündeten des
Regimes Mubarak (und immernoch Verbündete anderer "Stabilitätsgaranten"
in völliger Ignoranz von Menschenrechten und Freiheit), jenem nun ein
Schlupfloch zu öffnen bemüht sind, am besten in eine deutsche Luxusklinik.
Wie
dies wohl auf die in seinem Namen zusammengeschlagenen Bürger Ägyptens
wirken muß?
03/02/11
Liebig 14: Gute Verwendung von Steuergeldern
Da weiß man, was man hat: 2.500 Polizisten zur Räumung der Liebigstr. 14 in Friedrichshain, Steuergelder satt zugunsten von gewinnorientierten Immobilienbesitzern. Rechtlich gesehen vollkommen korrekt. Gesellschaftlich gesehen äußerst fragwürdig.
Eine Chronologie der Ereignisse findet sich bei der taz.
27/01/11
Gezielte Hinrichtungen durch die USA und NATO-"Partnering"
Ein lesenswerter Beitrag von Christian Ströbele über den Afghanistan-Einsatz Deutschlands, der NATO und der USA in der taz, den er nicht als Rede im Bundestag halten durfte.
(Ich zitiere die taz nicht, da sie auch abmahnwütige hybrisschwangere Journalistinnen bei sich schreiben läßt; das ist das Risiko nicht wert.)
21/01/11
"Eltern im Netz": Kokain rauchende Killerspieler
Eine Perle, die dem Leser nicht vorenthalten werden soll: "Das Amok-Alphabet – Killerspieler und ihre Abkürzungen"
"A wie Amoklauf Amokläufe sind ein Phänomen der Neuzeit, das so alt ist wie ihre Ursache: die Killerspiele."
"B wie Bong [...] Gemeint ist hiermit eine Haschichzigarette, die mit Cannabis, Kokain oder Heroin gefüllt ist. Da Killerspiel-Exzesse oft sehr langwierig sind [...] wird sich so mit verschiedenen Drogen aufgeputscht."
"N wie Noob [...] Spricht ein Killer-Freak den anderen mit “Noob” an, weiß der sofort, dass er einem Killer-Kameraden gegenüber steht."
"P wie Programmiersprachen [...] Während Programme wie die Schreibsoftware Microsoft Word mit HTML programmiert wurden" -- Quelle der Zitate: elternimnetz.0day.asia/artikel/das-amok-alphabet-killerspieler-und-ihre-abkurzungen-teil-1
Das Ganze ist eine mit großem Auwand erstellte (wenngleich recht fragwürdige) Satireseite, namentlich bis zur Verwechslung ähnlich mit der Seite elternimnetz.de, deren Inhaber das Bayerische Landesjugendamt ist. Sie wirkt beim ersten Hinsehen als "echte Seite" durchaus nicht völlig abwegig: Liest man todernste Webpräsenzen wie jene von kreuznet (Zitat: "Die Stadt Köln marschiert im Stechschritt zum Homo-Endsieg"), dann ist die Lektüre eines einzelnen Beitrags von Niveau und Impetus her durchaus vergleichbar und daher nicht sofort als Satire zu erkennen. Erst beim Vergleich mehrerer Einträge offenbart sich die Sache. Das ist das eigentlich Erschütternde ...
10/01/11
Zum Zeitgeschehen: Schwarzer Humor á la USA
(via)
Addendum: Better than cartoon, the lovely Mrs. Palin: "Palin's bizarre use of language is sure to provoke further controversy. A blood libel refers to a notorious passage in St Matthew where Jews said of the crucifixion: "Let his blood be on our heads." Later it referred to a medieval myth that Jews killed Christian children as part of a religious ritual. Giffords is Arizona's first Jewish congresswoman." -- weiter im Guardian
05/01/11
Saftladen Berliner S-Bahn
Addendum: Unter der von Studenten (nicht etwa der S-Bahn) eingerichteten Seite zugausfall.de können Verspätungen gemeldet und in einem Live-Ticker eingesehen werden.
Einen guten Überblick über den Umgang mit der Berliner S-Bahn durch die Deutsche Bahn, dem einstmals staatlichen (=steuergeldfinanzierten) Internationalen Logistikunternehmen, dem Fahrgäste offensichtlich als wenig aktienkursförderlich eine Last sind, findet sich in der Berliner Zeitung:
"Die Lässigkeit mit der die Bahn-Manager heute das von ihnen "abweichende Betriebssituation" genannte Fiasko noch für Jahre einplanen, ist eigentlich unfassbar. Halbwegs begreiflich wird ihre Wurstigkeit gegenüber der Stadt und den Kunden nur, wenn man sich klarmacht, dass Pünktlichkeit und Verlässlichkeit offenbar nur noch für Sekundärtugenden des öffentlichen Lebens gehalten werden. Dass ein reibungsloser Verkehr das Wesen der Stadt ausmacht und zu den elementaren Bedingungen ihrer Wirtschaft gehört, ist im Denken einer vornehmlich börsenorientierten Managerschicht vergessen worden." -- weiterlesen
Da auch Verspätungen, Mangelkalkulation und Zugausfälle ihren Preis haben, werden im Berliner Nahverkehr erst einmal die Preise saftig erhöht (zur Erinnerung: Das Ticket galt vor einigen Jahren noch zwei Stunden - auch für Hin- und Rückfahrten. Dann wurde es ein paar Cent billiger und galt dafür nur noch für eine Stecke).
Und die Verschlafenheit, mit der die für ihren Filz bekannte Berliner
Politik darauf reagiert, veranlasst beispielsweise den
Schockwellenreiter schon
seit Längerem zu der Forderung:
"[Ceterum
censeo]: Im Übrigen bin ich der Meinung, daß die Berliner
Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer als (politisch)
Verantwortliche für das Berliner S-Bahn-Chaos zurücktreten muß."
Teeren und federn sollte man den Bahnvorstand und seine Wasserträger.
23/12/10
Berliner Kreative
... laut aktuellem zitty-Titelbild (Abb. links):
Eine
Person, die durch gestyled wildes Haar im Möchtegern-Schlingensief-Look,
Krawatte&Anzug, Loft, Moderechner und die obligatorische Latte
(wahlweise obszön oder gastronomisch) vorzugeben versucht, ganz
besonders kreativ und damit etwas Besonderes zu sein.
Oder anders gesagt: Ein Ex-BWLler, der erkannt hat, daß man durch a.) beliebige Sachschöpfungen umkränzt von sinnfreien Worthülen oder b.) bunte Spielereien am Rechner die Bohéme faszinieren und damit jede Menge Schotter inklusive Glamour abgreifen kann.
Oder kurz und knapp: Niemand, dem man eine Träne nachweinen müsste.
16/12/10
Der neue ePerso: Die Zeit- und Geldfressmaschine
Ein netter Beirag zum einfachen, schnellen, sicheren, neuen elekronischen Personalausweis.
14/12/10
Mir möchtna unßern oldn Kaißer Willem wieda hom!
Sogts, endlich kenna mir Daitschn widr stolz auf unsren Odl seyn, des word aber auch Zeid. Wos semmer frou dasz mer nun wiada Von undt Zu im Nomen nenna kennan. Übr den Odl geht hold fai nix, konnst fai sogn wos da mogst. So sogn di.
Und wos semma do? An Narrn hodda im Gpäck, onstella a zünpftige Ordonnanz, an Narrn ausm Tewwi, da schaust. Na guat, und so anna blonda Waabsstückerl, schee schaut die jo scho auß. Oba horchamol, des gonz ohne Uniform, ß0 onna Ordn und onnersch Klimbim, des geht fai net.
Waßtscho, I sog scho imma: Mir wolln unsren oldn Kaißer Willem wida hom, oba den mim Boat! Oba den mim Boat! Oba horchamol, do is fei ka Boat net in demma sei Gsicht. Und des willa echta Frange sei! Des glabst net. Hod wohl zuffil Münchna Luft gschnubbat der Bua. Na des gaht so fai net. Alßo na, waßtscho, na. Des gangat net.
Bürger, Soldaten, Hirn ab zum Gebet! Rechts um! Kriegspropaganda ist wieder en vogue.
29/11/10
DB ist Kafka: "Hören Sie mich?" "Nein, ich höre Sie nicht"
Die Deutsche Bahn brilliert einmal mehr als kundenfreundliche Firma. Der vorliegende Fall ist besonders perfide, da es einen auf sich allein gestellt fast vollständig hilflosen Menschen betrifft.
Folgende Begebenheit trug sich am Wochenende auf dem Hauptbahnhof des steuergeldfinanzierten Internationalen Logistikunternehmens mit Börsengangambitionen zu:
Eine Assistentin erwartet die Ankunft eines Regionalzugs, in dem sich ihr Klient, ein Taubblinder, befindet. Welche Schwierigkeiten ein taubblinder Mensch dabei hat, sich ohne Hilfe zurechtzufinden, dürfte auf der Hand liegen. Immerhin, er vertraut sich dennoch der Deutschen Bahn an, um nach Berlin zu kommen. Ein Mut, der auch prompt abgestraft werden soll. Aber der Reihe nach.
Der Zug kommt nicht. Die Assistentin ist natürlich besorgt, wie es um ihren Klienten steht. Sie benutzt die Info-Rufsäule auf dem Bahnsteig. Und hier kommt es zu Dialogen, die wahrlich denkwürdig sind.
Assistentin: "Hallo, auf Gleis 4 soll ein taubblinder Mann ankommen. Können Sie mir bitte sagen, wann der Zug ..."
DB: "Ich verstehe Sie nicht. Bitte nehmen Sie eine andere Säule. Diese ist defekt."
Das Problem der Säulen ist, daß sie nicht gerade zuhauf an Bahngleisen stehen; den Bahnsteig zu verlassen, würde bedeuten, u.U. die Ankunft des Zuges mit dem Klienten zu verpassen. Der, wie bereits geschrieben wurde, taubblind ist.
Während die Assistentin noch grübelt, tritt eine andere Frau an die Säue und wird reibungslos bedient. Auf Nachfrage sagt sie: "Die habe ich vorhin schon benutzt, da ging sie auch."
Ein anderer Fahrgast läßt sich von der Säule durchstellen, wird aber "rausgeschmissen" mit dem Hinweis, die Säule sei defekt. Daraufhin drückt die Assistentin den Knopf und sagt:
Assistentin: "Das funktionierte doch aber eben."
Nun antwortet eine männliche Stimme: "Das hat Ihnen meine Kollegin doch schon gesagt, Sie sollen sich eine andere Säule suchen."
Assistentin: "Aber verstehen Sie mich jetzt?"
DM (Männchen): "Nein, ich höre nur Rauschen."
Assistentin (wendet sich von der Säule ab (!), den beiden anderen Kunden des Internationalen Logistikunternehmens zu): "Vielleicht kochen die gerade Kaffee und deswegen rauscht es."
Daraufhin DB (Männchen) von hinten: "Wir kochen hier keinen Kaffee!"
So viel zum Service der Deutschen Bahn. Es wird gemutmaßt, daß die Erwähnung des Begriffes "taubblind" zu der selektiven Ertaubung des Personals führte, das klang wohl nach einem Problem. Bemerkenswert ist, daß das Männchen die Assistentin erkannte und zuordnen konnte (und natürlich, daß es offensichtlich telepathisch begabt sein muß, von wegen Rauschen und Kaffee).
Aber was war nun geschehen? Da unvorhergesehenerweise einige Schneeflocken vom Himmel gefallen sind (wir kennen diese Sabotageakte unerhörter Naturgewalten vom vergangenen Winter und in Form von unvorhersehbarer Hitze von diesem Sommer), gibt es auf der Strecke einen Schienenbruch. Der Zug mit dem besagten Klienten muß anhalten, es wird Schienenersatzverkehr zum nächsten Bahnhof eingerichtet. Da es sich um einen Taubblinden handelte, konnte er nicht ausgerufen oder angesprochen werden. Die Bediensteten der Deutschen Bahn auf dem Hauptbahnhof rotierten verzweifelt, als sie dann in Persona um Hilfe gebeten wurden, erwiesen sich aber als hilflos - bei Minusgraden stand da halt ein Taubblinder auf einem verlassenen Bahnhof (Personaleinsparungen) herum, und keiner wußte, was zu tun war.
Letztlich wurde er von der Polizei gefunden und in einen Zug nach Hause gesetzt. Davon erfuhr die Bahn aber nichts.
Dies ist eine wahre Geschichte aus dem Reich der Deutschen Bahn, dem internationalen Logistikunternehmens Ihres Vertrauens. Besuchen Sie uns wieder, wenn Sie Lust auf ein wenig Kafka live haben. Sie entschuldigen natürlich unsere die Unannehmlichkeiten, die wir Ihnen gern bereiten.
Persiflage einer Bahn-Information an einer Bushaltestelle. Foto: uhu (cc sa-nc-by)
22/11/10
Neuer Personalausweis: Ulli heißt jetzt Heini
Der unfehlbare (wieder) unfälschbare Neue Elektronische Personalausweis, auch preislich ein Schnäppchen, zwingt manchen Bürger zur Umtaufe in der täglichen Anrede. Der Software sind Rufnamen gleichgültig.
Es musste irgendwann so weit kommen, daß Verwaltungsmaschinen dem deutschen Untertan auch den Namen vorschreiben. Willkommen im Lande der Schellenauguste.
(via Schockwellenreiter)
12/11/10
St. Martin: Nur über 70 Jahre altes Liedgut für die Kinder
Laut der taz verlangt die GEMA Lizenzgebühren von Kindergärten (bekannt als schwerreiche Großkonzerne, dicht gefolgt von Banken und Hotelliers), die bei Sankt Martins-Umzügen Lieder aus Liederbüchern kopieren. Es sei denn natürlich, der Urheber dieser Lieder ist länger als 70 Jahre tot, da dann der Urheberrechtsanspruch erlischt. Eine Stellungnahme dazu findet sich bei der VG Musikedition.
Vielleicht sollten sie ohnehin besser Heine rezitieren.
10/11/10
Unser Atommüll in Sibirien
Der Abfall der "sauberen und sicheren Energie" auf dem Weg nach Sibirien - wo es mit der Sicherheit nicht so genau genommen wird, wenigstens, wenn man dem ZDF, dem Beitrag in den gestrigen Tagesthemen und anderen Berichten folgt.
Da paßt es, daß die Webseite der Atomlobby gehackt worden sein soll.
Nachtrag: Die Sicherheit soll auch nicht vor Ort überprüft werden. Was unsere Regierung hier tun will, ist nichts weniger als ein schweres Verbrechen, gegen die Menschen und gegen die Umwelt. Es ist nicht zu fassen. Am deutschen Wesen soll wahrlich immnoch die Welt genesen.
Immerhin soll es auch dagegen Proteste geben, und zwar am 11.12.(ich zitiere die taz hier mal nicht, da sie auch abmahnwütige hybrisschwangere Journalistinnen bei sich schreiben läßt; das ist das Risiko nicht wert).
09/11/10
Über Martin Walsers Kriegsverkläreraffinitäten
Ein passender Kommentar in der taz zu Walsers befremdlicher Verklärung eines eingefleischten Kriegsverklärers.
"Walser besäuft sich daran, wie Jünger ‘sich lebenslänglich mit dem Krieg konfrontiert sah'." - Prost.
06/11/10
Castor rollt, wird aber teuer
Ein wichtiges Signal wird an diesem Wochenende an die lobbyfreundliche Politik gesendet; die Kosten kann auch diese Politik nicht einfach wegwischen: "Die Bürgerinitiativen erwarten rund 40.000 Menschen im Wendland – so viele wie seit 30 Jahren nicht." - Quelle: Zeit online. Und die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert, die Stromkonzerne an den Kosten zu beteiligen (was für ein inkompatibler Gedanke mit den Köpfen der schwarzgelben "Volksvertreter").
Das zählt: Daß der Atomtransport zu einem inzwischen als unsicher geltenden Zwischen-"Endlager" nicht in aller Ruhe über blühende Landschaften rollen kann.
Hier gibt es Livestreams der Proteste, und hier steht einer der Twitter-Feeds zu Castor. Die Route des Transports kann bei castorticker.de verfolgt werden.
Nachtrag:
Der Ablauf der Geschehnisse läßt sich auf sueddeutsche.de
nachlesen. Etwas absurd mutet das Verhalten des Rettungssanitäters an,
der im Stil alter Damen versucht, auf
Seiten der Polizei an einer Prügelei mitzumischen (ZDF).
Und
noch ein Fundstück via Schockwellenreiter:
27/10/10
"Montagsdemo"-Protest S21 auch für Gehörlose
Beim Auftritt auf der "Montagsdemo" zu S21 wurden die Ansprachen von Georg Schramm, Urban Priol et al. von einem Gebärdensprachdolmetscher begleitet (nur leider nicht immer im Bild). Respekt!
24/10/10
"Gutmensch": Eine widerwärtige Denunziation
Der Begriff "Gutmensch" wird seit einiger Zeit gern und als herablassend zu gebrauchendes Schimpfwort verwendet, um den damit Bezeichneten Realitätsferne, Inkompetenz, Naivität und zwanghafte Gutgläubigkeit zu unterstellen:*
"Insgesamt wird man sagen können, dass die politische Rechte den Begriff „Gutmensch“ dazu benutzt, um den politischen Gegner zu diskreditieren: Indem sie „linke“ Ideale als „Gutmenschentum“ abwertet, unterstreicht sie den Anspruch, selbst realistisch und auf der Sachebene zu argumentieren. [...] Potenzielle Kritik an (tatsächlichen oder vermeintlichen) rassistischen, homophoben, antisemitischen (und zunehmend auch antiislamischen) oder sexistischen Tabuverletzungen soll durch die Abwertung der Person mittels dieser rhetorischen Strategie entkräftet werden." - weiterlesen
Auf literaturkritik.de findet sich ein lesenswerter Beitrag zur der Genese und Anwendung dieses Unworts.
*)Insbesondere gegenüber einer sogenannten "Linken", einem bei genauem Hinsehen schwer bis gar nicht definierbaren Ding, dem wohlfeil alle Gegner rechter und rechtskonservativer Ansichten nach jeweils aktueller Stoßrichtung zudefniert werden; faszinierenderweise je nach Anlaß von beiden Seiten, hier als Feindbild, dort als Metagruppenidentifikator. Ergänzung: Wie die Arbeit gegen Rechts durch beliebige Definition von "Linken" Seitens der Bundesregierung behindert werden soll, ist im NPD-Blog nachzulesen.
01/10/10
Respekt, Stuttgart!
Viele Bürgerinnen und Bürger Stuttgarts haben offenbar die Nase voll von einer Politik, die meint auf sie verzichten zu können und Toll Collect-ähnliche Vertragswerke "ohne Kündigungsklausel" für völlig normal hält.
Daß die gutbürgerlichen Stuttgarter (wir reden von Schwaben!) dafür sogar ein Auge voll Pfefferspray durch die Polizei hinnehmen, ist beachtlich. Und es dürften einige zu jener Schicht gehören, die für ein spannendes Nachspiel in der Sache sorgen kann.
So viel Rückgrat verdient Respekt.
Nachtrag: Laut CDU haben die Schwaben ihre Kinder als menschliche Schutzschilde verwendet (Minute 1:46). Man darf gespannt sein, wann sie ihre verstaubten Spieße und Helmbarten aus dem Keller holen.
Nachtrag II: Nette Persiflage bei F!XMBR:
"Bewohner der Erde,
wie ihnen zweifellos bekannt sein wird,
sehen die Pläne zur Entwicklung der Außenregion der Galaxis den Bau
einer Hyperraum-Expressroute durch Ihr Sternensystem vor. Und Ihr Planet
ist einer von denen, die gesprengt werden müssen. Es gibt keinen Grund,
dermaßen überrascht zu tun. Wir verurteilen die ausufernden Proteste
..." weiterlesen
Nachtrag III: Der Polizeieinsatz war allerdings politisch
wirklich erstaunlich ungeschickt. Denn jetzt steht der Filz im
Rampenlicht, der in Stuttgart um das Bauprojekt, so wie es aussieht, in
Verbidnung mit der CDU fröhlich gewuchert hat. Konservative
bleiben sich eben treu.
Dazu passt die Ansage der FDP an die
Demonstranten: "Die Menschen sind in zunehmender Zahl sehr unduldsam
und wohlstandsverwöhnt." Quelle
Wählen
gehen, dann Schnauze halten scheint das Demokratieverständnis hier zu
lauten. Das könnte den Liberalen so passen.
Nachtrag IV: Nachspiel QED: "Ich bin kein Berufsdemonstrant
und kein Chaot, sondern habe diesem Staat bis zu meiner Pensionierung
vor einem Monat treu gedient, zuletzt elf Jahre lang als Vorsitzender
einer Strafkammer des Landgerichts Stuttgart": Einer der
"Wohlstandsverwöhnten" ist Dieter Reicherer, ehem. Vorsitzender einer
Strafkammer des Landgerichts Stuttgart und gewiss kein "linker Spinner",
der als "Opfer eines Wasserwerferangriffs" Dienstaufsichtsbeschwerde
beim Innenminister einlegt: Hier
ist sein Schreiben nachzulesen.
Es endet mit den harschen Worten: "Gestatten
Sie mir die Bemerkung, dass ich einen derartigen Polizeieinsatz gegen
friedliche Bürger bislang nur durch Berichte aus China und anderen
Diktaturen kannte."
Stuttgart21 dürfte noch interessant werden. Vielleicht ist es gar ein Zeichen der Politisierung in einer an sich eher trägen, aber politisch brandgefährlichen gutsituierten Mittelschicht. Es wird sich zeigen.
Nachtrag V: War der Pfeffersprayer ein agent provocateur der Polizei? Gefährlicher Gedanke im Stuttgard 21-Blog.
Nachtrag VI: Gewehr bei Fuß, Schreiberlinge! So könnte der Aufruf klingen, "angesichts der Anwesenheit des OB bittet der Vorstand um PÜNKTLICHKEIT und eine verbindliche Anmeldung". Worum geht es? Darum: "Nachdem ursprünglich das traditionelle Schriftstelleressen der Stadt Stuttgart auf der Liste der Streichungen [Spitze Anmerkung: Wir reden von der Stadt, die gerade Millionen verpulvert] im Literaturbereich zu finden war, lädt nun der Oberbürgermeister der Stadt die Mitglieder des VS herzlich ein zum traditionellen Mittagessen."
Kollegen, laßt Euch nicht instrumentalisieren.
30/09/10
Tosender Applaus für Sarrazin in der Hauptstadt der Bewegung
München zeigt sich wieder einmal von seiner besten Seite: Ausgerechnet im Literaturhaus wird der Bänker, der Experte für Genetik und Bevölkerungsentwicklung zu sein glaubt,* bei einer Diskussionsveranstaltung mit tosendem Applaus und Jubel begleitet, werden die sachlichen Einwürfe seiner hochkarätigen Mitdiskutanten hingegen mit Buhrufen kommentiert.
Nun gibt es den bürgerlichen Pöbel allerorten und nicht allein in München. Aber daß ein solches Trauerspiel ausgerechnet im Literaturhaus dargeboten wird, wo ein Mindestmaß an Vernunft doch zu erwarten gewesen wäre, ist ein Armutszeugnis für die Hauptstadt Bayerns. Das Trauerspiel findet sich kommentiert als [Audio auf br online].
*) Ein Gedanke am Rande: Sagt diese Kompetenzphantasie nicht vielleicht gar etwas über die Hybris der Bänker aus? Verwundern würde es nicht, betrachtet man die millionenschweren Belohnungen, die der Staat an solche Personen für vollständiges Versagen auf ganzer Linie auszahlt.
06/09/10
Noch 50 Tage, um das Archiv der Jugendkulturen zu erhalten!
Es geht um die Wurst: Eine beachtliche Berliner Institution, das Archiv der Jugendkulturen, ist dringend auf Spenden angewiesen. Nicht nur die Publikationen sind beachtlich, auch das Archiv an sich ist eine Fundgrube für Verständnis und Geschichte von jenen Phänomenen, über die in der Politik gern mit wenig Sachkenntnis und viel öffentlichkeitswirksamer Polemik - und somit, im Falle von Jugendkriminalität, geringer Wirkung - dahergeredet wird.
Daher hier die aktuelle PM des Archivs.
|
Liebe jugendkulturell Interessierte, noch nie war das Archiv der Jugendkulturen so viel in den Medien wie in den letzten Wochen - s. zum Beispiel den Kulturzeit-Beitrag auf www.jugendkulturen.de [siehe auch auf 3sat , sowie ein guter Beitrag Interview im Deutschlandfunk ]. In mehr als 60 Blogs wird derzeit zu Spenden für uns aufgerufen. Doch leider schlägt sich diese Präsenz nicht in Spenden nieder: Rund 400 Euro gehen bei uns täglich ein - das ist durchaus beeindruckend, wenn zum Beispiel ein 14-Jähriger uns 10 Euro überweist und in der Mail dazu mitteilt, er würde gerne mehr spenden, „aber ich bekomme nur 20 Euro Taschengeld im Monat, vielleicht geht nächsten Monat wieder was". Dennoch: Es wird nicht reichen! Am 31. Oktober müssen wir definitiv entscheiden, ob wir unseren Mietvertrag kündigen oder verlängern. Letzteres wird ohne die Perspektive einer Stiftung nicht möglich sein. Wir, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, schaffen es nicht mehr, jeden Monat privat das Defizit aufzubringen (derzeit rund 2.000 Euro monatlich!). Und mit dem bisherigen Spendeneingang wird es am 31. Oktober leider heißen: Alles muss raus! Dabei wäre es eigentlich so einfach: Wenn nur jeder Empfänger und jede Empfängerin dieser Mail heute 10 Euro überweist, hätten wir das Ziel bereits heute erreicht! 10 Euro - ich denke, das kann sich jede/r leisten. Und ich hoffe sehr, dass unser Engagement im Archiv der Jugendkulturen Ihnen diese 10 Euro wert sind. Dann helfen Sie bitte mit, dass unsere derzeit 29 MitarbeiterInnen in der Fidicinstraße 3 (davon 21 ehrenamtlich!) auch nach dem 31. Oktober hier noch einen Ort für ihr Engagement finden. Das Spendenkonto finden Sie im unten anhängenden Aufruf. Selbstverständlich stehe ich jederzeit für weitere Informationen zur Verfügung! Hoffnungsvolle Grüße aus der Fidicinstraße 3 Klaus Farin |
05/09/10
Wichtige Demos in den nächsten 14 Tagen in Berlin
Für den Terminkalender: Die nächsten Samstage sind gut gefüllt.
11.9. Demonstration „Freiheit statt Angst“ am Samstag, den 11. September 2010, 13.00 Uhr der Potsdamer Platz.
18.9. Schluss jetzt mit Atomkraft. Großdemonstration mit Umzingelung des Regierungsviertels. Unter dem Motto "Umzingelung des Regierungsviertels" soll die Demo um 13 Uhr auf der Wiese vor dem Reichstag starten.
Karikatur mit freundlicher Genehmigung von Klaus Stuttmann - danke!
31/08/10
Über "altbekannte Fakten" zur Vererbung
Zu den aktuellen Schlagzeilen: Hierhin führte uns der "biologische Diskurs" vor hundert Jahren: Rassenhygienische "Aufklärung" ...
... aus dem Jahre 1933.
Bildtexte:
"Zahl der
Schwangerschaften" -
Links: "bei Müttern die schon
schwachsinnige Kinder in der Hilfsschule hatten."
Rechts: "beim
Durchschnitt der Mütter des betreffenden Stadtviertels."
Abb.
aus: Volk und Rasse, 1933, S. 203
Jedoch ist es für die Debatte wichtig, das betreffende Buch auch tatsächlich gelesen zu haben. In wie weit wird hier einiges hereininterpretiert, vielleicht auch um bestimmte Punkte unter diesem Vorwand erst ansprechen zu können? Auf der anderen Seite wäre es nicht angemessen, den Verkauf dieses Buches weiter zu stiegern. Eine Zwickmühle.
Ein Hinweis in dem Zusammenhang auf die Hörgeschichte "Der gute Ritter" möge gestattet sein.
16/07/10
Die Piratenpartei und der antisemitische Kraken
Vor längerer Zeit tat sich der Vorsitzende der Piratenpartei mit beachtlichem Unwissen hervor, als er der "Jungen Freiheit" ein Interview gab, ohne nach seinen Worten von deren politischer Ausrichtung Kenntnis zu haben (was für viele Parteigenossen offenbar auch kein Problem darstellte). Angesichts dieses Umstandes täte der Partei ein wachsamerer Umgang mit diesen Themen wohl.
Wie im NPD-Blog zu lesen, nutzen nun die Piraten fast
darstellungsgleich ein Symbol der NSDAP-Propaganda für ihre Kampagne
gegen ACTA. Die hier gewählte spezifische Darstellung des Kraken als
erdballumspannendes Monstrum entspricht nicht nur der Bildsprache der
NSDAP in diesem einen Falle (und eben diese Überschneidungen sind das
Problem, nicht die Verwendung eines Kraken per se), sondern auch dem
Wesen des diffusen, mit den Ängsten der Menschen vor einer hinter den
Kulissen agierenden Macht spielenden Antisemitismus. Hinzu kommt, daß
auch Teile der extremen Linken vor Antisemitismus nicht gefeiht sind.
Derlei Parallelen zu tolerieren, zeugt nicht nur von einem mangelnden
Geschichtsbewusstsein, sondern auch von Naivität.
Ihren antirechten Anhängern, derer sie ja mit Sicherheit viele hat, erweist diese Partei damit jedenfalls einen Bärendienst. Da hilft es auch nicht, wenn in den Kommentaren in oft recht kindischem Ton auf andere Krakendarstellungen verwiesen wird. Vielmehr wären die Kommentatoren wohl beraten, die Kritik ernst zu nehmen; sonst finden sie sich möglicherweise irgendwann in Gesellschaft wieder, die sie gar nicht wünschen.
Ihrem Ansehen als ernstzunehmende Partei oder gar als Alternative zu den Etablierten ist solcherlei jedenfalls nicht gerade dienlich.
Addendum: Es findet sich inzwischen eine Kurzanalyse des Plakats beim NPD-Blog. Die Kommentare bestätigen wieder ein eher infantiles Bild der Partei.
Nachtrag: Nachdem nun ein ehemaliger Parteivorsitzender der Piraten in eine m. E. als rechts einzustufende neue Partei überwechselte, werden nun (ausgrechnet) aus dem Umfeld der Piratenpartei Abmahnungen wegen Verletzung einer CC-Lizenz versendet, beispielsweise an den Tacheles e.V. Hier übrigens ein Beispiel dafür, wie die betreffende Piratendame meint, eine CC-Nennung für Links fordern zu können. Wenn da mal die Buccanneers nicht gerade auf die Likedeelers ballern, ganz großes Kino. Vorausgesetzt natürlich, es handelt sich bei der ganzen Sache nicht um eine Fälschung.
14/07/10
Die spinnen, die Briten
"Vor allem Unternehmen [untersagen] im voreilenden [sic] Gehorsam vor allem Männern ganz den Kontakt mit Kindern [...]: Erst gerade wurde ein werdender Vater vom Platz neben seiner schwangeren Frau vertrieben. Er hätte dort neben einem 12-jährigen, ihm fremden Jungen gesessen." - weiterlesen
Pathetic.
Nachtrag: Die Britten spinnen wirklich.
Denn dieser Schutz
gilt offenbar nicht für inhaftierte Jugendliche: 'Drive fingers
into groin' und andere kindgerechten Behandlungsmethoden sollen laut
Observer in einem geheimen Handbuch in Privatgefängnissen stehen. "Some
of the restraint and self-defence measures approved by the Ministry of
Justice include ramming knuckles into ribs and raking shoes down the
shins. [...] Published by the HM Prison Service in 2005 and classified
as a restricted government document, the manual guides staff on what
restraint and self-defence techniques are authorised for use on children
as young as 12 in secure training centres. The centres are purpose-built
facilities for young offenders up to the age of 17 and run by private
firms under government contracts." - weiterlesen
17/06/10
Und täglich grüßt ... die Bahnverspätung
Das Internationale Logistikunternehmen beweist auch in dieser Woche, was
es kann: Auf der Hinfahrt zu einer Veranstaltung (350km) hatte der
Anschluß-IC in Norddeutschland 35 Minuten, ein parallel abfahrender ICE
vom Nebengleis 30 Minuten Verspätung. Wegen angeblichem Schaden an einem
der Waggons. Auf der Rückfahrt am nächsten Morgen machte der IC es sich
kurz vor Berlin 48 Minuten lang gemütlich und trank Kaffee, weil es eine
Signalstörung gab. Da fehlte wohl Personal für die Wartung.
Und bei einem Kollegen von mir haben sie gestern kurzerhand den Waggon vergessen, wodurch seine Reservierung ungültig wurde und er fröhlich durch die Wagen migrieren durfte. Das tut man außerordentlich gern bei einer vollen Seminarwoche.
Großes Kino. Die Berliner S-Bahn wird kaputtgespart (was selbstverständlich ohne strafrechtlcihe Folgen bleiben wird, warum auch: Signale stehen also auf "weiter so!") und der große Bruder scheint inzwischen auch marode zu sein. Liebe Deutsche Bahn, wenn man mit Euch in Ferien fährt, mag man ja Geduld und Humor mitbringen. Aber bei Geschäftsreisen ist Euere zuverlässige Dauerverspätung doch ein wenig nervtötend. Ihr verletzt damit im Übrigen eklatant Euere inhärente Verantwortung, als umweltfreundliches Verkehrsmittel, das vom Geld der Bürger aufgebaut wurde und - erstaunlicherweise immernoch - im Besitz der Bürger ist, attraktiver zu bleiben als die Dreckschleudern auf unseren Straßen.
Aber Passagiere sind für dieses Unternehmen ohnehin nur noch Ballast, hat man den Eindruck - wer an die Börse will, muß wohl in größeren Dimensionen denken. Einen herzlichen Dank an den wohlbezahlten Ex-Bahnmanager H. M. und seine Geistesverwandten. Ihr bekommt die Bahn schon noch kaputt.
02/06/10
Großartig: Georg Schramm zu Bundespräsidentenwahl und Köhler
Großartiges Interview im Deutschlandradio! Großartig! So viel zur "Würde des Amtes" des Bundespräsidenten - Endlager der Parteien.
Bei der Gelegenheit: Hoffentlich sind die Gerüchte um Nachfolgekandidaten wirklich nur Gerüchte und Netz-Hysterie. Allein die absurde Vorstellung von der u. g. Dame als Präsidentin bewegt zu Auswanderungsplänen. Achtung Aktienhändler: Die Kurse der Brechtütenindustrie dürften jedenfalls in die Höhe schnellen. Sicheres Investment, und das in diesen Zeiten. Geht doch - Aufschwung 2.0.
Nachtrag: Sie scheint zwar als Favoritin gehandelt worden zu sein, wenn man der Tagesschau glauben darf, aber inzwischen wohl schon nicht mehr zur Diskussion zu stehen. Ein Meisterstück der Politik: Erst schocken, dann scheint (fast) jede Alternative erträglich ... -
28/05/10
[Aktualisiert] Deutsche Soldaten kämpfen in Afghanistan für die deutsche Wirtschaft?
