25/01/12
Versuch: Uhus Ein-Kaffee-ebooks als Amazon Kindle
Viel wird geschrieben über ebooks und insbesondere über Amazons Kindle. Seit einiger Zeit macht die Möglichkeit die Runde, über Amazon direkt zu publizieren.
Während es für Print gewiß bessere Alternativen gibt, ist das Kindle
ebook doch eine spannende Sache. Zumal sich mit Scrivener
mir nichts, dir nichts ein altes Dokument als sauber formatiertes ebook
aufbereiten läßt. Ja, Kindle ist proprietär; ja, es gibt Alternativen;
nein, Apple gehört nicht dazu; nein, ich werde mich vorerst nicht in die
anderen Alternativen reinarbeiten. Kindle soll fürs Erste genügen.
Das
Kindle-Lesegerät muß man übrigens nicht kaufen, kostenlos steht die
Software bei Amazon für den Computer zur Verfügung, wenn man denn am
Computer lesen möchte: PC
und Mac.
Und so wird es nun auch in Uhus Nest getestet: Mit der Reihe "Uhus
Ein-Kaffee-ebooks".
Da der Preis selbst festgesetzt werden
kann (leider seitens Amazon nicht unter 2,68 €), kann der geneigte Leser
nicht nur günstig ein elektronisches Buch erstehen, sondern unterstützt
das Autorenschaffen ganz direkt: Er zahlt den Preis einer guten Tasse
Kaffee (der Autor bekommt natürlich nicht den vollen Kaufpreis, aber für
einen Kaffee genügt er gerade; und es ist ein unvergleichlich viel
höherer Anteil als beim klassischen Verlags-Vertriebsweg). Kaffee ist
eine feine Sache, um weitere Geschichten noch bunter aufblühen zu lassen.
Dann also Vorhang auf:
El Uhu presenterar ....
Ich bin eine Ratte!
Jörg
wird mit der Gruppe der Wanderratten zusammen auf ein Zeltlager
geschickt. Dort gilt es nicht nur, in einem an Ritterschlachten
erinnernden Sport, der noch dazu um einen künstlichen Hundeschädel
gespielt wird, gegen einen anderen Stamm zu bestehen. Nein, Jörg
verschlägt es ausgerechnet zum Turnier in die längst vergessenen
Katakomben einer Burgruine ... und der einzige Ausgang ist versperrt.
Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.
Zugleich ist das Buch eine
Zeitreise in die beginnenden 90er Jahre, als Handy und Internet noch
Fremdworte waren (also thematisch so ein ganz bisschen wie "Bloß
weg hier" von Kollege Böhmert, aber natürlich ganz anders
geschrieben und zeithistorisch etwas freier gehandhabt).
→ Hier
gehts zum Download der Amazon Kindle Version!
02/01/12
Uhus linguales Kuriositätenkabinett: "Binnen-I" aus freier Wildbahn entnommen
Es lauert überall und bringt den arglosen Leser ins Straucheln: Das
deutsche Missverständnis, die Sprache Gendern zu müssen, weil sonst
angeblich diskriminiert werden würde. Besonders hinterhältig, daß gerade
jene von dieser sprachlichen Kreatur belauert werden, denen die reale
Gleichberechtigung besonders am Herzen liegt.
Zu
diesen absurden Sprachverirrungen haben wir Exemplare aus der freien
Wildbahn entnommen, in Uhus sprachlichem Kuriostätenkabinett studiert
und eine Exhibition dieser Spezies bei
Telepolis eröffnet: "Genderus
phalliculosus ssp."
Nachtrag: Es gibt inzwischen sogar eine
Erweiterung für den Browser Opera (und vermutlich auch für
Safari und Firefox), was das Binnen-I in vielen Fällen zu tilgen
verspricht. Hier ein Beispiel:
Ohne Erweiterung:
30/12/11
Gemeinsame Autoren-Erklärung zur Überarbeitung des Urheberrechts
Angesichts von Vorschlägen der GRÜNEN und der Piraten zum Thema Verwertungsrechte/Urheberrecht werden Autorenvereinigungen wie PEN, SYNDIKAT, DELIA und auch Quo vadis dazu eingeladen, eine gemeinsame Erklärung ausarbeiten.
Aus dem Schreiben des SYNDIKATS:
"Nicht erst seit die Piratenpartei auf den Plan getreten ist, sondern auch durch den Leitantrag der Grünen kam es in diversen Medien zu Diskussionen rund um das Urheberrecht. Seit Juni letzten Jahres beschäftigt sich auch eine Projektgruppe im Deutschen Bundestag mit dem Thema 'Urheberrecht'[...] Es wird Änderungen geben, davon können wir vermutlich ausgehen. Ob für Schriftsteller, Freie Journalisten, Drehbuchautoren: Ihr Urheberrecht ist definitiv in Gefahr." (Hervorhebung von mir)
"Ihr Urheberrecht ist definitiv in Gefahr"? Etwas, das dem Urheber nach deutschem Recht gar nicht genommen werden kann -- im Gegensatz zu den Verwertungsrechten, die sich ein jeder Verlag in seinen Seitenlangen Standardverträgen für läppische Honorare (ein Euro pro verkauftem Buch und weniger) selbst in den absurdesten Spielarten ganz selbstverständlich von den Autoren greift? Wie der "Aufführung als Bühnenstück" bei Fachbüchern. Oder der elektronischen Gratis-Veröffentlichung als gute Verlagswerbung.
Ich habe mich mit den Vorschlägen der Parteien noch nicht auseinandergesetzt, aber das oben zitierte Anschreiben ist mir in seiner "definitiven" Sprache doch ein wenig allzu ... forsch ... angehaucht. Die meisten Autoren sind wohl leider zu unpolitisch und zu desinteressiert, aber es wäre doch angemessen, sich nicht einfach vor den Karren der finanzschweren Musik- und Filmindustrie spannen zu lassen, die ein großes Interesse an der Wegsperrung von Inhalten haben (siehe auch die GEMA-Kapriolen auf YouTube). Es wird auch interessant zu beobachten sein, wie reflektiert sich die Literaten-Elite des PEN hier einbringen wird. Eine in jede Richtung kritische, umsichtig formulierte Erklärung wäre eine wichtige Sache gerade bei diesem Thema.
Stellungnahmen des Kulturrats und des Verbandes freier Lektorinnen und Lektoren. Ebenso eine weitere Betrachtung hier.
Bleibt zu hoffen, daß der Pavlovsche Reflex "Mein Urheberrecht? Nein! Sofort dagegen!" hier nicht greift, sondern sich die Betreffenden vor Abfassen eines "Manifests" auch wirkich über die Sachlage informieren. Und über die wichtige Frage:
Cui bono?
Addendum: A propos. Wer sich dazu äußert, insbesondere von Seiten der Urheber, kann auch mal bei den Kollegen Musikern zum Thema GEMA reinlesen. Interessante Details.
18/12/11
+ Václav Havel
Auf daß Václav Havel andere Autoren dazu beflügeln möge, sich einer der unreigensten Pflichten der Schriftstellerei zu stellen: Die Macht der Sprache in den Dienst der Menschlichkeit und Demokratie zu stellen.
11/12/11
Ruf: Was ist Links?
Ein Weihnachtstipp: Christoph Ruf: Was ist Links?
Rufs Buch unterscheidet sich grundlegend von all den sogenannten
arrivierten Eiferern, die meinen, in klischeegebadeten Tiraden die 68er
und ihre Nachfolger verniedlichen und trivialisieren zu müssen, als ob
die Adenauer-Ära mit ihren Nazivätern und -richtern, ihren Frollains
hinterm Herde und Draußen Nur Kännchen eine erstrebenswerte Zeit gewesen
sei. Oder von jenen Ignoranten, die glauben, daß Linksextremismus das
Gegenteil von Rechtsextremismus sei (oder der Irrbegriff "Extremismus"
ein akademisch haltbares Taxon). Von jenen Nebelwerfern, die angesichts
offensichtlicher rechter Mordbuben gar nicht eifrig genug auf eine
"Schreckliche Linke" verweisen können.
Während jene nur sichtlich bemüht ihre eigene Verbohrtheit zu kaschieren versuchen, setzt bei Ruf die Kritik dort an, wo es wehtut. Bei der Selbstzerfleischung eigentlich progressiver, eigentlich an einem Strang ziehender Menschen. Bei der Frage von Engagement wegen einem Ideal oder nur wegen persönlicher Macht.
Nein, Ruf zeigt eindeutig Sympathien gegenüber sogenannten "linken" Einstellungen - und eben darum wird er zu ihrem schärfsten Kritiker, gewinnen seine Argumente an Schärfe und Durchschlagskraft, eben darum fällt sein Urteil über die alte Tante SPD um so vernichtender aus. Eben darum wäre es vielleicht heilsame, jedenfalls wichtig lästige Lektüre für unsere sogenannte "Linke".
Ein Buch, dessen Verve anderen Büchern über Politik nur zu wünschen
wäre, das Spaß macht und zornig, das keine Loyalitäten über Tatsachen
stellt und dennoch, das ist wohl das Sympathischste daran, seine
Protagonisten stets ernst nimmt und liebt.
Kurzum: Ein Genuß.
Item. Aus dem Inhalt:
Sommer 2009, das erste Klassentreffen seit 18 Jahren. Man redet über
den Job, die Kinder und über die Schulzeit. Damals hofften alle, dass
irgendwann einmal der dicke Kanzler abgewählt werden würde, sie waren
Linke. Versammelt haben sich Lehrer, Altenpfleger, Juristen, Mediziner
und ein Journalist – unser Autor. "Links" sind alle irgendwie immer
noch, was das aber heute sein soll, weiß keiner mehr so recht. Also wird
der Journalist beauftragt, Genaueres herauszufinden.
Mehr als ein
Jahr hat Christoph Ruf an der Basis von SPD, Grünen und Linkspartei
verbracht und diejenigen begleitet, die so wenig Interviews geben, dass
sie sich noch eigene Gedanken leisten können. Bei der SPD, bei den
Grünen und bei der Linkspartei hat er junge Menschen mit neuen Ideen
getroffen – und ältere, deren Klugheit plötzlich wieder gefragt war.
[...] auf die Probleme des 21. Jahrhunderts kann nur die geeinte Linke
eine politische Antwort geben.
09/12/11
Lesungen/Vorträge 2012
Die Vorbereitung für das Jahr 2012 läuft auf vollen Touren. Für
Interessenten an Vorträgen
und Lesungen
(Kindergarten bis Erwachsenenbildung) hier schonmal Zeiträume, in denen
sich Lesungen
kostensparend an Bestehende anschließen lassen; dies wird natürlich
sukzessive erweitert. Alle Termine noch unter Vorbehalt.
Mitte Juni 2012, Lauf, Raum Erlangen/Nürnberg
Mitte
Oktober 2012, Raum Fulda
Mitte November 2012, Raum Münster
02/12/11
Gerade "In": Love and Landscape
Kurze Wasserstandsmeldung aus der Fachwelt der Literatur: Nachdem der Historische Roman mittlerweile "out" ist, lautet nun das angesagte Genre der Zeit
Love and Landscape.
Kein Witz. Das ist gerade schwer angesagt bei unseren Verlagen. Genauso wie der most trendyTrendman, daß nicht mehr Vertreterinnen und Vertreter* in die Buchhandelsketten gehen, um Neuerscheinungen zu bewerben, sondern ... Marketingknecht/-Inne/-e*, die ihre schwarze Zahlenmagie vorlegen. Sprich, (echte und frei imaginierte) Verkaufszahlen statt Inhalte.
Gut, daß es so traurig ist, sonst würde man** sich totlachen. Na da passt
ja mein Bestsellerklassiker perfekt dazu:
----
*) Wir wollen ja niemanden diskriminieren hier
**) Hier schon :P
02/11/11
Die Moderne erreicht den Uhu
Bisher habe ich meine
Lesungen stets mit einem guten, alten Diaprojektor und einer kleinen
Auswahl an Lichtbildern untermalt. Das funktionierte ganz hervorragend
und fesselte die Zuhörerinnen und Zuhörer nicht minder (wenn nicht sogar
mehr), als manche PowerPoint- oder Impress-Präsentation. Außerdem spart
man sich die üblichen Kommunikationsprobleme zwischen Laptop und Beamer.
Nur die Vorträge
zu School Shootings oder zur Falknerei habe ich mit einer Präsentation
erledigt. Inzwischen ergibt sich allerdings das Problem, daß mehr und
mehr Schulen keine oder kaum funktionstüchtige Diaprojektoren haben.
Auf den Singener Literaturtagen kommende Woche werde ich diesen alten Modus nun ändern. Für die Schullesungen dort werden also die guten alten Wikinger, inklusive Falknerei, in digitaler Farbenpracht erstrahlen. Doch wie bei den Dias wird auf Schrift und Effekte fast vollständig verzichtet – die Zuhörer sollen die Bilder auf sich wirken lassen können, ohne deskriptiven Schnickschnack, den ich mündlich viel besser transportieren kann. Die einzig wahre Form einer Präsentation ist ohnehin ein effektfreies PDF. Und die Qualitätsleistung eines Vortrags oder einer Lesung kann keine Technik der Welt dem Vortragenden selber abnehmen. Und der Overhead wird wohl immernoch benötigt werden ...
01/11/11
Der Friedhof in Prag: Leicht zu lesendes Buch, wichtiges Thema
Oft wird in dieser Zeit davon gesprochen, Umberto Ecos Bücher seien schwer zu lesen und weit entfernt von "Unterhaltungsliteratur".
Gerade für den "Friedhof in Prag" gilt dies aber meines Erachtens nicht. Richtig, das Buch nimmt sich eines wichtigen und bedeutungsvollen Themas an, nichts Geringerem nämlich als Rassismus und Antisemitismus, dort sogar der "Protokolle der Weisen von Zion". Eine solche Themenwahl kann allzu schnell ins Unglück führen: Sei es durch moralistisches Geschwurbel, sei es durch linkische Entsetzensprosa, sei es durch lüsternes Ausloten dieser menschlichen Abgründe. Hitlers Frauen, Hitlers Hunde, Hitlers Steppdecke, wir kennen diese Sorte Themenabwicklung zu Genüge.
Der "Friedhof in Prag" tut nichts davon. Er baut mit dem Protagonisten einen – sehr gut in die heutige, auf Effizienz getrimmte Zeit passenden – wahren Widerling auf, der keinerlei Selbstreflektion kennt und allein um seines eigenen Genusses Willen und stets in der Überzeugung, im Recht zu sein, verleumdet, mordet und fälscht. Diese Person verfasst dann jene Pamphlete, die als die "Protokolle" in die reale Geschichte eingegangen sind. Mit Hilfe dieses Protagonisten gelingt es Eco meisterlich, einen Zugang zum Thema zu schaffen.
Aber dennoch ist dieser Roman alles andere als "unleserlich". Kein Vergleich zum tatsächlich schwierigen "Foucaultschen Pendel" oder auch der "Insel des vorigen Tages". Er ist vielleicht sogar noch eingängiger zu lesen als "Baudolino", und das will schon etwas heißen.