Herr Horst Köhler, seines Zeichens Bundespräsident unserer Republik, äußerte in einem Interview beim Deutschlandradio gemäß Webseite des Senders:
"Die Bundeswehr leiste dort Großartiges unter schwierigsten Bedingungen, sagte Köhler im Deutschlandradio Kultur nach einem Besuch im Feldlager Masar-i-Scharif. [...] Allerdings müsse Deutschland mit seiner Außenhandelsabhängigkeit zur Wahrung seiner Interessen im Zweifel auch zu militärischen Mitteln greifen. Als Beispiel für diese Interessen nannte Köhler 'freie Handelswege'. Es gelte, Zitat 'ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auf unsere Chancen zurückschlagen' und sich somit negativ auf Handel und Arbeitsplätze auswirkten. " - Quelle
Im Klartext: Deutschland führt in Afghanistan Krieg, um seine Wirtschaftsinteressen zu verteidigen. Da fällt das auch künftig wohl immer wieder begehbare Heldengedenken für "unsere gefallenen Jungs" doch gleich leichter.
Selten hat man ehrlichere Worte in der deutschen Politik vernommen.
Aktualisierung: Köhler ist zurückgetreten. Das ist allerdings ein Verständnis von politischer Verantwortung (so man seine fraglichen Worte nicht als Aussprechen einer Wahrheit, sondern als ernstgemeinte Legitimisierung versteht), wie es leider nur noch selten in unserer Politik zu finden sein dürfte - Respekt dafür!
Nachtrag: Köhler lügt, sagt Georg Schramm - in anderer
Sache (via Schockwellenreiter)
Nachtrag II: Was für unsägliche
Vorschläge kursieren als Nachfolger für dieses Amt. Daß
Köhler von der "Würde des Amtes" redete, kann doch nur sarkastisch
gemeint gewesen sein. Denk ich an Deutschland in der Nacht ...
Dazu ein
wirklich böses Remix des Zensursongs.
Hintergründe zu Ursula von der Leyen: Ursula von der Leyen: Eine steile Karriere
14/05/10
Kindergarten 2010
"Wenn Du mit dem spricht, spreche ich nicht mehr mit dir ... oder doch .. oder nee, doch nicht ..."
Und dazu noch der Pawlowsche Hund vom Feinsten, um sich der dieser
marktradikalen Partei angemessenen Comicsprache zu bedienen:
"Kommunisten!
... arfarfarf ...Linksradikale! ... wiff! ... wiff! ... Kommunisten! ...
jaul ... Radikale! ... arf ..."
Völlig seriös, die Spaßpartei der Besserverdienenden mit ihrem 18%-Guidomobil.
Nachtrag: Rot und Grün sind auch nicht besser. Anstelle, wie es
angemessen wäre, zu verhandeln und zu diskutieren bis die Balken biegen,
schmeißt man gleich die Flinte ins Korn. Würden die Damen und Herren
Politiker sich vielleicht irgendwann nochmal daran erinnern, wofür sie
von uns angestellt sind, und sich nicht auf einfache, schnelle, simple
Lösungen zurückziehen? Macht wenigstens Politik, wenn ihr schon sonst
nichts auf die Reihe bringt!
Und da wundere sich einer über
Politikverdrossenheit oder habe gar die Stirn, sie als "undemokratisch"
zu geißeln.
06/05/10
Bravo Thierse!
Das musste mal gesagt werden.
Brechreizerregend, demokratiefeindlich und so widerwärtig vorhersehbar, wie nun einige unserer ach so verfassungstreuen Spezialexperten aus seinem vorbildlichen Einsatz meinen Kapital schlagen zu müssen.
"Statt Wolfgang Thierse zu kritisieren, der sich seit vielen Jahren vorbildlich im Kampf gegen den Rechtsextremismus engagiert, sollten sich die [Bundesinnenminister Thomas de Maiziere und Bundesfamilienministerin Kristina Schröder] eher fragen, welche Versäumnisse sie sich bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus vorzuwerfen haben." - Quelle
Eben.
30/04/10
Neusprech.org
Ein kleines Fundstück zum Freitag: Das Weblog neusprech.org
hinterfragt Worthülsen und Verbrämungen, mit denen Dinge so gern
schöngeschrieben werden.
Ob das "Synergie", "neuer
Personalasuweiis", "Beratung, ergebnisoffene", "Raum, rechtsfreier",
"Gefährder, potenzieller" oder was auch immer ist, hier findet sich
allerlei Erbauliches aus dem Sortiment neusprechlicher Nebelkerzen. Das
Blog steht noch ziemlich am Anfang, scheint aber vielversprechend.
26/04/10
Die Anti-Atom-Bewegung lebt: 120.000 auf 120 km
Die Anti-Atom-Bewegung hat einen großen Erfolg zu feiern: Die
Menschenkette zwischen Krümmel und Brunsbüttel am Wochenende war
erfolgreich! Anders kann man es nicht nennen, wenn (laut Presseangaben,
die Polizei spricht von 100.000) 120.000
Menschen eine Strecke von 120 Kilometern mit einer Menschenkette gegen
Atomkraft verbinden.
Respekt vor den Organisatoren, Respekt vor den Teilnehmern, das ist eine Leistung, die sehr hoffnungsvoll stimmt. Tschernobyl ist nicht vergessen. Jetzt heißt es dranbleiben.
23/04/10
Berliner Juggerpokal oder Menschenkette gegen Atomkraft?
Es gibt viel zu erleben an diesem Wochenende: Für Berliner und Juggerbegeisterte steigt der 3. Berliner Juggerpokal, einst das Saisoneröffnungsturnier der Jugger. Und alle anderen haben Gelegenheit zur aktiven Mitbestimmung am Weg unseres Landes: In einem ambitionierten Vorhaben soll es eine Menschenkette zwischen den AKWs Brunsbüttel und Krümmel geben (Antiatomkette und bei Twitter).
Und nun zum Sport.
Der Berliner
Juggerpokal wird am gleichen Ort wie in den vergangenen Jahren
stattfinden. Erfreulicherweise werden auch die Zonenkinder aus Jena
(tolles Logo im Übrigen), sowie die Wadenbeisser aus Lübeck aufschlagen
und sich mit den sechs Berliner Teams messen. Da der Juggerpokal kein
Ligaturnier ist, ist er eine gute Gelegenheit, als Ersatzspieler bei
bestehenden Mannschaften mitzuspielen oder sich an ein Mixteam
anzuschließen.
Und nun zur Zukunft der Welt.
|
Der Aufruf zur Menschenkette kann
online unterzeichnet werden und wird mit einer Spendenbitte
verbunden - also selbst für jene, die nicht anreisen wollen oder können
(oder juggern) eine Möglichkeit zum Einsatz.
Ich zitiere den
Aufruf:
"Der Konflikt um den Atomausstieg spitzt sich zu: In Kürze wird
darüber entschieden, ob die Pannenreaktoren Krümmel und Brunsbüttel vor
der Haustür Hamburgs wieder ans Netz gehen – oder für immer abgeschaltet
bleiben. Nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen Anfang Mai gehen
die Verhandlungen zwischen Regierung und Atomkonzernen über längere
Laufzeiten für Atomreaktoren in die heiße Phase. Wir stehen am
energiepolitischen Scheideweg: Wird weiter auf Dinosauriertechnologien
gesetzt – oder konsequent auf Erneuerbare Energien umgestiegen.
Es
ist an der Zeit, ein spektakuläres Signal an Bundesregierung und
Stromkonzerne zu richten: Auf Atomkraft setzen? Nicht mit uns! Mit
Zigtausenden Menschen werden wir am 24. April 2010 eine große Aktions-
und Menschenkette zwischen den Reaktoren Krümmel und Brunsbüttel bilden
– zwei Tage vor dem Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl
(26. April 1986)."
Auf EinsExtra läuft der sehenswerte Film "Die Atomlüge", wo die seit den 80er Jahren immer wieder gern neu aufgetischten Märchen einer sauberen und billigen Kernkraft unter die Lupe genommen werden. Die durchaus sehenswerte Sendung kann komplett beim NDR angesehen werden.
Bei der Gelegenheit: Dank der großarten Fortschrittlichkeit und
politischen Kompetenz unseres Landes in Sachen Neue Medien wird es
allerdings vielleicht bald nicht mehr ohne Weiteres möglich sein, derlei
Beiträge online anzusehen. Wo kämen wir denn da hin, wenn wir für unsere
Gebühren Inhalte jederzeit online abrufen könnten! In einer Zeit, in der ein
schwachsinniger Jugendmedienstaatsvertrag Öffnungszeiten im Internet
einführen möchte! Also bitte. Schließlich sind wir ein
stabiler Agrarstaat, der Innovation und Technikverständnis nicht braucht!
16/04/10
11/04/10
US-Hubschrauberangriff auf Zivilisten: Wikileaks veröffentlicht Video
Die Plattform Wikileaks,
die unter anderem 10.000 Seiten geheimer Toll Collect-Verträge
veröffentlicht hat, war in jüngerer Veragengenheit ins
Visier des US-Geheimdienstes (PDF) geraten. Ein Grund dafür mag
jenes Video sein, das nun auf Wikileaks veröffentlicht werden konnte und einen
Hubschrauber-Luftangriff mit MGs auf eine friedliche Gruppe von
Zivilisten im Irak zeigt, inklusive den Kommentaren der
ausführdenden Soldaten.
Das Video, das gerade mit den
Kommentaren der Soldaten den nahezu unerträglichen Zynismus des (hier
zudem seinerzeit noch Heiligen und Gerechten) Krieges offenbart, findet
sich in voller Länge dort (siehe in ähnlichem Zusammenhang auch
"Iraq
War Vet: `We Were Told to Just Shoot People, and the Officers Would Take
Care of Us`").
Ein unschätzbares Dokument ist dieses Video,
wenn es um die widerliche Legende eines "sauberen Krieges" der feinen
Schlipsträger wie der Fanatiker geht. Den Soldaten ist wohl nicht einmal
ein Vorwurf zu machen - sie sind zum Töten dort und machen ihren Job,
und daß sie dabei nicht in Oxford-Englisch korrespondieren, ist ihnen
kaum vorzuwerfen, denn immerhin müssen sie auf Knopfdruck Menschen
ermorden. Die Tötungshemmung zu überwinden, wurden sie schließlich
trainiert. Der Vorwurf des inkaufgenommenen und anschließend
verschleierten Mehrfachmordes gilt den Hintermännern, die in der Politik
ganz vorne stehen.
Youtube hat das Video bereits als "für Kinder
unangemessen" für unangemeldete Nutzer gesperrt. Der Wert von Wikileaks
kann nicht hoch genug angesetzt werden; daher ist eine Spende
zum Fortbestand/Ausbau des Projekts sehr wünschenswert. Ebensowenig
wie der Wert eines unzensierten Internets.
Nachtrag: Wikilaks ist, wen wundert es, gerade unter der
ausschließlich unter Vollast laufenden Investigativjournaille gerade
ein wenig ... unbeliebt geworden, und also wird draufgehauen, statt
die Leistung anzuerkennen. Nun ja, wer seine Arbeit nicht macht,
beschwert sich natürlich besonders laut darüber, wenn andere sie einfach
erledigen. Kennt man aus jedem vergreisenden Betrieb, in den neue Leute
kommen.
Nachtrag II: Die US-Amerikaner können das allerdings auch ohne
schwere Technik. Dies stellten sie unter Beweis, als
sie ein halbes Dutzend 12- bis 18jährige Kinder und Jugendliche im
Schlaf erschossen haben, im Haus der Familie. Schlafende - und ganz
besonders schlafende Kinder - erschießen gibt vermutlich auch dann noch
den "besonderen Kick" im Einsatz, wenn die Rotationskanone es nicht mehr
bringt. Und "falsche Informationen" sind immer eine hervorragende
Ausrede für einen Massenmord.
Aber wenn der betroffene Vater nun
eine Kalaschnikow nimmt und Rache übt, er, der er niemals Aussicht auch
nur auf einen Hauch von Gerechtigkeit haben wird, dann ist er
zweifellos, im Gegensatz zu den sehr professionell meuchelnden Soldaten,
ein Terrorist.
Afghanistan ist zweifellos ein durch und durch
gerechter, sauberer und unabwendbarer Krieg, in dem auch unsere Soldaten
mit Freuden ihr Leben geben.
Nachtrag III: Menschen erschießen geht demnächst auch bequem vom Sofa aus, sozusagen via Spielekonsole: Mittels einer Drone mit stabilisiertem (echtem) Scharfschützengewehr. Und hier wird über ein "Killerspielverbot" diskutiert. Da sind die Amis schon weiter, wie so oft.
09/04/10
Wahlen in Ungarn: Neofaschisten im Aufwind
Die Rechtsextremen wittern Morgenluft: Nicht nur in Frankreich, in den Niederlanden und Italien, sondern insbesondere in Ungarn. Dort wird laut Guardian ein Erdrutschsieg der Rechtsextremen und Neofaschisten bei den Wahlen am Wochenende erwartet:
"But the biggest breakthrough will be for Jobbik, the extremist antisemitic and antigypsy movement `for a better Hungary`, which will win seats in the parliament for the first time and may emerge as the second biggest party. [...] Though banned, Jobbik maintains a `Hungarian guard` of paramilitaries who dress in 1940s fascist paraphernalia. Vona wants this `gendarmerie` to police Roma ghettos. [...] analysts detect a more durable pattern, particularly in western Europe, entrenching the far right as an established presence in politics." - Quelle
Und bei uns? Auch wenn sich die NPD mit beruhigender Regelmäßigkeit immer wieder erfolgreich selbst demontiert, die Gleichsetzung von Rechts- und Linksextremismus durch unsere Politik ist mehr als verantwortungslos. Sie ist ein Schlag ins Gesicht der zahlreichen Opfer neonazistischer Übergriffe, sie ignoriert dramatische und menschenverachtende Entwicklungen wie eben gerade in Ungarn zu beobachten. Linke erschlagen keine Sandler aus "Prinzip", geben Bevölkerungsgruppen nicht als "Untermenschen" zum Abschuß frei und erklären keine National Befreiten Zonen. Rechte schon.
Doch läßt sich damit eben auch bei uns so schön am rechten Rand fischen. Wählerstimmen gehen eben vor, das nennt sich dann schöngetrunken "Realpolitik".
30/03/10
Anti-Atom-Menschenketten am 10. und 24.4.
Kernenergie wird wieder in den Aufwind emporgelobt (Konterargumente finden sich hier), da sind deutliche Signale dagegen um so wichtiger.
Ein solches will unter anderem Campact! setzen. Vor der großen Menschenkette von Krümmel nach Brunsbüttel am 24.4. soll es am 10.4. kleine "Auftaktketten" geben:
"Am 24. April ist es so weit: Dann sollen die Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel mit einer 120 Kilometer langen Aktions- und Menschenkette verbunden werden. Zwei Wochen vorher, am Samstag den 10. April, werden wir in über 50 Orten bereits Auftakt-Menschenketten entstehen lassen – und damit Menschen für die Großaktion begeistern (Karte mit allen geplanten Auftakt-Menschenketten). Die Auftakt-Menschenketten soll an belebten Orten stattfinden, wo sie Passanten/innen über die Großaktion informiert und Anlass für lokale Presseberichte bietet. Am Vormittag, um 11.00 Uhr bilden möglichst viele Menschen in der Fußgängerzone oder an einem belebten Platz eine Menschenkette. Start- und Zielpunkt der Kette bildet je ein zwei Meter großes Atomkraftwerk aus Pappe." - weiterlesen
27/03/10
Für Sie Herr _Doktor_ Kohl
Aus einem berühmten Interview, das jetzt via
Burks auf Youtube zu entdecken ist:
"Für Sie bin ich nicht
Herr Kohl."
"Herr Doktor Kohl ..."
"So."
Das
ist angesichts der devoten journalistischen Reaktion schon fast (aber
wirklich auch nur fast, peinlich bleibt peinlich) souverän zu
nennen. Da spuren die Hunde noch, während die Karavane über blühende
Landschaften weiterzieht. Mit seiner Abwahl ist wahrlich eine Mutter der
Kabarettquellen von uns gegangen. Die natürlich von der CDU fleißig
ikonisiert wird.
24/03/10
Online-Meldeformular gegen Telefonwerbung
... gibt es bei der Verbraucherzentrale Niedersachesen. Wenn also wieder einmal einer dieser sinnfälligen Anrufe eintrifft, ab damit. Vielleicht hilft's. Auch im Rahmen eines Prozesses gegen einen kritischen Blogger durchaus begrüßenswert.
15/03/10
14/02/10
Gratulation an die Gegendemonstranten
Eine wohlverdiente herzliche Gratulation und Dank an alle friedlichen
Teilnehmenden, die sich an den Demonstrationen gegen den
Neonaziaufmarsch in Dresden beteiligt haben, in der Kälte auf den
Straßen saßen, sich die Beine in den Bauch standen, lange Anfahrtswege
auf sich nahmen und das Risiko von Personenkontrollen eingingen! Denn
der unsägliche "Aufmarsch" konnte
dadurch tatsächlich verhindert werden.
Aber nicht allein
deswegen ist es eine gute Nachricht. Sondern auch, weil wieder einmal
bewiesen worden ist, daß zivilgesellschaftliches Engagement auch heute
noch weder sinnlos noch ohne Wirkung ist. Dies immer wieder in der
Praxis zu zeigen kann nicht hoch genug bewertet werden; die faule
Ausrede "wir können doch eh nichts ändern"
bekommt sonst rasch erneut Oberwasser.
Danke!
13/02/10
Zitat des Tages
... kommt (wenn das Zitat korrekt vom Springerblatt zitiert wurde) von keinem Geringeren als von Heiner Geißler:
[DELEATUR wegen Berichten über Abmahnvorgänge durch den Springer-Verlags. Bedanken bitte dort.]
25/01/10
Entwurf zum Jugendmedienschutz-Staatsvertrag: Totalschaden, auch für Weblog-Betreiber
Es muß vorangeschickt werden, daß ich mir nicht sicher bin, ob das
Ganze ein sogenanntes "Fake" ist oder tatsächlich in dieser Form
vorliegt. Der mutmaßliche Entwurf
für einen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag liest
sich jedenfalls wie ein Witz.
So wird dort verlangt:
"Ist eine entwicklungsbeeinträchtigende Wirkung auf Kinder oder
Jugendliche unter 16 Jahren anzunehmen, muss die Sendung durch
akustische Zeichen angekündigt oder durch optische Mittel während der
gesamten Sendung als ungeeignet für die entsprechende Altersstufe
kenntlich gemacht werden."
Sprich, wenn Sie das nächste Mal
einen etwas drastischeren Krimi oder Actionfilm genießen wollen, soll
dort die ganze Zeit ein Warnkennzeichen leuchten.
Weblog- und Forenbetreiber müssten stets sämtliche Inhalte auf eine
mögliche Gefährdung hin kontrollieren, bewerten und ggf. löschen:
"Die Kennzeichnung von Angeboten, (...) (die) nicht vollständig in den Verantwortungsbereich des Anbieters fallen, insbesondere weil diese von Nutzern in das Angebot integriert werden (...) setzt voraus, dass der Anbieter nachweist, dass die Einbeziehung oder der Verbleib von Inhalten im Gesamtangebot verhindert wird, die geeignet sind, die Entwicklung von jüngeren Personen zu beeinträchtigen. Der Anbieter hat nachzuweisen, dass er ausreichende Schutzmaßnahmen ergriffen hat. Dieser Nachweis gilt als erbracht, wenn sich der Anbieter dem Verhaltenskodex einer anerkannten Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle unterwirft."
Man "unterwirft" sich einem Feind oder einem Despoten, nicht aber etwas,
das man achten will.
Noch viel schwerwiegender aber ist der Umstand,
daß man im Falle einer "Beeinträchtigung" (auch schon bei
Beeinträchtigung bis 6 Jahre, so scheint es)
"durch technische oder sonstige Mittel die Wahrnehmung des Angebots
durch Kinder oder Jugendliche der betroffenen Altersstufe unmöglich
macht oder wesentlich erschwert oder
2. die Zeit, in der die Angebote
verbreitet oder zugänglich gemacht werden, so wählt, dass Kinder oder
Jugendliche der betroffenen Altersstufe üblicherweise die Angebote nicht
wahrnehmen."
Wie immer das technisch gehen soll. Damit eine Zugriffssperre für bestimmte Altersgruppen technisch umgesetzt werden kann, wäre der nächste Schritt die Einführung eines Internet-Passes, der das Alter des Benutzers verifiziert; dies wiederum wäre wohl nur möglich durch biometrische Identifizierung (Fingerabdruck, Gesichtsbild) bei Benutzung. Vielleicht steckt das hinter solchen Überlegungen.
Das Ganze ist vollkommen absurd. Aber wahrscheinlich soll es nur als
Grüner Elefant dazu dienen, ansonsten undurchführbare Beschränkungen als
"vergleichsweise nicht so schlimm" durchzudrücken.
Oder
es ist wirklich eine Fälschung, die in sofern beachtlich wäre, als das
Vorgegebene unseren offensichtlich mit den Neuen Medien völlig
überforderten führenden Damen und Herren vollkommen zuzutrauen ist.
17/01/10
Offener Brief: Die Deutsche Bahn braucht dringend unser aller Mitgefühl.
Liebe Deutsche Bahn,
völlig unvermutet begann es mitten im Winter zu schneien. Da ist es vollkommen natürlich, wenn Züge reihenweise ausfallen, hier und da Toiletten und Wasser in den Ersatzzügen nicht funktionieren und das "Bistro"-Personal noch in einem anderen verspäteten Zug festhängt. Das ist ja wirklich ein unvorhersehbarer Schicksalsschlag für ein so ambitioniertes und ganz allein durch eigene Leistung emporgekommenes Internationales Logistikunternehmen, wie Ihr eines sein wollt, und ungerecht ist es, da Ihr ja trotz der enormen Herausforderungen des Güterverkehrs tatsächlich noch voll der Gnade Menschen befördert. Noch dazu zu derart außerordentlich günstigen und fahrgastorientierten Fahrpreisen. Da haben wir größtes Verständnis dafür, daß sich eine Schneeflocke, immerhin in unseren Breiten ein exotisches Phänomen, zwischen den runderneuerten Achsen eines ICEs verhaken kann.
Daß ein Unternehmen, das gerade die S-Bahn Berlin kaputtgespart hat, nun dringend Nothilfe braucht, versteht sich doch ganz von selbst. Vielleicht kann die Regierung ja auch Euch einen kleinen Rettungsfonds einrichten. Es wäre so schön! Nein, wir dürfen nicht schimpfen. Es gilt, die Kälte mannhaft zu ertragen, ja mehr noch, wir sollten unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme für Eueren aufopferungsvollen Einsatz dadurch beweisen, daß wir in die zweifelsohne kälteklirrenden und zugigen Manageretagen heißen Glühwein bringen und ihn mit einigen tröstenden und aufmunternden Worten darreichen.
Aber undankbares Pack, wie wir sind, werdet Ihr auch diesen geringen Trost nicht erhalten. Die Welt ist wirklich einzig bitter Ungerechtigkeit! Wir können Euch also nur wünschen, daß es bald Sommer werde, und daß dann aber nicht etwa an mehreren Tagen hintereinander die Sonne scheine.
In inniger Anteilnahme,
Ihre Personenkunden
05/01/10
12 Thesen für einen besseren Journalismus
In der Berliner Zeitung stellt Ernst Elitz zwölf Thesen für einen besseren Journalismus auf, die sowohl lesenswert als auch - natürlicherweise - Wunschdenken sind. Man muß mit ihnen nicht immer ganz übereinstimmen, sie zu lesen lohnt sich auf jeden Fall.
Wenn das nur auch seine journalistischen Kollegen täten.
Notiz: Die Kommentarfunktion wird umgestellt. So lange sind Kommentare leider inaktiv.
16/10/09
Endlich göttliche Gerechtigkeit!
Endlich haben wir Teil an göttlicher Gerechtigkeit. Anders ist es nicht zu erklären, daß erst eine Kassiererin wegen ein paar Pfandbons, nun eine Altenpflegerin wegen bösartigen Entwendens von sechs wegzuwerfenden Maultauschen ein "gestörtes Vertrauensverhältnis" attestiert und Entlassung beschieden wird.
Endlich werden also auch die Großverdiener in unserem Lande bestraft, endlich wird armen Tröpfen aus Manageretagen ihr Bonuszahlungs-Gnadenbrot gelassen. Endlich, endlich wird dem Grundsatz, daß Recht in einem Rechtsstaat in der Schwere jeweiligen Tat angemessener Form angewandt werden muß, Rechnung getragen. Obwohl, eigentlich wäre Rädern und Verbrennen doch noch etwas gerechter gewesen. Da hätte man durch Eintrittskarten- und Senderechteerlöse wenigstens einen kleinen Teil des verursachten Schadens der jeweiligen Firma rückerstatten können, ganz zu schweigen vom Unterhaltungsmehrwert.
Wie gut ist es, daß es keine Bahnsteigkarten mehr gibt. Andererseits - angesichts dieser höheren Gerechtigkeit sollten wir aufpassen, daß nicht plötzlich irgendwo wieder ein Bahnsteigkartenschalter eröffnet wird ... aber das ist in Deutschland wohl eher unwahrscheinlich.
28/09/09
Auf zur Schlachtbank
Wir haben eine Finanzkrise, und was tut der aufrechte Deutsche? Gibt ausgerechnet der FDP, die sich einst selbst unverhohlen als "Partei der Besserverdienenden" charakterisierte, beinahe 15%.
Daß diese Partei auch im Bereich Überwachung nur brav Kreide gefressen hat, wird sich schon noch zeigen, wenn sie Schäubles Pläne durchwinkt:
"Unter anderem werde in dem Katalog mit dem Titel 'Vorbereitung Koalitionspapier' gefordert, dass der Inlandsgeheimdienst künftig Computer online durchsuchen dürfen, was bisher ausschließlich dem Bundeskriminalamt zustehe. Auch auf die Daten der Vorratsdatenspeicherung solle er zugreifen dürfen. Ferner sollten dem Verfassungsschutz Lausch- und Spähangriffe in Privatwohnungen erlaubt werden. Der genetische Fingerabdruck solle (...) als 'erkennungsdienstliche Standardmaßnahme' erfasst werden statt wie bisher nur bei Straftaten von erheblicher Bedeutung und auf Anordnung eines Richters." - weiterlesen in der taz
Na dann, Kameraden Lämmer, auf zu vier Jahren Schlachtbank!
PS. via Schockwellenreiter hier eine Prise feinster Galgenhumor.
Nachtrag: Ich fasse es noch immer nicht. Die Deutschen haben einen zum Vizekanzler gemacht, der vor gar nicht langer Zeit allen Ernstes mit "Spaßpartei", "Guidomobil" und "Projekt 18 unter den Schuhsolen" punkten wollte. Wir sind ein hoffnungslos geriatrisches Volk.
26/09/09
Wählen gehen!
Für das Nichtwählen gibt es keinen Grund, allein die Faulheit. Wer nicht wählt, sorgt dafür, daß es weiter bergab geht - sich hinterher beklagen darf er nicht mehr.
Die halbe Stunde hat unsere Demokratie mindestens verdient.
04/09/09
Randnotiz: CDU vergißt Kreidenachschub
Jürgen Rüttgers von den Christdemokraten, der vor neun Jahren die Wahlkampfparole "Kinder statt Inder" ausgegeben hat, hat nun wieder nachgelegt. Im Kommunalwahlkampf in Duisburg gab er von sich:
"Im Unterschied zu den Arbeitnehmern hier im Ruhrgebiet kommen die Rumänen eben nicht morgens um sieben zur ersten Schicht und bleiben bis zum Schluss da, sondern sie kommen und gehen, wann sie wollen und wissen nicht, was sie tun."
Zur Erinnerung: Der Mann ist CDU-Ministerpräsident. Weiterer Kommentar erübrigt sich.
02/09/09
Abmahnfallen im "rechtsfreien Raum": Stolperfalle Internet-Meinung
Gesegnet sei, wer einen guten Anwalt im Freundeskreis hat, der ab und zu über die eigenen Blogeinträge schaut - alle anderen können sich augenscheinlich nicht auf ihre bürgerliche Einschätzung des Rechts der freien Meinungsäußerung verlassen, wie dieser Fall um viele tausend Euro Abmahn- und sonstige Zahlungen wegen Kritik an einem Sporthersteller zu belegen scheint (wobei unklar ist, ob und falls ja wie ausfallend die Kritik gehalten war). Das Recht ist im "rechtsfreien Raum" Internet wohl einfach zu schwammig geworden.
Konsequenz? Blog schließen? Augen zu und hoffen? Oder einen entsprechenden Freund finden.
29/08/09
Projekt 18 auf Erfolgskurs
Die SPD hat ihr persönliches
Projekt 18 fest im Blick: Sie unterstützt
den Ausbau der A100 in Berlin gegen alle Einwände.
Das ist übrigens die Stadt, die nicht müde wird, bei sozialen Projekten
über leere Kassen zu klagen (es sei noch einmal wiederholt: es geht um
rund 420.000.000€).
Und wozu soll die A100 dienen? Unter
anderem zur Stärkung der Infrastruktur, polemisch gesprochen: Damit die
betuchten Damen und Herren vom bürgernahmen Gebiet Mediaspree noch
schneller mit ihren dicken Wagen an ihren Arbeitsplatz fahren können.
Weiter so, Sozialdemokraten - vielleicht klappt sogar Projekt 08! Ihr schafft das!
25/08/09
Antwort auf Hitlervergleiche auf den Punkt gebracht
Eine Aussage, die es zu wiederholen gilt, wann immer Personen ihre abgrundtiefe Dummheit durch Hitler-Vergleiche kundtun - sie bringt es auf den Punkt (daher auch via Schockwellenreiter hier wiederholt):
"An asshole is someone who says Obama is like Hitler because he wants everyone in the US to have health insurance. [...]
If you think Obama is Hitler you deserve to meet with others who agree with you, starving and freezing and dying in a cattle car, sitting in each others’ excrement, on your way to a concentration camp and its ovens and gas chambers, along with your children.
You will not be allowed to bring your assault rifle." - Quelle: scripting.com
23/08/09
Persiflage "Kundeninformation der DB": Profitmaximierung
Gefunden an einer Bushaltestelle in Berlin-Treptow (etwas zu dem Aufkleber auch hier, dort auch erheiternde Anekdoten rund um das "Internationale Logistikunternehmen"):
22/08/09
Marketinglogik: H-Milch=Frischmilch
Weiß jemand, welche Supermarktkette noch über normale Frischmilch
verfügt, nicht über die zu "Frischmilch" umetikettierte de-facto-H-Milch
mit dem schönen Namen "ESL" (und gern dem blödsinnigen Spruch "extra
lange frisch")?
Eine Milchverkostung bestätigte erneut: ESL
hat einen fremdartigen, um nicht zu sagen künstlich wirkenden
H-Milch-Nachgeschmack. Gleich welches Tetrapack oder welche Glasflasche
man im Kühlregal anrührt, sogar bei "Bio"-Milch, überall ist H-Milch
drin. Ich brauche keine Milch, die sich vier Wochen hält und danach
schmeckt - dann kann ich gleich H-Milch kaufen.
Und wie ein guter
Bekannter sagte, was dieses Produkt der Profitmaximierung auf Kosten des
Verbrauchers in den Mägen unserer Kinder anstellt, das wird sich erst
noch finden.
16/08/09
23/07/09
Rechtsradikale auf Usedom
Willkommen in Mecklenburg-Vorpommern: Das dürfte nun dem Tourismus schaden, vielleicht hilft der Vorfall, Initiativen gegen Rechts wieder etwas umfangreichere Mittel zu bewilligen. Wahrscheinlich aber nicht.
Auf einem Zeltplatz Ückeritz auf der Insel Usedom gaben vier junge Männer rechtsradikale Inhalte von sich - u.a. „In Buchenwald, in Buchenwald, da machen wir die Juden kalt“ und „In Majdanek, in Majdanek, da machen wir aus Juden Speck“ - und verprügelten daraufhin Campinggäste, die sie zur Rede stellten. Danach pöbelten die gleichen Täter Jugendliche wegen deren arabischer Wasserpfeife und englischer Musik an und traten auf den Handybesitzer ein. - Details ...
Die Täter erhielten Bewährungsstrafen. Die mutigen Bürger, die die
Rechten zur Rede stellten und Schläge kassierten, wurden für ihre
Zivilcourage gewürdigt; ein sehr wichtiges Signal, das nicht stark genug
"gesendet" werden kann. Einst wurde in ähnlichem Zusammenhang die Aktion
Courage recht populär.
Von der Leyen 2.0
Entspricht im Wahlkampf von der Leyen 1.0:
"Ich bleibe aber bei meiner Position, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist und die Freiheit der Massenkommunikation Grenzen hat, wo die Würde anderer Menschen verletzt wird. Bilder vergewaltigter Kinder im Internet können nicht toleriert werden." - Interview in der Rheinischen Post
Meine Güte, wie oft muss denn noch wiederholt werden, daß alle drei Punkte schlicht Selbstverständlichkeit sind. Allein die Mittel der Umsetzung bedürfen der Diskussion.
Ich verkünde hiermit: "Deutschland ist kein rechtsfreier Raum!
Mord kann nicht toleriert werden!"
So, das ist meine
Position! Wählt mich jetzt gefälligst!
22/07/09
Milliarden-Steuergelder für fröhliche Bänker-Bonuszahlungen
Im Allgemeinen ist die Berichterstattung der TV-Magazine nicht unbedingt eine neutrale Informationsquelle. So auch hier, beim süffisanten Gelächter der Bänker über die Volltrottel Namens Steuerzahler, die die Bänker via unsere Regierung fleißig füttern. Aber sie haben ja so recht, wir haben ihren Hohn reichlich verdient. Schafe gehören halt geschoren:
10/07/09
08/07/09
"Ehrenkreuz für Tapferkeit"
Da taucht er nun also aus dem Dunkel der Geschichte wieder auf, der militärische Orden für Tapferkeit.
Daß eine Würdigung von Mut wichtig ist, will ich gar nicht bestreiten. Aber muß sie mit militärischem Firlefanz konnotiert sein? Wäre es nicht angebrachter gewesen, anstelle alte militaristische Ideale und die Trennung in Bürger und Soldat wiederaufleben zu lassen, das Bundesverdienstkreuz, oder von mir aus einen anderen zivilen, aber eben ausdrücklich zivilen Orden zu verleihen?
Ein militärischer Orden für Tapferkeit liegt auch hier noch in der Schublade. Der heißt es allerdings noch "Eisernes Kreuz". Von meinem Großvater. Weil er in Russland so tapfer gefallen ist. Nach der, Zitat Soldbuch, "Säuberung der Ostgebiete". Es gibt Traditionen, die wir nicht fortführen müssen.
Aber im Wahlkampf ist eben jedes Mittel recht.
27/06/09
Pauschalisierung in der ZEIT
In der letzten Printausgabe der ZEIT wurde ein ärgerlicher Bock geschossen. In seinem Beitrag zu Jörg Tauss kritisiert der Autor zunächst die seiner Meinung nach euphorische und unreflektierte Aufnahme von Jörg Tauss in die Piratenpoartei. So weit, so gut.
Dann aber tut er etwas, was bezeichnend für die ganze Debatte um Internetsperren und um den Einfluß der Politik auf Neue Medien überhaupt ist: Kurzerhand stempelt er die von ihm eingangs als "Internetgemeinde" bezeichneten Bürger als Dulder, ja geradezu implizite Befürworter von Kinderpornographie, mit den Worten "Jede Gemeinde sucht sich den Helden, den sie verdient" (Quelle).
Zumal die ganze Debatte ohnehin gerade daran krankt: Die Welt ist erstaunlicherweise auch hier nicht schwarz-weiß. Und bei der Diskussion um Internetsperren handelt es sich nicht um die bonbonfarbene Disney-Welt von infantilen Spaßjugendlichen, sondern um eine handfeste Diskusssion um nichts weniger als demokratische Grundwerte.
Aktualisierung: Der Autor hat sich auf meinen Leserbrief hin sogar (persönlich und einsichtig) gemeldet. Das wiederum ist durchaus beachtlich. Ich habe mir die Freiheit genommen, den Eintrag daraufhin entsprechend zu entschärfen.
26/06/09
Kippt die ermäßigte Mehrwertsteuer!
Damit Unterschicht endlich so richtig Unterschicht wird! Auch eine
Strategie, wir hungern unsere Arbeitslosen und Niedriglohnsklaven
einfach weg. Mächtige Idee!
Wiedermal ein genialer
Schachzug des auch in der Vergangenheit mehr als grandios
menschlichen und unbeschreiblich sozialen Herrn "Filbinger-war-ein-Gegner-des-NS-Regimes"-Oetinger
aus dem heilen Ländle, das offenbar weit mehr Geld als
Verstand beheimatet.
Andererseits, berücksichtigen wir die
Rechenspielchen vor der letzten Bundestagswahl und das Ergebnis (0+2=+3),
wird die SPD nach der Wahl gleichfalls und im Einvernehmen mit der
CDU/CSU die ermäßigte Mehrwertsteuer gleich ganz kippen. Politik? Da ist
nur noch Brechreiz.
Dies ist im Übrigen aber kein Grund, nicht zur Wahl zu gehen, ganz im Gegenteil. Und sage keiner, es gäbe keine Alternativen - sollen sich eben die Grauen Panther oder sonstwer über die eigene Stimme freuen. Die eigene Stimme nicht abzugeben, bedeutet, sie anderen zu schenken. Das wird wohl keiner ernstlich wollen. Also wählen gehen, und sei es, daß man eine dieser handlichen Flugzeug-Papiertüten in die Wahlkabine mitnimmt.
24/06/09
Geht wählen!
Es ist wichtiger denn je. Überdramatisiert vielleicht, aber im Verhältnis zu der überschäumenden Polemik und bodenlosen Inkompetenz seitens unserer Volksvertreter völlig harmlos, dazu die passende Traueranzeige.
via Bronski
- Quelle
Nachtrag:
Passend
dazu kommentiert fefe Ursula
von der Leyens rhetorische Bocksprünge in der ZEIT.
21/06/09
Gysi in Aktion
man kann von DIE LINKE halten, was man will. Doch diese Rede des rhetorisch brillanten Gysi ist, ganz unabhängig von jener Partei, auf jeden Fall hörenswert; und wieder einmal zeigt sich, wie das Bundesverfassungsgericht augenscheinlich immer öfter als Nothelfer und Nachhilfelehrer der "Volksvertreter" einzuspringen hat.
18/06/09
Über 100.000 beim Bildungsstreik
Für ein mit Kompetenz und Umsicht reformiertes Bildungssystem anstelle dieses hanebüchenen Mists, der die Humboldt`schen Werte, die letzlich auch Werte einer sozialen Gesellschaft sind, in den Staub tritt. Und der offensichtlich den streberhaften, apolitischen, stromlinienförmigen und rücksichtslosen Egomanen zum Ziel hat - einen Menschentypus, den wir in Zukunft wahrlich zu Genüge bekommen werden.
Gratulation und Respekt! Auf daß es keine Eintagsfliege sei!
17/06/09
"Der Staat (hat) die Pflicht, seine eigenen Aktivitäten selbst zu begrenzen."
Kein Ultralinker, kein Traumdeuter, als die einige Journalisten von nicht selten zweifelhafter Sachkompetenz gegenwärtig Kritiker und Bürgerrechtsbewegungen in unserem Lande vermehrt diffamieren, sondern kein Geringerer als Erhard Eppler äußerte in einem Gespräch folgende bedenkenswerte Sätze (hier im Zusammenhang mit Kultusministerien und deren Einfluß):
"Wer ist das eigentlich, der Staat? Der Staat ist für mich die Organisationsform, die sich die Bürger für ihre Gesellschaft geben. In der Verfassung legen wir fest - und das ist bei uns gar nicht so übel gelungen -, wie wir miteinander umgehen wollen (...) wie wir Macht, politische Macht verteilen und kontrollieren wollen. Deshalb hat der Staat nicht nur die Möglichkeit, sondern nach der Verfassung sogar die Pflicht, seine eigenen Aktivitäten selbst zu begrenzen. Das Parlament und der Gesetzgeber können durch Gesetz nicht nur deutlich machen, was der Staat tun soll, sondern auch, was er nicht tun darf. (...) Ich sage dies deshalb, weil wir sonst den Staat nur noch als Apparat und als Gegner sehen."
Erhard Eppler, in: Phantasie/Kultur/Politik. Protokoll eines Gesprächs, Stuttgart 1982, S. 51
05/06/09
Amazon nimmt NPD in Partnerprogramm auf
So schreibt es das NPD-Blog.info. Zum Glück gibt es Alternativen zu diesem Online-Buchhandelskonzern.
Aktualisierung: Immerhin. Amazon hat was gemerkt.
25/05/09
Öffentliche Bürger-Grundgesetzlesung
Gut, ein bisschen schräg der Gesang am Ende, der zudem die üblichen Klischees bedient. Die Lesung aber war eine prächtige Idee.
14/05/09
13/05/09
Petition »Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten«
Ich erachte es als meine Pflicht als mündiger Büger einer bislang bei
aller Kritik doch ganz gut funktionierenden freiheitlichen Demokratie,
mich den zahlreichen Hinweisgebern auf die Petition
gegen die Sperrung von Internetseiten anzuschließen. M. E. nicht
gerade brilliant formuliert, aber durchaus zielführend. Informativ dazu
ist die Argumentation
von Christian Wöhrl (PDF, 129 KB), der ZEIT-Artikel "Von
der Leyens unseriöse Argumentation" und der zwar
erwartungsgemäß konservative, aber dennoch kritische Beitrag im
Tagesspiegel, "Reine
Demagogen".
Unwohles Gefühl beim Lesen und unterzeichnen
der Petition, man könne schon dadurch selber ins Visier der Fahndung
geraten? Dies würde die Bedeutung der Sache nur unterstreichen.
In
einem Beitrag des Schockwellenreiters findet sich ein hübscher Link,
der für einen aufrüttelnden Schrecken gut sein mag (und den ich schon
allein wegen seinem Linknamen hier gewiß nicht nennen werde, es gibt
einfach zu wenig Gras* für zu viele ... bovidae ... auf
unserer Erde).
Wir erleben derzeit vermehrt Aktionismus, Polemik
und Populismus seitens einer mit in dieser Sache wenigstens
fraglicher Kompetenz ausgestatteten Politik (hier auch entsprechende Auszüge
aus einem Brief von der Leyens an einen Blog-Verfasser), nicht erst
seit der Wahlkampf begonnen hat, und insbesondere im Bereich der neuen
Medien. Wird dabei die Gewaltenteilung selbst zum Thema, beginnt es
wirklich interessant zu werden. Und gleichfalls erleuchtend ist es, wenn
man die Befürworter der Sperren und ihre vermutlich wahren Interessen
insbesondere aus Industriekreisen näher
betrachtet, neben Organisationen wie der "Deutschen
Kinderhilfe" (siehe auch Ausführungen
des Foebud dazu) - nicht zu verwechslen mit dem deutschen
Kinderschutzbund, auch hier ist ein genauerer Blick anzuraten.
Da
lohnt es, scheinbar naheliegende Verbote und Maßnahmen etwas genauer zu
betrachten und durchaus auch einen möglichen Hintersinn -
beziehungsweise unbeabsichtigte Folgen - zu bedenken.
Zwar
beginnt die freidrehende Narrenzeit des Wahlkampfs, in dem viel
verkündet und wenig letztlich umgesetzt wird. Aber ungeachtet dessen
ist, selbst wenn es bei reinem Gerede bleiben sollte, mindestens die
Gefahr einer Akzeptanzschaffung für die Aufweichung unserer
freiheitlichen Grundpfeiler gegeben.
*)Wo wir gerade bei bovidae
sind: Nein, nicht das im Sinne des Volksmunds, sondern poales,
also ganz gewöhnliches Wald- und Wiesengras ... tu
nichts ohne Deinen Disclaimer.
16/03/09
"Amoklauf" von Winnenden, Heroisierung durch die Medien und Stellvertreterdebatten
Winnenden präsentiert sich einmal mehr als Paradebeispiel für den
sorglosen, man möchte sagen verantwortungslosen Umgang der Presse mit
Katastrophen. Im Falle von School Shootings (die nicht mit Amokläufen
per se gleichzusetzen sind) gewinnt dies in sofern besonderes Gewicht,
als gerade die Medienberichterstattung einen besonderen Anreiz auf
Nachahmungstäter ausüben kann: Hier bietet sich ein Weg zur postmortalen
Unsterblichkeit, zur Darstellung als Held (siehe dazu "Riss
in der Tafel" u. a.). Dieser Umstand ist auch durchaus bekannt. Und
trotzdem folgen die Medien auch nach der Tat von Winnenden ihren alten
Reflexen und den Wünschen der Täter.
Beispiel "Hart
aber Fair", am Abend nach der Tat: Hier wurde ein guter Teil der
Sendezeit zum einen für "Killerspiele" verwendet, zum anderen für
"Mobbing". Beides erscheint mir höchst problematisch.
- Die "Killerspiel"-Debatte ist eine Politikern sehr willkommene Stellvertreterdebatte, über die man sich gut empören und wohlfeil Stimmung machen kann, ohne aber in die Verlegenheit zu geraten, schmerzhafte (also teure) Konsequenzen zu ziehen. Welche Rolle solche Spiele im Leben des aktuellen Täters spielten, war zu dem Zeitpunkt keineswegs bekannt, hier konnten allenfalls Vermutungen angestellt werden.
- Das "Mobbing" wiederum ermöglicht Nachahmungstätern, ihre Taten zu entschuldigen - dieser Täter hat sich schließlich "nur" an seiner Umwelt "gerächt". Nicht er ist Schuld an der Tat, sondern die Umwelt, die ihn nach seinem Empfinden (!) stets ungerecht behandelt.
- In der Bildstrecke der Sendung werden Täter vorangegangener Taten verfremdet dargestellt; dann aber wird ausgerechnet einer der besonders medienumtriebigen Täter - er versendete ein umfangreiches Pressepaket mit Posefotos und Videos - in seiner ganzen posierten "Macht" unverfremdet und mehrfach gezeigt; und auch der Täter von Emsdetten darf sich heldenhaft mit Sonnenbrille darstellen. Vorbildlich immerhin ist die zumeist verfremdete Darstellung des aktuellen Täters.
Beispiel Printausgabe des "SPIEGEL": Dem aktuellen Täter wird eben jener
Wunsch erfüllt, der gemäß ihren Aussagen viele seiner Vorgänger ganz
wesentlich umtrieb: Er wird medial scheinbar unsterblich gemacht, indem
der SPIEGEL die Titelseite mit ihm schmückt, als
Vollabbildung, unverfremdet, und ihn dann auch noch effektvoll "Killer"
benennt. Und auch der Held Täter von Emsdetten findet
sich in der Online-Ausgabe des Blattes mit seinem pistolenbewährten
Superstar-Photo wieder. Bessere Werbung kann sich ein Mörder nicht
wünschen. Und einen besseren Anreiz, es dem Täter nachtzutun oder ihn
gar zu übertreffen, kann man kaum liefern. Es ist zynisch, daß eben
diese Medien dann über wirksame Prävention von Taten diskutieren.
Gratulation.
Nachtrag: Und was tut die - bislang - hochgeschätzte DIE ZEIT? In
einem mehrseitigen Artikel wird der Täter als Kapitelaufmacher im
Portrait erhöht, und nicht nur das, auch die Täter der Vergangenheit
bekommen eine Heldengalerie, mit Anzahl ihrer Opfer und unverfremdeten
Abbildungen ihrer selbst.
Nachtrag 2: Das Land der
Unbegrenzten Möglichkeiten ist uns mal wieder um eine Nasenllänge voraus
und trainiert
seine Kinder (konkret: seine Pfadfinder ...) gleich richtig an der Waffe,
mit Uniformen, Kampfgewehrattrappe, SWAT-Übungen und schönen
rassistisch-menschenverachtenden Feindbildern. "“I like shooting
them,” Cathy said. “I like the sound they make. It gets me excited.”"
-- Yeah, right, little girl.
10/02/09
Verantwortungslos
Daß es sich in Sachen Verantwortungsbewußtsein im Verhältnis zur Politik
ähnlich verhält wie mit Ehrlichkeit und Politik, ist keine neue
Erkenntnis. Dennoch, die Dreistigkeit ist ärgerlich, mit der unsere
Damen und Herren Volksvertreter auf dem besten Wege sind die Demokratie
an die Wand zu fahren. Jüngstes Beispiel ist die Forderung eines
"freiwilligen Verzichts" auf Bonuszahlungen der Bänker bei
gleichzeitigem Zuschiessen von Steuergeldern.
Nicht nur, daß eine
solche Forderung auf "freiwilliger Basis" für sich genommen schon
lächerlich ist. Nein, sie ermöglicht es den überreichen Mitschuldigen
auch noch, sich großmütig zu geben, falls sie tatsächlich einen kleinen
Teil ihrer Raffsucht zurückstellen. Und auf der anderen Seite wird eine
Kassiererin wegen der mutmaßlichen Entwendung von 1,30€ rechtswirksam
entlassen, eine Frau, die ihr Einkommen sicherlich etwas nötiger hat
als managende Millionäre.
Dergleichen Absonderlichkeiten spotten
jedem Gerechtigkeitsempfinden. Da wundert es nicht, wenn Extreme
Oberwasser erhalten - Dresden
kommt nicht von ungefähr. Und das wiederholt
menschenverachtende
Gelaber eines offenbar völlig rücksichts- und würdelosen jungschen
JU-Vorsitzenden (also bestes Abgeordnetenmaterial) fügt sich da prächtig
ein.*
*Und nicht weniger bezeichnend ist, daß ein
Führungskader der Jungsozialisten aus dem lattemacchiatoschlürfenden
Teil Berlins freimütig
bekennt, diese Person, die meines Erachtens das Etikett
"opportunistischer Hassprediger" verdienen würde, wäre da nicht a. mein
Anstand und b. die sicherlich überreiche Rechtsabteilung der JU vor, sei
ihr sympathisch und mit ihr würde sie durchaus gern einen trinken gehen.
Es kann angesichts dessen einem Bürger mit mindestens einem Hauch Würde
im Leib doch nur speiübel werden.
03/02/09
"Doktor Tod"
Ist es wirklich sinnvoll, einen Mörder und Schwerstverbrecher auch noch ständig mit einem solchen, für gewisse Kreise sicherlich durchaus kultfähigen Namen zu benennen ... andererseits ist das spätestens mit Mein Leben Mit Hitler, Hitlers Zahnbürsten, Hitler und die Hunde, Hitlers Frauen, Titel-Pin-Up Hilter I-MDCCCXII in öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und Printmagazinen durchaus angesagt.
18/12/08
Begegnung mit dem Amtsschimmel
Man beantrage einen neuen Führerschein. Sobald er ausgestellt ist, gehe
man hin, ihn abzuholen. Reihe sich ein in das Wesen namens Amtsschlange,
das sich vor dem Informationsschalter ringelt. Sage nach zwanzig Minuten
seinen Namen und zeige seinen Ausweis. Begebe sich mit dem Hinweis,
aufgerufen zu werden, auf eine der Wartebänke. Möge weitere zwanzig
Minuten verstreichen lassen, gern auch mehr. Werde aufgerufen, erhebe
sich, betrete sodann den Raum von Schalter Nr. 1, wahlweise auch Nr. 2
oder Nr. 3. Nehme seinen Führerschein entgegen und quittiere den Empfang
mit einer Unterschrift. Und verlasse nach einer Dreiviertelstunde das
Amt. Eine Dreiviertelstunde, in der man nur
a.) seinen Namen am
Informationsschalter genannt und
b.) den fertigen Führerschein am
Ausgabeschalter entgegengenommen hat, sonst NICHTS. Eine Planung
organisatorischer Abläufe von einer Effizienz, bei der selbst jeder
Frittenbudenbesitzer die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde (und
danach pleite ginge).
Man müsste den Bediensteten im Amt begreiflich machen, daß sie vom Staat
bezahlt werden.
Daß dieser Staat seinerseits von seinen Bürgern - das
sind wir* - bezahlt wird, was sich gemeinhin Steuern nennt.
Daß wir
desweiteren aber nur Steuern entrichten können, wenn wir Geld verdienen.
Daß
wir nur dann Geld verdienen, wenn wir arbeiten können.
Daß wir
nur dann arbeiten können, wenn wir Zeit dafür haben.
Und
daß enthirntes Herumstehen und Herumsitzen zur Abholung eines simplen
Dokuments nicht zu jener Form von Zeit gehört.
Na,
wundert sich noch jemand über Staatsverschuldung?
*) Abgesehen natürlich von den
Wartezeitminimalentschädigungsberechtigten, sprich Arbeitslosen.
15/12/08
Ein Polizist braucht noch Nachhilfe
12/12/08
Empfehlung: Die Logik des digitalen Nutzungsrechts
Stichwort Musikindustrie, Urheberrecht, Nutzungsrecht, sog. "Geistiges Eigentum" ... ein sehr sehenswerter Film von Mario Sixtus, unter anderem zu sehen beim Schockwellenreiter. Ansehen!
30/11/08
Berliner Finanzpolitik: Ein Narr, wer nichts Böses dabei denkt?
Der Berliner Senat gibt bekannt: Die Hauptstadt investiert demnächst laut
Berliner Zeitung mindestens 32.000.000 € plus lockeren 440.000.000€
vom Bund und 80.000.000€ von Spendern, um ein schmuckes Pappschlösschen
"wieder-" aufzubauen (warum eigentlich nicht gleich den alten Willem zwo
wieder aus der Gruft holen?).
Auf der anderen Seite erlaubt sich
Berlin, seinem Bezirk Pankow mit einer Haushaltssperre zu drohen, da der
Bezirk mit
rund 32.000.000 € zu hohe Schulden habe (wie sich die Zahlen
ähneln ...) –- und es besteht der Verdacht, daß von der Haushaltssperre,
über die im Dezember befunden wird, stark der Bereich Jugend und
Soziales betroffen sein wird. Und zwar mit rund 2.200.000€.
Vergleichsweise
wenig Geld, das aber eine um so größere Wirkung hat: Man sollte meinen,
daß die Bedeutung des Begriffs Prävention und die
Nachhaltigkeit von Jugendarbeit in den letzten Jahren Eingang ins Hirn
der Menschen gefunden habe, und doch scheinen solche Befürchtungen alles
andere als unbegründet.
Um den kurzsichtigen Kürzungen vorzuschützen, sei auf eine entsprechende Unterschriftenaktion im Folgenden hingewiesen (es wäre allerdings geschickt, das Formular auffindbar ins Netz zu stellen ...):
|
Liebe Freunde, |
15/11/08
Ursula Rogg, Nord Neukölln: Ein Frontbericht aus dem Klassenzimmer
"In dem Gymnasium in Nord-Neukölln, hundert Meter von der Rütli-Schule", wie es sinngemäß im DLF bei Denis Scheck hieß, wo allerdings gleich mit dem blödsinnigen, wenngleich so angenehm aufregenden "Ghetto"-Begriff gearbeitet wurde.
Soso, ein Buch also über die Schule, an der meine Jugger-AG läuft und die von außen durchaus eher engagiert wirkt ... na das hol ich mir mal. Die Lehrerin wird wohl den Neukölln-Flair nicht als Verkaufstreibsatz nutzen, und auch ihre Kolleginnen und Kollegen - ja, Lehrer sind spezielle Personen - nimmt sie offenbar aufs Korn. Das Titelbild mit den vermummten Schülern rechts oben ist allerdings mal wieder ein voller Schlag ins Kontor. Gratulation an den Verlag.
Bei der Gelegenheit in eigener Sache:
Der Uhu ist auf
verschärftem Beuteflug in der Dämmerung dieses Jahres, daher derzeit nur
selten Neueinträge in den Droppings - sorry ...
19/10/08
500.000.000.000 Euro oder 1.000.000.000.000 Deutsche Mark
... fallen einfach so mal eben vom Himmel.
Bedauerlicherweise fehlte
und fehlt es für Bildung und Soziales an Geld.
Wir sind
schon niedliche kleine Masochisten. Oder auch Irre.
Anmerkung
- Ich erlaube mir bei der Währungsumrechnung kaufmännisch
aufzurunden, es sind ja im Sinne deutscher Banken Peanuts.
15/08/08
Kalter Wahlkampf
Das ist wirklich sehr geschickt. Kaum zeigt sich vor den Wahlen ein ernstzunehmender Gegner des gegenwärtigen Gestrüpps, da holt die moralinsaure Supermacht mal eben den Kalten Krieg aus dem Schrank. War wohl kein Saddam mehr übrig. Und schon stehen nun endlich auch Raketen in Polen. Angesichts der Verbindungen Georgiens mit der moralinsauren Supermacht kann man da schon das sagenhafte Timing Georgiens bewundern ... Ein Beitrag zum Thema im Guardian.
Womit das Vorgehen der Russen nicht kleingeredet, der Ursprung des Konflikts allerdings auch nicht aus den Augen verloren werden darf. Und wenn das mal kein außenpolitisches Meisterstück der Guten gewesen war.
12/08/08
Geschichte der Creative Commons
Ein ebenso erleuchtender, wie auch technisch-strukturell exzellent gemachter Vortrag von Lawrence Lessig zur Entwicklung der Creative Commons, der auch die antikreativen (aber Einzelnen sehr, sehr gewinnbringenden) Folgen zu langen bzw. überscharfen Urheberrechtsschutzes aufgreift. Und erklärt, wie Copyright als prächtiges Steuerungsinstrument der Kultur missbraucht werden kann:
14/06/08
Anonymous: Ein Internet-Phänomen
Anonymous, bekannt
geworden durch ein Video auf youtube, ist eine Protestbewegung gegen
Scientr010vgy.
Da Scientr010vgy
in der Vergangenheit gern Daten über Protestierer sammelte, ist
"Anonymous" eben ... anonym. Was dazu führt, daß im Internet de facto
jeder anonymous sein kann: Jeder kann sich diesen Namen geben, eine
identifizierbare Gestalt hat Anonymous nicht. Trotzdem funktioniert die
Bewegung, und zugleich ist die Anonymität gegenüber der mächtigen
Organiosation der entscheidende Faktor, der Proteste erst in größerem
Rahmen ermöglicht.
So kommt es, daß aus dem Video nun eine weltweite, via
Internet vernetzte Portestbewegung gegen die Sekte entstanden ist
und regelmäßig Demos vor den Scientr010vgy-Zentralen
abhält. Faszinierenderweise anonym, also ohne feste
Organisationsstruktur. Jeder kann sich eine Guy Fawkes-Maske überziehen
und sich an Organsiation und Durchfühgrung der Proteste beteiligen,
jeder kann bei der Planung mitdiskutieren.In Berlin läßt die Polizei
hier ein beachtliches Demokratieverständis walten, indem sie das Tragen
der Masken erlaubt; schließlich kann sie den Schutz der Demonstrierenden
nach der Demo nicht garantieren. Im konservativen Stuttgart muß der
Protestierende dagegen, da unmaskiert, mit Kartierung, Identifikation
und Verfolgung durch Gegner rechnen.
Auf die Straße gehts
beispielsweise heute
Mittag in Berlin. Auch das Fliegende
Spaghettimonster läßt sich diese Gelegenheit nicht entgehen.
Scientr010vgy ist eine Sache, mit der umgegangen werden will. Da ist dieser gutgelaunte und doch sehr ernste Protest, denke ich, genau der richtige Weg. Lästig sein wird er der Firma auf jeden Fall. Zeit, eine Maske zu bauen.
11/06/08
Berliner Zustände 2007: Dunkelfeld Rechtsextremismus
Der "Schattenbericht Berliner Zustände 2007" ist
als 64seitiges PDF frei ladbar und beobachtet Vorkommnisse
rechtsextremer Gewalt, Rassismus und Antisemitismus. Insgesamt
fokussiert der Bericht neben den Zahlen von ReachOut,
die mit Berichten über einzelne Opfer rechter Gewaltverbrecher versehen
sind, auch auf das teilweise durchaus skandalös zu nennende Verhalten
von Justiz und Ermittlungsbehörden, das in dem Kottbusser Fall ja auch
gerade wieder seine Bestätigung fand. Ein an sich schon erschreckendes
Zitat aus dem Beitrag von ReachOut: "Ein harmonisches Miteinander
kann es nicht geben, solange bspw. das Landeskriminalamt
MitarbeiterInnen beschäftigt, die persönliche Daten von
antifaschistischen AktivistInnen an organisierte Rechtsextremisten
weitergeben."
Der Schattenbericht untermauert die
Einschätzung eines Experten, der in einem Fernsehinterview kürzlich
feststellte, daß die Erwähnung von rechter und linker Gefahr in einem
Atemzug unangebracht sei: Linker Radikalismus findet keinen Rückhalt in
der Bevölkerung oder in den Behörden. Rechtsradikalismus dagegen ganz
offensichtlich durchaus, und gelegentlich sogar bei letzteren.
In anderen Bereichen ist der Bericht recht diskussionsbedürftig, so in
der m. E. reichlich akademischen und fragwürdigen Definition von
Rassismus im Beitrag "Rassismus gegen Deutsche?", die m. E. den
reichlich unglücklichen und wenig hilfreichen Ansatz eines
"Einbahnstraßen-Rassismus" vertritt (nach dem, wenn ich ihn richtig
verstanden habe, beispielsweise in Deutschland lebende "Graue
Wölfe" keine Rassisten sein können).
Auch das
Zitat im Folgebeitrag, "Rassismus ist historisch und politisch mit
der Konstruktion der »weißen Rasse« verbunden",
mag wie hier pauschalisiert dargestellt zwar emotional befriedigend und
scheinbar zweckdienlich gegen Begriffsaufweichung sein, ist aber
nichtsdestoweniger schlicht falsch und sollte wenn, dann nur spezifisch
örtlich und zeitlich definiert verwendet werden. Gerade in einer Debatte
wie dieser ist eine klare, sachliche und auch begrifflich sehr bedachte
Herangehensweise, ebenso wie eine klare Differenzierung essentiell.
Nicht zuletzt für die öffentliche Akzeptanz von derlei an sich so
wichtigen Berichten ist es sonst eher kontraproduktiv. Wichtig, zumal diese
Beiträge durchaus Grundaussagen enthalten, denen meist zu wenig
Aufmerksamkeit geschenkt wird; beispielsweise zur Wechselwirkung von
rassistischem Verhalten und dessen Entschuldigungen.
Am Rande erwähnt seien Eigenarten ästhetischer Natur, die Verwendung des
leider immernoch recht verbreiteten typoästhetischen Grauens des
"-Innen" nämlich, das die Augen tränen lässt (schönste und sehr
deutsch-korrekte Gendertypokapriole: "einE türkischeR DeutscheR".
Nebenbei: Das Mainzer Studentenwerk hatte auf den Mensakarten Ende der
90er Jahre "Student/innen/en" gedruckt).
10/06/08
Die sogenannten "Grauen Wölfe"
... haben bei uns nun wirklich rein gar nichts verloren. Die testosteronüberquellenden Goldkettchenböcke würden, wenn sie schlau wären, jedenfalls ganz hervorragend zu ihren Geistesbrüdern des deutschen und erschreckend erfolgreichen Pendants passen; aber dazu mangelt es ja zum Glück üblicherweise an der erforderlichen Menge Gehirnschmalz der braunen Herrschaften, seien sie nun türkisch oder reichsdeutsch.
Mit den Drag
Kings in Berlin (was es nicht alles gibt), die mit dem
selbstgerechten Haufen Bekanntschaft machen durften, kann man jedenfalls
nur Solidariät empfinden. Und die Mädels lassen sich zum Glück wenig
gefallen.
Nachtrag:
Das Weblog "Graue
Wölfe in Neukölln" befasst sich mit den Grauen in Neukölln.
17/04/08
Die Grünen kuscheln mit Exschillkumpel Ole
Und demnächst auf dem Spielplan: Der Grüne Koch. Wählen macht richtig dolle Sinn, wenn die Wahl einen so riesig klasse Unterschied macht ... helau!
14/04/08
Demonstrationen des anonymous in München, Berlin und anderswo
Am vergangenen Samstag gab es wieder in mehreren Städten Proteste von anonymous
gegen Szcientp0l0gy
. Auch die Kirche
des Fliegenden Spaghettimonsters gab sich die Ehre. Da es sich um
ein durchaus ernstes Thema handelt, ist es um so erfreulicher, daß anonymous
offenbar gedeiht. Wer ebenfalls anonym gegen Szcientp0l0gy
demonstrieren möchte, kann dies am 10.5. das nächste mal mit anderen
tun; im Wiki
und im Forum
stehen nähere Auskünfte.
Für die Guy Fawkes-Maske gibts hier
eine Bastelanleitung.
Videos von den Demos finden sich unter anderem hier.
11/04/08
Deutsche Bahn und Vergangenheitsbewältigung: Da fehlt doch was ...
... aber das ist für ein von dem Geld der Bürger finanziertes Unternehmen, das nicht nur laut dem Magazin Kontraste absurde Nutzungsgebühren für unbetreute Bahnhöfe verlangt und dessen Preisbegründung für die Schienenetznutzung - Absurdistan reloaded - nicht mal die Bundesnetzagentur kontrollieren darf; und das nun mit aller Macht an der Börse verscherbelt werden soll, nicht weiter verwunderlich.
So soll dem "Zug der Erinnerung" der Halt am Berliner Hauptbahnhof verweigert werden. Zur Erinnerung: Dieser Zug erinnert an die Deportationen mittels Eisenbahn in der Nazizeit. Aber derlei schadet vermutlich den Aktienkursen. Wer das merkwürdig findet und dagegen aufbegehren will, kann zwar als mündiger Büger natürlich nicht effektiv handeln, jedoch immerhin am Samstag an der entsprechenden Demo am Brandenburger Tor teilnehmen. Auch im Ausland wird die Sache wahrgenommen.
Und zu dem Verdacht, die (noch "unsere") Bahn würde ihre Bilanz massiv schönen, um an die Börse zu kommen, findet sich hier eine recht interessante Aufschlüsselung (siehe auch in den Kommentaren dort). Heuschrecken helau!
18/03/08
Catch terrorists via phone numbers - wtfomgsobbbqroflolorlyowl
I just wanted to order four lapel pins connected to the Flying
Spaghetti Monster satire (YES, four little pins which you might
consider to be attached to a jacket, NO, not a bomb jacket, and NO, not
poisoned, radiated, explosive, sharpened, one meter long and pointed or
something, just four bloody freaking* little 1 centimeter silver
coated pins!) and for some reason didn't fill in my telephone number
into the order form (the reseller won't make a call to Germany anyway,
reason being that would be more expensive than the stuff I ordered), and
I, yes indeed, I received an email reading:
| Our government won't allow us to send any packages out of the country without a telephone number for the recipient. They think it'll help them catch terrorists or something. |
Hell yes, I think I am a real threat to the US with four pins - what does he need four lapel pins for? Why four? Where could he stick them? I mean, four of them? Small pebbles piloting a huge landslide? Shall we bomb Neukölln as a precaution?** - at my hand and no number for the CIA to call me!
Well, okay, got me - I hereby solemnly swear that the Flying Spaghetti Monster will not do any harm to the US (well, it's church has been founded there, so a lot of persuading power would have been necessary anyway), at least not on my behalf! Wtfomgsobbbqroflolorlyowlgetout.
And yes, surely they need these phone numbers for something else, whatever that might be. But following the logic of the US governments frantic private data harvesting (up to the which menu did you order on your flight kind), the assumption that they in fact do want the phone number for catching terrorists more easily just seems to fit too well ... and it does indeed, since I was told the phone numbers weren't required before 9/11.
Addendum:
**)Not such a bad idea even to many Berliners. So, on second thought ...
27/01/08
Kaum zu glauben: Es findet sich noch Vernunft ...
Wahrlich ein ungewohnter Anblick, nicht überzubewerten, aber zugleich doch ein wenig beruhigend: Ein Quentchen Vernunft beim Wahlvolk eines deutschen Bundeslandes. Dieses Mal warf es sich nicht den allein um ihres eigenen Machtgewinns Willen menschenverachtend hetzenden Rattenfängern zu Füßen. Oder fast nicht.
04/12/07
Schutz vor Taser-Waffen patentiert
Nachdem Taser und Co., die Elektroschockgeräte für den kleinen Mann von der Straße und für schießwütige US-Polizeien, gerne auch nicht nur lähmen, sondern gleich reinen Tisch machen und töten, wurde nun ein Patent für eine entsprechende Schutzkleidung eingereicht. Zudem gibt es bereits Systeme zur Eindämmung des unwilligen Pöbels, sprich gegen Demonstrationen.
Eigentlich sollte eine Fechter-E-Weste und ein normales Fechteroberteil den gleichen Job tun. Im Land der unbegrenzten Freiheit jedenfalls scheint solcherlei zu tragen nach den vergangenen Elektro-Amokläufen wohl empfehlenswert.
21/11/07
Wann hat ein Innenminister seinen Hut zu nehmen?
In sofern: Mit "Würde" hat dies alles ohnehin schon lange nichts mehr zu tun.
Nachtrag:
Und Herr Schäuble legitimierte gerade (1.12.) in seiner bekannt brillanten Rhetorik indirekt Guantanamo, indem er offenließ, was uns ohne Guantanamo durch Terrorismus drohe. Geradezu (und in jedem Sinne) grenzenloser Menschenrechtsbruch scheint für diesen Herrn demnach anscheinend, könnte man eventuell meinen, keine nennenswerte Hürde darzustellen. Mit solchen Freunden braucht ein Staat wirklich keine ... mehr.
Man sollte doch mal eine Liste aller Äußerungen dieser Art und dieses Herren anfertigen.