Die Kritik an Eco, er schreibe unleserliche Bücher, kann ich daher ganz und gar nicht nachvollziehen. Wenn es allein der literarische Anspruch ist, den Eco weiterhin wahrt und der die Kritiker abschreckt, dann haben sie den Sinn von Literatur vielleicht mißverstanden. Gut, das ist nun zu hart geurteilt, schließlich kann Kritik auch bei Eco durchaus berechtigt sein. Aber er schreibt eben auf seine Weise, er schaut nicht danach, was den meisten Lesern gefallen sollte (das Marketing hat hier in vielen Verlagen einiges an Mitspracherecht) und erweckt dennoch nicht den Eindruck, er würde um des "hochliterarischen" Effektes Willen bestimmte Stilmittel wählen, siehe die Anmerkung zu Saramago im Nachtrag.
Aber dennoch hinterläßt der "Friedhof in Prag" ein unbestimmt flaues Gefühl. Er ist trotz des Themas, trotz der gelungenen Hauptfigur, selbst bei positiver Wertung seiner Lesbarkeit nicht Ecos großer Wurf. Es mangelt ihm an der Brillanz anderer Werke dieses großen Autors. Der so gelobte Perspektivwechsel ist allenfalls ein Taschenspielertrick, ein Werkzeug, keine Auszeichnung.
Aber lesenswert, das ist der Roman allemal. Vielleicht eben gerade für jene, die sonst vor Eco als dem "Überstilisten" eher zurückschrecken.
Nachtrag: Sehr schön, eine Blog-Diskussion! Ich habe den obigen
Beitrag nochmal entsprechend überarbeitet und konkretisiert. Kollege
Böhmert legt durchaus nachvollziehbar dar, weshalb er Eco
weiterhin nichts abgewinnen kann. "Einschübe, die in einem
Klammer-zu-Strich-Komma kulminieren: Da verdrehe ich schon zum ersten
Mal die Augen." Nachvollziehbar. Dennoch finde ich diesen Eco
... ja: Unterhaltsam. Und das ist ja auch eines der Eigenarten im
literarischen Anspruch, nämlich kontrovers diskutiert werden zu können
und dabei zu prüfen, ob es Effekthascherei oder eben gelungener (wenn
auch nicht unbedingt einfacher) Stil und Charakter sei.
Beispielsweise
drei Sätze, die länger als eine Seite sind (siehe Frank),
schaffen bei einem anderen Autor, José Saramago, eine einzigartige
Atmosphäre, sie zeichnen ihn und die Art, wie er Themen anpackt und
erleben läßt, gerade aus. Gerade das Einlassen auf seinen
unkonventionellen Stil kann einen besonderen Lesegenuß erreichen. Er ist
gewiß ein Extrembeispiel, aber deswegen gut zur Illustration der Sache.
Ob Eco das mit seinem Stil ebenfalls schafft, muß freilich jeder Leser
selber entscheiden.
Oder einfach gesagt: So unterschiedlich sind die
Geschmäcker.
20/10/11
Ecos kleines Brotsuppenrezept
Die Lektüre von Ecos "Der Friedhof in Prag" ist nicht allein ein literarischer Genuß, sondern auch ein kulinarischer. Natürlich enthalten die Beschreibungen der Gerichte keine Mengenangaben, aber beispielsweise seine aqua cotta (vulgo: Brotsuppe), S. 173 f., läßt sich mühelos nachkochen und schmeckt sehr delikat: Ein gutes, leichtes Mahl für den feinen Geschmack. Die Zubereitung ist denkbar einfach.
Brotstücke in eine Schüssel tun, in Öl und grob gemahlenem Pfeffer
wälzen.
Sodann einen Sud aus Zwiebelscheiben und gewürfelten
Tomaten ansetzen und mit Minze und einigem Salz würzen.
Diesen
eine halbe Stunde kochen lassen.
Sodann über die Brotstücke gießen.
Heiß
servieren.
Dazu Wasser oder ein leichter, möglichst trockener
Weißwein.
Bon appétit!
16/10/11
Walter Moers: Eine Enttäuschung
Was ist denn mit dem Kollegen Moers passiert? Während "Die Stadt der Träumenden Bücher" durchaus ein phantastischer Geniestreich und wahrhaftig Literatur gewesen ist (es wurde berichtet), geht es in der Fortsetzung "Im Labyrinth der Träumenden Bücher" gar nicht um eine neuerliche Exkursion in die betreffenden Buchkatakomben; vielmehr wird überwiegend deskriptiv mehrerlei Kulturelles aus der Stadt Buchhain routiniert abgehandelt, als handle es sich um ein Sachbuch, sogar ohne jeden Charme von Entdeckerliteratur. So etwas lagern andere Autoren wie Rowling mal eben in Kiloweise Zusatzliteratur aus: Enzyklopädie hier, Lexikon da, aber sie versuchen nicht, es in einen Roman zu stopfen. Dann weiß der Leser wenigstens vorher, daß er ein Buch für schmachtende Fans in den Händen hält und nicht für Romanleser.
Die Krönung aber ist, daß das Buch mit dem Abstieg ins Labyrinth, also dem gemäß Titel vorgeblichen Kern der Handlung, abbricht und auf eine "Fortsetzung" verwiesen wird. Auf das Niveau von schlechter Fernsehserien herabzusinken, ist definitiv kein literarischer Fortschritt, sondern nur ärgerlich. Böse gesprochen wandelt Moers in den Fußstapfen seiner Hauptfigur, die vom Erfolg träge geworden das sogenannte "Orm" längst vergessen hat. Hoffentlich ändert sich das bei ihm wieder. Und hoffentlich hat sein Verleger ihm auch wirklich die Leviten gelesen, wie er es im Nachwort schrieb. Mit einer langen Weidenrute.
So. Jetzt wird dieses Buch schleunigst weiterverkauft. Und das nächste dann erstmal nur ausgeliehen.
10/10/11
Piratenpartei: Titanic grüßt recht freundlich
Nach dem Lob für die Piraten und ihr Berliner Wahlergebnis kommt die schallende Ohrfeige anläßlich ihres weichgespülten Verhaltens zum unsäglichen angeblichen "Bundes(-land)trojaner"*, den der CCC aufgedeckt hat, auf fefes Blog gerade recht. Reißt Euch gefälligst zusammen!
"Für Geschwurbel wie 'Wir werden versuchen, für den nächsten Bundesparteitag Methoden vorzuschlagen, wie man Kontrollinstanzen für das BKA aufbauen könnte. Ob wir das bis dahin schaffen, wird sich zeigen.' brauchen wir keine Piraten, solche Politdarsteller-Wortblasen kriegen wir auch bei den anderen Parteien. " -- Ohrfeige auskosten
----
*) "Wenn dieser Trojaner auf einem Rechner installiert ist,
steht der danach für jeden offen wie ein Scheunentor, ganz ohne dass man
einen Exploit bräuchte. Man muss nur anklopfen und den Trojaner
freundlich bitten. Und das Kernelmodul räumt allen lokalen Benutzern
Adminrechte an. "Scheunentor" ist zu kurz gegriffen, um das
katastrophale Sicherheitsniveau dieser Software zu beschreiben." -- mehr;
Beweise nachträglich auf den Rechner des Opfers spielen?
Malwareentwicklern staatlich geprüft ein hübsches Rezept liefern? Gute
Idee!
Aber immerhin: Die unbemerkte Installation eine Trojaners auf
einen (Windows-) Rechner ist ohne einen Nutzer, der dies zuläßt, kaum
(einige behaupten: gar nicht) möglich. Bleiben allerdings die Nutzer,
die sich zu wenig auskennen, um grundlegende Sicherheitsvorkehrungen zu
beachten (wie, "öffnen Sie bitte beigefügten Mailanhang"). Oder aber man
bekommt den Trojaner einfach im
Flughafen bei der Zollkontrolle auf den Laptop gespielt, wie es in
einem Falle geschehen sein soll.
PS. Um das Niveau der Programmierer-Elite der Sicherheitsbehören zu
verdeutlichen, ein Zitat aus der ZEIT: "Auf ein von außen kommendes
Kommando hin sollte es sich selbst löschen. Constanze Kurz,
Informatikerin und eine der Sprecherinnen des CCC, sagt dazu: 'Das
Programm wurde nur in den Papierkorb geschoben und nicht
überschrieben.'" -- weiterlesen
Echte
Profis am Werke, denen wir unsere Sicherheit mit gutem Gewisen
anvertrauen können.
PPS. Und großartig zu hören, wie der Mann, der unzählige Male seine völlige Unbelecktheit in Sachen Neue Medien mit ergiebigen Zitaten hinreichend belegt haben dürfte, dank mutmaßlicher Merkbefreiung augenscheinlich Levitation erlernt hat; wie sonst könnte er sich so weit und noch dazu demokratiefeindlich aus dem Fenster lehnen, ohne gleich abzustürzen. fefe ist zum Thema gerade das reinste Popcornkino. Ein ganz großer Uhlenspiegel findet sich beispielsweise hier.
Nachtrag: Der Einsatz des Trojaners erfolgte übrigens nicht etwa
(nur?) gegen "Terroristen", sondern
gegen mutmaßliche Diebe und einen mutmaßlichen Drogenweiterverkäufer.
Es ist unfassbar, mit welchem Rechtsverständnis Sicherheitsbehören
arbeiten. Sie schützen die Demokratie nicht, auf diese Art wird sie
schwer beschädigt.
Weiterlesen bei fefe,
der für einen signifiaknten Anstieg des Popcornverbrauchs verantwortlich
zeichnen dürfte.
Und Piraten? Wie viel Pulver braucht Ihr noch? Oder stimmt Ihr noch im zwanzigsten Wahlgang über den nächsten Steuermann vom Dienst ab? Aber nein, Ihr scheint vielmehr mit Autogrammkarten zu tun zu haben. Bedauerlich.
Nachtrag: Daß hier mal für die FAZ Werbung gemacht würde, hätte ich nicht gedacht. Aber das hat sie sich verdient, denn sie stellt den Beitrag zum "Staatstrojaner" nun als PDF zum Download bereit.
Nachtrag: Im großen und ganzen fasst die Brandrede auf F!XMBR die Sache ganz gut zusammen. Da ist eigentlich alles gesagt.
Nachtrag: Es ist allerdings immer wieder erstaunlich, wie naiv entrüstet die Mitglieder über die Aussagen ihres Parteichefs sind. Vollkommen unerwartet, solche Positionen von einem Ex-CDU-Mann zu hören. So wird das nichts.
06/10/11
Eco: Der Friedhof in Prag
Was für ein Einband! Was für ein Thema! Der Herbst kommt zur richtigen Zeit.
23/09/11
Neu Erschienen: Ran an die Pompfe! Jugger und Pädagogik (Fachbuch)
Uhus Jugger-Spezial-Tage gehen weiter: Nach den freien
PDF-Angeboten des englischen Juggerbuchs und des Fanzines nun die
Ankündigung einer Buchveröffentlichung ganz im alten Stil, mit
Buchdeckeln, Papier und Druckerschwärze!
Die Anthologie "Ran
an die Pompfe!" ist nun im Ludwigsfelder
Verlagshaus erschienen. Namhafte Akademiker, Experten zu
Jugendkulturen, Verfasser von Examensarbeiten und Durchführende von
Schul-AGs kommen in zahlreichen Aufsätzen zu Wort und schildern ihre
Erfahrungen mit und ihre Sicht auf den Sport Jugger.
Das Inhaltsverzeichnis:
- Grundlagen des Jugger-Sports. Ruben Wickenhäuser, S. 1
- Jugendkulturen heute. Klaus Farin, Archiv der Jugendkulturen, S. 26
- Bewegungsspuren. Jürgen Schwier, Univ. Flensburg, S. 38
- Kämpfen bildet! Oder bilde ich mir das ein? Thomas Leffler, Univ. Würzburg, S. 5
- Operationalisierung. Magnus van Lück, Univ. FH Münster (Examensarbeit), S. 87
- Mini-Jugger in der Schule. Andreas Günther, Univ. Halle, S. 104
- Juggern in der JVA. Sandra Schleißheimer, Univ. Bamberg (Examensarbeit), S. 136
- Jugger und Ju-Jutsu. Andreas Güttner, S. 153
- Falcones44. Ruben Wickenhäuser, S. 155
- Schule und Jugger. Markus Böttcher, S. 161
- Ressourcen im Internet, S. 167
- Literaturverzeichnis, S. 168
Ran an die Pompfe! Pädagogische Chancen einer neuen Sportart, 176 S., Ludwigsfelder Verlagshaus 2011, ISBN 978-3-933022-71-4 [Bestellen]
19/08/11
Der Werwolf auf dem Lichterfest in Karlsruhe
Morgen Abend werde ich auf dem diesjährigen "Lichterfest" in Karlsruhe die Ehre haben, durch eine Lesung den Werwolf auszuführen. Und zum Abschluß wird vielleicht auch noch ein wikingischer Falkner seinen Beizvogel steigen lassen können.
Ein schöner Rahmen für die Lesungen!
11/08/11
Vom unaufhaltsamen Aufstieg des Halbgevierts
Der Beitrag wurde nun bei literaturcafe.de
veröffentlicht, hier ein Auszug.
Jeden Morgen
grinst es uns an, jeden Morgen, wenn wir uns einen Überblick über die
Meldungen der Tageszeitungen verschaffen möchten. Es lauert darauf, daß
wir, von einer knackigen Überschrift verführt, die Kurzzusammenfassung
eines Beitrages lesen, und dann, mitten im Lesefluß, springt es uns an,
würgt uns an der Kehle und nimmt uns für einen Augenblick die Luft,
Spannung, eine Wendung, Großes und Schrecken versprechend, ein wenig wie
der atemlose Augenblick in einem Hitchcock-Film -- um dann im nächsten
Halbsatz in Nichtigkeiten zu verpuffen; und siehe, es hat sich sogar in
diesen Satz einzuschleichen vermocht, das fiese kleine Ding. Doch kaum
haben wir uns erholt, zeugt das nächste Thema schon ein weiteres
garstiges Monstrum dieser Art.
Das Halbgeviert, vulgo auch Gedankenstrich genannt, hat einen erfolgreichen Feldzug durch die Redaktionen der maßgeblichen deutschen Zeitungen gethan und feiert seinen Triumph.
... weiterlesen im Literaturcafé!
PS. Und "Halbgeviert" in der Überschrift anstelle "Halbgeviertstrich" ist stilistisch korrekt, liebe Leser. Ganz einfach weil es anders literarisch unschöner ist. Es lebe die literarische Freiheit. Und wer es ganz genau haben will, das "Halbgeviert" bezieht sich auf die Länge.
29/07/11
"Bloß weg hier!" - über eine Rettung im Berlin der 70er Jahre
Dieses Mal ist es an der Zeit für eine begeisterte Rezension –
obwohl es sich beim Autor nicht allein um einen guten Kollegen, sondern
um einen sehr guten Freund handelt und man daher meinen könnte, daß sich
so etwas nicht gehöre, da es so etwas albernes wie
Freundschafts-Buchwerbung sei.
Ist es nicht.
Das ist gar nicht
nötig.
Es geht um Frank Böhmerts neues Buch, "Bloß
weg hier", und das ist ein richtiges schönes Goldstück, erschienen
in dem kleinen feinen Qualitätsverlag Golkonda.
Er
schildert dort, ganz unaufgeregt, ganz alltäglich, aus der Sicht eines
etwas beleibteren, vielleicht gar feisten 11jährigen Zehlendorfer der
1970er Jahre, wie er einen streberhaft aussehenden Gleichaltrigen
"rettet", da der sich im Grunewald verlaufen hat. Wobei dieses
Nachhausebringen natürlich ganz und gar nicht so reibungslos vonstatten
geht, wie es zunächst klingt. Schon der Anlaß ist für den Jungen ein
dramatischer: Er selber befindet sich gerade auf der Flucht, auf der
Flucht als Dieb einer Dose Fischfutter. Und als er dem bebrillten Kerl
dabei hilft, heimzukommen, eröffnet sich ihm die unbekannte Welt von
Kreuzberg – dort hin ist der Zehlendorfer nämlich noch nie gekommen und
kennt es als Asozialenbezirk.
Neben der lockeren Sprache, die Erwachsene wie Jugendliche gleichermaßen
anspricht, der prächtigen Figurenzeichnung und einer durchaus unter die
Haut gehenden Tragik besticht die Geschichte aber auch durch die
Atmosphäre des Berlin der 70er Jahre, als in Kreuzberg noch von den
Spuren des Krieges gekennzeichnet war, viele Erwachsene noch offen
kinderfeindlich gewesen sind – Spielen im Hof verboten, Rasen betreten
verboten, verboten, verboten, verboten – und merkwürdige Fahrräder
"Bonanzarad" hießen. Die Bananensättel hatten. Wer weiß noch was das ist?
Und
wer "Bloß weg hier" lesen möchte, der kann sich das Buch holen – Frank
wird es danken – oder aber den ganzen Text in seinem Weblog
nachlesen. Er hat dieses Buch nämlich online dort veröffentlicht, und
zwar Abschnitt für Abschnitt, jeweils wenn einer fertig gewesen ist.
Alles
in allem also Berlin-Literatur von der angenehmen Sorte. Unbedingt
empfehlenswert.
08/06/11
Der Sternenmaler fliegt auf die Suche nach dem Glück
[ Leseprobe
(PDF) ] [ Hörbuch
(mp3) ]
Item. Lesung/Ausstellung. Üv ist unglücklich
und weiß nicht, warum. Also macht er sich auf die Suche nach dem Glück.
Wie der Sternenmaler auf seiner Reise dieses Glück endlich findet, ist
zu hören auf der Lesung
und Gemäldeausstellung
von Wickenhäuser/Klein, anläßlich des Kulturfestivals 48 Stunden
Neukölln.
Hiermit also sei herzlich dazu eingeladen, sich auf
der Lesung und Buchveröffentlichungsfeier mit uns zu freuen.
Die Ausstellung
zeigt das ganze Wochenende über die Originalgemälde und Arbeitsskizzen
des Buches. Es kann natürlich auch etwas zu Erfahrungen mit Verlagen und
Print on Demand-Anbietern im Vergleich erzählt werden.
Wann:
Freitag, 17.6.2011, 20 Uhr
Wo: Galerie Kaufhold-Klein, Reuterstr. 84
(U7/U8 Hermannplatz), Flughafenkiez, Neukölln (in
Google Maps anzeigen)
Eintritt frei!
Item. Das
Buch: Eigenverlag mit Bedacht. Es ist immer wieder eine spannende
Sache, wenn die Belegexemplare eines neuen Buches eintreffen. Und wenn
es sich dabei um das erste komplett selbst produzierte Buch handelt -
mit einer Verlagspartnerschaft, aber selbstgemachtem Satz - dann ist
eine solche Lieferung natürlich besonders spannend. Schließlich gibt es
keinen Lektor und keinen Verlagslayouter, der alle Einstellungen vor
Druck überprüft, das korrekte Anlegen des Druckmasters mit Farbprofilen,
Schriftsatz und dergleichen liegt ganz in eigener Hand. Wird das
Ergebnis den Erwartungen entsprechen?
Beim "Sternenmaler" ist dies voll und ganz der Fall. Die Wiedergabe der Acrylgemälde von Marcus Klein sind farbecht gelungen, der Satz ist in Ordnung, alle Schriften korrekt eingebettet, der Umschlag samten und scharf ... kurzum, wir können mit dem Ergebnis vollends zufrieden sein.
Zu verdanken ist dies nicht zuletzt unserem Druckpartner, der Werbeproduktion Bucher, die durch eine ungewöhnlich schnelle und günstige Abwicklung des Auftrages bestach. Da für uns Print on Demand-Verfahren zu teuer waren - ein Exemplar des 32-seitigen Buches hätte knapp 30 Euro gekostet - haben wir uns dazu entschlossen, dieses unser beider Debüt im Bereich Kinder-Bilderbuch im Selbstverlag zu machen, in Partnerschaft mit dem Ludwigsfelder Verlagshaus.
So kostet der Sternenmaler nun nur 12,90 €, von denen noch dazu bei uns, den Autoren, deutlich mehr hängen bleibt als bei einem regulären Verlagsauftrag (oder Print on Demand).
Natürlich soll das Erscheinen eines solchen Buches angemessen gefeiert werden. Und das werden wir tun, im Rahmen der inzwischen etablierten Kunst- und Kulturveranstaltung "48 Stunden Neukölln", bei der vom 17. bis 19.6. im ganzen Stadtteil Ausstellungen und Veranstaltungen laufen werden.
Downloads: Ein kostenloses Hörbuch steht ebenso wie eine Leseprobe nun online.
Wickenhäuser/Klein: Der Sternenmaler. Üv auf der Suche nach der Liebe, 32 S., Hc, Ludwigsfelder Verlagshaus 2011, ISBN 978-3-933022-68-4, 12,90€
Nachtrag: Bei Frank gibt es zufällig das Gleiche zu feiern mit seinem Buch "Bloß weg hier!". Netter Zufall!
27/05/11
Kuriosum: Puzzle beim Romanlesen
Ein Kuriosum ist in den ersten Ausgaben des Romans "Die
Magie des Falken" zu beobachten: Es sind beim Binden Aushänger
falsch zugeordnet worden.
Auf Seite 190 folgt Seite 215,
nach
Seite 238 geht es dann weiter mit Seite 191,
und dementsprechend
klafft ab Seite 214 bis Seite 239 ein "Loch".
Da kommt zum Lesen gleich noch ein wenig Puzzle-Unterhaltung hinzu ...
20/05/11
"Das" Blog
Anläßlich* des Eintrags beim Schockwellenreiter, der seinerseits einen Twitter-"Tweet" zitiert: »Wer `der Blog` sagt, hat auch Begrüßungs-Flash-Videos auf seiner Website.«
Es ist keine Willkür, "das" anstelle von "der" Blog zu sagen, wo wie es auch keine Willkür ist, von "der" Sonne anstelle von "dem" Sonne zu sprechen. Es ist auch keine Frage der Sprachvariabilität, sondern ein Fehler, der sich durch das illiterate oder schriftlich-umgangssprachliche Verhalten zahlreicher Internetnutzer verbreitet hat und nun als "Nebenvariante" geadelt simple Deutschschwäche – oder auch Gleichgültigkeit gegenüber der eigenen Sprache – kaschieren soll**: Das Logbuch, das Web-Log, das Blog. "Der" Blog ist etymologisch schlicht und ergreifend Unsinn. Da hilft kein Drumherumargumentieren.
Grund zur Aufregung ist es freilich nicht: "Der Blog" ist kein Drama. Nur ein Schreibfehler.
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*) Schließlich ist der Uhu zwar kein Onlinekommentargrabenkämpfer oder Großblogger, aber qua Beruf ein Sprachsensibelchen ...
**) Was nicht ungewöhnlich ist, schließlich wurde eine komplette Rechtschreibreform unter anderem mit dem Argument durchgesetzt, daß die Deutschen nicht mehr fähig seien, ihre eigene Sprache korrekt schreiben zu lernen.
14/04/11
Scribus im Test: Ein kostenloses Satzprogramm
Das Problem ist von Word, Neo-/Libre-/OpenOffice und anderen Textbearbeitungen bekannt: Es soll ein großer Text gesetzt werden, und dann verschiebt sich unmittelbar vor dem PDF-Erzeugen wieder einmal ein Bild, Umbrüche knicken ein, insgesamt kommt nicht das raus, was gerade noch auf dem Bildschirm zu sehen war. Texteditoren sind eben bis heute keine Satzprogramme, wenngleich sie hier durchaus schon ziemlich stark geworden sind. Für den Satz von Text empfiehlt sich daher immernoch ein eigenes Satzprogramm - das bedeutet auch: wenn ein Programm zum Schreiben von Briefen oder einfach nur Texten gewünscht wird, ist ein Satzprogramm ungefähr so hilfreich wie eine Gabel anstelle eines Löffels. Da ist, ebenso wie für das Erstellen kleiner gestalteter PDFs, eines der Officederivate zweckdienlich, für reinen Massentext wiederum eher Scrivener.
Wer über einen großen Geldbeutel verfügt, kann sich mit InDesign das schwere Geschütz unter diesen Programmen zulegen und wird viel Freude damit haben - abgesehen von der ärgerlichen Politik des Herstellers, sogar einzelne InDesign-Versionen untereinander kaum kompatibel zu halten. Oder er nimmt LaTeX zur Hand, was aber recht anspruchsvoll in der Bedienung und gerade bei grafiklastigen Inhalten wohl kein Ersatz ist.
Für den Hausgebrauch gibt es nun seit geraumer Zeit eine kostenlose Alternative: Mittlerweise hat sich Scribus zu einer respektablen Software zum Setzen von Texten (genauer gesagt für DTP) gemausert. Wer bereits mit InDesign gearbeitet hat, wird sich sicher schnell und recht problemlos in Scribus zurechtfinden, da die Struktur sehr ähnlich angelegt ist. Soeben wird das Programm für den Satz des Bilderbuchs "Der Sternenmaler" zum Einsatz gebracht.
Scribus erinnert an InDesign und bietet beispielsweise umfangreiche
Einstellmöglichkeiten für seine Werkzeuge, hier einen Textrahmen auf
einer geraden Seite mit einem Bild auf der ungeraden.
Die Zusammenarbeit mit der Druckerei erwies sich dank problemlos einzubettenden Farbprofilen und CMYK-Unterstützung ebenfalls bislang als unproblematisch. Zwar exportiert es PDF-X3 und nicht PDF/X-1a, aber das genügt in diesem Falle. Dem eigenen Buch steht mit Scribus also nichts mehr im Wege.
Natürlich ist es immernoch kein Vergleich zu seinen kommerziellen Vorbildern wie InDesign. Findet man sich aber mit dieser etwas abgespekteren Variante ab, dann hat man eine voll funktionsfähige, gut zu bedienende Satz-Software an der Hand - ganz kostenlos.
Aktualisierung:
Einige Dinge ließen sich in der Bearbeitung
noch feststellen. Getestet wurde wie gesagt mit einem Bilderbuch, also
geringem setzerischen, aber hohem Ressourcenanspruch durch große
CMYK-Bilder (450dpi A4 quer, Bilddatensatz insgesamt ca. 500-800 MB).
- Der Ladevorgang beim Öffnen dauert relativ lang, vermutlich da die Bilder immer neu ins Dokument gerechnet werden.
- Während der Bearbeitung läuft Scribus flüssig und rund, es gibt keine Schwierigkeiten durch die großen Bilder. Die Bilder lassen sich über die Dokumenteinstellung in verringerter Auflösung (analog zu InDesign) darstellen.
- Scribus stürzte nach dem Einbinden eines 4:4:4 JPG CMYK-Bildes von geringer Größe ab. Es ließ sich problemlos neu starten und lud ebenso problemlos das Dokument, das auch bis zum letzten Bearbeitungsstand wiederhergestellt wurde - die automatische Sicherung funktionierte also tadellos.
- Unter den Texteigenschaften findet sich auch die enorm wertvolle Spationierung. Noch nicht getestet, da bei (=kurzen) Bilderbuchtexten überflüssig.
- Der Export in PDF verläuft ähnlich übersichtlich wie bei InDesign
- Etwas problematisch erscheint die Bearbeitung von Text. So werden Veränderungen am Text (Format, Inhalt) nicht von der "Rückgängig"-Funktion erfasst, und es kann passieren, daß über "Alles markieren" der gesamte Textinhalt miteinander verketteter Rahmen gelöscht wird.
08/04/11
Neue Vorträge und Infomappe
In der neuen Vortrags-Infomappe
wird die vielfältige Auswahl meiner wichtigsten Vorträge vorgestellt.
Die
Themen reichen von der gegenwärtigen und historischen Falknerei über
Wikinger als Händler und Krieger, den Werwolf in der Neuzeit und den
Sport Jugger, bis hin zu dem leider
gerade wieder aktuellen Thema Amoklauf an Schulen (School Shootings).
Sie sind je nach Thema für Fachtagungen ebenso wie für Volkshochschulen, Bibliotheken, Buchhandlungen und Bildungsträger geeignet. Die Zielgruppen sind je nach Thema Interessierte, Lehrgangsteilnehmer von Falknerprüfungen, Eltern, Lehrer, (Sozial-) Pädagogen, Polizeien und weitere.
Eine rechtzeitige Anfrage und Buchung ist günstig, damit die gewünschten Termine noch im Kalender frei sind!
02/04/11
Fußnoten in HTML
Bei akademischen Texten, aber auch in anderen Fällen sind Fußnoten wichtige Werkzeuge: Sie ermöglichen es, längere Erklärungen, Verweise und dergleichen in einen Text einfließen zu lassen, ohne diesen dadurch aufzublähen oder zu zerstückeln.1
Arbeitet man mit gewöhnlichem HTML, so steht hier keine genuine Fußnoten-Definition zur Verfügung, im Gegensatz beispielsweise zu DokuWiki und anderer Software, die z.B. Doppelklammern ((Fußnote)) automatisch in Fußnoten umwandelt. Eine Möglichkeit bei kurzen Texten ist die Verwendung von Sternchen * die dann aber erstmal unverlinkt sind.
Eine Variante, Fußnoten auch in HTML hochgestellt und verlinkt einzubauen, zeigt dNaber.de auf: Mit Hilfe der <sup>-Definition. Der "id="-Tag mit der Auszeichnung "f1" im Kommentar und "a1" (= "Anker 1") im Text-Fußnotenzeichen ermöglicht das unkomplizierte Rückverlinken von der Fußnote auf den Text.
Viel Text
<sup>
<a id="anker1" title="Zur Erläuterung"
href="#f1">[1]</a>
</sup>
…noch mehr Text.
Ziemliches Quelltext-Gefrickel mit der Rückverlinkung, aber durchaus praktikabel.