29/10/07
Demokratischer Sozialismus
Daß ich nicht lache. Diese
Worte von einer Partei, deren aufsteigender Jugendorganisatons-Chef
in der Sendung "extra 3" offen bekennt, daß er den ganz speziell
sozialen Keine-Hüftgelenke-Für-Alte-Missfelder von der Konkurrenz
sympathisch findet und gern mit ihm einen trinken geht. Ihre SPD, die
sich schon in grauer Vorzeit unter anderem als Freikorpsbefürworter*
sehr sozialistisch geben durfte und auch zu Zeiten der Großen Koalition
der 60er Jahre ein recht interessantes Bild abgab.
Andererseits würde
man sich durch Taten ja gern von einem positiveren Bild überzeugen
lassen - in diesem Sinne ...
*) u. a. durch den legendären Herrn Friedrich Ebert. Siehe z.B. Haffner, Von Bismark..., Knaur 2001, 172 et al.
26/10/07
José Saramago: Die Stadt der Sehenden
Nachdem die Buchhändlerin Saramagos jüngstes Buch über den
abwesenden Tod nicht im Regal stehen hatte (so viel zum Sortiment
unserer Buchhandelsketten, immerhin ist er Nobelpreisträger), fand sich
die gleichfalls als Taschenbuch erschienene Ausgabe der "Stadt der
Sehenden" (Rezension).
Und diese Wahl war nicht zu bereuen: Nachdem Saramago in der "Stadt der
Blinden" auf schauerliche Art in die Abgründe der menschlichen Seele
eingetaucht war, nimmt er sich in der "Stadt
der Sehenden" den Staatsapparat als solchen vor.
Als die Stimmzettel einer hauptstädtischen Kommunalwahl auf
unerklärliche Weise überwiegend weiß geworden sind, reagiert die
Regierung hysterisch - sie geht von einer Verschwörung des Volkes gegen
sie aus, nimmt dies als persönlichen Angriff, läßt die Wähler bei der
Wahlwiederholung beschatten und foltert eine Auswahl an unbescholtenen
Bürgern, als trotz aller Beschattung wiederum überwiegend weiße
Stimmzettel auftauchen.
Da die Ursache des Weißwählens aber weiterhin
im Dunkeln bleibt, wird die Hauptstadt kurzerhand in
"Belagerungszustand" versetzt, nach dem besonders der Innenminister als
Konkurrent des Verteidigungsministers lechzt - die Regierung des Landes
evakuiert sich und belagert die eigene Hauptstadt. Auf faszinierende
Weise schafft sie sich durch ihre paranoiden Ängste ihre eigenen
Chimären, durch deren Bekämpfung wieder neue Chimären gezeugt werden.
Zudem geht es der Regierung auch nicht um das Wohl ihres Volkes,
vielmehr werden die Entscheidungen aus persönlichen Machtbedürfnissen
der einzelnen Minister, aus ihrem verletzten "Ehrgefühl" heraus
getroffen. Die Regierung kämpft gegen das eigene Volk, ohne daß sie
weiß, wogegen sie eigentlich kämpft. Da die belagerte Hauptstadt jedoch
ganz gut ohne Regierung und Polizei funktioniert, werden Agent
Provocateurs eingeschleust, die unter anderem einen Terrroranschlag auf
die Bahnstation verüben, der offiziell natürlich von den wie auch immer
gearteten "Weißwählern" stammen soll. Stets unter Beteuerung, alles nur
um der Erhaltung des Staates und der Demokratie Willen zu tun, wandelt
sich der Statt in ein rücksichtsloses, totalitäres Gebilde.
Eine Groteske, die, wie immer in Saramagos einzigartig faszinierendem Stil geschrieben, unterhaltsam schildert, wie die Ellenbogenqualifikation sogenannter Volksvertreter zu absurden Ereignissen führt, wenn der Bürger sich allzu souverän verhält. Und angesichts der Technikgläubigkeit gegenüber Wahlcomputern und absurden Wahlstift-Kreationen von ganz eigener Aktualität.
18/10/07
Wahlcomputer: Das zentralste aller demokratischen Rechte an der Tür abgeben
... das der Wahl nämlich, ohne die eine Demokratie bekanntermaßen
schlicht nicht existiert. Wahlcomputer sind nicht nur überflüssiger
Technologiefetischismus (es hat bis heute prima von Hand funktioniert,
nicht wahr?), sondern darüber hinaus kennt fast keiner ihre
Funktionsweise:
"In der Bundesrepublik gibt es lediglich drei
Personen, die nachvollziehen können, wie die elektronische Erfassung,
Speicherung und Zählung von Wählerstimmen an den etwa 2500 für
politische Wahlen bereits eingesetzten Wahlcomputern funktioniert. " - weiterlesen
Bleiben
wir bitte beim Papierwahlzettel, Finger weg von dem Technikschrott. Er
ist giftig.
02/10/07
"Gewalt-Sehen-Helfen" mit einem gedankenlosen Werbespot?
Ein Beispiel für mehr als grenzwärtige Zivilcourage-Werbung:
Dieser
Spot bei Youtube zeigt eine Gruppe ausländischer (auf den ersten
Blick türkisch-arabisch anmutender) Jugendlicher, die eine Frau im Bus
belästigen, und alle sehen weg - bis auf das kleine hellhaarige Mädchen,
das schließlich zu kreischen beginnt. Dem Impressum nach ein Film des Präventionsrates
der Stadt Frankfurt am Main- dazu gehören laut Webseite
(deren Authentizität via DENIC-Abfrage bestätigt werden kann) "Sicherheitsdezernent,
Polizeipräsident, Leiter d. Staatsanwaltschaft, Bürgermeister,
Dezernenten für Integration, Soziales und Bildung".
So
gut die Intention dieses Beitrags sein mag (wenn sie es ist), stellt er
doch eine meines Erachtens mindestens problematische, um nicht zu sagen
gedankenlose Gratwanderung dar. Schließlich scheint sich mir dieser Spot
selbst als Wahlwerbung für die NPD zu eignen, ist er doch m. E.
prädestiniert dazu, die Angst vor der klassischen "Türkischen
Jugendbande", und damit vor Ausländern allgemein, zu schüren und an den
"Aufrechten Deutschen" zu appelieren. Zudem eine Filmästhetik, bei der
es einem kalt den Rücken hinunterläuft.
Nein, dieser Spot war ein Mißgriff, sofern man nicht eine entsprechende rechtshintergründige Absicht unterstellen will - oder eine böswillige Fälschung der Herkunft des Spots. Eine entsprechende Anfrage ist gestellt.
Nachtrag:
Bestätigung erhalten: Das Video ist authentisch.
22/08/07
Zum Umgang mit Neonazis: Ein praktischer Ratgeber
Nachdem sich in Folge der Hetzjagd durch rund 50 deutsche Jugendliche im sächsischen Mügeln ein vielleicht erschreckendes, aber ganz sicher nicht überraschendes Trauerspiel in Bezug auf die Reaktion der Mügelner Bürger zugetragen hat, stellt sich wieder einmal die Frage, wie mit den "neuen" Neonazis und ihren zunehmend wirkungsvollen Strategien umzugehen ist. Ebenfalls interessant, daß es der spontanen Antifa-Demonstration vor Ort bedurfte, um den Mügelner Bürgern ihre eigene Schande unter die Nase zu reiben. Das Pack wird für viele Mügelner aber wohl immernoch eher die Antifa als der nette adrette Neonazi von nebenan bleiben. Da passt der Hitlergruß eines älteren Herrn am Rande der Demo ganz gut ins Bild. Ebenso wie der Mangel an Zeugen für die Tat.
Daß eine Grundregel lautet, rechtem Gesindel keinen Raum in öffentlichen
Diskussionen einzuräumen, wird nun in
einer hilfreichen und übersichtlichen Broschüre - an der
auch das Bundesland Sachsen-Anhalt beteiligt ist - ebenso erläutert wie
der Umgang mit den anderen öffentlichkeitswirksamen Strategien der
Neonazis. Dazu werden auch für eigene Veranstaltungen relevante Fragen
beleuchtet, beispielsweise die effektive Anwendung des Hausrechts.
Die
Lektüre (PDF) kann empfohlen werden.
19/08/07
Terrorist werden leichtgemacht: Doktortitel, Bibliotheksbesuch und Forschung zu "Gentrification"
Die genauen Hintergründe der Verhaftung sind natürlich nicht bekannt; einem Jeden sei das nähere Befassen damit nahegelegt.
Es mutet jedoch merkwürdig an, wenn ein Universitätsbediensteter auf Grund seiner Forschung zur Yuppiesierung (fachterminologisch als "Gentrification" / "Gentrifizierung" bezeichnet), Zugang zu Unibibliotheken und Treffen mit einer MG-nahen Person, deren Gesprächsihalt aber angeblich auch dem BKA nicht bekannt ist, in Untersuchungshaft landet - wegen Terrorismusverdacht und Nähe zu einer Terroristischen Vereinigung. In einem eigenen Weblog wird über die Auswirkungen der Beschattungsmaßnahmen gegen ihn aus erster Hand berichtet.
Nun würde es zum Charakter deutscher Universitäten gut passen, die ihre
Dozenten auch gern gratis arbeiten lassen und ihnen auch noch einen
Tritt als Dank nachreichen,* wenn die HU ihren Wissenschaftler im Regen
stehen ließe. Immerhin haben eine Reihe von Soziologen das Rückgrat
bewiesen, einen offenen Brief zu verfassen, der hier
nachzulesen ist (PDF).
Ein Auszug:
|
(...) Der Verdacht auf die Zugehörigkeit zu einer
terroristischen Vereinigung wird nach Auskunft der
Rechtsvertreter von Dr Andrej H. nämlich inhaltlich wie folgt
begründet: |
Ein Einzelfall? Begründeter Verdacht, der aus vielleicht guten Gründen
nicht veröffentlicht wird? Es bleibt zu hoffen. Dann wäre es den
Ermittlungsbehören anzulasten, daß sie hier nicht die notwendige
Transparenz schaffen, um das Vertrauen in den Rechtsstaat zu erhalten
(auch wenn das Abwägen zwischen der Herausgabe von ermittlungsrelevanten
Informationen und ihrer Zurückhaltung sicher oft einen Eiertanz
darstellt). Schlimmer aber andernfalls: Dann haben wir, in Kombination
mit der zunehmenden Überwachung, einen scheindemokratischen Polizeistaat
direkt vor unserer Tür und kümmerten uns nicht einmal sonderlich darum.
Nachtrag:
Immerhin
beweist der BGH Vernunft: Der
Haftbefehl ist mittlerweile aufgehoben worden.
*) Man darf für einen Hungerlohn ein Semster dozieren (gern auch gratis)
und dann noch Magistranden über ein weiteres Jahr betreuen. Und wenn man
Bücher an eine Uni schickt, die sie zur Eignungsprüfung als Professor
anfordert, darf man das Rückporto selber zahlen. So einem Kollegen und
ausgewiesenen Wissenschaftler geschehen. DAS ist gelebte deutsche
Bildungspolitik. Man möchte sagen: Helau!
07/07/07
Darf ein Politiker die Verkrüppelung des Grundgesetzes fordern?
Ja. Darf er. Und nicht nur, wenn er für eine rechtsextreme Partei
spricht. Denn nichts
anderes verlangt unser Herr Innenminister mit seinen Forderungen,
könnte man böswillig vermuten, obwohl er sicherheitshalber fordert, sie
auf sie auf ihre "Verfassungsmäßigkeit" zu prüfen. Was nahelegt, daß er
sie vermutlich nur geäußert hat, um den Weg zu bereiten für jetzt nicht
mehr so aufsehenserregende kleinere Verschärfungen.
Das wäre
dann also sozusagen eine Narkose des demokratischen Rechtsempfindens in
der Form, daß der Täter dem Opfer erst eine reinhaut, damit diesem das
Brandmarken nicht mehr so wehtut. Aber diese Vermutung wäre natürlich
reine Spekulation - Politik ist doch was Schönes.
Nachtrag:
Der
rechtspolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, ein gewisser Geis,
möchte mal eben das Recht auf ein eigenes Verfahren abschaffen. Das ist
nun der Kern des Rechtsstaats, ohne das er seine Bezeichnung - und die
bürgerlich-demokratische Unterstützung - wohl kaum mehr verdient hätte.
Es darf ein Abgeordneter also ungeschoren tun, was bei anderen unter
großem Getöse als "staatsfeindliches Verhalten" zu Beobachtung und
Bestrafung führt. Was hier herbeigeredet wird, ist kein Affentheater
mehr, sondern ein Spiel mit dem Feuer. Höchste Zeit, den
Verantwortungslosen eins auf die Finger zu geben. Oder unsere Verfassung
verkommt entgültig zur Profilierungspuppe für Machthungrige.
Hier,
was diese Person von sich gab:
"In diesem Fall ohne Prozess. Das
geht schwer runter, das sage ich Ihnen, das fällt einem nicht leicht vor
allen Dingen dann, wenn man, so wie ich auch, immer wieder sagt, dass
wir die freiheitlichste Grundordnung haben, die wir je hatten. Aber es
geht ja uns darum, diese freiheitliche Grundordnung zu schützen. Und
deswegen wehren wir uns gegen die Gefährder. Und wir können nicht
warten, bis die Gefährder zuschlagen." -- weiterlesen
Das
klingt etwa so logisch wie: Krieg führen, um Frieden zu schaffen, oder
auch: Sex für Keuschheit.
Nachtrag II:
Hier die Salamitaktik illustriert bei
Farliblog. Via Rabenhorst
24/05/07
Bravo, -panorama-
Sich heute Abend in der ARD über die G8-Kritiker lustig machen, indem man einerseits ein paar recht planlos wirkende Gesellen (gern sichtbar "alternativ") vor die Kamera holt und andererseits tiefgründelnde Profis wie (natürlich) einen KAS-Rhetoriker ... das ist wirklich Hochwertige Deutsche Berichterstattung.
Wieder einmal ganz großes Kino. Gratuliere.
(A propos G8:
Gestern ließ sich der NDR-Kommentator der Tagesthemen dazu hinreißen,
die Blockade von Zufahrtsstraßen gleichzusetzen mit dem Werfen von
Brandsätzen.)
17/05/07
Nettes Symbol: Das individuelle "i"
Der Rabe hat ein nettes Symbol auf seiner Webseite installiert: Das "Individual-i".
Einerseits
noch ein Symbol mehr in unserer ohnehin schon symbolgesättigten Zeit,
andererseits eine dezente Stellungnahme zu der derzeitigen Entwicklung:
"Es
repräsentiert das Recht auf Privatssphäre, Datenschutz, Meinungsfreiheit
und Anonymität im Informationszeitalter. Es repräsentiert die
Informationsfreiheit – das Recht auf eine transparente, offene Regierung
und Rechtsstaatlichkeit. Es repräsentiert das Recht ohne ständige
Überwachung und Kontrolle zu leben und nicht für die Einforderung und
Wahrnehmung dieser Rechte als "verdächtig" gebrandmarkt zu werden.
(...)" - weiterlesen
Da gibt es beileibe überflüsssigere Symbole.
10/05/07
Die Faxen dicke: Feuriger Parteiaustritt
"Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat Anfang März eine junge Frau in die Türkei abschieben lassen, die weder Türkin ist noch Türkisch spricht. Nasima El-Zein ist in Berlin aufgewachsen, hat die Realschule abgeschlossen, hat sich ehrenamtlich um ausländische Schulkinder im Berliner Problembezirk Neukölln gekümmert, hat ihnen Deutsch und Rechnen beigebracht. [...] Wer denkt sich den Narrenstreich aus und schiebt ausgerechnet eine solche Frau in ein Land ab, wo sie ein gewalttätiger Vater erwartet, der sie einsperrt und zwangsverheiraten will? Und heute berichtet die Berliner Zeitung, daß die abgeschobene Kurdin von der türkischen Polizei massiv unter Druck gesetzt und ihr sogar Gewalt angedroht wird." - Quelle
"(über meine zuständige Abteilung) ein Parteiausschlußverfahren gegen Herrn Körting beantragen. Und drittens werde ich, wenn die junge Frau nicht spätestens Ende Mai 2007 wieder in Berlin ist, mein Parteibuch, das über 35 Jahre Mitgliedschaft in der SPD dokumentiert, »öffentlich« verbrennen (d.h. es wird ein Video davon [beim Schockwellenreiter] geben) und fordere alle Noch-Genossen auf, dies ebenfalls zu tun."
18/04/07
Zur Sicherheit mal das Grundgesetz sprengen
Unser Innenminister hat immer interessantere Vorschläge. Im Stern steht zu lesen:
"Die Unschuldsvermutung heißt im Kern, dass wir lieber zehn Schuldige
nicht bestrafen als einen Unschuldigen zu bestrafen. Der Grundsatz kann
nicht für die Gefahrenabwehr gelten. Wäre es richtig zu sagen: Lieber
lasse ich zehn Anschläge passieren, als dass ich jemanden, der
vielleicht keinen Anschlag begehen will, daran zu hindern versuche. Nach
meiner Auffassung wäre das falsch."
Das von einem
Anwalt geführte LawBlog kommentiert
(hier übrigens auch eine interessante Diskussion in den Kommentaren):
"Schäuble
lässt also demnächst Menschen wegsperren oder sogar per finalem
Rettungsschuss behandeln, obwohl sie keinen Anschlag begehen wollen?
Nur, weil jemand ohne ausreichenden Verdacht (und damit irrigerweise)
mutmaßt, der Betreffende sei irgendwie gefährlich?"
Wohin
will Schäuble mit solchen Aussagen? Den Rechtsstaat abschaffen? Aber
steht zu solchen Ambitionen nicht ein gewisser Passus im Grundgesetz,
das doch zumindest ein Minister einigermaßen kennen sollte? Sicher,
Innenminister müssen qua Amt wohl Scharfmacher sein. Aber hier schlägt
einer doch zu sehr über die Stränge. Herr Schäuble braucht
offensichtlich dringend lange, sehr, sehr lange Ferien.
13/04/07
Wir haben doch nichts gewusst
"Anders als in einigen Nachrufen zu lesen, gilt es festzuhalten: Hans
Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner
des NS-Regimes. Allerdings konnte er sich den Zwängen des Regimes ebenso
wenig entziehen wie Millionen Andere. Wenn wir als Nachgeborene über
Soldaten von damals urteilen, dann dürfen wir nie vergessen: Die
Menschen lebten damals unter einer brutalen und schlimmen Diktatur! Hans
Filbinger wurde - gegen seinen Willen - zum Ende des Krieges als
Marinerichter nach Norwegen abkommandiert." - Oetinger in der
Trauerrrede zum Tode des Ex-NS-Richters und Ex-"Landesvaters" Filbinger
- weiterlesen
"Feig und lächerlich aber ist es, wenn die, die sie [die Verantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus] zu tragen haben, nun auf andere abwälzen wollen. Und doppelt verantwortungslos, wenn sie sich ausgerechnet diejenigen [aktive Aufgabenträger im NS wie von Eickstedt] dafür aussuchen, die die einzigen waren, die arbeiteten und dadurch hinderten und warnten." -- Prof. Egon von Eickstedt, auch nach dem Krieg noch einer der führenden Rassenkundler und physischen Anthropologen, zur Erstausgabe der Anthropologenzeitschrift HOMO 1950, S. 12
Erstaunlich, wie sich die Zitate gleichen, wenn man ihre Kernaussagen im fachlichen Transfer betrachtet. Die Argumentation kennen wir natürlich auch von den Angeklagten der Nürnberger Prozesse, reichlich. Oetinger beweist also Gutes Deutsches Traditionsbewußtsein. Nur die NPD wird sich mächtig ärgern, daß ihr hier wieder mal einer das Wasser abgräbt ...
Nachtrag:
Eine kleine
Entschuldigung, und alles ist wieder gut. Kann ja jedem mal
passieren. Oder ...?
90.000.000 Euro
... für den G8-Gipfel in Heiligendamm, wenn nicht gar noch wesentlich mehr. Anstatt dieses Treffen mit Betonung auf Arbeit auf einem Flugzeugträger oder einer einsamen Insel abzuhalten, wird das Geld aus dem Fenster geschaufelt wie kürzlich erst zum Possenspiel des Wildschweinbratens mit dem Allerchristlichsten Wiedergeborenen, aber das kostete ja nur schlappe 20.000.000 Euro - Peanuts. Und mit Sicherheit werden alle damit verbundenen Aufträge mit Betonung auf Sparsamkeit vergeben, wer könnte anderes denken. Interessanterweise fand beides im bekanntermaßen überreichen Osten Deutschlands statt.
Wenn angesichts dieser Hybris dieses Vorgehen verteidigende
Volksvertreter von "Haushaltslöchern" schwafeln und sich über in
"sozialen Hängematten" räkelnde Hartz-IV-Empfänger ereifern, gehören sie
geteert und gefedert.
Politiker, ihr beginnt wieder zu vergessen, daß
es euch ohne Volk nicht gäbe.
05/04/07
300: Kein Grund zur Aufregung
Daß der Iran gegen den Film "300" protestiert, da dort die Perser dämonisiert würden, und andere Stimmen über "faschistische Einschläge" sinnieren, klingt zunächst aufsehenerregend.
Hat man jedoch den Film gesehen, mutet es verwunderlich an, daß der Iran
sich allen Ernstes zu einer Beschwerde herabläßt. Denn der Sreifen ist
schlicht und einfach peinlich.
Nicht wegen seiner
Überzeichnungen, der einen oder anderen an sich interessanten
(allerdings spätestens seit "Gladiator" auch nicht eben neuen)
Farbgebung oder seiner Anleihen an einen
Doom3-"Killerspiel"-Splatter-Stil, die alle erkennen lassen, daß es sich
um eine Comicverfilmung und gewiß nicht um einen historischen Streifen
handelt. Dies wäre allerdings auch keine Entschuldigung der
vorgeworfenen Punkte.
Eher schon wegen einem wenig ausgefeilten
bis handwerklich ungelenkem Drehbuch mit teilweise schuheausziehenden
Dialogen, seiner bemühten Anlehungen an ein Mix aus Herrn der Ringe, die
dementsprechend auch fehlgehen - der mitgeführte Troll wirkt ebenso
unfreiwillig satirisch wie die wilden, aber unfähigen Orkhorden, und
auch Zottel-Boromir bekommt seinen Auftritt. Gewendet wurde das Ergebnis
dann noch in schalgewordener Rammsteinästhetik. Das Sahnehäubchen ist
aber der Erzähler, der mit Hyperpathos zu erklären bemüht zu sein
scheint, was den Bilder allein nicht zu vermitteln gelingt. Der nimmt
dem Film dann auch noch seine Popcornqualitäten.
Nein, sich über diesen Film aufzuregen, wird ihm nicht gerecht: Dazu ist er zu unbedeutend.
25/03/07
Gratulation!
Herzlichen Glückwunsch, schöne Dame - es bleibt ein spannender Weg, der vor den Hufen Eueres Stiers liegt!
23/03/07
Ist Geld Weniger ist wichtiger als Wohnungsraum Aller?
Es ist heute schon so, daß unter dem Unwort der "Wertschöpfung" in
Berlin Häuser von nicht ortsansässigen Unternehmen aufgekauft und dann
mit dem Streben nach maximalem Gewinn "verwaltet" werden. Kaum dürfte es
im Interesse dieser Unternehmen liegen, daß die vor Ort Lebenden davon
profitieren - es geht schließlich um Gewinnmaximierung in die Taschen
einiger Weniger, und die ist mit Menschenfreundlichkeit wohl kaum
vereinbar.
Nun ist aber eine Stadt dazu da, daß Bürger in ihr leben,
Bürger, die letztlich diese Stadt erst möglich gemacht haben, und nicht,
daß das Pack der Heuschrecken das Ergebnis absahnt und sich bereichert.
Damit
das nicht passiert, haben wir eigentlich einen Staat. Denn die
vornehmste Pflicht des Staates muß der Schutz seiner Bürger vor äußeren
Gefahren sein - ohne Bürger kein (demokratischer) Staat, eine
Binsenweisheit, wie man meinen könnte. Ob er aber dieser Pflicht durch
die aktuelle Zulassung von Immobilienunternehmen zur Börse gerecht wird
(was man angesichts der bisherigen Unterlassungen schon genug in Frage
stellen kann), mag trotz der Beschränkungen wohl bezweifelt werden.
Man
kann eine Gesellschaft auch gezielt destabilisieren. Einerseits die
Heuschrecken vollmundig in der Tagesschau kritisieren, ihnen aber
andererseits neue Einfalltore aufzureißen, ist ... typisch Politiker.
Im
Übrigen: Der "starke Staat", der
sich durch Verbote und Repression in den Alltag seiner Bürger einmischen
will und diese letztlich zu entmündigen droht, ist natürlich
keine Alternative - hat aber mit obigem auch wenig zu tun.
Nachtrag:
Und wieder eine Meldung: Kaum wurde privatisiert, steigen
die Berliner Mieten und reißen den Mietspiegel gleich mit.
Hauptsache, die Aktien steigen.
22/03/07
Klassenjustiz
Bewährungsstrafe ... der Schockwellenreiter
hat Recht.
Aber nein, wir sind natürlich keine Bananenrepublik
...
24/02/07
Antiamerikanismus? Nein.
Auch wenn das vorangegangene Posting den Eindruck erwecken mag: Der Begriff "Anitamerikanisch" ist dafür nicht zutreffend. Warum?
- Das Land zu hassen, wäre unsinnig. Wenn man ihm vorwirft, auf Kosten der südlichen Hämisphere zu parasitieren und Ressourcenkriege zu führen, so kann man als jemand, der selber in einer gleichfalls auf Kosten des Südens, der Umwelt etc. florierenden Gesellschaft lebt und davon profitiert, sich wohl kaum über andere erheben.
- Die Menschen zu hassen, wäre dumm. Viele US-Amerikaner legen im Gespräch oder in der Zusammenarbeit eine Offenheit und (eben nicht immer nur vorgeschobene) Freundlichkeit an den Tag, von der wir uns eine Scheibe abschneiden können. Das gleiche gilt für die Multikulturalität der US-amerikanischen Gesellschaft, die natürlich nicht immer ganz rund läuft, in vielen Bereichen aber eben doch hervorragend funktioniert.
- Nicht alles Schlechte geht von den USA aus. Im Gegenteil. Ob dies nun Erfindungen, wissenschaftliche Erkenntnisse, neuartige Ansätze, dingliche Annehmlichkeiten oder frische Gedanken sind, vielleicht durch ihre Größe und eben ihre Multinationalität kommen aus diesem Land immer wieder höchst positive Impulse. Ob diese nun Care Paket, OS X, Jugger, Oscars, Swing oder wie auch immer heißen.
- Deutschland floriert nicht zuletzt wegen der Aufbauhilfe der USA. Auch wenn diese Aufbauhilfe zunächst im Wesentlichen der Rolle als Pufferzone und potentielles Schlachtfeld des Kalten Krieges geschuldet war. Hier hat das sogenannte "nation building" funktioniert.
- Die USA sind anders. Sie sind eine souverände Gesellschaft und können daher auch grundlegende Werte anders definieren als Deutschland oder Europa. So kann man vielleicht die gewagte, aber immer wieder zu belegende Feststellung treffen, daß Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes, "Die Würde des Menschen ist unantastbar", in den USA einfach nicht existiert, und der korrespondierende amerikanische Paragraph anders verstanden wird. Ebenso ist die Auffassung von persönlicher Freiheit anders geartet als bei uns. So werden dort Minderjährige nach Erwachsenenstrafrecht abgeurteilt, harte Gefängnisstrafen leichtfertiger ausgesprochen, Repression massiv umgesetzt, Polizisten totalitären Regimen nicht unähnlich Selbstherrlichkeit und extreme Machtausübung gewährt, und die Todesstrafe in einigen Bundesstaaten weiterhin ausgeführt; ganz zu schweigen von staatlich gedeckter Folter. Darüber kann man sich aufregen, insbesondere vor dem Hintergrund der vielen positiven Seiten des Landes - aber es ist letztenendes dennoch eine landesinterne Mentalitätsfrage, deren Souveränität wir mit unseren anders gearteten Werten nicht anzugreifen (wenngleich natürlich zu kritisieren) haben. Wenn aus unserer Sicht beispielsweise Ereignisse in den USA ein wenig wie von einer Nation mit pubertären Hormonstörungen verursacht anmuten, so illustriert das die Unterschiede in der Mentalität. Und es liegt in der Natur grundlegender Mentalitätsunterschiede, der jeweils anderen Seite befremdlich zu erscheinen.
- Ein großes Problem stellt das Sendungsbewußtsein der USA dar: Was das Land in seinem Inneren tut, ist salopp gesprochen sein Problem, was es nach außen trägt, kann zum Problem der gesamten Welt werden. Man muß sich vor Augen halten, daß eine Nation, die wie eingangs erwähnt auf Kosten anderer lebt, sich anmaßt, die Welt in moralische Kategorien von "Gut" und "Böse" einzuteilen und Angriffskriege zu führen, die vor allem eben dem Ressourcenschutz, innenpolitischer Stabilisierung oder einer US-freundlicheren politischen Landkarte dienen.
- Man muß sich auch auf der Zunge zergehen lassen, daß freie Meinungsäußerung wie beispielsweise in Gestalt dieser Blog-Einträge dazu führt, daß der Verfasser damit zu rechnen hat, als "Unwanted Person" am Flughafen zurückgewiesen zu werden, sollte er wieder einmal die USA besuchen wollen. Zwar widerspricht das unserem Freiheitsverständis, wie erwähnt aber nicht zwingendermaßen dem der USA - anders gesagt ist man eben selbst schuld, wenn man in die USA einzureisen versucht, denn als Gast muß man natürlich die Werte des Gastgeberlandes akzeptieren. Dennoch schade, wenn man bedenkt, wie interessant und bereichernd der persönliche Austausch mit den US-Amerikanern doch eigentlich ist.
- Um die Anwendung der Folter durch die USA gegen Nicht-Amerikaner durchzulesen, inklusive Frierfolter udn Würgetechnik, lese man einfach den Bericht der ABC News. Viel Vergnügen.
Die USA verstehen es, zugleich zu begeistern und abzuschrecken, erstaunlich widersprüchlich und gerade deswegen auch faszinierend (zugegeben, nicht gerade im positiven Sinne faszinierend).
23/02/07
USA sperren minderjährige deutsche Touristin bei Einreise in Einzelzelle
Eine Überschrift, wie sie einem Boulevardblatt entspringen könnte. Nur leider wahr. Die Jugendliche wurde verhaftet und in eine schön videoüberwachte Einzelzelle gesteckt, weil grundlos vermutet wurde, sie wolle bei Unseren Amerikanischen Freunden Au Pair-Mädchen spielen. Schon der Verdacht begründet natürlich die Gefährdung der nationalen Sicherheit, ganz zu schweigen von einem tatsächlich eingesetzten "undercover-Au Pair"-Mädchen aus dem grauenhaften Barbarenstaat der Teutonen ... - Das Nachtmagazin der ARD vom 1.3. hat diese seine Meldung nicht im Internet archiviert, daher kein Link.
Nicht unbedingt eine Neuigkeit, wenn man bedenkt, daß die gut ausgebildeten Sicherheitsbeamten auch schon Physiker zurückgeschickt haben, weil die zu einem Kongress zu Lasertechnik reisen wollten. Laser erinnerte die Staatsmacht offenbar an von ihnen offenbar für Nachrichten gehaltene Science-Fiction-Filme. Oder die Meldung über das Einsperren eines hochdekorierten Professors wegen unbefugten Überquerens der Straße und mangelndem Respekt gegenüber anonymen Polizeibeamten. Oder das Abweisen eines belgischen Diplomaten am Flughafen. Oder das Misshandeln und Verhaften eines Photojournalisten durch die Polizei, der nur eben diese Polizei fotografierte. Oder oder oder oder oder ...
Also, wer in The Land Of The Free einreisen will, sollte sich lieber
warm anziehen. Und das Pack der Aufrechte Hort der
Guten Und Heiligen Westlichen Werte beklagt sich über Rückgang des
Tourismus seit dem 11. September ... bestimmt ist daran allein die Angst
der Touristen vor dem Terrorismus schuld. Und nein, dies hier ist nicht
Antiamerikanismus, liebe Worthülsenkanoniere, sondern schlicht ein
Ausdruck von längst resignierter Fassungslosigkeit.
17/02/07
Stanislav Lem könnte Recht behalten - aber invers
In seinem Roman "Der Unbesiegbare" erzählt Stanislav Lem (Nachruf)
von einem Raumschiff, das auf einem fernen Planeten landet. Der Planet
ist verödet und tot - mit Ausnahme winziger Fliegen, die sich als
Mikroroboter herausstellen. Entwickelt von einer ehemaligen
Zivilisation, führten die Mikroroboter einst Krieg gegen ebenfalls zu
diesem Zweck erbaute Großroboter - und besiegten sie durch ihre
einfache, aber effektive Schwarmintelligenz. Ihre Erschaffer sind da
längst von ihnen zermalmt worden.
Liest man über die derzeitigen Bestrebungen,
insektengroße Roboter zu bauen, erscheint das Buch von Lem
gleichsam wie ein böses Omen. Nur sozusagen "invers": es wären die
Rollen von Menschen und Außerirdischen vertauscht.
Wir
bekommen schon eigenwillige Ameisenstaaten kaum in den Griff - wie erst
von uns selbst programmierte, irgendwann einmal sicherlich autonom
handelnde Miniroboter?
21/01/07
Umbenennung eines Teils der Kochstr. in Dutschke-Str.
Das Bürgerbegehren der CDU
gegen eine Umbenennung eines Teilstücks der Kochstr. in Rudi-Dutschke-Str.
ist GESCHEITERT!
Fortan gibt es die
Danke, Kreuzberg! Wunderbar.
Hier stehen reichlich Hintergrundinformationen zur Person Rudi Dutschke
(angesichts des selbstgerechten und von modischer Ignoranz geprägten
68-Bashings und der sich
vor hysterischem Zorn überschlagenden Kommentare von Lesern eines passenden
Blattes eine empfehlenswerte Lektüre). Im Übrigen die Straße
Vorfahrt gegenüber der Straße mit dem Namen des Gründers jenes Konzerns,
der ein gewisses Hetzblatt betreibt - warum dieser Herr auch
immer eine Straße "verdient" haben mag (siehe
auch hier).
Selbstverständlich haben Anwohner Klage eingericht
usw.. etc. pp., vermutlich wegen so unzumutbarer Dinge wie
Adressänderungen auf Briefköpfen, wie es nicht anders zu erwarten war.
Aber nach dem Ritt dürfte das doch hoffentlich kein Hindernis mehr sein.
20/01/07
Nur mehr Verachtung
"Die Akten offenbaren ein Maß an Heuchelei, das selbst im zynischen Politikbetrieb ungewöhnlich ist. Während man nach außen hin so tut, als setze man sich nach Kräften für den Delinquenten ein, macht man sich intern Gedanken, wie man ihn sich vom Leibe halten kann." - weiterlesen
Kein reales Kreuz mehr bei der nächsten Wahl - damit die Stimme zählt, wird wohl irgend eine Unsinnspartei sie bekommen. Immer noch besser, als sie solchen Parteien zu schenken.
(Für Paragraphenreiter: Natürlich ist dies alles meine persönliche und freie Meinung.)