(via Schockwellenreiter)
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1Als Geisteswissenschaftler lehne ich beispielsweise die Zitierkonvention der Sozialwissenschaften ab, die mit einer eher unübersichtlichen und zudem den Lesefluss störenden Klammerung (Autor Jahr, Seite) arbeitet. Eine Fußnote, in der mit *Autor: Titelbeginn, Seite zitiert wird, ist da viel besser für den Leser zuzuordnen, der Titel ist schneller und eindeutiger identifizierbar als ein (Fischer 1942b, S. 82) und zudem weniger störend für das Lesen.
21/03/11
"Bonusmaterial" ... bei einem Roman
Amüsante Notiz zum literarischen Betrieb: Das Buch "Der Kreuzritter" von Jan Guillou zeichnet die Geschichte des schwedischen Nationalhelden Arn nach; von diesem gibt es eine sehr gute und enorm aufwändige schwedische Verfilmung von 2007, die inzwischen auf 3 DVDs und sagenhaften 270 Minuten Spielzeit vorliegt, von denen keine Minute langweilig würde.
Auf dem Titel der deutschen Romanausgabe (also des Buches, nicht der
DVDs) findet sich ein Aufkleber: "Mit Bonusmaterial".
Dieses
"Bonusmaterial" ist, nun ja, vulgo der Anhang.
Eben Worte des Autors zu seinem Buch, des Regisseurs und über die Zeit,
11 Seiten, also nicht ungewöhnlich umfangreich. Aber "Bonusmaterial"
klingt natürlich wesentlich verkaufsfördernder als ein schnödes "mit
Anhang" oder gar "mit Worten des Autors über das Buch und
die Zeit sowie des Regisseurs über den Film" ...
Na dann: Auch die "Die
Magie des Falken" gibt`s jetzt mit Bonusmaterial: dem üblichen
historischen Exkurs über die Zeit der Handlung ... eben den Anhang.
11/03/11
Er fliegt: Die Magie des Falken
Pünktlich zur Leipziger Buchmesse ist der neue Roman "Die
Magie des Falken" erschienen. Der im Exil lebende Norwegerkönig
Olafr Tryggvason hat das Christentum für sich entdeckt. Hervorragend
läßt sich in dessen Namen mit Feuer und Schwert Norwegen missionieren,
und nebenbei seine Königsherrschaft neu etablieren.
Dabei
stört es nur, daß sich zahlreiche Magier in seinem Gefolge befinden, die
Blótmenn und Seiðmenn, deren Rat er früher oft und gern eingeholt hatte.
Sie müssen verschwinden. Er lockt sie in einen Hinterhalt, um sie alle
zu töten. Doch dem jungen Magier und Falkner Kyrrispörr Hæricson gelingt
die Flucht. Es verschlägt ihn ins damals noch dänische Heiðabyr (Haithabu
bei Schleswig), einen faszinierenden Dreh- und Angelpunkt
hochmittelalterlichen Handels, von wo aus er seine Rache an dem König
plant. Als Falkner findet er rasch Anstellung und einen idealen Platz,
um den blutigen Weg des Norwegerkönigs aus der Ferne zu verfolgen und
sich auf einen günstigen Augenblick zum Zuschlagen vorzubereiten ...
Angetrieben
von der Faszination für die oftmals fälschlicherweise als historische
Tatsachenberichte gehandelte Sagaliteratur (hier im Speziellen die Saga
Olafs Tryggvasonar) und vom Reiz aktueller wie historischer
Falknerei, wie sie sich nicht nur im legendären Falkenbuch Friedrich II. De
arte venandi cum avibus, sondern beispielsweise auch - mit interessantem
historischen Rätsel - auf dem Teppich
von Bayeux findet, ist dieser historische Wikingerroman entstanden.
Er
verzichtet natürlich ganz auf jede Form der Fantasy, denn die Realität
ist an sich bereits faszinierend genug und weniger willkürlich. Freilich
kann der Magier zaubern, aber eben nur auf jene Weise, auf die auch
heute noch Zauberer und Magiern beispielsweise in Südamerika Heilungen
und Wahrsagungen vollbringen.
Am Rande: Die Szene, bei der
Kyrrispörr aus einem Gewitter vor der Schlacht gegen Tryggvason die
Zukunft deutet, entstand bei
diesem Unwetter.
Lesungen aus dem Buch, ausgestattet
mit reichhaltigem Rahmenprogramm aus historischem Vortrag mit Dias,
authentisch nachgebildeten Replikas von Wikingerwaffen, Kleidung und
Alltagsgegenständen, sind ab sofort buchbar.
Informationen
dazu finden sich in der → Leseinfomappe
und → im
PDF zur "Magie des Falken".
08/02/11
Entdeckung einer neuen Spezies: Rhinogradentia
Zur Mittagspause: Eine erquickliche Lektüre im Zoologiestudium, und
immer wieder einen erfrischenden Blick wert, ist das legendäre kleine
Büchlein "Bau und Leben der Rhinogradentia" von Prof. Dr. Stümpke (alias
Porf. Dr. Gerold Steiner), erschienen im renommierten Gustav Fischer
Verlag /Fachbuchreihe. Hier beschreibt er, und zwar ganz im Stile und
entlang der Taxonomie und Zitierkonventionen der Zoologie, die
Entdeckung der Nasenfüßler auf dem Archipel der Heieiei-Inseln, die
bedauerlicherweise einem Kernwaffenversuch zum Opfer fielen.
Zu
lesen ist darin von den Schicknasen (Hypogeonasida), Nasenhopfen
(Hopsorrhina), Wandelnasen (Epigeoasida) und zahlreichen weiteren
Gattungen. Beschrieben werden sie bis hinein ins Skelettgerüst (Abb. 2)
und Embryoentwicklung, die Anpassung an ökologische Nischen und alles,
was sonst in eine gute zoologische Fachpublikation gehört. Leben und
Jagdtechniken werden eingehend beleuchtet, so beim Schneuzenden
Schniefling Emunctator sorbens (Abb. 1), der "aus seiner
langgezogenen Nase lange, feine Fangfäden [schneuzt], die ins Wasser
hängen und an denen dort kleine Wassertiere hängen bleiben." (S.
20)
Abb1: Akademische Illustrationen im Buch: Emunctator sorbens, Taf. IV, S. 21
Abb.2: Beschreibungen bis ins osteologische Detail, Otopteryx volians, Skelett. 1. Articulatio nasofrontalis; 2. Nasur; 3. ..., Abb. 10, S. 45
Nun wird im Nachwort wie gesagt darauf hingewiesen, daß das Archipel im Meer versunken sei und mit ihm alle Rhinogradentia. Doch wie groß die Überraschung, als sich ausgestopfte Exemplare finden!
Schön, daß dieses nette fantastische Büchlein von 1957 nicht in Vergessenheit geraten ist. Weiteres siehe auch im Scienceblog.
02/02/11
"Der Sternenmaler" wird bald fertig sein
Das Bilderbuch "Der Sternenmaler", das vom Künstler Marcus Klein illustriert wird, befindet sich gerade unter Hochdruck in Arbeit.
Wir werden das Buch im Rahmen einer Ausstellung mit Lesung und "Making Of"-Dokumentarfilm auf den diesjährigen "48 Stunden Neukölln" vorstellen. Details folgen zu gegebener Zeit.
14/01/11
Interview with Keith, developer of the editor Scrivener
In December, I published a review on Scrivener, a fascinating new tool for novelists and screenwriters: Basically it is a text editor tailored especially to the needs of these user groups.
Now I am happy to post the complete interview with Keith, single-person developer of this brilliant piece of software, here.
How many developers are currently in your team? Are they mainly
programmers, or are there also writers?
We have one
developer working on the Mac version (me) and one working on the Windows
version (which is currently in development and beta-testing - although
the Windows developer has hired someone else to help him for the
time-being). In fact, until two years ago, Literature & Latte was a
one-man company - it was just me. I didn't start out as a programmer; I
taught myself to program in order to create Scrivener. Before that I was
a teacher, and I had been struggling to write a novel for years. I was
switching between several different programs (and physical media such as
index cards) to keep track of the various strands and scenes, and I had
this idea for a program that I felt would really help me keep it all
together. The idea for Scrivener was also based on the way I approached
writing my MA dissertation - in chunks, weaving the threads together.
Eventually I bought some books on coding and it went from there. So I
was a writer - or wannabe novelist - before a programmer.
There are already lots of text editors out there. How did you get the idea to develop a new one in the first place?
It was based on my own needs. There are a lot of text editors, and even a fair few project management tools for writers, but none did exactly what I wanted. Before I created Scrivener, I kept an Excel file with coloured rows to store an outline, with a synopsis of different parts of my text on each row. From time to time, I would write out the synopses on index cards and move them around on a corkboard. Then, I would return to Excel and move the rows around there, and add any new synopses I had created. And then I had dozens of Word files lying around in the Finder, each containing a part of my manuscript, or a different idea. Switching between these was a pain. And if I wanted to update my text to match the new order of my Excel spreadsheet or index cards, I'd have to cut and paste everything into the new order. I also had dozens of research files - images, PDF files and so on - that I wanted to refer to alongside my text, and I was fed up of arranging the windows of different applications so that I could look at them next to each other. It suddenly struck me that in this age of computers, there must be a software solution for this sort of workflow. The idea seemed pretty obvious and straightforward: I just wanted a program that had a source list or tree on the left, a hierarchical arrangement of files such as you find in the Finder or Windows Explorer, and clicking on them would open the file in an editor on the right. I also wanted to be able to assign a synopsis to each document in the project, and to be able to view those synopses, and rearrange them in an outline view right within the program, so that I could edit and move around the synopses and have this rearrangement move the pieces of text with which the synopses were associated - no more painful copying and pasting just to restructure. Thirdly and finally, I wanted to have a split view that would allow me to open images and other files right alongside my text, or to view different text documents alongside one another.
So I started to hunt for software that would do this, but there was nothing. There were a few fantastic programs that came close - programs such as Ulysses and CopyWrite allowed you to navigate between different documents using a source list, for instance, other programs intended as research depositories, such as DevonThink, allowed you to store and view many different types of document. But there was nothing that combined all of these things and covered my three main criteria. So essentially, the idea came from my own messy way of working on a long text, and arose out of my own needs as a disorganised writer.
When, at which year, has that been?
I wrote down and sketched out an initial design when I was still on Windows, back around 2002, but the programming books I bought with the intention of starting the project were doorstoppers and I just couldn't get my head around programming on Windows. Then in 2004, when I moved to a Mac, I bought a couple of books on programming in Cocoa, and things clicked. By late 2005 I had an early version of Scrivener which was released as a beta on the National Novel Writing Month forums. I then spent another year completely rewriting it from the ground up, and Scrivener 1.0 eventually went on sale in January 2007.
Was Scrivener the program you had in mind, or did it sort of evolve during the development process? Any anecdotes there?
Scrivener is always evolving, but in essence it is the program I had in mind, yes. As I looked into other programs that were available in my hunt for the "perfect" software, though, some of them had an influence. For instance, although full screen mode is now rather ubiquitous, back when I was first working on Scrivener, very few writing programs had such a mode. The first program to introduce this, to my knowledge, was Ulysses, and as soon as I tried that I knew I wanted a full screen mode in Scrivener (Ulysses - which is fundamentally a very different application - also had a couple of other influences on Scrivener, such as the label and status fields). Having tested Copywrite, I knew I needed some sort of versioning feature, which was eventually named "Snapshots" in Scrivener (a name inspired by the Windows application PageFour). The look of the outliner was partly inspired by OmniOutliner. So, along the way, certain aspects of Scrivener were influenced by other software out there.
Also, originally I hadn't intended to put a corkboard into Scrivener. The idea for that came about as I was trying to think of a good way of represent the synopsis in the inspector area. It occurred to me that an index card metaphor was perfect for this, and from there I figured that having a corkboard view as an alternative to the outliner view would not only be useful but would give Scrivener a distinctive look, because no other writing software had a built-in corkboard (although of course there were several good dedicated corkboard applications around).
The first early beta of Scrivener was squarely aimed at novelists, but then I wanted to open it up for academics and so started to add footnote support and suchlike, and then I received a barrage of e-mails and requests from scriptwriters who loved the way Scrivener allowed you to break up and work on a large text project in chunks, and who wanted a scriptwriting mode. Scrivener was never, originally, intended as a scriptwriting application, but scriptwriters adopted it during the early beta stages so that by the time it was released officially in 2007, it had a full-on scriptwriting mode.
At its core, though, Scrivener is very much what I wanted right from the start - for all its features and refinements, at its core lie the three features I wanted when I set out to create it.
Why has Scrivener been a Mac program? Specific reasons for that?
Simply because I'm a Mac user, so there wasn't much point programming for a platform I didn't use! Scrivener started out as a hobby - I was just trying to create the program I wanted to use for my own writing. To begin with, I didn't even think about selling it, that only came later; I just set about coding a program for my own writing that worked on the platform I used.
What is the primary target group of Scrivener in your view?
Pretty much any writer who has to work on long texts - novelists, academics and students, scriptwriters, translators, but also lawyers and journalists. Anyone, really, who has to work on a lengthy and difficult-to-structure document.
Which features do you think make Scrivener unique compared to other text editors, and why did you choose to develop these features especially?
Although since Scrivener was released other text editors have appeared with some similar features, I think its core features are still unique, namely:
• The ability to assign a synopsis to each part of your text and move the synopses around in an outline (or corkboard) to rearrange and restructure the text, so that you can step in and out of getting an overview of the whole or working on the details.
• The ability to open different media and research documents right alongside your text within the same program.
• The ability to split up a long text into smaller chunks and then to switch between these chunks with ease, using the "binder" (list of files), or to view and edit the text as a whole using the "scrivenings" feature. (The "scrivenings" feature allows you to combine different text documents within the project so that you can edit them as though they were part of a single document - so, for instance, a novelist could break a manuscript up into individual scenes and then work on them separately, together as part a chapter, or together with the rest of the manuscript.)
What was the reason to set a focus on Fullscreen?
As mentioned above, I take no credit for coming up with a full screen mode for writing - I believe the excellent Ulysses was the first to do that, and it is now present in most writing applications, including Apple's Pages. It seemed like a great way of blocking out everything else on the computer and just focussing on what you are writing, and that's exactly what I find it useful for. In Scrivener you can still bring various tools up - you can refer to other documents using QuickReference windows, or to your notes or synopsis using a floating inspector - but fundamentally the full screen mode blocks out everything else so that you can just forge on with getting words down on the page.
There seems to be quote a lively and big community, also requests in the forum are answered with impressive speed by the development team. Do you have an insight or an impression which kind of people, or of jobs, like/use Scrivener most? How is the feedback, all in all?
The feedback has been great! It's been really gratifying, and one of the best things about working on Scrivener over the years has been the lively community that has built up around it. The majority of people who post on the forums tend to be novelists, academics and screenwriters, but there are also some translators, comic book writers, games writers, journalists, business and technical writers and other writers of non-fiction - so it's a mixed bag, really.
How would you say is Scrivener represented in Germany, compared with the US?
Well, obviously most of our users are from the US, although I should point out that of the five people on our team, only one is from the US - three of us are English and the Windows developer is Australian. At the moment the biggest barrier to us when it comes to non-English users is that Scrivener hasn't been translated into other languages yet - that's one of our top priorities for next year. We hope to be able to get Scrivener translated into some other languages next year, and German will be one of the first. All the same, I believe that our largest non-English-speaking user-base comes is in fact German.
About the future: Would you like to share your thoughts ... and maybe visions what Scrivener should become in the future?
I don't want to bloat Scrivener. We've just released version 2.0, and one of my main focuses for 2.0 was to better integrate the tools and features it has rather than to add lots of new stuff just for the sake of it. It's always tempting to add every feature users ask for, because you want to please your users, but that way madness lies. Really there aren't many more features I want to add to Scrivener - it already does everything I want, after all! The main things I do want to add are things that have been technically difficult because we're a small team and so have to rely on a lot of standard tools. So in the long run I'd love to add a fully featured styles system, or better bullets and tables (things Scrivener has but which could ultimately be better). These are things that I hope we'll be able to add or improve as we grow or get more time, but ultimately I'm really happy with Scrivener and currently my focus is on ensuring the new version is as stable and rock-solid as possible.
This interview is published under the cc nc-nd-by license. For other licensing, please contact me.
12/01/11
OpenOffice säuft mal wieder ab
Dokument eines Beitragsautors, 55 Seiten, 512 KB, konvertiert in odt, Bearbeitung mit Änderungen nachverfolgen über drei Stunden problemlos.
Dann, ohne daß etwas Tiefgreifendes geändert worden wäre: Speichern dauert über fünf Minuten, OpenOffice säuft ab, Dokumentwiederherstellung bringt es auf mindestens eine Viertelstunde.
Professionelle Textverarbeitungsprogramme sehen anders aus (und nein, Scrivener ist in diesem Falle leider das falsche Werkzeug. Denn hier werden kompatible Fußnoten, Änderungsmarkierungen und Formatvorlagen benötigt). Wer nun aber hämisch sagt, selbst schuld, kauf einfach das Produkt aus dem Hause M$, der möge sich die zahlreichen Berichte über jenes kommerzielle Programm zu Gemüte führen. Ich hatte es seinerzeit hinter mir gelassen, weil es nicht minder anfällig gewesen ist.
Aktualisierung (+1h): Es kriegt es nicht gebacken. Gut. Zeit, mit LibreOffice draufzuhalten.
Aktualisierung (+1:15h): Keine Chance. OOo hat ordentlichen Salat gemacht. Sicherheitskopie ist auch betroffen. Prima!
Aktualisierung (+1:30h): dummdidumm ...
Aktualisierung (+2:00h): Nach diversen Tänzchen zwischen Libre- und Openoffice, diversen Konvertierungs- und Reimportversuchen, Entfernung aller Änderungsmarkierungen, Tabellen und Bilder, erfolglosem Versuch des Umkopierens und geschätzten 2 nutzlosen Arbeitsstunden, läßt sich der Text wenigstens wieder bearbeiten. Jedes Speichern ist eine Zitterpartie.
Nachtrag: Oh toll. OOo Impress fügt nach Belieben chinesische Zeichen ans Absatzende einer bereits bestehenden, mit der neuesten Version nun geöffneten Präsentation. Das macht dann ja einen richtig professionellen Eindruck. Chapeau.
Nachtrag II: ... unter NeoOffice wird das Ding brav eingelesen, ohne chinesische Artefakte und reibungslos. OpenOffice, mach Dich bereit für die Tonne.
22/12/10
Scrivener als spezialisierte Textverarbeitung
Vor Weihnachten: Auf literaturcafe.de findet sich eine kleine Betrachtung von Scrivener, einem speziell für Autoren entwickelten Textverarbeitungsprogramm.
15/12/10
Moderner Ablaßhandel: Engagement=Geld spenden?
Daß man sich mit Geld gutes Gewissen kaufen kann, ist wohl nicht erst seit Erfindung des Ablaßhandels Allgemeinplatz. Es ist auch praktisch, da Geld nun einmal benötigt wird, um Aktionen durchzuführen und Engagement effektver zu gestalten.
Ärgerlich ist es allerdings, wenn auf den Webseiten wichtiger politisch-gesellschaftlicher Organsiationen unter "Mitmachen" nur "Geld zahlen" genannt wird. Das vermittelt zudem das Gefühl: Wir brauchen Euch nicht, aber Euer Geld.
Sogar bei "Reporter ohne Grenzen " stehen als Möglichkeiten zur
Teilnahme, wohlgemerkt auch speziell als Teilnahmemöglichkeiten für
Journalisten (!), ausschließlich
monetäre Möglichkeiten des Engagements (Hervorhebungen
durch mich):
"Was Sie tun können:
- Fragen Sie Ihre Studiogäste und Gesprächspartner, ob sie zu Gunsten der Menschenrechtsarbeit von Reporter ohne Grenzen auf ihr Honorar verzichten.
- Eine ROG-Spendenbüchse im Eingangsbereich [...] signalisiert den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass Ihr Medium über den Tellerrand und über die Quote hinausschaut.
- Auch in der Kantine kann Wechselgeld in eine Sammelbüchse wandern. [...]
- Die Stellen hinter dem Komma auf Ihrer Gehaltsabrechnung sind Peanuts? Für uns nicht. [...]
- Sie wollen Ihre gebrauchte Büro-Einrichtung [...] verschenken? Versteigern Sie doch bei ebay zugunsten von ROG!
- Sie wollen den Gewinn der Tombola vom Weihnachtsfest einer Organisation zugute kommen lassen [...] spenden Sie den Erlös an Reporter ohne Grenzen.
-
Schreiben Sie einen Artikel, dessen Honorar Sie für Reporter
ohne Grenzen bestimmen
Es gibt viele Möglichkeiten, unsere Menschenrechtsarbeit zu unterstützen. [...] Jede Spendenaktion unterstützt unseren wichtigen Einsatz für die Pressefreiheit und schenkt unserer Menschenrechtsarbeit die notwendige Aufmerksamkeit."
Man möchte fast meinen, wir lebten in einer Ablaßgesellschaft. Paßt aber auch zum Zeitgeist.
Das ist besonders bedauerlich, als die Pressefreiheit beispielsweise bei niemand anderem als unserem liberté-égalité-fraternité-Nachbarn Frankreich, wenn man dem gestrigen Bericht in der Kulturzeit folgt, massiv vom Staat mittels Polizei und Geheimdiensten bedroht wird:
"Journalisten in Frankreich stehen im Visier des Geheimdienstes - ihre Aufenthaltsorte und Kontakte werden überwacht, Computer gestohlen. Präsident Nicolas Sarkozy macht mittlerweile keinen Hehl mehr aus seiner Verachtung für Journalisten, diskreditiert und erschwert ihre Arbeit. Die ältesten Demokratie Europas ringt um ihre Pressefreiheit." - weiterlesen
07/12/10
Es ist lieferbar: Das zweite Buch über Jugger
Pünktlich vor Weihnachten ist es nun soweit: Das zweite
Buch über Jugger ist erschienen!
Gestern kam die
Meldung, daß die Lieferung im Verlag eingetroffen sei, und nun stehen
sie auf dem Tisch: Die ersten Exemplare des neuen Buches. Und ich muß
sagen, ich bin begeistert.
Großzügig mit ausgezeichneten Aufnahmen mitten aus dem heftigsten
Spielgeschehen in voller Farbenpracht, darunter zahlreichen ganzseitigen
Photos, einer kritischen und reflektierten Betrachtung der verschiedenen
Aspekte dieses neuen Sports, Trainingseinheiten und Taktiken, zwischen
zwei festen Buchdeckeln, das ist wunderbar. Hier hatten auch zahlreiche
Spieler die Gelegenheit, ihre teilweise höchst unterschiedlichen
Sichtweisen auch zu durchaus kontroversen Fragen wie Kommerzialisierung
und Verbandlichung in Interviews darzulegen; auch Australien, Spanien
und Costa Rica kommen zu Wort. Und das Ganze auch noch in Hardcover, das
läßt das Herz des librophilen Connoisseurs höher schlagen.
Nicht
zu vergessen die enorme Geschwindigkeit, mit der das Vorhaben realisiert
werden konnte: Nicht einmal ein Jahr dauerte es von der Vorstellung des
Gedankens im Verlag bis zum Druck. Das erinnert an
die sechs Monate "Kriegerträume" bei Herbig (2010 ist
offensichtlich jahr der schnellen Bücher hier), aber das war ein
zwei-Autoren-Projekt.
Dank der Kalkulation des Verlages Archiv der Jugendkulturen ist es mit 18 Euro auch noch bezahlbar, gerade angesichts von 192 vollfarbigen Seiten.
Ich kann sagen, daß ich mich für dieses Vorhaben mehr engagiert habe als
für alle anderen Bücher, und derer sind es mit über einem Dutzend nun
nicht gerade wenige.
Einen Band vorzubereiten, der einen
Interviewteil enthält, ist bereits eine aufwändige Sache, aber hier galt
es, aus einem ausufernden Fundus hervorragender Bilder die besten, oder
doch zumindest ein paar der besten, auszuwählen, und dank der offenen
Zusammenarbeit des Archivs der Jugendkulturen war es mir möglich, mich
eng mit der Layouterin und Setzerin Conny Agel abzustimmen, Vorschläge
zu entwerfen und letztlich sogar selber beim Redigieren des Satzes und
Aktualisierungen in allerletzter Minute mitzuarbeiten, allem Unbill in
Gestalt der üblichen Programminkompatibilitäten zum Trotz.
Tage
und Nächte vergingen wie im Fluge bei der Aufbereitung, Überarbeitung,
Korrektur, erneuten Korrektur und letzten Sichtung der Inhalte: Immerhin
konnten durch die Verzögerungen auch noch Bilder von der Deutschen
Meisterschaft 2010 im September einfließen. Und dann stand alles auf der
Kippe, als das Archiv der Jugendkulturen die Miete nicht mehr zahlen zu
können drohte und eine gewaltige Spendenaktion anlief. Die
ist geglückt, das Archiv besteht weiter und das Buch war
gerettet.
Beim ersten Jugger-Buch hatte ich großen Spaß an der Bearbeitung, aber
auch Ärger bis hinein in schlaflose Nächte und dann einen unsäglichen
Titeltext, der mich nahe daran brachte, mich davon zu distanzieren (und
die fraglichen Stellen zu überkleben). Aber hier hatte ich einfach nur
fantastische Freude daran. Nun, wo ich das Ergebnis in den Händen halte,
kann ich nur sagen: Der enorme Aufwand hat sich gelohnt. Die Layouterin
hat ganze Arbeit geleistet, die Photographen haben ihre Linsen rauchen
lassen, es fasst sich als Hardcover einfach wunderbar an, die Inhalte
sind vielfach geschliffen ...
Bestimmt mag der eine oder andere Jugger immernoch hier und da einen Fehler oder eine Unschärfe finden. Beispielsweise stammt ein guter Teil der Bilder von Berliner Turnieren - was einfach den Grund hat, daß ich von jenen das qualitativ hochwertigste Bildmaterial (und die Nutzungsmöglichkeit dafür) zur Verfügung hatte. Daher mögen jene scharfäugigen Kritiker mir verzeihen: So wenig, wie ich perfekt sein kann, so sehr will ich sie zu dem Luxus einladen, sich mit mir über die gelungenen Aspekte zu freuen - wahrlich, ein solches Buch hätte viel schlimmer aussehen können.
Zu danken habe ich vor allem den Photographen für ihre großartigen
Beiträge: Yves Sonnenburg, Susanne
Serwe, Sven Saßning, der stundenlang mit uns in der Hasenheide und
auf dem Rollfeld des ehemaligen Flughafens Tempelhof Fotos schoss, und
all den anderen. Und natürlich den Interviewpartnern, die sich die Zeit
genommen haben, geduldig Rede und Antwort zu stehen. Außerdem Conny Agel
für die ungewöhnlich gute Zusammenarbeit und Absprache beim Satz.
Ja,
dieses Buch ist so geworden, wie das erste Jugger-Buch hätte sein
sollen. Der Uhu ist entzückt.
... und die Leseprobe gibts → hier,
das Buch zu Weihnachten läßt sich bestellen → hier.
Wer
auf dem Winterturnier in Lüneburg ist, kann es auch direkt haben ...
wenn er dort noch eines abbekommt.
Für die Presse befindet sich ein Podcast mit frei verwendbaren O-Tönen
in Vorbereitung.
23/11/10
Jugger-Buch zu Weihnachten / Leseprobe
Pünktlich zur Vorweihnachtszeit soll das neue Jugger-Buch im Archiv der Jugendkulturen nun fertig sein!
Die Druckerei meldete als Termin der Fertigstellung den 10.12., also
gerade zur Anfahrt zu den Winterspielen
in Lüneburg - ein prächtiger Anlaß zum Feiern, und was wäre da
besser geeignet als ein entspanntes Freundschaftsturnier mit 20
gemeldeten und vermutlich noch mehr spielenden Teams? Zumal ich mich
selten auf ein eigenes Buch so sehr gefreut habe, wie auf dieses.
Zum Reinschnuppern gibt es schonmal → eine kleine Leseprobe online. Bon appetit!
13/11/10
Sir Walter Scott-Preis 2010 vergeben
Gestern Abend wurde auf der Historica
des Autorenkreises Historischer Roman Quo vadis zum dritten Mal der Sir
Walter Scott-Preis verliehen, eine zweijährig vergebene Auszeichnung
für besonders gelungene Werke des Historischen Romans. Während die
Ausgabe des Preisgeldes beim ersten Mal in
Gold- und Silbermünzen erfolgte, wurden diesmal entsprechende
"Schecks" vergeben.
Die Preisträger sind in diesem Jahr:
Goldener Lorbeer
Lukas Hartmann mit „Bis ans Ende der Meere“
Silberner
Lorbeer Daniela Dröscher mit „Die Lichter des George
Psalmanzar“
Bronzener Lorbeer
Charlotte Lyne mit „Das Haus Gottes“
Die Historica läuft noch bis Sonntag. Am heutigen Abend haben Zuhörerinnen und Zuhörer die Gelegenheit, auf der Langen Lesenacht die traditionellen Kurzlesungen von Mitgliedern in der Karlsburg Durlach zu hören. [Programmflyer (PDF)]
Foto: Heike Koschyk/Quo vadis
09/11/10
Über Martin Walsers Kriegsverkläreraffinitäten
Ein passender Kommentar in der taz zu Walsers befremdlicher Verklärung eines eingefleischten Kriegsverklärers.
"Walser besäuft sich daran, wie Jünger ‘sich lebenslänglich mit dem Krieg konfrontiert sah'." - Prost.
12/10/10
Now testing: Scrivener
I have looked through different software solutions to replace standard OpenOffice/M$ Office software by one that fit better to my needs. While Ulysses does not offer enough features, and I surely do not need advice in writing as given in Papyrus, Scrivener caught my view. It is a shame good old Word 5.5 wouldn't run smoothly under OS X ...