18/01/07
Wer Gut ist, darf auch jedermann foltern: Bericht eines Guantanamo-Häftlings
In der Los Angeles Times findet sich der Bericht des
Guantanamo-Häftlings Jumah al-Dossari. An sich wohl nicht überraschend,
aber in seiner Ausführlichkeit doch bedrückend zu lesen. Erstaunlich,
daß jenes Land immer noch zu den "Rechtsstaaten" gezählt wird.
Bevor wir nun aber auf die Allerchristlichsten Heilsbringer zeigen, mögen wir
bedenken, daß der in Bremen geborene, wenngleich nicht deutscher
Staatsangehörigkeit, aber von der werten Türkei auch nicht als Türke
anerkannte, Murat Kurnaz mit neunzehn (19) Jahren 2001/2002 unschuldig
in das Lager Guantanamo deportiert worden ist und bis vergangenes Jahr
dort sitzengelassen wurde - siehe
Bericht von Amnesty International.
Merke: Mit 19 Jahren für 4 Jahre
unschuldig in viehische Haft genommen, und die BRD tat machtlos und lud
stattdessen den obersten Wiedergeborenen zum Wildschweingrillen ein.
Bravo. Um der Gerechtigkeit Willen muß allerdings auch erwähnt werden,
daß der Fall nun ein Nachspiel hat - wenngleich abzuwarten bleibt,
welche realen Konsequenzen dieses Nachspiel haben wird.
Nun aber
zu dem Bericht al-Dossaris.
"In January 2002, I was picked up in Pakistan, blindfolded, shackled, drugged and loaded onto a plane flown to Cuba. When we got off the plane in Guantanamo, we did not know where we were. (...) At Guantanamo, soldiers have assaulted me, placed me in solitary confinement, threatened to kill me, threatened to kill my daughter and told me I will stay in Cuba for the rest of my life. They have deprived me of sleep, forced me to listen to extremely loud music and shined intense lights in my face. They have placed me in cold rooms for hours without food, drink or the ability to go to the bathroom or wash for prayers. They have wrapped me in the Israeli flag and told me there is a holy war between the Cross and the Star of David on one hand and the Crescent on the other. They have beaten me unconscious." - weiterlesen (LA Times)
Von der Authentizität des Berichts dürfte man angesichtes des
Berichts bei Amnesty International ausgehen können; die geschilderten
Praktiken fügen sich auch in das, was aus dem Lager der Heiligen
Gerechten Gutverachsten bereits bekannt ist - und aktuell auch in die
Berichte eben von Kurnaz.
Nachtrag:
In gewisser Weise
passend zum Thema
ist dieses Video von US-Polizisten, die einen harmlosen Studenten, der
seinen Studentenausweis vergessen hatte, mehrfach mit "Tasern"
(Elektroschockern) beschießen. Insbesondere am Ende ist der Satz eines
Polizisten gegenüber einem anderen Studenten, der mit ihm sprechen will,
doch bemerkenswert: "Back off there, or you gonna get tased, too."
(
Artikel)
Es fügt sich in die Verhaftung und das
Einsperren eines Professors wegen widerrechtlichen Überquerens einer Straße
.
Und mittlerweile soll die US-Justiz in den anstehenden Militärprozessen
auch
Hörensagen als Beweismaterial akzeptieren dürfen. Was kommt als
Nächstes? Der gute alte Scheiterhaufen?
Dieses Vorgehen
erinnert mehr an das Vorgehen totalitärer bzw. faschistischer Regime und
Polizeistaaten, nicht jedoch an einen Rechtsstaat.
10/01/07
USA: Historiker für 8 Stunden im Gefängnis - weil er die Straße überquerte
Ein Historiker ist zu Boden geworfen, verletzt, in Handschellen gelegt
und für acht Stunden ins Gefängnis gekommen,
weil er widerrechtlich eine Straße überquert hatte, dabei
erwischt wurde und sich dann erdreistete, einen Zivilpolizisten nach
seiner Identifikation zu fragen.
Seine
19 wissenschaftlichen Publikationen und sein Professorentitel waren es
vermutlich, die diese aufrechten US-Amerikaner davon zurückhielten, ihn
auf den Stuhl zu setzen und sie so gnädig stimmte, die Anklage fallen zu
lassen.
10/12/06
Kein Science-Fiktion: Fliegende Kampfroboter in Straßenschluchten
Beim Raben
findet sich eine Zusammenstellung diverser Überlegungen der britischen
Regierung, Kampfdronen für den Zweck der Überwachung, der Aufklärung und
vor allem des sowohl militärischen als auch de facto
terroristischen Kampfes zu entwickeln.
Neben weitegehend autonom
operierenden Bomberschwärmen wird an "UAVs" gebastelt, die
"senkrecht starten / landen und multimodal zur Videoüberwachung, Zielerfassung
und -erkennung oder zum Zerstören bzw. Töten identifizierter Zielobjekte
und -personen verwendet werden kann. Das liest sich bei Aurora dann so:
'GoldenEye 80 is designed to give company commanders the ability to
spot, identify, designate, and destroy targets' said Aurora CEO John
Langford. 'With its powerful sensors and quiet operation, the aircraft
can dash to a target area, hover motionless in the sky, and observe and
designate a target – all without being heard by people on the ground.'"
-
weiterlesen
Und das alles ist keine Fiktion mehr, sondern
realisierbar - beim
stationären südkoreanischen Kampfroboter bleibt es nicht. Wie
schön, daß wir uns bald nicht einmal mehr werden bewegen müssen, um uns
gegenseitig abzuschlachten. Das sind dann wirklich:
Killerspiele.
29/11/06
Veruntreuung lohnt sich - aber nur im großen Stil
... als "Strafe" in Zeiten der Hartz-IV-Diskussionen 10% zahlen, aber
90% behalten. Anlässlich der heutigen Einstellung des Strafverfahrens
gegen Ackermann & Co gegen einen Geldbetrag von weniger als drei
Monatsgehältern erklärt
Jerzy Montag:
"Niemand kann den Bürgerinnen und Bürgern erklären,
dass die Veruntreuung von ca. 60 Mio. Euro eine Straftat sein soll, bei
der die Schuld nicht schwer wiege und deshalb eine klaglose Einstellung
des Strafverfahrens erlaubt sein soll.
Jeder "Otto-Normalbürger"
bekommt bei Straftaten mit einigen Tausend Euro Schaden die volle Härte
des Gesetzes zu spüren. Nicht so aber Ackermann & Co. Das Öffentliche
Interesse an der Aufklärung dieses bislang größten deutschen
Wirtschaftsstrafverfahrens mit einem Schaden von über 60 Mio. € ist
immens und nicht wegzudiskutieren.
Es ist ein Skandal, dass sich
die Staatsanwaltschaft dieses öffentliche Interesse gegen Zahlung von
weniger als 3 Monatsgehältern - zahlbar also aus der Portokasse - hat
abkaufen lassen. Die Verfahrenseinstellung im Fall Mannesmann schädigt
das Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit und verdeutlicht, dass nicht
alle vor dem Gesetz gleich sind."
Nachtrag:
Wie
Pispers implizierte: Jetzt ist endlich die Zeit, Banken zu überfallen.
Einfach 10% der Beute wieder zurückgeben, dann ist alles in Butter.
28/11/06
Hitler der Große
Der Anstreicher als angenehm persönlich dargestellte Abendunterhaltung,
gern auch als fotogenes Pin-Up auf Titelseiten deutscher
Nachrichtenmagazine ist nicht neu, ebensowenig die Interviews mit
gealterten Nazischergen über ihre romantischen Erinnerungen.
Aber der Titel "Große Diktatoren" der ZDF-Serie mit einem Teil über
unseren hauseigenen Massenmörder ist dann doch entweder aus
außerordentlicher Naivität gewählt worden oder, wahrscheinlicher, der
unübertroffenen und skrupellosen -
und natürlich erfolgreichen - Dreistigkeit des Marketing zu verdanken.
Erstaunlich nur, daß diese Titelwahl nicht auf größeren Widerstand stieß.
15/11/06
Funktionsfähiger Kampfroboter in Südkorea?
Selbst wenn es ein Fake ist, ist es doch bezeichnend: Dieses Video zeigt
einen (angeblichen? Aber sehr real aussehenden) stationären
Kampfroboter Südkoreas in Aktion. Er identifiziert menschliche Ziele
und tötet sie bei Bedarf.
Das Ding kommt einem doch bekannt vor
- ist es doch im Grunde nichts anderes als eine der alten
DDR-Selbstschußanlagen, nur daß es sicherlich zuverlässiger tötet und
dabei eine perfide Auswahl trifft.
Hier der Werbefilm: Robot Sentinella (Dailymotion). Arnie läßt grüßen.
(via
Schockwellenreiter)
09/11/06
Brandenburg: Eine der letzten Ahornalleen soll wegen Geld gefällt werden.
Bravo, Brandenburg, das ist großes Kino: Eine
komplette Allee soll aus fadenscheinigen Gründen gefällt werden (es könnte
theoretisch ein Ast von einem völlig gesunden Baum auf einen erstaunten
Autofahrer - von laut Deutschlandfunk nicht einmal 300 am Tag -
herabfallen), ausgerechnet in dem Landschaftsjuwel Barnim.
Ganz
ausgezeichnet, das Possenspiel der verehrten Regionalpolitiker. So macht
man sein Land kaputt. Andererseits, warum nicht noch schnell absahnen,
bevor das ganze erst zur braunen Wüste wird und dann unter dem
Meeresspiegel verschwindet? Eigentlich also weitsichtige Politik.
Respekt.
"Das nennt man „den Bock zum Gärtner machen“. (...)
Die Kreisverwaltung beantragte die Fällung von 726 Bäumen in einer
geschützten Allee. Die anerkannten Naturschutzverbände wandten sich
während des gesetzlichen Anhörungsverfahrens dagegen. Die Sache lag beim
Landesumweltamt. Die Kreisverwaltung war sich ihrer Sache sicher und
tönte öffentlich, dass man dessen Entscheidung akzeptieren werde. Das
Landesumweltamt entschied mit Blick auf die Brandenburger Verfassung für
den Erhalt der Allee. Jetzt schaltete sich Landrat Ihrke ein, schrieb an
Minister Woidke, der daraufhin das Landesumweltamt zurückrudern ließ.
Schönes Lehrbeispiel für das Funktionieren des Verwaltungsapparates." -
weiterlesen
Pressemitteilung
Wems nicht passt, der kann selbstverständlich etwas unternehmen -
weiterverbreiten (bloggen!) dieser Sache beispielsweise
oder auch dem Aufruf folgen:
|
Spendenaufruf für die Allee Rüdnitz - Danewitz Die Allee Rüdnitz - Danewitz ist eine der ältesten und schönsten, noch zusammenhängenden Ahornalleen im Land Brandenburg. Mit ihrem geschlossenen Kronendach stellen die 726 Bäume einen wertvollen Landschaftsbestandteil und ein touristisches Highlight im Barnim dar. Im Zuge von Straßenverbreiterungsarbeiten will die Kreisverwaltung Barnim die Allee komplett beseitigen. Über 2 Millionen Euro an EU-Mitteln sollen in ein schlecht vorbereitetes Projekt verbaut werden. Für die insgesamt 4.700 Meter lange Kreisstrasse, die lediglich von etwa 250 Fahrzeugen pro Tag frequentiert wird, würden die Kosten in den zwei Bauabschnitten damit mehr als 400 Euro pro laufendem Meter betragen. Tatsächlich aber wäre die deutlich günstigere Erneuerung der Fahrbahnoberfläche aus verkehrstechnischer Sicht völlig ausreichend. Die Komplettrodung der mehr als hundert Jahre alten, überwiegend vitalen Alleebäume würde eine Naturzerstörung ungeahnten Ausmaßes bedeuten. Hinzu kommt, dass „Dämme eingerissen werden“ und es zukünftig um den Schutz weiterer Alleenaltbestände in Brandenburg schlecht bestellt wäre. Ein Präzedenzfall und ein Politikum also. Die neuesten politischen Entwicklungen in der Angelegenheit Allee Rüdnitz - Danewitz sind besorgniserregend. Noch vor zwei Wochen schien sie gerettet zu sein. Dann vollzog das Landesumweltamt (LUA) eine Kehrtwende und hat sich in der Frage der Alleefällung plötzlich für nicht zuständig erklärt. So gab das LUA, vermutlich auf Druck des Umweltministers Dietmar Woidke, die Entscheidungsbefugnis unverständlicherweise an die Kreisverwaltung Barnim zurück. Nun besteht die Gefahr, dass die Untere Naturschutzbehörde erneut dem Antrag des Bauordnungsamtes für die Komplettrodung eine Genehmigung erteilt. Ein Paradoxon: Denn die Behörden des Landesumweltamtes haben sich lediglich in der Sache für nicht zuständig erklärt, keineswegs jedoch ihre fachlich fundierten Argumente zurückgezogen, die eine Beseitigung der Allee aus naturschutzrechtlichen sowie aus Gründen des Gemeinwohls verbieten. Nun wird die letzte Möglichkeit für den Erhalt der Allee wohl nur noch im Klageweg liegen. Als gemeinnütziger, anerkannter Naturschutzverband erklärte sich die Grüne Liga Brandenburg e.V. bereit, rechtliche Schritte einzuleiten. Allerdings ist sie auf Spenden angewiesen. Eigene Mittel sind nicht vorhanden. Ich möchte Sie daher eindringlich bitten, für den Erhalt der Allee zu spenden. Die zweckgebundenen Spenden können steuerlich geltend gemacht werden. Ich habe bereits einen Betrag auf das Spendenkonto überwiesen und damit den ersten Schritt getan. Als Alleenbefürworter sind wir für jeden gespendeten Euro dankbar. Denn dieser Naturfrevel muss verhindert und der Steuergeldverschwendung als Folge einer blinden Fördermittelpolitik Einhalt geboten werden.
Das Spendenkonto: Grüne Liga Brandenburg e.V. Kontonummer 2000 55
000 VR Bank Lausitz, BLZ 180 626 78 Stichwort: Allee Rüdnitz -
Danewitz Dr. Andreas Steiner (SPD), Sachkundiger Einwohner im Ausschuss für Landwirtschaft, Umweltschutz und Abfallwirtschaft (A5) des Kreistages Barnim |
Technortai Tags:
Brandenburg,
Allee
19/10/06
Online-Petition gegen Wahlcomputer
Wir erinnern uns: Als Bush junior zum ersten Mal zum Präsidenten gewählt
worden war, da war es eine knappe Mehrheit, die ihn auf den Thron hob.
Zugleich gab es Schwierigkaeiten mit den angeblich zuverlässsigen
Wahlcomputern, die Lochungen offenbar falsch eingelesen hatten.
Damit unser blindes Vertrauen in die digitale Neue Welt unsere Wahlen
nicht gleichfalls in die Gefahr bringt, zu einer Farce zu werden,
unterstützt der CCC eine
Online-Petition an den Deutschen Bundestag: Papierwahl mit Kreuzchen läßt
sich nachvollziehen, digitaler Datenschrott hingegen ganz ausgezeichnet
fälschen (und gegebenenfalls könnte man ja auch den Wähler gleich
mitidentifizieren). Was auch immer diese Petition bewirken mag - sie
schärft den Blick für eine wichtige Sache. Hintergrundinfos
gibts hier.
06/10/06
Geldautomaten GEZ-pflichtig
Die Absurdität der, man könnte sagen: "Fenstersteuer", die die GEZ wohl
vor allem zum Schaden kleiner Unternehmen erheben möchte, wird hier
deutlich: Da ein externer Geldautomat über Computer und Internetanschluß
verfügt, könnte er ja theoretisch fernsehen und Radio hören - deshalb
muß er auch GEZ-Gebühren zahlen,
meint die FAZ. Und hat irgendwie recht. Auf den Ausgang betreffender
Klagen darf man jedenfalls gespannt sein.
(via
LawBlog)
Und nicht vergessen: Kindergeld beantragen. Denn selbst
ohne eigene Kinder - Gerät ist vorhanden ...
01/10/06
Cora Stephan: Über die Dekadenz der Selbstzensur
"Aber die Absetzung von Mozarts 'Idomeneo' vom Spielplan passt nicht schlecht zu ihrer (Kirsten Harms) Analyse des weiblichen Prinzips in der Politik. (...) 'Weibliche Prinzipien', heißt es (in einem Beitrag für 'Cicero'), 'folgen dem Prinzip des Einfühlens, der Empathie.' Die Frage laute: 'Was will der andere? Was ärgert ihn? Was fürchtet er?' Das werden wir Frauen hierzulande wohl ewig fragen, auch dann noch, wenn wir längst zur Ganzkörperverschleierung übergegangen sind, weil unser Anblick fundamentalreligiöse Männer verletzen könnte." -- weiterlesen
Die Dekadenz der "Selbstzensur" und das opportunistische Aufgeben mühsam erkämpfer Werte aus vorauseilendem politischem Gehorsam heraus kommentiert Cora Stephan in ihrem heutigen Kommentar "Signale" in Deutschlandradio Kultur - lesenswert.
29/09/06
Anti-Nazi-Symbole verbieten? Ein großer Sieg für die Neonazis
Ein alter Streit ging mit dem Sieg der Neonazis aus: Anti-Nazi-Symbole
werden verboten. In der Vergangenheit hatten auch rechtsextremistische
Organisationen gezielt die Verwendung von Nazi-Symbolen seitens ihrer
Gegner angezeigt.
"Weil er Anti-Nazi-Artikel vertrieben hat,
ist ein Versandhändler vom Stuttgarter Landgericht zu 3600 Euro
Geldstrafe verurteilt worden. Der Handel mit T-Shirts, auf denen
zerschlagene Hakenkreuze zu sehen sind, verstoße gegen das Verbot der
Verwendung von Nazi-Symbolen." --
Quelle: SpOn
Hoffentlich hat der BGH da eine andere Meinung.
Herr, laß Gras wachsen! Graaaaaaaaas!
Nachtrag:
War das Photoshop oder hat die FIFA wirklich ein durchgestrichenes Hakenkreuz
im "Fifa-Fan-Guide" veröffentlicht? Bild hier: (sorry, im
Gegensatz zu der hoch achtenswerten Selbstanzeige von Frau Roth et al.
keine Zeit für Prozesse im Augenblick, also: Zensur - QED: Sie wirkt
....)
27/09/06
US-amerikanische Erziehung: Polizei fesselt 5jähriges Terror-Mädchen
Ich versteh sie nicht, die Nation der Extremst Gottgegebenen Guten. Aus
einer Liste zu Schulgewalt 2005 (es geht um ein fünfjähriges Mädchen
):
|
(A teacher) had her class performing a math exercise by counting
jelly beans when one little girl started acting silly. (She)
decided to take the jelly beans away from the 5-year-old girl. |
Very bad parenting skills indeed. Und es ist kein Einzelfall ... man möchte Obelix zitieren.
26/09/06
Vorauseilendes Wegducken vor Fundamentalisten
Weil in der Inszenierung von Mozarts Oper "Idomeo" neben den Köpfen von
Jesus und Buddha auch der von Mohammed rollt in die
Luft gehalten wird, wurde das Stück von der Deutschen Oper Berlin
abgesetzt - aus Furcht vor Islamisten.
Ist die selbstherrliche
Zensur durch tatsächliche oder eingebildete religiöse Fanatiker aller
Couleur schon, immer noch oder besser wieder so in unseren Köpfen
verankert? (Wir erinnern uns: Neben dem Karikaturenstreit gab es da auch
den Versuch, Madonna wegen einer Kreuzigungsszene anzuklagen, und
Stoibman raunte von Ketzerei). Nicht nur für den Sicherheitssektor gilt:
Wer der Furcht vor Terror nachgibt, der heizt ihn an. Noch dazu offenbar
grundlos:
"Regisseur Hans Neuenfels kritisierte die
Entscheidung als vorausgeeilten Gehorsam und Hysterie. Hier sei ein
„Nebengeräusch zu einem Hauptgeräusch gemacht worden, ohne es in der
Öffentlichkeit zu überprüfen“, sagte er dem Sender NDR Kultur.
Schließlich habe es seit der Premiere seiner Inszenierung 2003 weder
konkrete Terrordrohungen noch Kritik von Seiten islamischer
Organisationen gegeben." -
weiterlesen
19/09/06
arte-Themenabend über christlichen Fundamentalismus: "Intelligent Design"
"Vor 6 000 Jahren erschuf Gott die Erde. Da er Menschen und
Dinosauriern an ein und demselben Tag das Leben schenkte, gab es ein
fröhliches Miteinander. Zwar hatte der Schöpfer einige Dinos mit
durchaus beängstigendem Mordwerkzeug ausgestattet, das aber nutzten sie
nur, um Früchte zu schälen. Ihr friedliches Vegetarier-Dasein beendete
erst der Sündenfall." -
weiterlesen
Über den Versuch von
Ultrarechten und Machtpolitikern, die Wissenschaft in mittelalterlicher
Tradition unter die gefällige Interpretation eines alten Buches zu
knechten, berichtet der arte-Themenabend ab 20.40 Uhr. Da es
nicht nur in den USA, sondern mittlerweile angeblich auch hier diese
intelligent designten Märchenerzähler nach dem Ebenbild Gottes gibt, mag
sich ein Blick lohnen. Amüsant wird es jedenfalls.
Notiz:
Chips einkaufen. Und
His Noodly Appearance zu Ehren Spaghetti nicht vergessen!
Technortai Tags:
Intelligent Design, Kreationismus
14/09/06
NPD Niedersachsen: Vorbestrafter in den Kreistag
In Verden (Niedersachsen) ist der Rechtsextremist Rigolf Henning für die
NPD in den Kreistag eingezogen. Als Holocaust-Leugner sitzt er zur Zeit
eine Haftstrafe ab. mehr dazu im
NPD-Blog.
Die NPD macht derzeit in Berlin und MV Schlagzeilen durch
massive Behinderungen und körperliche Übergriffe auf die Wahlstände
anderer Parteien. Am Rande einer Antifa-Demo in Wismar vor den
Landtagswahlen (die am 17. September stattfinden) mußte die Polizei
einer Gruppe Skinheads mit gezogener Dienstwaffe Einhalt gebieten, als
diese im Eingang ihres Ladens Baseballschläger hervorzogen: Video bei
YouTube.
Geht wählen!
Nachtrag:
Das dumpfe Volk hat sich
mal wieder verführen lassen, und die NPD bedankt sich auch gleich,
wie man es von ihr erwartet: Journalisten werden auf Wahlparty der NPD
in MV angegriffen -
"Dabei griffen mehrere Rechtsextremisten einen
Fotografen der Nachrichtenagentur dpa ohne ersichtlichen Grund bei
seiner Arbeit an, schlugen ihn und warfen ihn gewaltsam aus dem Lokal."
-
weiterlesen
12/09/06
Lysistrata reloaded: "Streik der geschlossenen Beine" zwingt Gangmitglieder in die Knie
Mit einem "
Streik der geschlossenen Beine" haben die Frauen von Gangmitgliedern in
Kolumbien es geschafft, daß ihre Männer die Waffen
bei der Polizei abgaben. Wenn das Beispiel nur im großen Stil Schule
machen würde ....
Andrerseits, würden das viele der
Mächtigen überhaupt bemerken? - Volker Pispers
macht sich Gedanken dazu.
11/09/06
11.September 1973: USA helfen bei Zerstörung der chilenischen Demokratie
Auch das ist ein 11. September gewesen:
Pinochet putschte sich in
Chile durch die aktive Unterstützung der USA an die Macht. Salvador
Allende, der demokratisch gewählte Präsident des Landes (und Marxist),
wurde im Verlauf des Putsches ermordet. Bush hätte wohl kommentiert:
"Chile ist seit dem 11. September sicherer geworden".
Den unzähligen Folteropfern, Verschleppten, Ermordeten und Vertriebenen
der Pinochet-Dikatur von US-Amerikas Gnaden soll an dieser Stelle
gedacht werden.
04/09/06
Heuschrecken über Berlin
Das asoziale Unwort "Wertschöpfung" (sprich: Aus&für Nichts Geld auf
Kosten der Nutzer generieren) geistert
in der Hauptstadt um: Die Berliner Zeitung
widmet sich in einem Beitrag über die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt
. Günstige Wohnungen werden von asozialem Pack ach so
dringend benötigten Investoren gekauft, und dann sollen, so die
hochherrliche Vision, die Mieten hochgejagt werden - wie bei
Heuschrecken Investoren üblich, nicht um des Erhalts der Häuser
Willen, sondern natürlich wegen dem persönlichen Profit einiger Weniger
auf Kosten aller:
"Der Berliner Mieterverein (BMV) sieht die
Entwicklung kritisch. BMV-Hauptgeschäftsführer Hartmann Vetter
befürchtet, dass die Mieter "die Leidtragenden" der Verkäufe sind, weil
die Mieten zwecks Steigerung der Renditen so weit es geht erhöht würden
und weniger in die Instandhaltung investiert werde. (...) 'Wohnungen
werden eine Handelsware, aber wir können nichts dagegen tun. Im Zuge der
Globalisierung müssen wir es hinnehmen.'"
Im Grunde
(und nein, nicht im Sinne des StGB) könnte man dies als indirekten Raub
an der Gesellschaft bezeichnen, der jedoch, wie schon zu Zeiten des
Hochadels und der Großgrundbesitzer bewundert, angehimmelt und als
großes Vorbild verkauft wird. Zustände wie in London sind ja auch
wirklich erstrebenswert, wo man mit einem guten Gehalt gerade mal
zwanzig Quadratmeter mieten kann. Das sollte uns der Wohlstand einiger
Schlipsträger und Yachtbesitzer doch wirklich wert sein!
Was
soll's, wir sind an unserer Gesellschaft schließlich selber schuld.
Berliner, verteidigt Euere Stadt? - Träum weiter.
29/08/06
Protest gegen GEZ-Gebühren für PCs - die angeblich auch bei bereits vorhandener Beitragspflicht zusätzlich anfallen?
Weiß jemand mehr über die unter anderem von Berliner Ärzten ins Leben
gerufene Unterschriftenaktion
http://www.pc-protest.de/?
Wenn diese seriös ist, dann wäre eine
Teilnahme sicher nicht verkehrt.
Zudem weiß ich nicht, ob es nur der
brodelnden Gerüchteküche geschuldet ist oder tatsächlich angedacht ist:
Daß auch Personen, die Fernseher und Radio angemeldet haben und dafür
bereits (hohe!) Gebühren zahlen, zusätzlich mehrere
hundert Euro für Computer am Arbeitsplatz zu zahlen haben werden. Aber
liebe GEZ: Fernseher und Radio reicht. Für einen zusätzlichen PC steht
Euch kein roter Cent zu - das wäre nun wirklich eine "Fenstersteuer"!
"Ich soll also Gebühren dafür zahlen, dass ich ein internetfähiges Gerät
besitze, auch wenn ich gar keinen Internetanschluß habe? Tja, dann werde
ich mal ganz schnell Kindergeld beantragen. Ich habe zwar noch keine
Kinder, aber das Gerät ist vorhanden." - Spiegel Nr. 32
Mal sehen, was nun wird ...
Technorati Tag: GEZ, Fernsehgebühren
23/08/06
Bonner Art-Deco-Theater soll abgerissen werden, für ein Einkaufszentrum - am Denkmalschutz vorbei
Wir brauchen dringend Investoren, viele, viele Investoren, die viele,
viele Shopping-Malls aufbauen, weil wir brauchen Einkaufszentren, mehr,
viel mehr Einkaufzentren, überall, um jeden Preis,
und
deswegen soll das Metropol in Bonn umgebaut und teilweise abgerissen
werden - seines Zeichens eines der letzten Art Deco-Theater
Deutschlands. Na, der Kommerz heiligt bekanntlich die Mittel. Was
geschehen soll:
- Entfernen der Eingangstreppe
- 80 m Schaufensterfassade
-
Einziehen eines zusätzlichen Ebene in Balkonhöhe im Bühnenhaus
- Durchbruch zu den Nachbargebäuden rechts und links
-
Rolltreppenanlage im bisherigen Zuschauerbereich unter der Kuppel
Dagegen
begehrt nun eine Bürgerinitiative auf. Schon 1983 waren die Bonner
Bürger erfolgreich - werden sie auch heute noch erfolgreich in der
Heuschreckenbekämpfung sein?
19/08/06
Madonna wegen "Gotteslästerung" anzeigen - in Deutschland?
Es ist nun so, daß nicht nur in den USA die Fundamentalisten durchdrehen, sondern ab und zu auch in unseren Landen.
Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf prüft Madonnas kommenden Auftritt
wegen "Gotteslästerung", da die Sängerin sich bei ihren
Bühnenshows an ein mit Spiegeln besetztes Kreuz hängen läßt, inklusive
Dornenkrönchen. Und da machen wir uns über die katholischen Fundis in
Polen lustig ...
Herr, laß Gras wachsen, die Zahl der Rindviecher
nimmt ständig zu.
16/08/06
Grass und die Waffen-SS
Was ist da passiert - da hat einer der bedeutendsten deutschen
Schriftsteller eröffnet, daß er als Jugendlicher zur Waffen-SS
eingezogen worden ist. Es heulen neben jenen, die berechtigte Kritik
anbringen, die Vielen, die aus Neid und Mißgunst heulen oder jene, die
damals selbst gern vorne gestanden hätten und eben deswegen umso lauter
heulen gegen den, den sie im Grunde ihres Herzens als Nestbeschmutzer
ansehen müssen.
Nestbeschmutzer, denn: Im Gegensatz zu
vielen anderen hat Grass der Öffentlichkeit zwar seine Mitgliedschaft
vorenthalten, sich jedoch, seit er erwachsen geworden, für die
Demokratie, gegen die Ewiggestrigen eingesetzt, und zwar gegen massive
Anfeindungen und Opposition insbesondere der Rechten und der bürgerlich
Konservativen unserer auf wundersame Weise demokratisch gebliebenen
Republik. Wie viel lieber muß einem Demokraten aber ein engagierter
Kämpfer für Demokratie und Menschlichkeit sein, der einen Teil seiner
jugendlichen Vergangenheit verschweigt, gegenüber jenen, die sich
schönhubernd mit der Mitgliedschaft in jener schwarzen Truppe brüsten
und das wunderbar Kameradschaftliche der Waffen-SS herausstellten, zumal
der alten, also jener, die noch keine Milchgesichter einzog, sondern
stramme arische(*) Hitlersjünger. Oder gegenüber jenen Unzähligen, die
nach einer feinen Entnazifizierung reichlich mit Persilscheinen
ausgestattet in Amt und Würden zurückkehrten, ja sogar wie im Falle
eines führenden Rassenkundlers im Nachkriegsdeutschland Ehrenmitglied
der Deutschen Forschungsgemeinschaft geworden sind.
Daß Grass in
jugendlicher Verblendung vom Nationalsozialismus durchaus angetan
gewesen ist, hat er nicht verschwiegen; im Gegensatz zu den
Ewiggestrigen und vielen heutigen Kriegstreibern und Revanchisten hat er
jedoch daraus Konsequenzen gezogen und nach der bedingungslosen
Kapitulation laut und unbeirrbar gegen jene angeschrieben und sich
politisch aus Überzeugung für unsere Republik engagiert. Den einfachen
Weg eines unpolitischen Schriftstellers, der heutzutage sehr populär
geworden ist, hat er nicht beschritten, und dafür gebührt ihm m. E.
Hochachtung.
(*) Es entsprach dem wissenschaftlichen Konsens der
Rassenkunde re. Anthropologie - seinerzeit eine international durchaus
anerkannte Wissenschaft - daß die sog. "arische Rasse" ein Hirngespinst
sei, wie führende Wissenschaftler wie Fritz Lenz auch während der
NS-Zeit unbekümmert schrieben; in diesem Sinne wird der Begriff hier auf
die Mitläufer, Wasserträger, Paladine und Profiteure der NS-Diktatur und
ihrer politischen Vertreter im allgemeinen angewandt.
03/08/06
Die Bahn: Börsengang mit Steuergeldern
Eine interessante Betrachtung des Mehdorn-Interviews zum geplanten
Börsengang der Bahn und den angeblichen Notwendigkeiten dieses
Börsengangs (wir erinnern uns: Die Bahn ist ein durch enorme
Steuermittel jahrzehntelang finanziertes Ding - allein in den letzten 10
Jahren 90 Milliarden)
findet sich bei den NachDenkSeiten mit Verweis auf die Aktion "
Bahn für alle" (In den NDSeiten auch Gedanken zum Umsichgreifen des
Ausverkaufs des Volksvermögens).
Na denn frohes
Tafelsilberverscheuern - Herr H. M. muß es ja nicht ausbaden.
02/08/06
Tagesspiegel-Blog: Der Libanon verglichen mit NS-Deutschland
Nun maße ich mir beileibe nicht an, die Vorgänge im Nahen Osten wirklich
beurteilen zu können. Aber dieser Vergleich geht zu weit - und bestätigt
wieder einmal deutlich meine Entscheidung, nach einem Jahr Mitlesen vor
fünf Jahren den Tagesspiegel abbestellt zu haben, da seine
Berichterstattung (spätestens) seit 9/11 gegen meine Überzeugungen
konnotiert ist.
In einem
Weblog des Tagesspiegels wurde nun der Libanon mit NS-Deutschland
verglichen (von einem Journalisten des Blattes):
"Da stand doch
tatsächlich in der Unterzeile von Martin Klingsts Leitartikel zur
Nahostkrise “Der Krieg im Libanon dauert schon zu lange, um noch legitim
zu sein”. [...]Ich stelle mir also die alliierten Streikräfte zwei
Wochen nach der Landnung in der Normandie vor und Politiker und
Kommentatoren im Westen, die sagen: “Der Krieg gegen die Nazis ist nach
zwei Wochen immer noch nicht gewonnen und außerdem sterben bei unseren
Angriffen zu viele Zivilisten. Am besten, wir bitten Nazi-Deutschland um
einen Waffenstillstand.” Das hätte bedeutet, das Europa heute vom
Nordkap bis nach Sizilien von Nazi-Deutschland besetzt wäre."
Und im schönsten Sinne kriegstreiberisch (a la "diese Weicheier von
Pazifisten") geht es weiter:
"Wir ertragen es ja nicht
einmal, einem Krieg zwei Wochen lang zuzuschauen, an dem wir gar nicht
beteiligt sind." --
Weiterlesen (anonymisiert)
(Hinweis:
Lapidarium)
Technorati
Ta
g
21/07/06
Schock-Busen würgt Katze
Seltsame Schlagzeile ... von welcher Tageszeitung mag sie wohl stammen,
so von Klang und Sinn her gesehen? Na doch wohl
....?
Ausnahmsweise - nein. Sie entstammt dem "
Schlagzeilomat" in Form eines einarmigen Banditen, an dem man sich bei
BildBlog kostenlos die neuesten und erstaunlich authentisch klingenden
Balkenüberschriften zusammenrasseln kann.
19/07/06
Därrrrr Bonker!