Scrivener, especially designed for OS X, seems to be quite promising. It is highly customizable and has some nice features, including linking of text and research documents and notes. And it got a true fullscreen mode!
I will give it a try and write a little review here when I have tested it thoroughly.
Addendum: Boy, it looks cool.
24/09/10
Neuerscheinungen im Herbst 2010: Kriegerträume, Orte der Wirklichkeit
Insgesamt vier Bücher sind dieses Jahr fertig geworden, ein fünftes steht bereits für Frühjahr 2011 auf der Startrampe.
Nach dem Werwolf-Roman, der bereits im Frühjahr erschienen ist, sind nun zwei Sachbücher in den Buchhandlungen:
Kriegerträume. Warum unsere Kinder zu Gewalttätern werden, Herbig
Verlag,
befasst
sich mit einem Problemfeld, das kürzlich erst durch Frau Heisigs Buch
"Das Ende der Geduld" wieder einmal für Schlagzeilen gesorgt hat: Mit
Jugendgewalt. Es geht jedoch nicht um Jugendgewalt im Allgemeinen,
sondern um seine einzelnen und voneinander grundverschiedenen Facetten.
Wie schon der "Riss in der Tafel" ist das Buch gemeinsam mit Dr.
Robertz vom IGaK entstanden.
Wir erläutern darin die unterschiedlichen Formen der gegenwärtigen
Jugendgewalt anhand von Kriegertypen:
Der Gladiator beispielsweise
dient zur Verdeutlichung der Mechanismen des "Bullying", des gezielten
Verspottens Einzelner in der Klassengemeinschaft; der Ninja dem
des "Cyberbullies", der übers Internet seine Opfer aus dem Verborgenen
heraus verfolgt; desweiteren geht es um Phänomene wie schwere
Gewaltvorfälle wie den S-Bahn-Vorfall in München, oder auch um Gewalt im
Strafvollzug.
Nicht überbordende Wut, sondern sehr subjektive Phantasien von einer kriegerischen Männlichkeit, Gerechtigkeit und Macht liegen der Gewalt durch Jugendliche zugrunde. Mit Hilfe dieser Erkenntnis gelingt es verständlich darzustellen, wo und wie gezielte Prävention ansetzen muss.
Mein Kollege Dr. Robertz erläutert in den Sachteilen gut verständlich, wie es zu der jeweiligen Art von Jugendgewalt kommt, welche Ursachen und Hintergründe solche Taten haben, fernab der medenwirksamen Klischees und Vereinfachungen (das Buch hat mehr Tiefgang als sein Untertitel). Eingekleidet ist jedes Kapitel in eine fortlaufende Geschichte, die von einem solchen Gewaltvorfall aus der Sicht eines Jugendlichen erzählt.
Es freut uns besonders, mit Felix Mertikat einen begnadeten Illustrator für die Kapitelanfänge gefunden zu haben!
Interessierte sind herzlich eingeladen, unsere Lesung
am 18.10. um 19:30 in der Urania in Berlin zu besuchen!
Orte der Wirklichkeit. Über Gefahren in medialen Lebenswelten
Jugendlicher, Springer Medizin Verlag,
ist
diesmal eine Herausgeberarbeit, ebenfalls von Dr. Robertz und mir. Das
Buch erklärt allgemeinverständlich verschiedene Aspekte der Neuen
Medien, dargelegt von ausgewiesenen Fachleuten. Neben Kapiteln zu
Chancen und Gefahren der Neuen Medien finden sich auch solche von und zu
Kontrollinstitutionen: Sowohl die USK als auch die BPJM, aber auch
jugendschutz.net erläutern ihre Vorgehensweisen.
Neben der herausgeberischen Arbeit hat Dr. Robertz ein Kapitel über das moderne "Happy Slapping", ich eine Heranführung an das Thema geschrieben. Dazu gehört beispielsweise ein leichtverständlicher Abriss über Geschichte und Aufbau des Internet oder Vor- und Nachteile einzelner Kommunikationsformen, wie Blogs, E-Mail, Foren usw. Besonderen Spaß hat hier natürlich auch die Recherche im Spielebereich gemacht - das kleine Filmchen unten zeigt mit "Tennis for Two" das als das erste Computerspiel gehandelte Spiel, das sich ... ein wenig von aktuellen Varianten unterscheidet.
Wichtig war uns bei dem Vorhaben, analog zum "Riss in der Tafel" wieder Arbeits- und Merkblätter im Anhang für Schule und Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Denn nicht Kontrolle wird unseren Kindern den Umgang mit dem Internet beibringen, sondern Medienkompetenz. Und die zu lehren wird es höchste Zeit.
Details zu den Büchern: Siehe IGaK - Publikationen.
Robertz/Wickenhäuser: Kriegerträume. Warum unsere Kinder zu Gewalttätern werden, Herbig Verlag, München 2010
Robertz/Wickenhäuser: Orte der Wirklichkeit. Über Gefahren in medialen Lebenswelten Jugendlicher, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2010
Illustration "Gladiator": Felix Mertikat in "Kriegerträume"
Tennis for Two, gehandelt als das "erste Computerspiel".
03/08/10
Archiv der Jugendkulturen ruft zur Unterstützung einer Stiftungsgründung auf
Besonders beliebt sind seit jeher Kürzungen im sozialen Bereich. Wie wichtig aber gerade die Förderung sozialer Projekte gerade auf lange Sicht ist, auch für ein gutes und angenehmes Miteinander, zeigt beispielsweise die Veröffentlichung der Neuköllner Richterin Kirsten Heisig (über deren oft konjunktivlastige Inhalte man streiten kann, aber das ist hier nicht Thema).
Das Archiv der Jugendkulturen bietet einen Schatz an Archivmaterial und umfangreichen eigenen Publikationen zu den unterschiedlichsten Lebenswelten Jugendlicher. Damit liefert es einen kostbaren Grundstock für eben jene Arbeit, die (reale, "gefühlte" oder drohende) Zustände wie in "Das Ende der Geduld" geschildert verhindern oder zum Positiven hin verändern kann.
Nun möchte das Archiv eine Stiftung gründen, um seine Finanzierung zu sichern. Da ich bei der Zusammenarbeit für das neue Jugger-Buch sehr gute Erfahrungen mit dem Archiv gemacht und als Autor sehr fair behandelt wurde, möchte ich gern den Aufruf unterstützen und hiermit weitergeben. Und natürlich zu seiner Weiterverbreitung anregen:
→ Zum Stiftungsgründungs-Aufruf
|
"Jugend“ wird in unserem Land zunehmend als Risikofaktor gesehen, nicht als „unsere Zukunft“. Seit zwölf Jahren arbeitet das von mir 1998 gegründete Archiv der Jugendkulturen nunmehr schon als gemeinnütziger Verein mit dem Ziel, der oft einseitigen und stigmatisierenden öffentlichen Wahrnehmung differenzierte Informationen gegenüber zu stellen. Und das, obwohl wir bis heute keinen Cent Regelförderung erhalten. Die große Mehrzahl unserer derzeit 28 MitarbeiterInnen arbeitet ehrenamtlich. Ich finde, das ist durchaus eine Erfolgsgeschichte. Die Kehrseite: Immer wieder müssen MitarbeiterInnen sogar privat Gelder spenden, um die laufenden Kosten zu zahlen. Damit ist die Existenz dieser in Europa einmaligen Einrichtung in regelmäßigen Abständen akut gefährdet. Auf Dauer braucht eine derartige Einrichtung wenigstens eine Stelle und die Sicherung der Grundkosten. Deshalb gründen wir nun eine Stiftung. Sie soll das Überleben des Archiv der Jugendkulturen e. V. langfristig sichern – und vieles mehr (siehe unten). Doch dazu benötigen wir jetzt die Unterstützung all derjenigen, die unsere Einrichtung für erhaltenswert erachten – denn alleine schaffen wir es nicht. Wenn Sie es sich leisten können, können Sie uns direkt mit einer kleinen Spende helfen (es muss gar keine riesige Summe sein, auch viele 20-Euro-Spenden bringen uns zum Ziel und setzen vor allem ein motivierendes Signal!). Wir haben extra für diesen Zweck ein Spendenkonto eingerichtet. Details finden sich hier. Und: Wir bitten um Verbreitung des unten anhängenden Aufrufs (der seit dieser Woche auch online auf unserer Homepage http://www.jugendkulturen.de/ zu finden ist) über Ihre/Eure Netzwerke, im KollegInnen- und Bekanntenkreis! Selbstverständlich stehe ich jederzeit für weitere Informationen zur Verfügung. Und ich halte Sie gerne über den Erfolg unserer Aktion auf dem Laufenden – wenn Sie es möchten. Eine kurze Mail genügt.
Und natürlich stehen unsere Bibliothek und unsere
MitarbeiterInnen weiterhin für jegliche Recherchen von montags
bis freitags zwischen 10 und 18 Uhr (kostenlos) zur Verfügung. |
24/07/10
OpenOffice-Vergnügen im professionellen Einsatz
An sich bin ich mit OpenOffice als Texteditor sehr zufrieden. Auch seine anderen Module funktionieren prächtig. Und der Funktionsumfang in Version 3 ist vollkommen ausreichend, ja luxuriös.
Um so ärgerlicher ist es, wenn das Programm (immerhin wie gesagt mittlerweile in Version 3) grundlegende Fehler erzeugt, die das professionelle Arbeiten damit fast unmöglich machen. Gerade haben sich bei der Bearbeitung eines mäßig langen Textes (200 Seiten, keine besonderen Formatierungen aber einige Formatvorlagen, keine Bilder) nach dem Erhalt von markierten Änderungen eigene, neu eingefügte Änderungen nach dem Zufallsprinzip partiell "entmarkiert" - sie sind zwar noch vorhanden, aber die Auszeichnung als "Änderung" ist verschwunden. Und das kurz nachdem die Lektorin eines anderen Verlages sagte, sie verzichte auf diese Funktionen, weil häufig - auch unter M$ Word - Fehler aufträten. QED.
Außerdem versuchte OpenOffice beharrlich, das Dokument zuerst im "Weblayout" (wozu immer das in einem Textprogramm von Nutzen sein soll - fürs Web gibt es jEdit oder Dreamweaver) zu öffnen.
Ärgerliche Fehler an grundlegenden Funktionen: Auf die exakte Erhaltung der Texte und der Änderungsmarkierungen muß sich ein Autor absolut verlassen können. Schade. Vertrauen erweckt ein solches Verhalten nicht. Und der Bug Report von OOo ist einfach zu kryptisch organisiert.
Gute alte Zeit der Papierkorrekturen ...
Nachtrag: Es ist bei Massentext wirklich für die Füße. Jetzt stellt es Umlaute vor hereinkorrigierte Worte. Und die Suchen/Ersetzen-Funktion funktioniert nicht (re. sie übersieht Wörter in großen Dokumenten). Was für ein Mist.
Nachtrag II: Und jetzt zeigt er nicht mehr alle Kommentare an!
26/06/10
"Hungrig bleiben!?": Ein Theologe über das (letzte) Abendmahl und seinen Hintersinn - lesenswert!
Gewöhnlich bin ich an Theologie nicht besonders interessiert, außer
im historischen oder gesellschaftlichen Kontext. Aber das Buch über die
Frage der trennenden Wirkung des Abendmahls, das der Bamberger
Theologe und katholische Priester Prof. Joachim Kügler verfasst
hat, hat meine Aufmerksamkeit dann doch gefesselt. Schon die Person des
Autors ist faszinierend: Lehrstuhlinhaber der Neutestamentlichen
Wissenschaften der Universität Bamberg, war er sich nicht zu
schade, beispielsweise die Prieserweihe für Frauen zu fordern.
Selbstredend stieß er bei den Ultrakonservativen auf entsprechenden
Unmut.*
Und auch in diesem Buch - das sich immerhin mit einem Kernmerkmal
jeder katholischen Messe auseinandersetzt - wird rasch klar, daß es sich
bei ihm nicht um einen salbungsvollen, aber willenlosen Nachbeter und
Radfahrer handelt, sondern um einen kritischen Geist, der seine
wohluntermauerte Kritik an Herzstücken der katholischen Kirche anbringt.
Darüber hinaus mit viel Humor. So sind hier Textstellen zu lesen wie:
"Wir
wissen nicht, wie Jesus ausgesehen hat. Die meisten Darstellungen zeigen
ihn asketisch schlank. Vielleicht war er ja in Wirklichkeit eher etwas
mollig. Eine sehr ungewohnte Vorstellung [...] Jesus muss jedenfalls ein
Mensch gewesen sein, der gerne gegessen und getrunken hat." (S.
14)
Und als pure Häresie muß den Konservativen erscheinen, was er
an anderer Stelle schreibt:
"Wenn heute immernoch manche
Priester meinen, sie müssten die Wandlungsworte möglichst tief in den
Kelch hauchen, dann erscheint das aus der Perspektive des Neuen
Testaments und der Alten Kirche als ziemlich abgedreht. Es geht nicht
darum, dass der Wein auch hört, dass er sich jetzt verwandeln muss."
(S. 57 f.)
Schon der Untertitel muß konservativen Katholiken wie eine Herausforderung vorkommen: "Warum das Mahlsakrament trennt und wie man die Trennung überwinden könnte."
Doch Kügler geht es hier wie gesagt nicht um eine billige und heutzutage allzu beliebte Provokation um der Provokation willen - vielmehr greift er frontal Probleme in der Eucharistie selbst an, und tut dies nicht demagogisch oder gar polemisch, sondern mit stichhaltigen Argumenten. Aber eben mit einem beinahe schelmenhaften Humor, der die vorgeschobene Ernsthaftigkeit der Althergebrachten nur noch mehr entlarvt.
Insgesamt ein hochintelligent geschriebenes, sachlich-kritisches und dennoch sehr gut zu lesendes Buch über das hochsymbolische christliche Ritual.
Joachim Kügler: Hungrig bleiben. Warum das Mahlsakrament trennt und wie man die Trennung überwinden könnte, echter, Würzburg 2009 [ Leseprobe ]
*) Nachtrag: Der Vatikan hat die versuchte Ordinierung von Frauen zu einem der schwersten Verbrechen deklariert.
20/06/10
Uhus kleine Tipps für die eigene Lesung
Lesungen sind ein fester Bestandteil im Leben eines Autors. Da hohe
Vorschüsse eher unüblich sind und eher nur die großen Verlage
fünfstellige Summen zahlen, die dann aber zumeist auch passgenaue
Schreiberei haben wollen, hingegen kleinere Verlage sich am unteren Ende
der Vierstelligkeit bewegen, stellen Lesungen nicht nur ein Zubrot dar.
Sie sind vielmehr das eigentliche Honorar für die Arbeit an einem Buch.
Mit dem Buch wird also quasi erst die Möglichkeit zur Akquise von
Honoraren für dieses Buch geschaffen.
Darüber hinaus sind
Lesungen natürlich auch etwas ganz Besonderes. Immerhin präsentiert hier
der Autor oder die Autorin persönlich ihr Geschriebenes einer
Zuhörerschaft, darf mit Lob rechnen, muß aber auch erwarten, von einem
Erbsenzähler im Publikum gelöchert zu werden. Immerhin erlebt man hier
den eigenen Text hautnah sozusagen in freier Wildbahn. Und der per se
alltägliche einsame Akt des Schreibens wird nun von einem gemeinsamen
Erlebnis abgelöst. Plakate im Vorfeld oder Presseberichte im Nachgang
können eine schöne Bestätigung der eigenen Arbeit sein.
Gerade wer noch nie eine Lesung gehalten hat, wagt sich damit auf Neuland voller kleiner und großer Unbekannter. Wie wird die Veranstaltung besucht sein? Welcher Menschenschlag wird wohl anwesend sein? Wird man laut genug, flüssig genug, lange genug lesen können? Wie wird man vom Veranstalter betreut werden? Wird er einen nach der Lesung sitzen lassen, oder nach dem intensiven Erlebnis hinausbegleiten? Was tun, wenn ...?
Als ich 1997 meine erste Lesung hielt, hatte ich mich nur wenig darauf vorbereitet. Durch ein paar kleine Tricks gelang es mir, die Sache ganz gut über die Bühne zu bringen. Seither habe ich viele hundert Lesungen durchgeführt, vor allen Schularten und Altersgruppen, in Bibliotheken und Buchhandlungen, vor gespanntem über lethargisches (auch scheintotes darunter) bis hin zu quirligem Publikum. Gern teile ich meine Erfahrung - aber ausgelernt habe ich noch lange nicht ... Ganz egal, wie viele ich noch halten werde: Jene erste Lesung damals werde ich gewiß nie vergessen, denn es war immerhin das erste Mal. Und allein wegen dieser Erinnerung sollte das erste Mal nicht völlig danebengehen. Daher finden sich nun ein paar Tipps aus meiner Praxis, die zum Gelingen der Veranstaltung beitragen können, auf ⇒ Uhus Nest. Auch für jene, die nicht einem Mittelsmann ("Agent") ein Fünftel ihrer Einnahmen für marginale Organisationsbeschäftigung in den Rachen werfen wollen.
Das allerwichtigste ist aber immer: Locker bleiben. Es ist keine Prüfung - Sie sind der Autor, die Leute wollen Sie hören, Sie lenken die Veranstaltung und werden sie nicht enttäuschen. Und letztenendes ist es nur eine Lesung! Mit der Einstellung kann schon fast nichts mehr schiefgehen.
19/06/10
José Saramago: In Gedenken an einen großartigen Autor
In Zeiten der marketinggerechten Popliteratürchen, der lexikalisch aufgepeppten Bildungswälzerlein und lesergerechten Romänchen mit möglichst wohlfeiler politischer Aussagekraft ist der Tod eines Großen unter den Literaten ein unschätzbarer Verlust. Und sein Tod ist eine Verpflichtung an seine Berufskollegen, sich ihrer Verantwortung zu erinnern: Der politisch-gesellschaftlichen Verantwortung, die ein Schriftsteller durch die inhärente Freiheit seines Tuns trägt. Keiner behaupte, diese Freiheit gäbe es nicht: Das opportunistische Greifen nach den Sternen im Namen einer extrem kurzlebigen Vermarktungs-Unkultur ist velleicht verständlich, aber letztlich eben nur opportunistisches Wegschieben dieser Verantwortung zugunsten höherer Vorschüsse und theoretischer oder praktischer Verkaufschancen. Freiheit muß erkämpft werden, gerade in einem Literaturbetrieb, der gern clownesk anmutet und so oft dem scheinseriösen und selbstgefälligen Klamauk anheimfällt. Selbstinszenierungen wie Stirnritzung und Wasserglaswerferei gehören auf die Bühne oder in die Politik.
José Saramago war zeitlebens kein
Opportunist. Für seine politischen Überzeugungen stand er ein,
vor allem aber war er ein unvergleichlicher Autor, der zu Recht
in einer Reihe mit Grass steht (und ihn nach meinem Befinden
übertrifft) - sein Schreibstil ist wie ein Rausch, der sich aber
dem Leser nicht billig hingibt. Vielmehr fordert er die Hingabe
des Lesers ein, um sie dann um so intensiver zu belohnen, ganz
ohne den so modernen überflüssigen Zierrat ausufernder
Kulissenbeschreibungen, ganz auf die Sache konzentriert.
Saramago war ein Kämpfer, wie es nur
wenige gibt. Er bleibt eines der wahren Vorbilder. Für
Menschlichkeit und den Mut, für diese zu streiten. Möge sein
Werk Literaten anregen, in gleicher unhysterischer, aber um so
schärferer Form die Gesellschaft an ihre Schwächen zu erinnern
und vor kleingeredeten Fallstricken zu warnen. |
03/06/10
14/04/10
Indianer - Seiten in neuem Gewande
Endlich sind nun auch die
Webseiten zu den Büchern "Indianer-Leben.
Eine Werkstatt" und "Indianer-Spiele"
passend zu den anderen Seiten von Uhus
Nest neu gestaltet. Sie bestanden bislang in einem sehr abgespeckten
Layout.
Hier und da ist noch ein wenig Feinschliff vonnöten, aber
im Großen und Ganzen steht die Seite. Die Erfahrungsberichte vom
damaligen Lakotaaustausch sind nun auf
einer Seite versammelt. Gleiches gilt für die Spielanleitungen wie
"Die Bisonjagd" oder "Bool-ik: Ein Kriegszug als Brettspiel" und die
Ergänzungen zu den Arbeitsblättern der Werkstatt (wie "Das große
Naschen") zum Download
als PDF.
Viel Vergnügen und auf spärliche Guru
Meditation Errors!
31/03/10
Titel beim Sir-Walter-Scott-Preis
Die Titelliste des Sir Walter Scott-Preises liest sich wahrlich unterhaltsam. "Die Falkenbändigerin" wird beim nächsten Preis rocken, das ist schonmal klar:
„Hexenschwester“, „Die Zarentochter“, „Freyas Fluch“, „Die falsche Herrin“, „Die Braut aus Byzanz", „Die hässlichste Frau der Welt“, „Die Henkerstochter und der schwarze Mönch“, „Amélie und die Botschaft des Medaillons“, „Die Porzellanmalerin“, „Die Schmetterlingsjägerin“, „Die Kalligraphin“, „Die geheime Tochter“, „Das Geheimnis der Alchimistin“, "Die Welfenkaiserin", "Die Malerin des Feuersturms", "Die Fehde der Königinnen", "Die Bastardin", "Die Lebküchnerin", "Das Halsband der Königin von Saba", „Die Kinder der Meerfrau“, „Die irische Rebellin“, „Die Hure und der Henker“, „John Quentin –Kampf um Malta“, „Die Tochter des Tuchhändlers“, „Die Malerin von Fontainebleau“, „Der Eid der Seherin“, „Der Stern der Theophanu“, „Die Tuchhändlerin von Köln“, „Luise, Königin aus Liebe“, „Die Druidin“ (passend zu "Der Druidenkrieger"), „Die Sionin“, „Die Gottessucherin“, „Die Bernsteinsammlerin“, „Die Schaustellerin“, „Der Löwe und die Königin“, „Die Liebe des Wanderchirurgen“, "Die Närrin des Königs", „Herrin der Zeit“, „Das Mädchen und der schwarze Tod“, „Lichtermagd“
Und wenn "Die Falkenbändigerin" nicht das
Rennen macht, dann aber "Die
elfte Pferdin"!
Verzeiht, liebe Kolleginnen und
Kollegen, deren Arbeit ich im Ernst wirklich achte und respektiere -
aber ich konnte bei dieser Liste von Titeln nicht an mich halten. Das
ist halt leider eine Nebenwirkung unseres großherrlich und abgrundtief
weisen Verlagsmarketings ... ich probiere das jetzt auch mal aus.
Verkäufe ankurbeln und so.
25/03/10
Der Mittelalter-Rechner
Wer sich nicht mit Taschenrechner und Buch über historische Maße (wie bei Reclam erhältlich) hinsetzen möchte, um Maße aus der Vergangenheit zu berechnen, der kann sich jetzt schnell und einfach in Kollegen Alfs Mittelalter-Rechner-Projekt bedienen. Damit hat er sich mutig an eine der wohl komplexesten und schwierigsten Fragen der Geschichtswissenschaft gewagt.
Das Projekt könnte in der Hinsicht ein wenig irreführend sein, als
es oft – aber nicht immer – schlicht keine einheitlichen Maße gegeben
hat; eine Elle hier ist von anderer Länge als eine Elle dort, zu dieser
anders als zu jener Zeit. Gerecht wird der Rechner diesem Umstand
immerhin dadurch, daß es eine örtliche Differenzierung gibt,
beispielsweise Augsburger und Erfurter Ellen. Da kann ja noch eine
zeitliche hinzukommen.
Doch exakt wird sich die Vergangenheit auch bei feineren Rastern nie
"vermessen" lassen; eher wird die Verführungskraft steigen, zu glauben,
man wüsste jetzt genau was wann wo wie lang gewesen ist. Findet sich
beispielsweise im Museum Haithabu die Angabe, ein Gramm Silber
entspräche 10 Hühnern, so wäre es moderner Irrtum, dies als festen Preis
der Wikingerzeit anzusehen. Es kann höchstens eine Faustregel sein, die
je nach Handelskunst, Zeit, Ort und Genauigkeit der Waagen variiert. Von
der Umrechnung von Währungen und Edelmetallen ganz zu schweigen.
Teilweise
Ausnahmen sind natürlich jene Maße, die in Urkunden und Kodices
niedergelegt sind oder in hochorganisierten Gemeinschaften verwendet
wurden. Nein, in der Geschichtswissenschaft gibt es nur selten einfache
Lösungen ...
Der Rechner ist aber auf jeden Fall eine gute Idee für einen Einblick und teilweise sehr hilfreich - und ohnehin außerordentlich lobenswert, da ehrenamtlich erstellt. Solange man es also nicht in guter deutscher Tradition als "Fakt" ansieht und als Ausrede für den Verzicht auf eigene Recherche nimmt, ist er eine Bereicherung. Man beherze Alfs Zusatz:
"Diese Site [sic] ist ein lebendes, wachsendes Projekt. Ziel ist es, sie langfristig auszubauen, zu verbessern und zu erweitern. Es werden bereits jetzt umfassende Möglichkeiten geboten, diverse Um- und Berechnungen durchzuführen, aber der Anspruch auf eine nicht mehr zu optimierende, wissenschaftlich fehlerfreie Universallösung kann und wird natürlich nicht erhoben."
Wer etwas daran auszusetzen hat, kann sich zudem konstruktiv einbringen, denn das Projekt soll ja noch wachsen: "Nicht meckern, sondern mailen!"
Hier ist er: Der Mittelalter-Rechner.
17/03/10
01/03/10
18/02/10
DIE ZEIT vom Wasserglas getroffen
Faszinierend. Irgendwie hat Die Zeit es geschafft, mitten im Winter mit einem Sommerloch unerhörten Ausmaßes zu kämpfen.
Wie sonst ist der aktuelle Titel erklärbar? Von einem sogenannten "Popliteraten" - seinerzeit jung, männlich, fesch - wird kolportiert, er habe seine Bekanntheit unter anderem darauf begründet, ein Wasserglas während einer Talk-Show durchs Bild geworfen zu haben. Nun hat es auch jenes Blatt erwischt, das sich sonst so seriös und gediegen gibt: Als gäbe es derzeit nichts Wichtigeres am Firmament, titelt sie über eine Autorin - jung, weiblich, fesch -, die irgendetwas abgeschrieben hat, und widmet ihr portraitbildreich Seiten über Seiten.
Als Kollege Böhmert in seinem Weblog darüber berichtete, hatte ich das als uninteressante Nebensächlichkeit verbucht - und jetzt muß ich diesen Blödsinn, in seinem Sinne gar stinkenden Blödsinn, in meinem Briefkasten vorfinden.
Die Abonnementskündigung ist in der Post.
Nachtrag ... wie kann man nur, wie kann man sich nur entblöden, diese Dame in eine Reihe zu stellen mit Berthold Brecht und anderen Geistesgrößen? Ich fasse diesen pseudointellektuellen Amoklauf immernoch nicht. Chapeau, das Marketing hat mal wieder voll funktioniert, hoch lebe Pawlow!
11/02/10
Erschienen: Werwolf Peter Stubbe
Gerade sind die Belegexemplare von "Die
Seele des Wolfes. Der zweifelhafte Ruhm des Peter Stubbe"
eingetroffen (siehe auch die Ankündigung hier
im Weblog).
Eine knappe
Leseprobe sowie ein paar Worte zum historischen
Hintergund und zum
Roman finden sich in Uhus
Nest. Und eine Leseprobe
als mp3 steht ebenfalls zum Anhören bereit. Natürlich können auch Lesungen
mit dem Autor aus Fleisch und Blut veranstaltet werden. Rahmenprogramm
ist in Arbeit. Der Roman ist der erste aus meiner Feder für Erwachsene
und definitiv nichts für Kinder.
Übrigens: Der
Filmstart von "Wolfman
- Ein Mythos erwacht zum Leben" ist Zufall, von dem ich letzte
Woche erfuhr; kein stratgisches "Produktplatzieren" oder dergleichen
Possen.
Und noch ein Hinweis: Wer Autoren unterstützen
will, kauft nicht bei bekannten Online-Buchhändlern, da diese enorme
Rabatte von den Verlagen verlangen (was die ohnehin nicht gerade
übermäßigen Tantiemen direkt weiter schmälert), sondern beim Buchhändler
seines Vertrauens.
Die Seele des Wolfes. Der zweifelhafte Ruhm des Peter Stubbe, 412 S., Pb, Abb., Gmeiner Verlag, Meßkirch 2010, ISBN 9-783839-210383
27/01/10
Die Kehrseite der umfassenden Nebenrechtsausnutzung: Komplette Buchteile als PDF auf Uniservern
Verlage sichern sich derzeit oft ultimativ in ihren Verträgen auch die Nutzung der Nebenrechte im digitalen Bereich. Sprich, das Buch wird nicht nur gedruckt, sondern "weil man mit der Zeit gehen muß" auch als PDF zum kostenpflichtigen Download angeboten.
Dumm nur, daß es dann um so leichter fällt, diese Bücher auch ganz öffentlich anzubieten. Und das nicht von "bösen" Filesharern und Piraten, sondern beispielsweise auch von Institutionen wie der Universität München. Die erlaubte sich, den Anhang mit den Arbeitsblättern unseres Buches "Der Riss in der Tafel" als PDF zum freien Download zur Verfügung zustellen.
Ich bin wahrlich kein Freund der ganzen Erklärungen zum Thema des sog. "Urheberrechts", die oft eher für mangelnde Kompetenz seitens der Unterzeichner sprechen. Aber solch ein grober Verstoß geht nicht. Das wird der Verlag der Uni jetzt wohl erklären.
Nachtrag: Die Uni hat sich entschuldigt und will die Daten vom Server löschen.