Die Süddeutsche
kommentiert Walter Moers neue Creaciónn "Der Bonker". Adolf nicht als
"armer alter Mann" wie im Untergang (wobei Bruno Ganz als solcher
großartig geschauspielt hatte) oder Großer Von Zeitzeugen Gern
Erinnerter Kriegsherr wie in den Espresso-"Geschichts"-Sendungen eines
gewissen G. K. (Hitlers Frauen, Kinder, Hunde, Kaninchen, Zipperlein,
Kriege, Architekten ...) sondern als reine Witzfigur, wie ihn schon
Chaplin persiflierte, das ist erfrischend. Und unter Strich sicher
weniger vermenschelnd-verharmlosend als in den erstgenannten Sendungen.
Denn mal auf in die Buchhandlung.
17/07/06
BILD bezahlt Spanner - Korrektur: Leser-Journalisten
Das Blatt, dessen Innenleben
Wallraff seinerzeit
als "Undercover-Journalist" miterleben durfte, bezahlt nun
Personen für das Fotographieren von Szenen, die es so umschreibt:
—Blitzte für Sekunden der Busen eines prominenten Stars unter der Bluse hervor?
—Wurden Sie Zeuge eines Großbrandes oder eines Unfalls?
Dafür
gibt es dann viel, viel Geld für den besten Einsender. (siehe
BildBlog)
Endlich werden Spanner und Schaulustige angespornt und
für ihre gesellschaftlich wertvolle Tätigkeit bezahlt. Künftig werden
sie bei Unfällen also frenetisch mit ihren Handykameras wedeln, um das
schönste abgerissene Bein zu fotografieren und die schönste
Leichenstarre. Bleibt zu hoffen, daß sie sich im Kampf um das beste BILD
gegenseitig ordentlich in die Fresse hauen.
Technorati
Tag
11/07/06
Polnischer Humor...
Eilfertig wird von der polnischen Regierung eine Entschuldigung
für eine Karikatur Kaczynskis in der TAZ von Deutschland gefordert (
TAZ-Artikel). Zum Thema TAZ und Polen hat die polnische Regierung das
Blatt auch
schon als "Stürmer" bezeichnet - da wird auf höchster Ebene
mit Lust und Lächerlichkeit gehasst.
Aber bevor wir uns
selbstgerecht an dem kindischen polnischen Regierungsnationalismus (der
sehr gefährlich ist) ergötzen, erinnern wir uns, was so mancher deutsche
Politiker im Rahmen des sog. "Karikaturenstreits" von sich gegeben hat -
bis hin zu der Forderung nach einer Ahndung von "
Gotteslästerung". Aber man muß schon sagen, daß der betreffende
deutsche Politiker nicht deutsches Staatsoberhaupt ist - Kaczynski sind
jedoch die polnischen.
Politiker sind schon
Vögel.
09/07/06
20.000.000 Euro
... damit sich ein ehemaliger Alkoholiker, wiedergeborener Christ,
Ressourcenprotektor und eifriger Kriegsherr sich in
Mecklenburg-Vorpommern
drei Tage lang den Magen mit Bratwurst und Sauerkraut (oder was immer man
dort servieren wird) vollschlagen kann. Na, der reiche Osten hat's ja,
und der Bund sowieso. Aber wenn diese Kost ihn zu einem friedlicheren
Menschen macht, sei's drum ...
Zum Vergleich: Mit dem Geld für
3 Tage Bush in MeckPomm könnte man 20 (in Worten:
zwanzig) finanziell gut ausgestattete, mit Hauptamtlichen für die
Verwaltung versehene, arbeitsfähige, dauerhafte und Menschen
helfende Stiftungen gründen.
Eine Beschreibung
der Demo findet sich
hier.
Ein Kommentar bei n-TV:
"Erinnert sich noch jemand an den Besuch von US-Präsident Clinton 1999 in Berlin? Clinton besuchte damals ein Restaurant am Kollwitzplatz, nahm ein spontanes "Bad in der Menge" und hinterließ einen sehr guten Eindruck. Klar, die Zeiten haben sich geändert. Merkels Inszenierung in ihrem Wahlkreis soll darüber hinwegtäuschen, dass es nicht mehr möglich ist, den amerikanischen Präsidenten zivil und zivilisiert zu empfangen. Es ist ein Skandal. " - Den Artikel lesen
Technorati Tag
07/07/06
Wer nahe Potsdam heiraten will, sollte keine türkische Musik spielen
... oder Musik, die irgendwie danach klingt. Denn sonst kann es sein,
daß die aufgeschlossene kahlgeschorene Dorfjugend vorbeikommt und die
Gäste verprügelt. Die Polizei wird den Spaß nicht verderben wollen und
läßt sich viel, viel Zeit - sie kommt nach der Veranstaltung. Und die
Verwalterin des Schlosses, in dem man gefeiert hat und verprügelt wurde,
wirft einem am nächsten Morgen "falsches Benehmen" vor.
So
geschehen im Dörflein Marquardt im Potsdamer Norden.
(Tags:
Neonazis
Rassismus
Potsdam
Brandenburg)
29/06/06
Google stellt Auszüge aus Büchern online - Börsenverein zieht nach
Wie der neue Dienst von Google zu bewerten ist, Bücher zu digitalisieren
und auszugsweise über die Suchmaschine zur Verfügung zu stellen, bleibt
abzuwarten.
Wachsamkeit scheint jedenfalls geboten: Sollte sich der
Dienst negativ auswirken, so könnten gerade kleine Verlage bedroht sein
- und es sind die Verlage - häufig gerade die kleinen, nicht-durchBWLten
Verlage -, die Inhalte schaffen (respektive ihre Schreibknechte,
romantisch "Autoren" genannt), nicht die unwortigen
"Wertschöpfer". Andererseits kann der neue Suchdienst den Absatz von
Büchern auch fördern, da man sie nach Bedarf besser identifizieren kann.
Der
Börsenverein will nun eingefasst in feste Regeln nachziehen, um
Google&Co. nicht das "Informationsmonopol" zu überlassen.
22/06/06
Besoffene Fußballeuphorie = problemlose Steuerhöhung
So sieht es Wilfried Schmickler im WDR (
hier reinhören) und nimmt dabei auch gleich CäS
iUm
Singhammers Beflaggungs-Amok ins Visier.
16/06/06
Von indirekter Amtsanmaßung - alle Gewalt geht von der Industrie aus
Private Sicherheitsdienste kleiden sich fast, nein, offenbar schon
genauso wie die Polizei.
Vorreiter ist die Großartige Deutsche
Bahn, ihres Zeichens kein Fahrgasttransporteur, sondern internationaler
Logistikkonzern mit enormen Ambitionen ... und so weiter.
Denn
während in den Neuköllner Arcaden Clowns in böse-schwarzer Montur mit
lustigen achteckigen Mützchen durch die Gegend geistern, setzt der
Sicherheitsdienst der Deutschen Bahn auf eine Maskerade der besonderen Art
: Seine Uniformen sollen von den neuen Uniformen der Polizei fast nur
noch durch das Bahn- statt den Länderaufnäher zu unterscheiden sein -
und die Polizei soll einen "POLIZEI
"-Aufnäher auf dem Rücken verpasst bekommen, um der Gefahr einer Verwechslung
zu begegnen. Und außerdem weiße Mützen: Die Damen und Herren von der
privaten Bürgerwehr "Sicherheit" tragen nämlich ebenfalls Mützen, die
wie jene der Polizei aussehen. Und die Politik? Nickt es ab.
Da
gab es doch eine Bestimmung, nachdem niemand außer Schauspielern
Polizeiuniformen tragen darf:
"Nur bei offenkundigen Maskeraden
ist das unbefugte Tragen einer Uniform nicht strafbar", so die
GdP. Folgerung: Entweder, es sind die Mitglieder privater
Sicherheitsunternehmen jetzt tatsächlich alle Clowns, oder jeder Troll
darf jetzt so tun, als wäre er Staatsmacht.
Liebe GdP, habt
Ihr zu dieser implizierten Amtsanmaßung der ganz und gar nicht
staatlichen Gewalt nicht ein paar Wörtchen zu sagen?
Habt Ihr. Lauter bitte!
(siehe auch
IGaK aktuell)
13/06/06
Wenn die systematische Verletzung des Völkerrechts kein Rechtsbruch ist, sondern die Anpassung an veränderte Realitäten ...
Ein zorniger, lesenswerter Kommentar in der Berliner Zeitung:
Goggelmoggels Denkmal
"Wenn Folter nicht Folter ist,
sondern eine legitime Form staatlicher Selbstverteidigung, wenn die
systematische Verletzung des Völkerrechts kein Rechtsbruch ist, sondern
die Anpassung an veränderte Realitäten, wenn die Negation der
Menschenwürde kein Angriff auf die Menschenwürde ist, sondern ihre
wirksamste Verteidigung, dann ist naturgemäß der Selbstmord von
Kriegsgefangenen in Guantanamo, die keine Kriegsgefangenen sind, sondern
eingesperrte Selbstmordattentäter, kein Selbstmord mehr, sondern ein
Selbstmordattentat. Folgerichtig hat der Kommandant des Lagers,
Konteradmiral Harry B. Harris jr., die Selbstmorde von drei Inhaftierten
am vergangenen Wochenende als verbrecherischen Anschlag bezeichnet:'Ich
glaube, das war kein Akt der Verzweiflung, sondern ein Akt der
asymmetrischen Kriegsführung.'" -
weiterlesen
31/05/06
Albright haut Bush ordentlich auf die Finger
... und zwar
in ihrem Buch, das sie morgen vorstellen wird.
"Madeleine
Albrights neues Buch 'Der Mächtige und der Allmächtige' ist eine mutige
Abrechnung mit der christlichen Rechten und dem rigorosen religiösen
Fundament der Bush-Administration. In der schleichenden Abkehr von
humanitären Grundprinzipien sieht sie die wachsende Distanz ihres Landes
zu den europäischen Staaten. [...] Am 1. Juni 2006 stellt Albright ihr
neues Buch in Berlin vor." --
Quelle
Schade, die Buchvorstellung wird wohl ausverkauft sein.
26/05/06
Bahn beißt Bratwurst ab
"(...) es darf nicht im Glamour und Feuerwerk Selbstbelobigungen
untergehen, dass unsere Baukultur einer unerträglichen Zerreißprobe
unterliegt, in der Kommerz und Management in Selbstherrlichkeit ihren
Bogen seit Langem weit überspannen." -- Meinhard Gerkan,
Architekt des Hauptbahnhofs (ehem.
Lehrter Bahnhofs) zur Eröffnung des Bauwerks (
Quelle)
Da engagiert die Bahn einen der besten europäischen
Architekten,
Herrn Gerkan (bmp), und der plant tatsächlich ein
atemberaubendes Bahnhofsgebäude (das grauenhaft angebunden ist und
als anachronistischer Zentralbahnhof einer dezentralen Stadt in der
Wüste steht, aber das nur am Rande).
Und dann erdreistet sich
der Herr Großfürst dieser einstmals ausschließlich und heute immer noch
gewaltig von Steuergeldern finanzierten
Willgernwerden-Aktiengesellschaft, zu äußern: "Wir haben
einen Bahnhof bestellt und nicht irgend_welche Monumente" , und
kürzt das Kuppeldach der überirdischen Achse kurzerhand - sodaß es wie
eine abgebissene Bratwurst aussieht. Dabei lagern die Glasplatten im
Ostbahnhof ein, bereit, um verbaut zu werden.
Gerüchten zufolge ist
diese Brachialkürzung auf taktisches Kalkül der Deutschen Bahn
zurückzuführen, was angeblich im Zusammenhang mit der Länge der ICEs
steht. Also alles wieder schlichtes politisches Taktieren? Vergessen wir
nicht: Auch wir bezahlen diesen Bahnhof, sei es direkt über
Steuern oder durch Überkreuzfinanzierung.
Und der Architekt?
Der, dem dieser angeknabberte Prachtbau zu verdanken ist? Er bekommt von
der DB einen Tritt und darf zur Eröffnung nicht einmal eine Rede halten.
Aber immerhin, der Filzstadt Berlin doch irgendwie angemessen. Well done.
23/05/06
Aber Arier werden auch geschlagen!
Wundert es wirklich jemanden, daß wir rechte Schläger haben, die gern
Hand an die Gesundheit ausländisch aussehender Mitbürger legen?
Mit Kinder-statt-Inder=Rütti,
Wo-kann-ich-hier-gegen-die-Ausländer-unterschreiben=Masterkoch,
Gibt-es-denn-keine-kulturellen-Grenzen-zwischen-Europa-und-der-Türkei=Stoibman
und Hier-werden-auch-Arier-geschlagen=Schöni dürfte sich die rechte Brut
doch wirklich bestätigt fühlen. Insbesondere, wenn einige von den Herren
Politikern ganz fix Herrn Nehm wegen seiner Entschlossenheit angreifen,
einen versuchten Totschlag aus damals (und immer noch?) vermutlich
rechtsradikalem Hintergrund an sich zu ziehen.
Die Welt zu Gast
bei Freunden®™©☺. Die wird sich freuen.
09/05/06
Praktizierte Unverteilung: Kobe-Rindfleisch zu HartzIV-Regelsatzpreisen in Hamburg von Superhelden gestohlen
Eine Sponti-Gang im Gewande von Comic-Superhelden
stürmte einen Delikatessenladen höchster Güte und lud sich
Einkaufswagen voll - als Bezahlung gab es einen Blumenstrauß. Da gucken
die Alt- und Neureichen.
Nachtrag:
Telepolis schreibt
ausführlich über das Phänomen und verdirbt bei der
Gelegenheit auch gleich die schöne Überschrift ... (und schreibt
gequirlten Quark über den alten Störtebecker)
02/05/06
Heil Boskop!
Die Front Deutscher Äpfel ruft zum Sammeln! Südfrüchte raus!
Eine kreative From des Protests gegen Neonazis. Mehr dazu auch im SpOn.
01/05/06
Schon 1380 hörte der Spaß bei der Biersteuer auf ...
Als der Fürstbischof von Bamberg unter anderem die Erhöhung der
Biersteuer plante, da hörte für die Bamberger der Spaß auf. Er wurde
kurzerhand aus der Stadt vertrieben - und mußte 1380/81 mit einem Heer
wiederkommen, um seine eigene Stadt einzunehmen (bei der Recherche für
die
Mauern in einer Bamberger Stadtchronik gefunden).
Hoffentlich weiß die
EU, worauf sie sich mit ihrer
Biersteuererhöhung da eingelassen hat ...
26/04/06
+
Niemals vergessen. Niemals verharmlosen.
25/04/06
Kindererziehung in den USA: Bildbericht aus einem Jugendknast
Children Behind Bars. Kein Kommentar.
Außer, daß dieses Land für seine
Version einer gerechten Welt eifrig bombt, missioniert und verklagt.
(Dank an Frank für den Link!)
24/04/06
Mit dem Hitlergruß: Die Welt zu Gast bei Freunden?
Ob ein afrikanischer Fußballspieler durch Affenlaute aus dem Publikum
verhöhnt wird, Transparente mit der Aufschrift "Zigeuner" Dresden), dann
"Jude!" (Kottbus) die gegenerischen Fans beleidigen sollen, eine "U-Bahn
nach Auschwitz" als Schlachtruf skandiert wird - die rechtsradikale Brut
erfreut sich in unseren Fußballstadien bester Gesundheit.
Der
Spieler Ogungbure
zeigte den gegnerischen Fans den Hitler-Gruß, nachdem sie ihn ständig
mit "Bimbo", "uh, uh, uh" und dergleichen deutschen Späßen begleitet
hatten - und brachte diese damit zum Durchdrehen. Und wurde für seine
"unverhältnismäßige Reaktion" auch noch gerügt.
Ein Überblick über die Vorfälle in deutschen Stadien hat das
NPD-Blog zusammengestellt (inklusive des Links zum betreffenden
Videostreams von panorama).
23/04/06
Tucholsky über moderne Wirtschaft
Nein, keine Parallelen zur damaligen politischen Lage, aber
bemerkenswert ist die Aktualität der Worte doch, die Tucholsky 1931
niederschrieb.
"Man sollte meinen, daß der gesunde
Menschenverstand wenigstens eines sehen könnte: den Mißerfolg. Aber
damit ist es nichts. Niemand von denen, die diese Wirtschaftsführer
bewundern, behielte auch nur einen Tag lang einen Chauffeur, der ihm die
Karre mit Frau und Kind umgeworfen hätte, auch dann nicht, wenn dem
Chauffeur die Schuld nicht nachzuweisen wäre. Er kündigt, denn solchen
Chauffeur will er nicht. Aber solche Wirtschaftsführer, die will er.
Der unbeirrbare Stumpfsinn, mit dem diese Kapitalisten ihre törichte
Geldpolitik fortsetzen, immer weiter, immer weiter, bis zur Ausblutung
ihrer Werke und ihrer Kunden, ist bewundernswert." --
Quelle
21/04/06
"Granny Peace Brigade": Großmütterchen wegen Protest-Anmusterung in den USA vor Gericht
"Grandmothers kicked their legs, pointed their canes and sang
reworded show tunes in Times Square yesterday during a boisterous
protest against the war in Iraq" -
Quelle
17 Großmütter stehen in den USA vor Gericht, weil sie
gegen den Irak-Krieg protestiert haben: Die Damen zwischen 50 und 90
hatten versucht, beim Militär anzumustern, um ihre gefallenen Enkel zu
"ersetzen".
18/04/06
Das Leben der anderen: Ansehen!
Der Film "Das Leben der anderen" ist einer der besten, wenn nicht gar
der beste, deutsche Kinofilm der letzten Jahre. Gerade jetzt, wo die
StaSi mit Relativierungen und Beschönigengen sich reinzuwaschen sucht.
Anders als man auf den ersten Blick denken könnte, handelt es sich nicht
um den achthundertfünfundsiebzigsten "Aufarbeitungsfilm", sondern um
großes Kino.
Und dabei hat er mit ausgezeichneten deutschen
Produktionen starke Konkurrenz: So ist "Good Bye, Lenin" ein in jeder
Hinsicht herausragender Film, der die DDR humoristisch persifliert (und
der ein wirklich vollkommen, aber auch wirklich vollkommen anderer Film
ist als "Das Leben der anderen"); "Alles auf Zucker" ist ein
beachtliches, gelungenes Experiment, in dem das heiße Eisen Deutschland
und Judentum ausgerechnet auf komödienhafte Art exzellent angepackt und
mit Bravour getragen wird; "Sommersturm" setzt sich mit dem delikaten
Thema von Jugend und Homosexualität auseinander; "Knallhart" behandelt
nicht weniger einzigartig das Thema Gegenwart und Schulgewalt, ebenfalls
ausgezeichnet und wie die jüngsten Schulberichte zeigen, topaktuell. Und
das sind nur einige Beispiele aus einer ganzen Reihe: Der deutsche Film,
er macht wieder Spaß.
Aber "Das Leben der anderen"
übertrifft sie m. E. alle. Poltisch, erzählerisch, filmisch, einfach ein
ausnehmend guter, kritischer und zudem ebenso hintergründig humorvoller
wie beklemmender Film.
Ein seltenes Erlebnis.
02/04/06
Ostwestbruecke.de: Tschernobyl ist immernoch aktuell
Wußten Sie, daß in Weißrussland gegenwärtig (!) etwa 600 000 Kinder von
der Strahlenbelastung ernsthaft betroffen sind? Daß neun Monate nach
Tschernobyl in Westberlin 12, anstatt der statistisch üblichen 2-3
Kinder mit Down-Syndrom auf die Welt kamen? Daß man gegenwärtig Kindern
in den betroffenen Gebieten zumindest ein wenig helfen kann, indem man
ihnen in Wasser aufgelöstes Pektinpulver zu trinken gibt?
Diese und weit mehr Informationen finden sich auf der Internetseite von
Ostwestbruecke.de.
Hier kann man sich über die vielen
Projekte informieren, die vom höchst aktiven Jugendumweltbüro Hannover
bzw.
JANUN e. V. seit fast zehn Jahren mit dem Institut
BELRAD unternommen werden, beispielsweise zum besseren Strahlenschutz der
Betroffenen (z. B. durch Einrichtung von Meßstellen und
Zurverfügungstellung Nahrungsergänzungsmitteln).
Aber
auch
Artikel über Studien zur Strahlenbelastung und Gedanken über die
leider zumeist schon
in Vergessenheit geratenen bzw. weitgehend unbekannten Folgen von
Tschernoyl, sowie ein Bericht
einer Jugendlichen aus dem Umland des Reaktors und weitere interessante
Beiträge finden sich hier.
Und selber kann man beispielsweise
mit einer
Patenschaft für eine Meßstelle aktiv helfen.
29/03/06
Götzenverehrung befürchtet: Amputation von Plüschtieren gefordert
Fundamentalisten sind schon unterhaltsame Leute - ob es sich nun um
Christen, Araber, Juden oder Anhänger anderer Ewiger Wahrheiten handelt,
sie alle haben unterhaltsame Ansichten im Programm - sei es die
Legitimierung der Kreuzzüge, Morde wegen Zeichnungen -- oder zu
perfekten Plüschtieren.
So ließ der ehemalige Großrabbi Mordehai
Elijahu am Sonntag in einem religiösen Rundfunksender verlauten:
"Es ist sehr wichtig, dass diese Spielsachen nicht perfekt sind, da sie
dadurch ihren Götzencharakter verlieren". Daher solle man
Plüschtieren einen Arm oder ein Bein amputieren, wie
RP online meldete.
23/03/06
11.900.000 Euro / Jahr oder Dreiunddreißigtausendvierhundertsechsundzwanzig Euro pro Tag
Und die Mehrwertsteuer wird erhöht.
V
13/03/06
Die GEZ ermöglicht Kindergeld für Alle, Teil II
Die GEZ, bekannt geworden duch ihre oskarpreiswürdige Darstellung des
angsteinflößenden jugandlichan Gangstarappas mat GEZanhanga vs. The B1g
B4d schwarzhöranda H00d zur Überzeugung der lieben Mitbürger, besticht
einmal mehr durch ihren unverstellten Blick auf die Realität.
Im aktuellen Mediaphon-Newsletter, für Selbstständige eine durchaus
empfehlenswerte Lektüre, wird genauer auf die herrschende
Ungerechtigkeit zwischen Kleinunternehmern/Selbstständigen und
Großunternehmen hingewiesen.
Dort heißt es zu der Einfühung
sogenannter "Rundfunkgebühren" für PCs (und zwar auch für solche, die
wegen Analoganschluß nicht im Mindesten zum Fernsehempfang taugen):
"Ab 1.1.2007 verlangt die Gebühreneinzugs- zentrale (GEZ) Rundfunkgebühren für
PCs mit Internetanschluss. [...] Allerdings wurde die neue Rechtslage
auch von der GEZ bisher nur unvollständig dargestellt. Zur Entlastung
großer Unternehmen führt der Staatsvertrag nämlich eine
"Zweitgeräteregel" ein, die besagt, dass für Internet-PCs dann keine
Gebühr anfällt, wenn es auf dem selben Grundstück schon ein bezahltes
Erstgerät gibt. [...] Zahlen müssen jedoch all die professionellen
Selbstständigen, die ein eigenes Büro, ein Atelier oder ihre Werkstatt
außerhalb des Wohnhauses haben und dort noch keinen Fernseher angemeldet
haben. [...]" - Mehr zum Thema
bei mediaphon.
Kommentar der Redaktion: "Auf muntere
Rechtsstreitigkeiten im nächsten Jahr freut sich Euer mediafon-Team."
Na dann!
26/02/06
Arme Diskussionskultur
Es gibt Talkshows, die haben durchaus Anspruch. Darunter würde ich
durchaus auch die heutige Sendung "Im Palais" unter dem allerdings nicht
ganz ungefährlichen Titel "Kampf der Kulturen" verbuchen, wo immerhin
recht kompetente Gesprächspartner beisammensaßen und auch sachlich und
themenbezogen sprachen.
Aber es steht einem Moderator wohl kaum
an, selber klar parteiisch mit zuweilen polemischen Argumenten und
Anmerkungen mitzumischen, wie es Herr Nauman teilweise massiv tun zu
müssen meinte.
Dieses Verhalten ist schon bei so vielen anderen
Talkshows von Seiten der Diskutierenden unerträglich, aber das Ganze von
Seiten der Moderation ... das ist unschön und definitiv nicht ihre
Aufgabe. Und beinahe Privatfernsehenniveau.
24/02/06
Willkommen in der Geisterbahn: Merkels Rede auf dem Weltwirtschaftsforum
Als Geisterbahnfahrt interpretiert von Brigitta Huhnke und
hier nachzulesen.
"Das machen wir jetzt, halten Sie Ihre
Gedanken beieinander und steigen Sie wirklich ein!Haken Sie schön die
Kette fest! Hier die Route der wichtigsten Etappen: Erst fahren
wirausgiebig durch die Hölle der „selbstverschuldeten Lähmung“ (Merkel)
und treffen dabei aufdie Gespenster der Globalisierung. Lassen Sie sich
wohlig gruseln, wenn die zur „Freiheit“tönen, auch wenn es manchmal laut
und schrill wird. Viel Vergnügen wünschen wir Ihnen dann in der
Innovationsabteilung für "verantwortete Freiheit“, bevor wir rasant
durchs weiße Licht gleitend endlich am Schluss ins „Land der Ideen“
eintauchen. "
23/02/06
Frankfurter Provinzposse hochwohlgeborener Art
Eine
lächerliche Provinzposse trägt sich dieser Tage in der großen und ach
so weltoffenen Bankenstadt Frankfurt am Main zu, die einem
hinterwäldlerischen Kleinstdorf würdig wäre.
Da
erdreistet sich ein Schaupieler (das sind die, die erschaffen und ab und
zu etwas durchgeknallt sind) frecherweise einem Kritiker (das sind die,
die nichts erschaffen, aber zu allem eine ultimative Meinung haben -
häufig so eine Art Scharfrichter oder Königskröner) einen Schreibblock,
woraufhin sich der Große Herr empöret und argumenthyrt, sain
Skrybenblockke mecht yhn verletzet hoben, alldieweil dhy Pressefryheit
darselbstigt, dhy er, groszer Ghyst dher ero sy, verkorperiret, von dem
unflahtig Schauspyller attakiret. Alsda der Große Hair Kryttikair zu dem
hochwohlgeborn Blatte FAZtte rannte undt weinerlich Schimpf und Schand
verkündet und derweil in bester Klüngelmanier für die Entlassung des
betreffenden Schauspielers sorgt - und ihn zugleich damit noch berühmter
macht. Der betreffende Schauspieler Thomas Lawinky wurde sogleich vom BE
(das liegt in der größeren Stadt Berlin, die nicht ganz so piekfein wie
hochwohlgeborn Frankfurthen ist) eingeladen.
Was für ein
lächerliches Possenspiel unserer konservativen Clowneske.
21/02/06
Karikaturenstreit: Ein Pressespiegel
Ein umfangreicher Pressespiegel zum sogenannten und auf allen Seiten mit
Lust instrumentalisierten Karikaturenstreit findet sich in dem auch
sonst höchst lesenwerten
Kosmoblog der ZEIT.
"[Jungle World:] Das Verrückteste an
der Sache sei allerdings, meint der Journalist Awat Rizgar, dass es in
der Region viel bessere und deftigere Witze über Mohammed und den Islam
gäbe. Warum so viele Europäer sich für ein paar vor Monaten
veröffentlichte Karikaturen entschuldigen, statt vehement die
Pressefreiheit gegen Islamisten und andere Feinde der Freiheit zu
verteidigen, kann er jedenfalls nicht verstehen. [...]
[Kosmoblog:] Man kann aber auch zu dem Schluss kommen, dass die
Einschüchterungs-Kampagne erfolgreich war: dass zwar keine de jure-,
aber doch eine de facto-Zensur besteht - infolge der berechtigten Angst,
zur Zielscheibe von Gewalt zu werden." -
Quelle
20/02/06
Was wird denn das, SPD?
Geht es der verehrten Regierung noch gut? Jetzt erdreistet sich
Wiefelspütz, einen drohenden Terroranschlag aus der Luft in
regelfüchsischer Schläue kurzerhand als "kriegerischen Akt" auszulegen:
"Das Bundesverfassungsgericht hat ausschließlich über einen nichtkriegerischen
Luftzwischenfall entschieden", sagte Wiefelspütz der Zeitung "Die Welt".
"Bei der Abwehr eines Terrorangriffs von außen, der sich mit
polizeilichen Mitteln nicht abwehren lässt und der im Schadensausmaß
einem herkömmlichen militärischen Angriff mit Soldaten gleichkommt,
müssen die Regeln für die Landesverteidigung gelten." -
Quelle
Natürlich nur, wenn das Flugzeug im Ausland entführt wurde.
Daraus folgt, um die begeisterte Zustimmung Franz Josef Jungs (CDU) zu
nennen, die Fortführung des Gedankens: Das sollte auch gelten, wenn das
Flugzeug ausschließlich mit Terroristen besetzt ist (aha). Und wieso
rufen wir nicht gleich präventiv das Kriegsrecht in unserem hart
umkämpften Lande aus, dann braucht man sich wenigstens nicht mehr um
lästige Dinge wie Grundgesetzartikel und politisch unbequeme Rotroben zu
scheren!
Wer dem Bundesverfassungsgericht rhetorisch ins Gesicht
speit und fleißig Geister ruft (wie jene Vorschläge Jungs), der zeigt
meines Erachtens selber: verfassungsfeindliche Tendenzen. Daß
ausgerechnet die Sozis sich am fröhlichen Brechstangenfandango gegen
republikanische Grundwerte beteiligen, ist wahrlich eine bittere Ironie
der Geschichte.
PS. Ja, dieser Eintrag ist polemisch. Reflektiert
man aber die politische Entwicklung der letzten Jahre, muß einem
Demokraten ab und zu der Kragen platzen.
15/02/06
Warum Soldaten keine Politik machen sollten
Eine Bekannte berichtete, ein ausländischer Scharfschütze aus Urlaub habe ihr in Bezug auf die Folterskandale gesagt, die ganze Aufregung würde bei seinen Jungs eher belächelt werden, so sei es halt und es werde ja eh nie anders werden. Ja, das haben die Büttel der Feudalherren und die Hexenverbrenner der Neuzeit sicher auch so gesehen.
Für einen Soldaten, der im Auftrag ihm persönlich Unbekannter ihm Unbekannte tötet, mag diese Logik durchaus eine essentielle Selbstschutzfunktion haben - damit er sich keinen Vollbart wachsen lassen muß.
Nein, nicht wegen islamistischen Dingen oder dergleichen, falsch assoziiert - sondern wegen des Unvermögens des sich-im-Spiegel-anguckens. Politisch ist dieser apologetische Unsinn natürlich fatal.
11/02/06
Wen wundert's?
Das Gehabe neokolonialistischer, von manifest destiny erfüllter Narren auf der einen, von Armut und / oder diktatorischer Herrschaft gezeichnete Völker auf der anderen Seite - und dazwischen ein Blättchen zweifelhaften Rufes, das sich zum Zündeln berufen sah.
10/02/06
BildBlog: Killer-Milchschnitte rockin' da House
Das
BildBlog hat von seinen Fans bei
dosenbier-rockt.de einen kleinen rockenden Song (
mp3 download über IT&W) geschrieben bekommen.
Weiter so,
BildBlog!
09/02/06
Zu den Mohammed-Karikaturen und Broder-Rhetorik ...
... findet sich in dem auch sonst lesenswerten Weblog Chuzpe eine interessante Betrachtung: Die Freiheit der Jyllands-Posten war nie meine Freiheit und Noch eine jüdische Stimme zu den Karikaturen?
08/02/06
John Perry Barlow: Declaration of the Independence of Cyberspace
Jep,
still sounds good.
(Danke,
Jörg)
07/02/06
Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.
Dieser Satz darf sich stolz zu den wohl häufigsten zweckdienlich
gedehnten und dadurch gewandelt zu den brandgefährlichsten
Aussonderungen des menschlichen Intellekts zählen (der Krieg als
"wahres politisches Instrument, eine Fortsetzung des politischen
Verkehrs"*, nicht "verwildert", sondern unter der Kontrolle der
Politik), ganz zu schweigen von dem Blut aus unzähligen Massenmorden,
das daher an seinen scheinbar oder tatsächlich
legitimierend-rhetorischen Fingern klebt.
Albrecht Müller sieht in
den NachDenkSeiten,
"Ein Wiedersehen mit den Fünfzigern", nach einer Periode
der Einkehr von Vernunft nun die alten tumben Parolen merkelnd
wiederauferstehen.
(*)Clausewitz, Vom Kriege, Stuttgart 1980,
S. 39
01/02/06
QED (zum wiederholten Male): Es gibt ein Rektum im menschlichen Geiste.
Was ein Kolumnist des populärsten Blattes der Nation beweist. Ist nichts
Neues, aber doch immer wieder beachtlich.
"Doch W*****
gibt in seinem Brief den "lieben türkischen Schülern" noch gute
Ratschläge mit: 'Wenn Deutschland zu Eurem Land werden soll, dann müßt
Ihr fließend Deutsch sprechen. Oder Ihr übernehmt die Rolle der Indianer
in Amerika. Straßenräuber, Drogenkranke, Geächtete. Ohne Deutsch kein
Schulabschluß, ohne Deutsch keine Lehrstelle, ohne Deutsch ein
Indianer.'" -
Quelle
Dürfen sich unsere -zigtausend vergeblich
lehrstellensuchenden braven oder auch ganz aufrrrrächten Toitschen jetzt
auch alle "Indianer" nennen, Herr W...?
Und was die
"drogensüchtigen" "Indianer" und die "nichtdeutschsprechenden" "Türken",
re. "Straßenräuber", re. "Drogenkranken", re. "Geächteten" betrifft, so
offenbart die Kolumne nur eines: Billigsten, massenkompatiblen Rassismus.
Gute Nacht. (Siehe auch der Eintrag "
Boulevardpresse? Hetzblatt!")
Nachtrag:
Selbst die
Tagesthemen halten das Blatt, das derartige hetzerisch-rassistische
Artikel publiziert, nichtsdestotrotz für abbildlich zitierfähig; so am
heutigen Tage zum Fall der angeblichen Lösegeldfunde in den Kleidern der
S. O.
Nachtrag II:
Die
Berliner Zeitung dagegen spricht klare Worte: "Es liegt aber auch an
dem außergewöhnlich miserablen Ruf der Zeitung, die mit ihren
Verleumdungen, Falschmeldungen und Kampagnen weit über das hinausgeht, was
man von einer Boulevardzeitung zu tolerieren bereit ist."
(via
Bildblog)
21/01/06
Geld aus dem Fenster werfen ...
... nur um eine der gegenwärtig größten unter den populär-infantilen
Worthülsen aufzublasen:
Du bist Deutschland.
Könnt Ihr, anstatt Plakatwände
vollzukleistern, nicht so ein, zwei Milliönchen für die Stiftung unseres
kleinen feinen Instituts abgeben? Und sicher gibt es noch die eine oder
andere Stelle, die sich für eine sinnvolle Verwendung des Geldes
erweichen lassen würde.
PS. Ich werde mich davor hüten, a.)
Deutschland oder b.) Betreiber einer
Klowand zu sein, vielen herzlichen Dank auch.
Nachtrag:
Sogar das Blog des Handelsblatts
äußert sich zu der Sache (wir erinnern uns, das Handelsblatt ist
jene Zeitung, die sogar eine Redakteurin beschäftigt, die laut ihrer
eigenen Aussage in einem Presseclub
viel lieber arbeitslos wäre, von wegen neue Chancen und so -
tschuldigung, ich konnt's nicht lassen).
14/01/06
Zum Sprachgebrauch
Wenn eine offizielle US-amerikanische Institution einen terroristischen Akt in einem verbündeten Land begeht, indem sie auf Verdacht ein Dorf bombardiert, wobei Kinder und Erwachsene ermordet werden - und die Bevölkerung des betreffenden Landes protestiert daraufhin empört, dann nennt sich das im Sprachgebrauch unserer Medien "antiamerikanisch".
22/12/05
BRAVO BGH!
Manchmal liebe ich den BGH. Beispielsweise heute, wo er (*) Ackermann
wieder vor Gericht stellt. Nachdem dieser, wir erinnern uns, ein
Handzeichen gemacht hatte, das man wohl getrost als Pendant zum dicken
Stinkefinger gegenüber Justiz und Gesellschaft ansehen kann.
Man kann nur hoffen, daß das Gericht Ackermann Gerechtigkeit widerfahren
läßt. Er hat sie redlich verdient.
(*) Kein "Herr" an
dieser Stelle.
16/12/05
Bamberg als Bundeshauptstadt: 60 Jahre CSU
Rudolf Schöfberger schreibt
in einem Leserbrief an die SZ auf deren Gratulationswünsche zum
CSU-Jubiläum hin, was die Partei in ihren 60 Jahren sonst noch so
getrieben hat. Beispielsweise erwähnt er die Forderung führender
CSU-Politiker, Bamberg zur Bundeshauptstadt zu machen (kennen Sie
Bamberg? Ja, ein schönes Städtchen, fürwahr ...). Und auch ihr
unmittelbarer Vorläufer BVP - seinerzeit durchaus wegweisender
Steigbügelhalter eines gewissen Anstreichers - wird gewürdigt.
Na denn prost ...
10/12/05
Weils so schön war zur Weihnachtszeit nochmal: Arbeitslosigkeit ist eine CHANCE!
( Ursprüngliches Posting)
03/12/05
Boulevardpresse? Hetzblatt! Dem die Politik ins Hinterteil kriecht ...
Jetzt meckern wir mal ausnahmsweise nicht wieder über die USA, sondern
kehren vor unserer eigenen Tür. Und das tut Gerhard Henschel in dem
Artikel "
Von Tag zu Tag wird’s schmutziger. B*** als Kulturproblem"
mit einiger Hingabe und sachlich geballtem Zorn. Ein Auszug:
"Wie
ist es nun aber möglich, daß B*** die grundgesetzlich verbürgte
Unantastbarkeit der Menschenwürde eines angeblichen
Vergewaltigungsopfers zerstampfen und in dessen Intimsphäre
tollhäuslerisch wüten darf, aus dem niederen Beweggrund, finanziell von
einem Skandalprozeß um eine angebliche Vergewaltigung zu profitieren?
[...] Und wer, wie Gerhard Schröder es getan hat, einen ausländischen
Staatsgast zum gemeinsamen B***-Interview willkommen heißt, der sollte
sich die Frage vorlegen, ob es nicht anständiger gewesen wäre, den Gast
in einem gutgeführten Bordell zu begrüßen als in Kai Di******* dreckiger
Sexualnachrichtenkaschemme."
Eines muß ganz klar gesagt
werden: Sich mit den Chefredakteuren gewisser Blätter in einem Raum zu
befinden, ist keine Ehre, sondern allenfalls ekelerregend.
Hingegen
mögen's 12 Millionen wahlberechtigte (!) Bundesbürger und rufmorden
durch den Kauf des Blattes eifrig mit. Wundert sich noch jemand, daß wir
früher alte Damen als Hexen verbrannt haben?
(via
IT&W)
PS. Sehr nett der
Werbespot der TAZ zum Thema, den der Axel Springer Verlag, der auf diesen
Rechtsschutz im Gegensatz zu seinen Opfern natürlich rechtswirksamen
Anspruch hat, inzwischen hat verbieten lassen. Egal, wenn man ihn sich
rechtzeitig angesehen hat ...
24/11/05
Kontra-Kreationismus, der Spaß macht
Über die Meinung eines amerikanischen Wissenschaftlers zum Thema Intelligent Design as a well-sponsored Ideology wurde bereits ein Eintrag verfasst. Nun bin ich über eine neue Gegenbewegung gestolpert: The Church of the Flying Spaghetti Monster.
Die Existenz des FSM-Gottes wird unter anderem mit der "Abnahme der Piraten in der Karibik und der Zunahme von Unwettern in der Region" begründet.
Diese ebenfalls außerordentlich fundierte religiöse Bewegung fordert nun gleichfalls um Aufnahme in den US-amerikanischen Schulunterricht:
"[...] I think we can all agree that it is important for students to hear multiple viewpoints so they can choose for themselves the theory that makes the most sense to them. I am concerned, however, that students will only hear one theory of Intelligent Design.
Let us remember that there are multiple theories of Intelligent Design. I and many others around the world are of the strong belief that the universe was created by a Flying Spaghetti Monster. It was He who created all that we see and all that we feel. [...] You may be interested to know that global warming, earthquakes, hurricanes, and other natural disasters are a direct effect of the shrinking numbers of Pirates since the 1800s. [Es folgt eine aufschlußreiche Grafik] [...]" - Quelle
Ich wünsche ihr Erfolg.
PS. Zum Selberbauen gibts sogar eine Anleitung (hard to create, easy to worship oder so)
17/11/05
Ein Stück Weg liegt noch vor der Türkei ...
... bevor sie Mitglied der EU werden kann. So ziemlich alle Stammtische
dürften die "Fans" und die türkischen Spieler im Sükrü-Saracoglu-Stadion
von Istanbul mit
nationalistischer Arroganz und brutalen Ausschreitungen gegen Schweizer
Spieler jedenfalls heute gegen sich aufgebracht haben, selbst
wenn ein Schweizer Spieler durch einen Tritt gegen den
Trainer-Assistenten das Ganze zum Ausbruch gebracht hat(*). Und
der Empfang von Sportlern mit Schildern, auf denen "Hurren SON"
und "ICH FI[***] IHRE MUTTER" steht, ist tatsächlich ein
ebenso verachtenswertes wie erschütterndes Verhalten. Erschaudernd mag
man sich ausmalen, was
manche blutfarbene Blätter morgen zum Thema titeln werden.
Nicht, daß es bei uns früher besser gewesen wäre (man bedenke die
Hooliganszenen in Deutschland und England, oder - verwandtes Thema - die
menschenverachtenden Polizeiprügeleien nicht nur der 70er und 80er
Jahre), aber sich dergleichen in diesen Zeiten zu leisten, ist, gelinde
gesagt, strohdumm, einer historischen Hochkultur unwürdig und setzt
einmal mehr das falsche Signal. Und bei uns standen immerhin die
Politiker und Sporttrainer nicht tatkräftig hinter den Hooligans.
Dabei wird (oder würde?) die Türkei ein sehr wertvolles Mitglied der EU sein.
Nicht nur, weil sie eine Brücke schlagen könnte zwischen islamischer und
christlicher Welt.
(*) Oder auch nicht. Siehe dazu den ersten
Kommentar.
[***] Nö, keine Klarschrift hier.
04/11/05
Nu is aber gut!
Was passiert zur Zeit auf unserer politischen Kasperletheaterbühne?
Könnten die Damen und Herren langsam zu Potte kommen, anstatt sich
allüberall als beleidigte Leberwürste zu produzieren?
Nun ist Politiker zwar wohl der einzige Beruf, in dem der Angestellte
den Arbeitgeber veräppeln darf, wie es ihm paßt. Aber liebe, liebe
Politiker, trotzdem: Ihr werdet vom Volk fürs Arbeiten, sprich:
Regieren bezahlt, nicht für Theaterdonner und
Systemfehlerproduzieren - es wäre nett, ab und zu daran zu denken.
PS. Netter Kommentar von
Dieter Nuhr dazu ...
Nachtrag:
Wie üblich liefert
Altmeister
Volker Pispers einen ebenso
bissigen wie hintersinnigen Kommentar. Anhören wärmstens empfohlen.
01/11/05
Die Mohrrübe und der Esel II: Der Esel keilt aus
Über die kostenlose Ausbeutung von motivierten Hochqualifizierten, die
sich durch hehre Versprechungen und dergleichen zu nichthonorierten
Praktika und Volontariaten verführen lassen,
wurde bereits berichtet.
Jetzt
machen uns die Franzosen vor, was es in dieser Sache zu tun gibt: Sie
protestieren, in bester französischer Tradition, für die Verankerung des
Praktikantenstatus im Arbeitsrecht. Davon können (hoffentlich "werden")
wir uns eine Scheibe abschneiden.
26/10/05
Bon apetit
Ein kleiner Damm ist gebrochen. Warum nicht auch bei uns, wo sich deutsche Druckgroßkonzerne auf die gleiche Art im Ausland bedienen. Und vielleicht hat heute der Götze "Effizienz" wieder einen kleinen Schritt auf seinem Weg zur Anerkennung als Naturgesetz getan.
25/10/05
Räumung des Wagendorfs Lohmühle? Diskussion mit den Parteien am 26.10.
Am Mittwoch, den 26. 10. soll bei Loesje in der Karl-Kunger-Str. 55 um
19 Uhr bezüglich
der unseligen Bebauungspläne des Lohmühlenufers am Landwehrkanal
(Treptow) ein Diskussionsabend mit den baupolitischen Sprechern
der verschiedenen Parteien stattfinden.
Wer sich dafür einsetzen
möchte, daß diese einmalige kulturelle Blüte in Berlin erhalten bleibt,
kann sich dies dort mit scharfsinnigen Fragen oder
einfach mit seiner Anwesenheit tun dafür einsetzen
(*)!
(*)QED: Lektorate sind wichtig ...
16/10/05
Wagendorf Lohmühle: Es s o l l gebaut werden. Also: Bloggen, unterschreiben ...
Mein verehrter Kollege
Frank Böhmert ist heute mit seinem Sohne ebenfalls auf die
Bebauungspläne aufmerksam geworden, und er hat die Pläne im Gegensatz zu
mir
auch im Netz gefunden.
Also: Unterschreiben gegen diese
Pläne - und Berliner Blogger: Unterstützt das Wagendorf doch
durch einen kürzeren oder längeren Artikel - wie wärs?
15/10/05
Soll das Wagendorf Lohmühle einer Bebauung weichen?
In Treptow, im Dreibezirkeeck Treptow-Kreuzberg-Neukölln, steht das
Wagendorf Gesamtkunstwerk Lohmühle. Im Sommer gibt es dort
Open-Air-Kino, große Kunstausstellungen, Open-Air-Jazz, gute Getränke
(wie HASch=Holunder-Apfelsaft-Schorle), angenehme
Sonntagnachmittags-Cafés, und alles ohne Marketingstrategie und
Gewinnaspekt. Das Wagendorf selber ist ein Konglomerat aus bemalten
Bauwagen, einem Tipizelt, Kräutergärten und verwunschenen Hainen.
Dorthin kommt man über den Weg der japanischen Krischbäume am
Landwehrkanal entlang, wo früher die Mauer stand (Ort auf dem
Stadtplan).
Heute bin ich auf einem Spaziergang dort vorbeigekommen. Große Schilder
verkündeten, daß das Wagendorf nun verschwinden könnte. Daneben ein
Tisch mit Unterschriftenlisten. Die Betreuer des Tisches erklärten, die
Grünflächen hinter der Allee der japanischen Kirschbäume (gestiftet von
japanischen Bürgern aus "Freude über die Wiedervereinigung") soll nun
verschwinden. Am Kanal sollen größere Häuser entstehen. Vom Bau
betroffen wäre auch das Wagendorf. Allerdings war von diesen Plänen
wenigstens im Internet nichts zu finden.
Dagegen zu unterschreiben wäre vernünftig (vorausgesetzt, besagte Pläne
stimmen, aber - warum sollten sie nicht), denn das Wagendorf Lohmühle
ist einzigartig. Wohnungen hat Berlin schon seit Jahren mehr als
Menschen, wie der enorme Leerstand beweist. Orte wie das Gesamtkunstwerk
sind dagegen Seltenheiten.
Wenn sich die Bebauungsvorhaben als
real erweisen, kann man sich für den Erhalt der Wagenburg durch ein
entsprechendes Schreiben ans
Bezirksamt einsetzen. Eine Vorlage gibts im Wagendorf (
Stadtplan), die allerdings l e i d e r noch nicht online verfügbar ist.
(Alle Bilder © Lohmühle)
14/10/05
SpON
Thingamablog hat da ein Posting verschluckt. Also hier nochmal: Spiegel
Online freut sich über die Pläne der großen Koalition, die Praktikanten
hatten zu viel Zeit und haben sich einen besonders dramatischen Spruch
einfallen lassen, und offenbar ist der Spiegel mit dem Ergebnis
seiner eigenen Parteinahme vor der Wahl zufrieden - obwohl es sich um 1%
Vorsprung und eine historische Maulschelle für die CDU/CSU handelt. Nun
ja.
Gibt IT&W-Bananen satt.
Nachtrag: Hier die - kommentierte - Reaktion der Herren Ressortleiter auf die scharfe Kritik Franziska Augsteins an der Entwicklung des Magazins zu einem "geschwtzigen Blatt".
12/10/05
Enlightened Bush und Florida Shooting Stars
Mr. Double-Wé Bush fühlt sich angeblich
von Gott persönlich berufen, der Welt (oder zumindest ihren
islamischen Teilen) Frieden zu bringen. Ihm seien Visionen diesbezüglich
offenbart worden. Jedenfalls hat man keine Schwierigkeiten, diese
Meldung zu glauben ...
In other news: In Florida darf seit
einigen Tagen geschossen werden. Immer. Beziehungsweise immer dann, wenn
man sich bedroht fühlt: Wilder Westen im dritten Jahrtausend des
Heilands. Das bei der Nation, die sich als moralischer Führer der
Freien, Guten, Westlichen, Christlichen, Frommen, einfach Ganz
Großartigen Welt sieht. Man zitiere an dieser Stelle Obelix.
Frank hat die
dazu passende AP-Meldung verlinkt.
28/09/05
Herr Bürgermeister Schönau, wo gehts zur Hexenverbrennung?
Im thüringischen Bad Langensalza hat sich ein kluger Mensch von
Bürgermeister doch tatsächlich gedacht, daß es eine hervorragende Idee
wäre, alte europäische Gebräuche wiederzubeleben. Zwar brennt noch kein
Scheiterhaufen, aber der Anfang ist getan:
Des versuchten
Diebstahls verdächtigte Jugendliche wurde auf einem Plakat
samt Name und Anschrift abgebildet und das Kunstwerk dann am Rathaus
aufgehängt.
Wir erinnern uns: Damals, vor ein paar hundert
Jahren, als in Deutschland noch Zucht und Ordnung herrschte - wie,
Deutschland gab es da noch gar nicht? Bildungsballast! - da war der
Pranger ein gar beliebter Ort unter der Bevölkerung, um sich mal so
richtig ausleben zu können. Da konnte der unbescholtene Mann und das
hehre Weib tatsächliche und vermeintliche Straftäter sowie Menschen,
deren Nase dem aufrechten Bürger nicht passte, als Abwurfstätte für
fauliges Obst zu verwenden; oder den Betreffenden fürsorglich
einzuspeicheln. Ob die Bad Langensalzaer das wohl mit dem Plakat auch so
getan haben? Zum Üben, bis der richtige Pranger installiert ist?
Der saubere FDP-Scherge scheint von rechtsstaatlichen Grundsätzen jedenfalls
nicht viel zu halten. Daß es Sache der Gerichte ist, Straftäter zur
Rechenschaft zu ziehen, und nicht die Sache eines kommunalen
Saubermanns, sollte eigentlich bekannt sein; ebenso könnte er eigentlich
etwas von einer "Unschuldsvermutung" gegenüber
mutmaßlichen Straftätern gehört haben, aber das ist von dem
Kommunalpolitiker offenbar etwas zu viel verlangt.
Jedenfalls: Er,
seine Gnaden Bürgermeister Schönau, würde wieder so handeln,
beteuerte er. Ein aufrrrrrächter Doitschärrr eben!
(via
Don Boscoe)
22/09/05
Der Comic zum Wahlkrampf: Asterix reloaded!
Wenn man das Aufjaulen kaum mehr aushalten kann, jetzt, wo unsere
Politiker doch tatsächlich einmal arbeiten müssen, um einen
politischen Konsenz (davon hat beim Parteieinrtritt aber nu keiner wat
jesacht!)
für ihre Koalition zu finden: Hier gibt es zur Erholung von dem
unerträglichen "ich will nicht, ich mag nicht, mit dem spiele ich nicht"
--
einen 44seitigen, retexteten Asterix als PDF zum Download:
Asterix und der Kampf ums Kanzleramt. Mit Angela Merktnix, Schrödix (by
Majestix) und Guidefix (by ... dem Fischkopp vom großen Graben).
Laden und genießen.
(via
IT&W - ja, dies soll kein Metablog sein, aber manche Dinge sind
einfach zu gut, um nicht genannt zu werden ...)
19/09/05
SpOn wirbt doch wieder!
Sie können es nicht lassen: Nachdem sie
das tendenziöse Kreuzchen entfernt hatten, hat der SpOn jetzt wieder
ein neues Kopfbanner mit einem Kreuzchen ...
Damit hat sich SpON gleich zwei IT&W-Bananen verdient.
(Danke an Kai für den schnellen Hinweis!)
Ertappt: Spiegel online macht kein Kreuz mehr für Merkel
Spiegel online hatte in seinem tendentiösen Kopfbanner zur Bundestagswahl lange Zeit demonstrativ das Wahlkreuz auf Merkels Seite gelegt.
Nachdem nun leider der Wählerwille und nicht die Medien über die Wahl entscheiden, hat es sich die Redaktion nun offenbar zumindest überlegt, ihre privaten Wahlpräferenzen nicht mehr ganz so offen in das Bild einzubringen: Der Praktikant durfte retuschieren:
Damit hat sich SpON wieder einmal redlich eine IT&W-Banane verdient!
18/09/05
Wahl 05: Schleichwerbung zur Bundestagswahl im NDR?
Der LINUX-Verband hat etwas dringend Notwendiges getan und gegen den NDR
geklagt, da dieser bei seinen Hochrechnungen das Micro$oft-Logo mit
einblendet. Die daraufhin erlassene einstweilige Verfügung
mußte bis zu einer Entscheidung nach der Wahl zurückgezogen werden
.
Wir leben in Groß-Schilda, was nichts Neues, aber doch immer wieder
bemerkenswert ist:
Während einerseits vollmundig gegen
Schleichwerbung gewettert und angeblich ach so effektiv vorgegangen
wird, wirbt der, wir erinnern uns, öffentlich-rechtliche,
sprich GEZ- und steuergeldfinanzierte NDR andererseits
ausgerechnet während der Bundestagswahl, einem Kern unserer
demokratischen Ordnung, für eine Firma, die Computerprogramme verkauft.
Werbung hat hier eigentlich nicht, NICHTS, verloren.
Aber
nein, DAS ist natürlich keine Schleichwerbung. Die Rechtsabteilung des
Senders hat sich da schon die passende Drumrumformulierung einfallen
lassen. Wenigstens biss das entscheidende Programm vorbei ist.
Also nochmal zum Mitschreiben:
Der NDR
betreibt KEINE Schleichwerbung. Der NDR betreibt KEINE Schleichwerbung.
Der NDR betreibt KEINE Schleichwerbung. Der NDR betreibt KEINE
Schleichwerbung. Der NDR betreibt KEINE Schleichwerbung. Der NDR
betreibt KEINE Schleichwerbung. Der NDR betreibt KEINE Schleichwerbung.
Der NDR betreibt KEINE Schleichwerbung. Der NDR betreibt KEINE
Schleichwerbung. Der NDR betreibt KEINE Schleichwerbung. Der NDR
betreibt KEINE Schleichwerbung. Der NDR betreibt KEINE Schleichwerbung.
Fazit: Wählt
Die Partei, die verspricht uns in ihrem
schönen Spot offen und ehrlich und mit dem unerläßlichen Ehrenwort
die Freiheit von Schleichwerbung aller Art!
17/09/05
Wahl 05: Ich war's nicht!
... wenn tatsächlich Merkel machtet. Dankenswerterweise kann man dies nun auch für den Fall der Fälle öffentlich bekunden, und zwar hier: Ich war's nicht!11/09/05
Wahlwerbung ist Nonsens...
.... oder auch herausgeworfenes Steuergeld oder auch Ankurbelung der Medienwirtschaft oder auch Stimmviehpflege, in jedem Fall wird sie von Die Partei in ihren offiziellen (im Gegensatz zur APPD - hier ihre Entschuldigung - nicht ekligen) Wahlspots sehr schön auf den Punkt gebracht. Wer diese immernoch nicht kennt, kann sie hier genießen:Wahlwerbespot 1
Wahlwerbespot 2
Wahlwerbespot 3
Wahlwerbespot 4
Und jetzt alle: Die Partei, die Partei, die hat im-mer recht ...
03/09/05
Spaß im Wahlkampf
Das nervtötende und nicht-mehr-auszuhaltene Dummgewäsch jener wahlkämpfenden Personen, die sich aus unerfindlichen Gründen zur Vertretung der Bürger berufen fühlen, wird erträglich: Mit dem extra3 Frasen-Bingo !Zu mehreren Politikern gibt es dort Bingo-Karten, und so kann man sich gemütlich im Sessel zurücklehnen und eifrig Kreuzchen machen, wenn zum allerhöchstspannentollen Fernseh"duell" Frasen gedroschen werden, daß es nur so kracht. Viel Spaß!
02/09/05
"Intelligent Design" as a well-sponsored Ideology
In an interesting article on the topic, John Mohawk Ph.D, director of
indigenous studies at University of New York, examines what is behind
the ideology of "Intelligent Design", which seems to have grown quite
popular among the people of the USA (see
taz,
New York Times), and which should, according to Bush, be taught in school
as an 'alternative' to the Darwin theory.
.
In his essay, Mohawk
states that "Intelligent Design" is incompatible with Native American
religion (though one could think that the theory of a God tinkering with
evolution might be quite attractive for those religions). He also names
some organisations who financially and politically promote the self-made
ideology. Mohawk says,
"American culture these days is
powerfully impacted by the fact that very wealthy people who have some
pet ideas can bring these into public discourse by giving huge sums of
money to so-called conservative think tanks which then pay people to
write articles advancing their ideas. [...] Opponents of ''intelligent
design'' argue that it represents religion cloaked as science, that it's
impossible to subject it to scientific methods."
Also, a
crucial point in his argumentation is the fact that the "Intelligent
Designers" claim to know the ultimate truth about the Creation, in best
tradition of old-school christian missionaries. Yet it is a core
characteristic of traditional Native American religions that the
Creation is seen as a mystery man is not capable of understanding (as
for Lakota belief, this is highly true; the so called "Great Spirit",
Wakan Tanka, should better be translated as "Great Mystery" and is not so
much an individual God than a force which is as well omnipresent as a
specific conglomerate of lesser spirits).
For the full essay on
"Intelligent design" see
Indian Country Today.
01/09/05
Trotz 2 Millionen Bestechung nach einem Jahr auf freiem Fuß ...
... der Richter verbeugt sich tief, sehr tief vor Seiner Hochwürden, dem Angeklagten - und trotzdem gibt es noch Träumer, die glauben, Deutschland wäre ein guter Rechtsstaat ...Bananen! Banaaanen! Banaaaanen, frisch aus der Republik! (Aber wer eine klaut, wird eingesperrt!).
29/08/05
Anleitung zur Vermeidung von Hurricanes
[x] Kyoto-Protokoll nicht unterschreiben
[x] Stattdessen: Beten
[x] Beliebiges Land mit Ölreserven als "böse" markieren (optimal mit ehemals
befreundetem, aber übermütig gewordenem Diktator)
[x]
Betreffendes Land nachhaltig überfallen (20-Liter-Autos wollen auch
leben, und ein bisschen Foltern macht einfach Spaß!)
[x] Nicht
vergessen: Beten
[x] Ein Kind, das angeblich mit einem anderen
Händchen gehalten hat, als Pädophilen einsperren
[ ] ...
und anschließend der hexerischen Wettermacherei bezichtigen
[x]
Wie seinerzeit in Europa zu solchen Anlässen fleißig: Beten
[ ] Beliebige Großstadt auswählen (idealerweise
Kyoto)
[ ] Atombome darauf abwerfen (es besteht
wie damals zwar keine Notwendigkeit [
Rezension: Racing the Enemy], schadet aber auch keinem der Guten, und die
Betroffenen sehen danach lustig aus -> nebenbei Aufschwung der
TV-Unterhaltungsindustrie).
Dieser Eintrag ist nicht zynisch.
Zynisch sind Aussagen wie: "Der Irak ist sicherer geworden"
aus dem Munde seiner Angreifer.
PS. Wegen unserer Überschwemmungen
und dergleichen fassen wir uns bitte an die eigene dicke Nase.
17/08/05
Londoners, show strength!
Are all those facts which were presented to the public after the killing
of the Brasilian in London lies ? In dubio pro reo : Without this
basic part of justice, a democratic society is plain void.
England, have the terrorist attacks been so successful that You accept
shoot first, ask questions later-policemen?
You, England, being so
highly respected because of the thoughtful way You did cope with the
cruel mass-murders in Your subways and busses, You, so rich with
international culture, so beloved for Your unique sense of humor, do You
really surrender to the will of terrorists? Their goal is to spread
terrorism, fear and hysteria further - and such police actions are
precisely what they want.
English policemen, show openly
that You do NOT SYMPATHISE with murdering could-be suspects. Show that
English policemen do not want to become murderers.
People of
Britain, show openly that You did not elect this government to
tolerate such self-made cathastrophies.
11/08/05
The revenge of the 5-Minuten-Kanzler
"Ich akzeptiere es nicht, daß letztenendes der Osten erneut bestimmt, wer Kanzler wird, meine sehr verehrten Damen und Herren. (...) Es darf nicht sein, daß die Frustrierten über das Schicksal Deutschlands bestimmen." -- Edmund Stoiber, im August 2005Herr Edmund Stoiber, seines Zeichens Ministerpräsident des Landes Bayern, ehemals Untergebener vom Oberdemokraten Strauß(*), ist sauer. Denn immer noch scheint ihn der Horror der letzten Bundestagswahl zu verfolgen, der Ikarus-Komplex, möchte man sagen: Erst das Hochgefühl, es geschafft zu haben, Kanzler zu sein!, denn es war ja schon vor Ende der Stimmenauszählungen ganz klar, die CDU/CSU, also in Kameras grinsen, Kanzler aller Deutschen, was Strauß nicht geschafft, im Gegensatz zu ihm, der er bei Strauß noch nur ein -- und dann das! Mikerige Prozente poltern hinüber zu den Sozen und zertrümmern den Traum. Und alles nur wegen dieser doofen Ossis, die mit ihrer Flutkatastrophe, die für Schröder, und überhaupt, was für eine Frechheit, meine sehr verehrten Damen und Herren.
Da ist es doch nicht verwunderlich, wenn Stoiber nun ins gleiche Horn wie Schönbohm stößt - zwar erklärt er die Ostdeutschen nicht schlankweg für die wahrscheinlicheren Mörder, aber stattdessen erklärt er sie am vergangenen Mittwoch für dumm: Leider gäbe es nicht "überall so kluge Bevölkerungsteile wie in Bayern".
Man möchte fast fragen, ob die CSU in ihrem Co-Wahlprogramm nicht auch den Auftrag für eine größere Sperrzaun- und Maueranlage vorgesehen hat, verpackt als effektive Senkung der Arbeitslosenzahlen und neue ABM in einem. Rhetorisch jedenfalls ist man wieder eifrig am mauern.
Wer tief fällt, nimmt manchmal Schaden. Und es bleibt zu fürchten, daß in diesem schnellen Wahlkampf noch so manche Beschädigung Einzelner ans Licht treten wird. Das Affentheater hat begonnen!
(*) Siehe zu der Vergangenheit des 5-Minuten-Kanzlers das Buch von Laiendecker, Stiller und Prantl, " Helmut Kohl. Die Macht und das Geld".
Nachtrag (dieser Blödsinn ist keinen eigenen Eintrag wert):
Und jetzt markiert Stoiber den Hasenfuß: Erst Lafontine zum Fernsehduell herausfordern (das wäre wenigstens einmal Realsatire zum Genießen gewesen) und dann, wenn der die Gelegenheit ergreifen will, doch nur ein Printduell durchführen wollen ... aber auch seine Aussage zu den Ostdeutschen war ja gar nicht so gemeint, die betraf ja nur die WASG-PDS. Es hat den Anschein, daß Stoiber derzeit niemals das meint, was er sagt. Die 5 Minuten haben Spuren hinterlassen. Weiter so, CDU/CSU!
Nachtrag II:
Meisterhafte Realsatire ist allerdings Forderung ausgerechnet von Schönbohm, Stoiber möge sich aus dem Ost-Wahlkampf heraushalten.
03/08/05
Wir wussten es alle: Schönbohm hat recht im Unrecht - die ostbaltische Rasse neigt zur Gewalttätigkeit!
Kein Kommentar zur geistigen Absens von Schil?, der im Rahmen der
Terrorismusdebatte durch diktaturverdächtige Vorschläge zur "
präventiven Gefangennahme" glänzt. Siehe dazu auch die
seltsam anmutenden Aussagen in einer Fernsehsendung zum Thema präventive
Dauerhaft eines Prof. Roth.
Aber ein Kommentar zu der
scharfsinnigen Analyse eines Schönborn -bohm, der
die DDR-Bürger im Kern seiner Aussage anläßlich des neunfachen
Kindermords als anfälliger für dergleichen erklärt, u. a. aufgrund ihrer
Proletarisierung. Gratulation zu einem neuen Höhenflug des Zynismus im
Geiste des nahenden Wahlkampfes!
Jedoch, o Schreck: Herr Schönbohm,
Sie sind im Irrtum! Es ist gar nicht der böse Sozialismus daran schuld,
sondern die Rasse, das wußte man doch schon 1930:
"Die
Zufriedenheit, die sich mit einer dürftigen Lebenshaltung zu begnügen
scheint, erweist sich nicht selten als eine verhüllende Decke über
grenzenloser Unzufriedenheit (der ostbaltischen Rasse). Die
unbefriedigten Gefühle schweifen unstet umher. (...) Gehässige Rohheit
liegt ihm überhaupt sehr nahe. Der Osten des deutschen Sprachgebietes,
wo die ostbaltische Rasse stärker beigemischt ist, zeigt eine hohe
Bestrafungsziffer für Rohheitsverbrechen (gefährliche körperverletzung),
überhaupt sind diese Gebiete kriminell sehr stark belastet (...) . "
- H.F.K. Günther, Rassenkunde des Deutschen Volkes, München 1930, S. 237,239
Was machen wir jetzt? Die Mauer wieder aufbauen! Aber dann wären Sie ja
arbeitslos ... na, in Bayern oder Hessen warten bestimmt schon Posten
auf einen klugen Herren wie Sie.
02/08/05
Abandoning Apple - who holds the key of the strongbox?
Bei
Boing Boing stehen einige beachtenswerte Gedanken zu Apples Plänen,
künftig Macs mit Intel-Prozessoren auszustatten. Nachdem eine
Entwickler-DVD von OS X für Intel in Umlauf gekommen ist, sind Gerüchte
im Umlauf, als würden einige sehr unschöne Details mit dem umgebauten
Betriebssystem einher gehen.
Dabei geht es weniger um die gern
etwas fetischistisch anmutende "Gut-Böse-Frage", sondern um das sog.
"Digital Rights Management", was nach
Boing Boing den freien Austausch (legaler) Dateien blockieren könnte: Wenn
man nicht dieses bestimmte Programm jenes einen Herstellers dazu
benutzt, es zu öffnen dann ist die Datei nicht mehr zu öffnen - man wäre
gezwungen, das eine Produkt zu kaufen.
Eine solche künstliche
Omnimonopolisierung wäre tatsächlich eine unschöne Sache,. sofern sie
praktikabel ist; sie wäre definitiv ein Grund, unverzüglich vor dem
bisher angenehm leistungsstarken, unkomplizierten, zuverlässigen und
sympathischen Betriebssystem zu flüchten. Eine Monopoloisierung á la M$
jedenfalls würde für mich den Ausschlag geben, den Fuß nicht mehr über
die virtuelle Schwelle dieser Firma zu setzen.
Warum auch nicht:
Wenn man auf einem Intel-Mac dann ohnehin GNU/LINUX laufen läßt, stellt
sich die Frage, wozu man da noch einen Macintosh-Rechner braucht. Denn
das Argument herausragender Qualität, das OS X ganz klar auf seiner
Seite hat, würde wegfallen, und das Design ist zwar hervorragend, um
nicht zu sagen allein auf weiter Flur, aber letztenendes nicht der
entscheidende Faktor.
Apple müsste also mit der Qualität der Hardware
und dem Support argumentieren.
Ansonsten - ansonsten war es das,
Apple.
Zu hundert Prozent stimme ich Boing Boings Aussage zu:
"My data is my life, and I won't keep it in a strongbox that someone
else has the keys for."
Wehret den Anfängen! Aber bevor man
zu Extremfolgerungen greift, lassen wir uns erst einmal überraschen, wie
gefährlich das DTRM für den Benutzer tatsächlich werden wird.
(via
Schockwellenreiter)
23/07/05
Erfolg des Terrors
Nicht nur die allgemeine Angst und Verunsicherung sowie die eilfertigen
und
wenig hilfreichen Vorschläge opportunistischer Politiker, sondern
auch Überreaktionen seitens der Polizei, die ein weiteres Todesopfer zu
jenen der Anschläge hinzuaddiert hat, sind die traurigen Folgen der
Anschläge in London. So schreibt Spiegel online:
"Tödlicher Irrtum von Scotland Yard: Der gestern in einem Londoner
U-Bahnhof von Beamten in Zivil erschossene terrorverdächtige Mann hatte
keine Verbindung zu den Anschlägen in der britischen Hauptstadt. "
(
Quelle)
Merke: Es waren, sofern man der Darstellung des Blattes
glauben darf, Beamte in Zivil - es wäre außerordentlich
hilfreich, den genaueren Verlauf zu kennen.
Denn so wird die
Vermutung genährt, daß der Getötete sich vielleicht nicht durch
Zivilpolizei, sondern durch Kriminelle verfolgt gesehen habe und
daher, wie es die meisten von uns auch tun würden, aus natürlicher Angst
die Flucht ergriffen habe - dann hätte mithin jeder das Opfer der
Kopfschüsse werden können.
Zudem wurde das bereits fixierte
Opfer aus nächster Nähe mit Kopfschüssen getötet. Dieses Bild firmiert
fatalerweise sonst als Hinrichtung. In dieses Licht darf die
Arbeit der Polizei nicht geraten.
Deshalb ist es mit einem
halbherzigen "Bedauern" nicht getan. Es bleibt dringend zu hoffen, daß
die angekündigte Untersuchung zu dieser Erschießung rasch und umfassend
durchgeführt und öffentlich bekannt gemacht wird. Der Terror darf nicht
noch mehr Angst und Unsicherheit erzeugen - zumal gegenüber den eigenen
Ordnungskräften -, als es ohnehin schon der Fall ist. Ungeahndete
Wildwestmethoden haben in einer guten Demokratie auch in Krisenzeiten
nichts verloren.
Nachtrag:
Um es noch einmal in
Erinnerung zu rufen:
Hier ist ein Mensch aus Versehen
erschossen worden.
Nachtrag II:
Und die
offizielle Aussage, daß es sinngemäß auch weiterhin
zur versehentlichen Tötung Unschuldiger kommen könnte
(ZDF heute, 19:00), ist an Zynismus wohl kaum zu überbieten.
Zitat:
"Scotland-Yard-Chef Blair entschuldigte sich für die "Tragödie", verteidigt
aber die Strategie des "shoot to kill". Auch der frühere Polizeichef
Lord Stevens befürwortet Todesschüsse: "Wir leben in einer Zeit des
Bösen, wir sind im Krieg." (
Quelle)
Diese Bush-Rhetorik inklusive der altbekannten, religiosoiden
Gut-Böse-Klatsche hat in einer europäisch-humanistisch geprägten
Demokratie keinen Platz.
Derlei Vorgehen darf nicht zur akzeptierten
Routine werden, auch nicht "nur" rhetorisch. Sonst hat der Terror die
Demokratie dazu gebracht, sich selbst zu erledigen.
20/07/05
Aktion für mehr Demokratie
Der durch seine "scharfzüngigen" und mutigen politischen Plakate bekannt
gewordene Künstler
Klaus Staeck wendet sich mit der
Aktion für mehr Demokratie gegen die voreilige Annahme, daß es einen
Regierungswechsel im September geben werde und gegen die allgemeine
Totsagung von Rot-Grün. Denn seiner Ansicht nach kann die Demontage des
Sozialstaates nur durch eine Stärkung der SPD, trotz allem, aufgehalten
werden.
In einem Weblog kann man den Fortschritt der Aktion verfolgen und Neuigkeiten
nachlesen (unter anderem zur groß angelegten Falschmeldung des SPIEGEL,
Schröder habe eine Runde aus Künstlern und Schriftstellern zu seiner
Unterstützung versammelt).
In dem Aufruf zur Aktion heißt es:
"Wahlaufruf 2005: Aktion für mehr Demokratie
Am 18.
September geht es um eine Richtungsentscheidung.
Bei aller
Kritik, die wir an einzelnen politischen Entscheidungen der
Vergangenheit hatten: Wer nicht möchte, dass der Sozialstaat demontiert,
Arbeitnehmerrechte beschnitten und die Gewerkschaften zerschlagen
werden, muss die SPD stärken.Die gegen massiven Druck verteidigte klare
Haltung von SPD und Regierung zum Irak-Krieg bleibt unvergessen. Unter
einer Unions-Kanzlerin stünden heute deutsche Truppen im Irak.
Auch die Haltung der rot-grünen Regierung zur UNO und zu Europa, eine
effektive Entwicklungspolitik, sowie die erfolgreiche Initiative zur
Entschuldung der Länder der Dritten Welt gehören zu den Aktivposten in
der Regierungsbilanz.
In der Familienpolitik, bei der
Modernisierung des Staatsbürgerschaftsrechts, Verbraucherschutz– und
Behindertenpolitik hat die rot-grüne Regierung die Lebensbedingungen der
Menschen wesentlich verbessert. In der Energiepolitik werden durch die
Förderung von erneuerbaren Energien Umweltschutz- und
Beschäftigungsziele gleichermaßen erreicht. Dass Union und FDP den
eingeleiteten Ausstieg aus der Atomenergie rückgängig machen wollen, ist
für uns Grund genug, SPD zu wählen. (...)" (
mehr)
Den Wahlaufruf für mehr Demokratie
kann man hier unterschreiben.
Fragt sich nur, ob eine mit der FDP
koalierende wiedergewählte SPD wirklich den hier geforderten Kriterien
stand halten standhalten würde ...
19/07/05
Überparteilich
A propos Klaus Staeck und
Aktion für mehr Demokratie:
Bei näherer Betrachtung mutet das
Banner schon seltsam an, das der SPIEGEL in seiner Überparteilichkeit
über einen Artikel zum Merkel-Auftritt setzt:
Wo liegt das Kreuz? Wer lächelt hier allzusüß? Wer schaut hier vergrätzt?
Was für ein Zufall.
15/07/05
Killer Milchschnitte fraß U-Bahn auf
Herzlichen Glückwunsch! Zum Jubiläum hat sich
Bildblog.de eine schöne Postkarte ausgesucht (habenwollen!).
Man begegnet dem Betreffenden eigentlich eher wie einem Satireblatt, aber was
für ein hanebüchener Unsinn, welche Verleumdung und welche Hetze
tatsächlich publiziert wird, wird erst in der geballten Aufzählung
deutlich, die sich bei
Bildblog.de stets tagesaktuell findet.
12/07/05
Damit die Reichen noch reicher werden?
Ein Allheilmittel: Mehrwertsteuer rauf und Spitzensteuersatz runter! Auf
die Umsetzung und das Zutreffen angeblicher "Entlastungen" darf man
gespannt sein.
Das ist soziale Politik - wie
Klaus Staeck, der begnadete Politkünstler, schon damals auf ein Plakat
schrieb:
Damit die Reichen noch reicher werden. Nur daß sein Zusatz nun wohl nicht
mehr ganz zutreffen wird.
(Nicht minder aktuell ist das Plakat von
1973 , "
Eigentum verpflichtet zur Ausbeutung" oder von 1974, leicht zu
aktualisieren: "
Nostalgie ist noch lange kein Grund CDU zu wählen".)
Und
liebe Redaktion von ZDF heute: Warum interviewt Ihr dazu ausgerechnet
die Yuppies im Berliner Scheunenviertel (in exklusiver Bar)? Wie schön,
daß einer der Interviewten sagte: Die kann ich eh abführen
. Die Reichen und Möchtegernreichen sollte man vielleicht nicht gerade
ausgerechnet zu lächerlichen zwei Punkten konsultieren.
09/07/05
Auswandern? Ja NATÜRLICH!
Gerade im DLF: Die neue "Auswanderungs-" oder zumindest zeitweise
Auslandsarbeitswelle aus Deutschland.
In Anbetracht des
Trauerspiels, das unser Land bei der nächsten Wahl aller
Wahrscheinlichkeit nach erleben wird, und in Anbetracht des
Arbeitsmarktes, UND in Anbetracht des gegenwärtig grassierenden
Neoliberalismus, der nassforsch
Arbeitslosigkeit als Chance verkauft und sich generös gibt
(Gratis-dürfen-Sie-vielleicht-ein-Jahr-honorarfreies-Praktikum-machen-aber-nur-mit-Doktor-und-unter-25)
ist das vielleicht gar keine abwegige Perspektive.
Wollen doch mal
sehen:
[x] Interdisziplinäre Qualifikation in Natur- und
Geisteswissenschaften
[x] Arbeitserfahrung
[x] Vielseitigkeit
[x] Teamkompetenz
[x] Organisationskompetenz
[x] Sozialkompetenz
[x] Pädagogische Praxis
[x] IT-Kompetenz
[x] Positive preußische
Tugenden (in gesundem Maße)
[x] Auslandserfahrung
[x]
Praktika in verschiedenen Institutionen
[x] Eigeninitiative
[x]
Willen zu dauerhaftem Engagement
[x] Fremdsprachenkenntnisse
[x]
Noch nicht "alt"
[ ] Doktortitel in Arbeit
Will sagen: Wenn ich die Chance bekomme, in Schweden eine Stelle (nein, kein
Gratis-Praktikum, herzlichen Dank) zu erhalten - dann werde ich diesem
unseren Lande selbstverständlich sofort den Rücken zukehren.
07/07/05
Es ist ekelhaft!
Erst einmal: Mitgefühl und Anteilahme den Opfern der
Terroranschläge in London.
Was die Berichterstattung betrifft:
Ist es mittlerweile selbst bei
einem Terroranschlag nicht mehr möglich, einen Korrespondenten alleine
und als einzigen sprechen zu lassen -müssen im Hintergrund parallel zu
seinen Aussagen die Bilder der Katastrophe laufen (hier nicht etwa bei
RTL, sondern in der Tagesschau der ARD)?
Meinen die Damen und
Herren Regisseure, daß man ohne diesen erbärmlichen Unterhaltungstrick
die Menschen nicht vor der Kiste halten kann, wenn Leute berichten und
Ansichten verdeutlicht werden?
Wird ein Terroranschlag durch eine
solche Bildregie nicht in die Nähe von "spannender (=guter)"
Unterhaltung gerückt?
Erinnert das nicht an visuelle
Leichenfledderei?
Entschuldigung, aber unsere Medien widern mich
an.
05/07/05
Gratulation!
BildBlog hat den Grimme
Online Award bekommen.
Das ist nicht etwa das Blog von BILD, sondern
ein Blog, das die Publikationen, "Fakten" und Kommentare jenes Blattes
kritisch beobachtet und Unstimmigkeiten, haltlose Unterstellungen,
Behauptungen, falsche Bildzuordnungen und dergleichen auflistet. Daher
ist es jedem zu empfehlen, der sich, ohne BILD kaufen zu wollen, einen
Eindruck von dem Charakter dieses Blattes verschaffen möchte.
Also: BildBlog besuchen!
26/06/05
Arbeitslosigkeit ist eine CHANCE! MfG, Ihr Handelsblatt.
Diese denkwürdigen Sätze gab die Redakteurin des Handelsblatts, Frau
Berschens, im heutigen "Presseclub" der ARD von sich.Man fühlt sich versucht zu sagen, ganz im Sinne der Krankheit-statt-Ferien-Vorschläge: Arbeitslos zu sein ist doch wie Freizeit. Und was die Länder, "die keinen Kündigungsschutz haben" , angeht: In den USA beispielsweise erfreuen die Leute sich tatsächlich teilweise drei Jobs gleichzeitig! Und können sich trotzdem kaum ernähren. Wie schön!
Aufgrund der tieferen Erkenntnis dieser Aussage ist sie hier als MP3 zu finden. Zurücklehnen und genießen (bitte beim Weitergeben auf den eigenen Server kopieren! Danke).
Liebes Handelsblatt, diese Dame braucht dringend eine Chance, etwas in ihrem Leben zu verändern.
10/06/05
Abhebende Neubauten
Alptraum zum Thema Neuwahlen vor hintersinniger
Berliner Architektur einmal mit, einmal ohne klärendem (und zu platten?)
Hinweis.
(Wer möchte, kann das Bild selbstverständlich gern
auf seine Seiten kopieren - bitte nur mit einem kleinen
Quellennachweis bzw. -link versehen. Danke!)
22/05/05
Ein schwarzer Tag.
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14/05/05
Die Medien zum 8. Mai und das Pin-Up
Es stimmt nachdenklich, wenn der Anstreicher einem in bald jeder zweiten
Ausgabe diverser Illustrierten - oft genug auch auf dem Titelblatt - in
manchmal angenehm diabolischer, manchmal ästhetisch-fotogener, manchmal
überhöht-heldenhafter Pose begegnet.
Verwandelt die,
man möchte bald sagen: schamlose Nutzung seiner Anziehungskraft ihn, der
haupt- und mitverantwortlich an dem von den Deutschen verübten
Massenmord - sei es mit Gas oder Krieg - gewesen ist, verwandelt diese
Nutzung ihn nicht unweigerlich in eine Art zynisches Pin-Up, das man um
der Leser Willen nach Belieben und gefällig auf seine Titelseiten und in
seine entsprechenden Texte druckt?
Deutlicher noch als in den
Printmedien wird dies im Film, wenn neben g.k.pisierten Serien inklusive
endloser und unweigerlich mitfühlender Täterselbstdarstellungen mächtig
mit jenem Anstreicher in Haupt- und Nebenrollen gemenschelt wird - wie
zynisch muß einem Opfer der Titel "Hitler Privat", Einschaltquoten
garantierend, in den Ohren klingen.
Verweist ausgerechnet das
Fernsehen aber auf seine dokumentierende, ja aufklärende Funktion, so
ist dies Anachronismus: Ein Medium, das sein Fähnlein nach den
Einschaltquoten richtet; das sich ohnehin so schwer zum Vermitteln von
Fakten und komplexeren Zusammenhängen - auch schon bei simplen
Problemstellungen - eignet; bei dem mehr als in jedem anderen die Gefahr
einer ungewollten Heroisierung, Idealisierung oder einfach nur
Vermitmenschlichung besteht, ein solches Medium ist wohl kaum dazu in
der Lage, die diabolische Faszination, mit der es spielt, in einer
grotesken Spielfilm-Dokumentarfilmhybridisierung zu beherrschen,
geschweige denn aufzulösen.
Was hier geschieht, erweckt den
Eindruck nicht einer Vergangenheitsaufarbeitung, sondern einer
schlichten wirtschaftlichen Kalkulation um Zuschauerzahlen. Und wäre
damit derart zynisch, daß jeder mahnende oder gar anklagende Gestus der
Ausführenden - um das Wort "Täter" zu vermeiden - in sich zusammenfallen
muß.
Zu den Dynamiken, die aus Tätern Opfer machen - man bedenke nur die
Verschiebung des Fokus von den Opfern des deutschen Terrors auf deutsche
Bombenopfer und Vertriebene, die rechten Kreise werdens danken - und zur
allgemeinen derzeitigen Geschichtswahrnehmung hat der Historiker Prof.
Dr. Norbert Frei das Buch
"1945 und wir. Das Dritte Reich im Bewusstsein der Deutschen"
geschrieben, das seinen Rezensionen nach eine lohnenswerte und eben:
informative Lektüre sein dürfte.
Rezensionen:
Perlentaucher Überblick:
http://www.perlentaucher.de/buch/20319.html
Desweiteren
http://www.zeit.de/2005/09/P-Frei
10/05/05
Holocaust-Mahnmal in Berlin eröffnet
Das Stelenfeld ist heute
eröffnet worden.
Wenngleich es während seiner Planungs- und
Bauzeit heftig umstritten war - und es, teilweise mit bitterbösen
Kommentaren, teilweise mit durchaus
stichhaltigen Argumenten, immernoch ist - ist es m. E. wichtig, daß der
Vorsatz zur Schaffung eines Mahnmals nicht zerredet worden ist. Auch
wenn es sicherlich nicht als "Denkmal" bezeichnet werden sollte, wie es
der
Förderkreis tut, und schon gar nicht - wie es vermutlich nicht nur in
scharf formulierter Kritik geschehen wird - als "Attraktion".
Die Diskussion, die es auch weiterhin um das Mahnmal geben wird, ist
vielleicht auch eine durchaus positive Auswirkung dieses unübersehbaren
Baus.
04/05/05
Günter Grass in der ZEIT zum Thema Heuschrecken
"Mithin entscheidet das Parlament nicht souverän. Es ist von den
mächtigen Wirtschaftsverbänden, den Banken und Konzernen abhängig, die
keiner demokratischen Kontrolle unterliegen. (...) So missrät das
Parlament zur Filiale der Börse. So unterwirft sich die Demokratie dem
Diktat des global flüchtigen Kapitals." (
Quelle)
Für Nicht-ZEIT-Abonnenten findet sich der Artikel "Freiheit
nach Börsenmaß" von Günter Grass, der die gegenwärtige Nebelwerferei um
die "Kapitalismusdiskussion" und einige neoliberal-prokapitalistische
Dummschwätzerargumente durchdringt,
auch online .
Für Audiophile gibt es hier auch eine Tondatei mit dem
von ihm gelesenen Artikel. Zum reflektierten Anhören wärmstens empfohlen.
25/04/05
Kinderziehung mit Handschellen und Polizei
Warum, zum Teufel, muß die mächtigste Nation der Welt die Klischees über sich andauernd bestätigen?Eine Fünfjährige, die sich aufrührerisch gab, wurde in den USA in Handschellen abgeführt ...
Wenn das ein Einzelfall gewesen wäre - könnte man sagen, je größer das Land, um so mehr geistige Krüppel gibt es eben, und so etwas kann in ähnlicher Form wohl auch bei uns mal passieren - der Mensch ist eben ein wunderliches Wesen. Aber es ist kein Einzelfall.
Wir erinnern uns, im Land der Guten wurde ein Zehnjähriger als möglicher Vergewaltiger verhaftet, ein anderer aus politischem Opportunismus an der Reise zu seinem Vater nach Cuba gehindert, mehrere kleine Kinder wegen Küssen als Sexualstraftäter stigmatisiert, ein Junge wegen Schießens mit einer Banane der Schule verwiesen, ein anderer wegen Schießens mit einer Spielzeugpistole am Straßenrand erschossen ... to be continued ...
Nachtrag:
An sich können sie in ihrem Musterland treiben, was sie wollen, schließlich ist es deren Innenpolitik. Nicht mehr ihre Sache allein ist es aber, wenn ein solches Land missionarisch-aggressive Außenpolitik betreibt und glaubt, andere Länder über moralische Fragen belehren zu können.
13/04/05
75er Ehrenwort vs. Verfassung etc.
Nachdem das öffentlich-rechtliche Fernsehen sich zu Helmut "Für
Sie immernoch DOKTOR"(*) Kohl in Sachen Ikonisierung zu seinem
75ten einen abbricht, mag man sich nach rauschender Feier das Mütchen
kühlen mit dem entmythifizierenden Buch von Laiendecker, Stiller und
Prantl, "
Helmut Kohl. Die Macht und das Geld", wo steht, was unser
Sechzehnjahreexkanzler sonst noch so getrieben hat.
(*) Wo
steckt eigentlich seine Dissertation - die muß ja wie jede andere
veröffentlicht und zugänglich sein?
Nachtrag:
Lustig, was ein
Blogger bei der Suche nach Laiendeckers Buch von einem Online-Shop
als Alternativtitel angezeigt bekommen hat ...
01/04/05
***********************
Gerne würde ich etwas über einen interessanten Punkt in Sachen der aktuellen "Sterbehilfefall" und der gerade stattgefundenen Schulschießerei in einem Reservat posten ... diese Freiheit kann ich mir allerdings im Augenblick nicht leisten.
Nachtrag:
Um Mißverständnisse zu vermeiden: Der betreffende
Punkt ist keine dramatische Erkenntnis, nur eine Sache, die ein nicht
neues, aber stets bedenkenswertes Licht darauf wirft und die der oben
verlinkte Artikel anprangert.
31/03/05
Die Mohrrübe und der Esel
Vor einer Weile stand in der ZEIT wieder einmal so eine
Stellenausschreibung: "Suchen Volontär/in mit Promotion auf
mindestens ...". Klar, so ein un-oder unterbezahltes Praktikum
verspricht einem ja einen prima Einstieg ins Berufsleben, und die Türen
zum Job springen förmlich auf vor Begeisterung. Außerdem ist der Himmel
grün, der Papst Islamist und teure Bildung so wahnsinnig viel wert.
Die ZEIT hat dem Thema nun
einen Artikel gewidmet.
Für meinen Teil bin ich Magister, promoviere
und werde ganz bestimmt kein Praktikum und kein Volontariat, oder wie
diese erbärmliche Esellockmohrrübenrute auch immer genannt wird, mehr
machen. Das gehörte zur Studentenzeit.
29/03/05
Wirtschaft um der Wirtschaft willen II
"Man kann diesen Mißbrauch nicht scharf genug verurteilen. Noch
einmal sei feierlich daran erinnert, daß die Wirtschaft im Dienst des
Menschen steht" - Papst Paul VI.: Enzyklika Populorum
Progressio, 1967
Einer der seltenen Fälle, in der ich eine
Papststimme sympatisch finde. Das Zitat steht einem nicht minder
interessanten Buch voran:
"Und während die Steuren sanken, kroch
in Schulen und Kindergärten der Schimmel die Wände hoch",
schreibt Heribert Prantl, Co-Autor von Laiendeckers kritischer
Kohl-Biographie, "
Helmut Kohl. Die Macht und das Geld" in seinem Buch
"Kein Schöner Land".
Die
Kritik und das erste Kapitel klingen schon mal sehr interessant - und
bedrückend wahr zugleich.
Siehe auch Blog-Eintrag "
Wirtschaft um der Wirtschaft willen" vom Februar. Danke für den Hinweis an
Kai)
14/03/05
Auswüchse, wohl genährt auf Kosten ...
"Machen se folgendes Gedankenexperiment: Stellen Sie sich vor, morgen fallen alle Unternehmensberater, alle Investmentbänker und alle Aktienanalysten tot um, oder morgen fallen alle Krankenschwestern, alle Polizisten, alle Feuerwehrleute und alle Altenpfleger tot um. Und überlegen Sie kurz, was Sie persönlich vermissen würden." -- Volker Pispers, ... bis neulich ... Version 2004, Live in Berlin (DVD).Der m. E. mit Abstand scharfzüngigste Kabarettist des Landes filetiert den Zeitgeist. Die DVD ist nur zu empfehlen.
17/02/05
Schockwellenreiterzeit II: Die Kampfroboter sind da
Stellt sich die Frage, warum die Menschheit alles tut, um sich selbst abzuschaffen ... nachdem das mit der A-Bombe (bislang) nicht geklappt hat, versuchen wir es jetzt mit Robotern.Na denn, selbsternannter Sapiens Sapiens: Glück auf!
( Schockwellenreiter)
14/02/05
Wirtschaft um der Wirtschaft Willen
Werden wir begreifen, daßa.) Kapitalismus, insbesondere der derzeit populäre Raubtierkapitalismus, weder Naturgesetz noch die höchste menschliche Entwicklungsstufe ist
b.) Wirtschaft - zumindest auf lange Sicht - den Menschen dienen muß, das Prinzip der Wirtschaft um der Wirtschaft Willen aber illegitim und somit irrsinnig ist?
Vermutlich muß es aber erst wieder knallen. Der Eindruck vertieft sich weiter durch den Artikel Die Plünderer kommen im Freitag.
06/02/05
Das Sonntagszitat
Zu einem Glaubensstreit zwischen der Erde und einer anderen Weltraumzivilisation schreibt Stanislav Lem:"(Diese Welt wurde laut christlicher Theologie) von Gott geschaffen, und so kann es keinen verschrobeneren Glauben geben als den, der das Ergebnis der göttlichen Schöpfung für ein Provisorium ansieht, das beim Jüngsten Gericht weggefegt wird. Welche Usurpation und Anmaßung unter dem Lärvchen der Demut, sich nicht mit dem göttlichen Spatz in der Hand zu begnügen, sondern nach der Taube auf dem Dach zu verlangen, wo es mehr Komfort und ewige Genüsse gibt." (Lem, Lokaltermin, S. 163 f.)
21/01/05
Das subjektive Empfinden der Masse steht über der Freiheit des Einzelnen
... zumindest in Athen, wo der (subjektiv geurteilt:) hervorragend (objektiv festgestellt:) bissige Karikaturist Haderer wegen seines Bilderbuchs "Das Leben des Jesus" zu sechs Monaten Haft in Abwesenheit verurteilt worden ist. Das entspricht einem halben Jahr Menschenleben, weil die religiöse Majorität sich in ihren religiösen Gefühlen getroffen zu sein meint.Wie gut, daß wir Europäer über den Vorwurf des religiösen Fundamentalismus erhaben sind - wie haben wir uns über Salman Rushdies, zwar unvergleichlich härtere , aber inhaltlich nicht unähnliche, Verurteilung durch "islamische Gottesstaaten" aufgeregt ...
10/01/05
"adidas School Shooting T-Shirts"
Dieses Angebot zeugt mal wieder von grenzenlosem Zynismus: Ein Händler bietet ein T-Shirt mit der Überschrift "adidas True School Shooting Shirt" an. Wir erinnern uns, School Shooting waren die Schülermassaker in Erfurt, Columbiune und mehrere anderen Schulen. Interessant für unser Buchprojekt ...08/12/04
Patridioten
"Ich brauche Brot, Zwiebel, Früchte, Gemüse und dann und wann ein Glas Rotwein. Ich brauche die Liebe meiner Frau (...) Aber eines brauche ich nicht: Ein Vaterland. " schreibt Sehpferds Sinnliche Seiten. Und der Schockwellenreiter kommentiert die sinnentleerte Debatte unserer sinnsuchenden statt politikmachenden Politiker um den angeblichen Mangel treffend mit Schopenhauer und einem passenden Artikel aus DIE ZEIT.Zum Wohle.
26/11/04
"Tagesspiegel" gibt sich als Käseblatt
Mit einer so klaren Bestätigung für die Kündigung des "Tagesspiegels" hätte ich nach drei Jahren nun nicht gerechnet. Da verwechselt dieses Blatt seine komplette Titelseite doch mit einer Werbetafel und ist auch noch stolz darauf. Sollte das ein dezenter Hinweis auf die Qualität und Unabhängigkeit des Inhalts gewesen sein? Wie es im DLF schon hieß: "Die Tageszeitung und gerade deren Seite Eins stehen für Qualität im Journalismus."Wie auch immer - Bravo Tagesspiegel. Das war eine Glanzleistung.
25/11/04
Lexikon des Rechtsextremismus online
Kaum wurde das IDGR, das mir schon mehrfach als schnelles und recht ausführliches Nachschlagewerk gedient hat, heute Abend unmittelbar vor den Tagesthemen in Panorama erwähnt, ist der Server schon überlastet ...
09/11/04
3. Oktober vs. 9. November
Während der 3. Oktober u. a. nach dem überaus kompetenten Politiker FJS installiert worden ist(*), der auch NS-Offizier für "wehrgeistige Führung" gewesen war, Kontakte zur Rechten Szene pflegte und Gegner mit "Ratten und Schmeißfliegen" verglich(**) und in sofern herzlich wenig mit der Deutschen Einheit zu tun hat, sieht das mit dem 9. November schon etwas anders aus.Wäre es nicht angebracht, den 9. November als Gedenktag durch einen "Feier"-Tag aufzuwerten anstelle des beliebigeren 3. Oktober?
Zur Erinnerung:
Am 9. 11. ...
- 1948: Erschießung des Paulskirchenabgeordneten Blum, "Friedhofsruhe"
- 1918: Proklamation der Deutschen Republik
- 1923: Hitlers Marsch auf die Feldherrenhalle gescheitert.
- 1929: Geburt des Schriftstellers Imre Kertész
- 1938. Reichsprogromnacht ("Reichskristallnacht")
- 1989: Fall der Berliner Mauer
(*) R. Diederich/R. Grübling, Stark für die Freiheit, Erlangen 1989, zu Abb. 119, "Ein Strauß für Deutschland" von Rainer Hachfeld, S. 179 f.
(**) Zuletzt kolportiert vom DLF am 6.11.04
03/11/04
Ein schwarzer Tag.
Vergessen wir dabei aber nicht, daß wir ein ähnlich knappes Wahlergebnis mit einem " Fünf-Minuten-Kanzler" gehabt haben, der uns vermutlich auch voller Eile in den extrem heiligen und überaus gerechten Krieg gegen den Irak geführt hätte - hätte sich die Wahl nicht sehr knapp doch gegen ihn entschieden.01/11/04
US-Wahl: Dies kann nur Satire sein ...
... http://www.moorewatch.com/, darunter der Beitrag:"If you plan to watch a polling place in one of the swing states, especially Ohio or Florida, please remember to do the following: (...) Don’t forget food, water and a first aid kit. You never know what might happen. You might be there all day. You could drop a camera on your foot. Who knows. Your safety is more important than anything, so be safe!" - YOU ARE NEEDED, the reprise.
Jep, there might always come a nasty (+ evil) nuclear missile heading Your way, so carry Your tabletop with You. Then You are ready to hide under it. Just in case. Gives nukes no chance. Oh dear.
29/10/04
Wahlaufruf als Musikvideo
Man kann von Eminem halten, was man will, aber vielleicht bringt er mit dem Video Mosh ein paar Wähler mehr dazu, zur Wahl zu gehen. Es geht ja nur um Weltpolitik.( Bronskis Blog)
20/10/04
Feldjäger auf der Buchmesse: Leipzig "schiesst"
Spät, aber mit genügend Vorlauf vor der Leipziger Buchmesse 2005 zum Thema Leipzig liest.Was auf der Leipziger Buchmesse passiert, wird einem erst nach einer Weile richtig klar. So ungeheuerlich ist das, was sich dort seit Jahren zuträgt. 2004 ist es dann eskaliert.
An dem Ort, an dem internationale Schriftsteller vorgestellt, an dem Bücher bewundert und beworben werden und der Grundstein für so manche literarische Publikation gelegt wird, ausgerechnet an diesem Ort der Hochkultur stehen Soldaten vor dem größten Stand der Buchmesse und preisen dort - nein, weniger Bücher, als vielmehr ihr Krisensimulationsspiel an. Sie machen Werbung, weniger für Bücher, als vielmehr für die Bundenswehr. Wenige stört es. Die es gestört hat, haben sich 2004 Gehör verschafft. Aufgelöst wurden die Proteste von der Polizei sowie - und hier wird es besonders problematisch - von den Feldjägern.
Der Einsatz von Feldjägern (man halte sich erneut den Ort des Geschehens vor Augen) wurde von Minister Rasch (Sachsen) als "auf der Grundlage des Gesetzes über die Anwendung unmittelbaren Zwanges duch Soldaten der Bundeswehr" legitimiert, unberührt durch den Protest des PEN, Harry Rowohlts, Peter Handkes u. v. a.
Es ist unvorstellbar, daß die Bundeswehr auf den Buchmessen ihre Werbetrommel rühren darf. Und doch ist es so. Damit diese abstoßende Verhöhnung der Literatur - und auch unserer kulturellen Werte an sich - ein Ende findet, muß der Protest weiter gehen. Und lauter werden.
Wenn die Bundeswehr schließlich die Verlagsstände der Messe als Panzerabstellflächen zur Anwendung unmittelbaren Zwanges konfisziert hat, dann hat Leipzig, was es verdient: Keine Buchmesse mehr.
Zum Verlinken von Seiten zum Thema "Leipzig schießt" / "Bücher statt Bomben" hier ein von mir erstelltes Linkstreifchen.
Die Entwicklung wird unter Leipzig schießt (wieder?) beobachtet.
Artikel zum Thema (Leipzig 2004):
http://www.mdr.de/leipzig-liest/625582.html
http://www.freitag.de/2004/25/04251001.php
http://www.netzeitung.de/buecher/buechernews/278950.html
18/10/04
Wer Bibliotheken schließt...
"Wer Bibliotheken schließt, fördert den internationalen Terrorismus" , ließ der Friedrich-Bödecker-Kreis 2002 in einer Presseerklärung verlauten.
Wer einen Fall solcher Förderung kennt, oder vom Ausmaß deutscher
Bibliotheksschließungen einen Eindruck bekommen will, findet auf der Seite
"
Bibliothekssterben" beim Bundesverband Information Bibliothek e. V. eine
Möglichkeit, Bibliotheks-Todesanzeigen aufzugeben und nachzuschlagen.Weiter so, du "Volk der Dichter und Denker".
(DfdH an Kai)
22/09/04
Mitfahren statt Bahnfahren
Seit ich längere
Lesereisen mit viel Gepäck unternehme, insbesondere in abgelegenere Orte,
kultiviere ich einen gepflegten Hass auf die Bahn. Seit dem "neuen
Preissystem" ist sie für mich weitgehend unbenutzbar geworden.Dank der Neuköllner "Mannis Fahrschule Energy" (sehr zu empfehlen!) bin ich nun stolzer Besitzer eines Führerscheins - und was den Umweltschutz betrifft:
Mitfahren statt Bahnfahren!
Für das bunte Internet habe ich dazu ein passendes Logo kreiert ... bei Gelegenheit muß ich die Schrift noch überarbeiten.
20/09/04
Kritischer Dialog vs. Empfehlungskultur
In Hannover fand am vergangenen Wochenende das zweijährige Autorentreffen des Friedrich-Bödecker-Kreises statt, der sich um die Leseförderung in Deutschland sehr verdient gemacht hat.Zum 50. Geburtstag des Kreises kamen unter anderem auch Christine Nöstlinger, die in den Diskussionen die Ruhe und Gelassenheit eines knorrigen Baumes ausstrahlte, und Hans-Joachim Gelberg, der in seiner Rede 50 Jahre Erfahrungen mit der Kinder-und Jugendliteratur den denkwürdigen Satz sagte: "Es fehlt am kritischen Dialog. Stattdessen hat sich (in den Rezensionsspalten des Feuilletons) eine Empfehlungskultur etabliert."
Sofern es überhaupt eine nennenswerte Wahrnehmung der Kinder- und Jugendliteratur in unseren Feuilletons gibt, sei hinzugefügt.
19/09/04
Undemokratische Gesprächskultur
Dafür habe man gerade ein Beispiel bekommen, verkündete der Sprecher im Anschluß an das Interview mit dem Vertreter der NPD nach der Wahl in Sachsen. Die Moderatorin hatte allerdings ihrerseits eben diese Unkultur praktiziert, indem sie den Vertreter der NPD agressiv, wenn nicht gar hysterisch unterbrach. (Gegen Mißverständnisse: Das demonstrative Weggehen der anderen Politiker war dagegen m. E. ein ebenso legitimes wie wichtiges Zeichen.)Man kann die Rechten effizient (unter anderem) mit anständiger Gesprächskultur bekämpfen und darf sich nicht ihrer Mittel bedienen. Erst recht nicht in einem Beitrag für die Tagesschau. Auf diese Art wird man dem Problem nicht gerecht, ganz im Gegenteil.
Es stimmt: Wir brauchen gute Gesprächskultur - aber auf allen Seiten.
27/08/04
Rassentheorien auf dem Server der Uni Heidelberg
Erstaunlich, was sich auf den Servern deutscher Universitäten so findet.Rassentheorien aus den 20er und 30er Jahren beispielsweise, dargestellt von einer angehenden Lehrerin (!).
[ http://www.ph-heidelberg.de/stud/heppn/reli_2_7.htm ]
Abgesehen von der Tatsache, daß der überwiegende Teil der Behauptungen sachlich falsch ist und einige höchst bedenklich - so der Gebrauch des biologisch unsinnigen und gesellschaftlich äußerst brisanten Wortes " reinerbig" - stellt sie dieses empfindliche Thema mit einer unverantwortlichen Leichtfertigkeit und einer mehr als dünnen Literaturbasis ins Internet. Der Anschein des Wissenschaftlichen erhöht die Unangemessenheit der online gestellten Arbeit.
Es wäre dem Ansehen der Universität Heidelberg sicherlich dienlich, wenn die Arbeit vom Uniserver genommen würde.
Nachtrag:
7.4.05: Die Universität hat es endlich geschafft, die Seiten offline zu nehmen! Höchste Zeit - den Betreffenden sei gedankt.
Der Uhu führt hier ein Weblog, ist aber gewiß kein "Blogger".