08/01/10
Das Internationale Büro für Klimaregulierung, 1951-2003
"Das Internationale Büro für Klimaregulierung ging [...] zum Frontalangriff gegen den Hauptfeind der Menschheit über, gegen die Kälte [...] Als Hunderte Meter starker Panzer bedeckte das ewige Eis die Arktis - den sechsten Teil der Erde [...] Dieser Eispanzer sollte für immer verschwinden. [...] Um dieses Ziel zu erreichen, war es erforderlich, riesige Flächen der Ozeane und der Kontinente zu erwärmen und tausende Kubikkilometer Eis zu schmelzen." - Lem, Die Astronauten, Suhrkamp 1978 (© Lem 1951), S. 23
Auf seine ganz eigene Weise sollte der Visionär Lem Recht behalten, wenn auch ganz ohne Atomsonnen. Einzig bleibt unwahrscheinlich, daß wir durch den Klimawandel auf ein Spulen-Logbuch von Außerirdischen stoßen. Im Übrigen eine schöne Sammelbezeichnung, IBfK ...
30/12/09
Ein Werwolfeken wird kommen ...
[Hörprobe
als mp3] [Buchvorstellung]
In eigener Sache passend zum demnächst-Vollmond und Jahreswechsel:
Für Februar ist das Erscheinen eines historischen Werwolf-Buches von mir
angekündigt, Die
Seele des Wolfes. Der zweifelhafte Ruhm des Peter Stubbe,
Gmeiner-Verlag 2010.
Eine Serie grausamer Morde erschüttert in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Umgebung von Köln. Als ein Opfer mit herausgerissener Kehle gefunden wird und wenig später weitere Menschen auf ähnliche Weise ermordet werden, macht bald das Gerücht von einem Werwolf die Runde. Für einen Grafen, dessen Gegenreformation unter den störrischen Protestanten nicht so recht an Schwung gewinnen will, kommt dieser Wolf wie gerufen.
Der Fall des als Werwolf verurteilten Bauern und vermutlich lokal führenden Protestanten Peter Stubbe machte über Flugschriften die Runde bis nach London und in die Niederlande. Überliefert ist er neben diesen Drucken auch beispielsweise recht ausführlich im Tagebuch des Kölner Ratsherren Hermann Weinsberg (für eine Transkription siehe das DFG-Projekt der Uni Bonn), der dort sehr sachlich knapp schrieb und wenig an Gerüchten und Sensationen interessiert war. Durchaus bezeichnend sein Ausspruch:
"Aber das alles war sei, was man vom zaubern sagt, dreumt und
nachswetzst, das kan ich nit all gleuben. [...] Wer weis, ob es
versclach, bedroch, inbildung sei? Ich lais heimlich, verborgen dingen
gode, dem nitzs verborgen, richten." -- Hermann Weinsberg, Lib.
dec. 151'
Im Falle der nun erscheinenden belletristischen Interpretation geht es
weniger um die sattsam thematisierten Hintergründe des Glaubenskampfes,
als um einen Serienmörder, seine Psyche und die Instrumentalisierung
seiner Taten in diesen außerordentlich unruhigen Zeiten kurz vor Beginn
des 30jährigen Krieges. Da viele Taten "durch die Augen" des Mörders
stattfinden, ist das Buch wohl streckenweise nicht gerade etwas für
empfindliche Gemüter.
Besonderen Dank schulde ich Dr.
Frank Robertz für seine Expertise über Serienmörder und deren Psyche
(siehe z. B. seine Publikation "Serienmord")
sowie das fröhliche gemeinsame Serienmördersuchen, sowie Peter Kremer
für Hintergrundinformationen für die Initialrecherche zum Falle Stubbe
(siehe sein unterhaltsames Buch "Wo
das Grauen lauert"). Auch dem Verlag gebührt Dank dafür, daß er kein
08/15 Frauengemäldeausschnitts-Titelbild und vor allem keinen "Die
...in des ...s"-Titel aufgezwungen hat.
Und natürlich kann es vorbestellt werden, beispielsweise bei libri oder bol. Und natürlich beim bekannten Online-Riesenbuchhändler. Oder, noch viel besser, in der gut sortierten Buchhandlung um die Ecke ...
Lesungen
sind selbstverständlich ab Februar möglich. Bitte wenden Sie sich an den
Verlag, damit der die Termine kooridieren kann. Ob sie in
werwolfsangemessener Atmosphäre stattfinden werden, erwäge ich noch.
PS. Ich erlaube mir freundlichst auf meine Haltung zu Rezensionen bei Amazon und dergleichen hinweisen.
16/11/09
Historica 2009 von Quo vadis: Über 300 Gäste, größte Lesenacht seit Gründung
Am vergangenen Wochenende fand die Historica 2009 des Autorenkreises
Historischer Roman Quo vadis im Schloss von Hamburg-Bergedorf statt.
Es war die am besten besuchte Veranstaltung seit Gründung des
Autorenkreises 2002; auf der Lesenacht lasen 30 Autorinnen und Autoren
in vier Sälen (Flyer,
PDF), die stets gut gefüllt - bis überfüllt - waren. In den Pausen
unterhielt ein Lautenspieler die Gäste, die sich im wunderschönen Hof
des Schlosses tummelten.
Zuvor gab es am Samstag eine
Podiumsdiskussion mit einer Journalistin des NDR, einer Agentin, einer
Lektorin des S. Fischer Verlags und zwei Autoren, die sich mit der Frage
nach der Etikettierung von Historischen Romanen befasste. Sie war
hochkarätig und informativ, auf sie wird auf der nächsten Historica -
dann hoffentlich auch mit einem Vertreter des "Hochfeuilletons" -
aufgebaut werden können. Ein ausführlicher Bericht findet
sich bei Quo vadis. Ebenso ist das Weblog
Itinerarium des Kreises wieder zum Leben erwacht und dank der Pflege
durch Alessa
recht munter, auch dort
findet sich ein Bericht!
Lautenspieler Ludmillus
spielt zur Erquickung der Gäste
Ein weiterer Höhepunkt stellte die Fechtvorführung von zwei Vertretern von Hammaborg dar, die die alten Fechtbücher der frühen Neuzeit (nicht "Mittelalter") in der Praxis umsetzen. Einer der beiden Fechter ist auch Autor einer Fechtbuchrezeption für den historischen Fechtlkampf. Da es sich nicht um Reenactment handelt, traten die beiden Darsteller in moderner Sportfechtausrüstung auf und erklärten den historischen Hintergrund ihrer Fechtbewegungen. Die beiden kamen sehr spontan, da erst am Vorabend nach einem Ersatz der kurzfristig krankheitsbedingt Verhinderten gesucht werden konnte.
Ein ganz besonderer Dank gilt zum einen dem Freund und Kollegen Jörgen Bracker, ehemaliger Direktor des Museums für Hamburgische Geschichte und somit ehemaliger Hausherr auch dieses Schlosses, zum anderen dem Museumsleiter des Schlosses Bergedorf, ohne deren großen Einsatz die Historica so nicht zustandegekommen wäre. Auch das ehrenamtliche Engagement zahlreicher Mitglieder des Autorenkreises gilt es zu würdigen (sie bekommen dafür übrigens keine Millionenabfindungen). Design der Flyer und Plakate, Webseite, Akquise, Organisation, Telefonate, all das kostet unbezahlte Zeit und Herzblut. Und auch und besonders diesmal hat sie sich wahrlich gelohnt. Herzlichen Dank dafür!
Allerbeste: Ein Uhu wacht über die Besucher.
Übrigens diskutieren die erhabenen Hamburger Kulturpolitiker derzeit über die Schließung des Schlosses, da Kultur einfach zu teuer ist, wenn man Banken und ihre Manager retten sowie US-Konzerne finanzieren muß. Da ist es doch wirklich verständlich, daß so ein alter Haufen Steine nicht noch zwei Euro mehr verschlingen darf, wenn es um Milliarden geht. Und Kulturlosigkeit ist ohnehin erstrebenswerte Staatsraison, lassen sich doch dumme Kälbe leichter zur Schlachtbank führen als kluge. Historisches Bewusstwein ruft auch unangenehm ins Gedächtnis, daß unsere Vorväter für Freiheit und Demokratie kämpfen und große Opfer bringen mußten, die uns in die Pflicht nehmen. Aber genug davon.
Zuguterletzt: Das reiche Bergedorf wird von privatem Sicherheitsdienst, Zitat, "überwacht". Die Überwachungsgesellschaft ist weiter gediehen, als wir es oft wahrhaben wollen.
03/11/09
Der gute Ritter: Hör-Erzählung bei Jokers
Nach "Der schlechtberatene König" ist bei Jokers Historica eine neue Kurzgeschichte zum kostenlosen Download und Anhören von mir erschienen: "Der gute Ritter".
Hier geht es jedoch nicht um das bunte Mittelalter, sondern um eine der Wurzeln der Rassenideologie, die romantischen Strömungen der Jahrhundertwende nämlich. Das Hinterhältige am Thema ist, daß durchaus auch wohlmeinende und menschenfreundliche Personen zu Vorkämpfern und akademischen Fundamentgießern der Ideologie wurden. Menschen, die tatsächlich Gutes bewirken wollten oder in Romantik verfangen blind für die Folgen ihres Tuns gewesen sind. Rassenforschung war damals keine Pseudowissenschaft, wie es heute gern in unangebrachter Herablassung behauptet wird, sondern eine international anerkannte Wissenschaft. Im Übrigen eine, zu der die Mainzer Lehrstuhlinhaberin Ilse Schwidetzky noch bis Ende der 70er Jahre Rassenkunde-Untersuchungen und Fachbücher veröffentlichte, darunter "Rassen und Rassebildung beim Menschen" im renommierten Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1979. Es handelt sich also keinesfalls um ein vergangenes Thema.
Noch 2004 tat ein öffentlich-rechtlicher Sender so, als messe augenscheinlich eine Anthropologin der Universität Giessen mit Tasterzirkeln die Rassenanteile von Passanten (siehe auch dort ihre Antwort auf meine Nachfrage), und eine Lehramtsstudentin (!) verbreitete auf Literatur der 20er und 30er Jahre zurückzuführendes rassistisches Gedankengut auf den Servern der Uni Heidelberg. Und auch die aktuellen Schlagworte des "Gebärens von Kopftuchmädchen" erinnert an manche Statistik aus der Rassenhygiene; und ob es zu rassenhygienisch anmutenden Debatten im Rahmen der Finanzierung des Gesundheitssystems kommt wird sich zu erweisen haben. In denen ging es auch früher zunächst weniger um Menschenrassen als um die Unkosten durch Gebrechliche, bis dann auch die Rasse in jene Diskussionen einfloß.
Gibt es nun verschiedene Menschenrassen?
Nein. Gemäß
biologischer Systematik ist der Mensch als Gattung Homo, Art sapiens
und die eine Unterart (=Rasse) sapiens verortet.
Auch wenn
nach streng biologischen Kriterien das Taxon der geographischen Rasse
durchaus verschiedenartig ausfallen könnte, tut es dies doch nicht,
schon da die genetischen Unterschiede (wie z. B. Hautfarbe) zwischen
einzelnen Gruppen minimal sind, die Varianz innerhalb einer Gruppe
hingegen sogar größer sein kann als zwischen den Gruppen.
Was leicht vergessen werden kann, ist der Umstand, daß eine Rasse durch einen Idealtypus definiert wird, der in der Realität aber nicht erreicht wird. Da biologische Rassen untereinander fortpflanzungsfähig sind, bleibt es der reinen Willkür überlassen, wo man die Grenze zwischen der einen und der anderen Rasse ziehen möchte, und ab wann man überhaupt eine neue Rasse benennt. Man sehe sich nur die Diskussion um verschiedene Greifvogelarten an (und das ist ein weit klareres Taxon als die Unterart, da eine Art theoretisch eine geschlossene Fortpflanzungsgemeinschaft bildet), wo die Untersuchenden selber nicht genau besagen können, ob zwei Arten wirklich zwei Arten sind oder eigentlich zu einer Art gehören. Oder gar die Frage um die Schneeule, die mit Nyctea eine eigene Gattung (noch eindeutiger als die Art) bildete und nun eher zur Gattung der Uhus, Bubo, gezählt wird.
juv. Schneeule, juv. sibirischer
Uhu. Fotos: Sabrina/RW, Freie Falkner
Hinzu kommt, daß der Rassebegriff derart belastet ist und derart zu Klassifizierung und Stigmatisierung einlädt, daß der minimale, angesichts der globalen Wanderleidenschaft ohnehin kaum anwendbare und allzu verschwommene biologisch-systematische Vorteil gegenüber den alles überragenden und, wie die Geschichte erwiesen hat, extrem menschenfeindlichen Nachteilen in keinem Verhältnis steht. Daher ist eine Rasseeinteilung des Menschen absolut und rundweg abzulehnen.
Am Rande: Die Schautafel, die der Dozent über Rassenhygiene anführt, ist per se fiktiv, beruht aber auf einem Vorbild, das in der Zeitschrift "Volk und Rasse" 1933 veröffentlicht wurde. Als solches ist die Verwendung vergleichbarer Schautafeln schon lange vor dem Nationalsozialismus usus gewesen.
Entnommen aus: Zeitschrift "Volk und Rasse". In: Wickenhäuser, Rassenkunde und Nationalsozialismus. Die Rolle der Anthropologie bei der Popularisierung der NS-Ideologie (Magisterarbeit), Historisches Seminar der Universität Mainz 2000, S. 95
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of course, if the context is correct; as for nc, just contact me
if the question should arise.
29/10/09
"Sprach-Asthma" auf den Punkt gebracht
... und zwar am Beispiel vom Spiegel (ein dankbares Opfer in dieser Hinsicht) bei Burks' Blog:
"'Kinder fangen immer früher an. Mit den Drogen. Mit der Gewalt. Und mit den Handys', schreibt Spiegel Offline. (...) Vor langer, langer Zeit gab es einen Herrn Goethe. (...) Er sagte zum Beispiel: 'Wir erschrecken über unsere eigenen Sünden, wenn wir sie an anderen erblicken.' Er schrieb nicht: 'Wir erschrecken über unsere eigenen Sünden. Wenn wir sie an anderen erblicken.' Warum wohl? Ganz einfach: Er litt nicht an Sprachasthma. Das ist eine Krankheit, die vor allem Journalisten befällt."
Allerdings könnte man noch hinzufügen, daß die unablässige Knechtung des Gedankenstrichs als Prellbock nun auch nicht sehr nett ist. In sofern ist die vorgeschlagene Alternative "Kinder fangen immer früher an: mit den Drogen, mit der Gewalt – und mit den Handys" nicht unbedingt optimal. Darin tut sich wiederum die ZEIT gern hervor. Aber da hat wohl jeder seine Schwäche, in meinem Falle mit dem wunderbaren halb-pausierenden Semikolon.
In other news: TamB gibt es nun in Beta 5, Bob bleibt dran.
09/10/09
Kleiner Hör-Bonbon: Der schlechtberatene König
Zum Wochenende eins auf die Ohren: Bei Jokers gibt es seit einiger Zeit neben Krimis auch historische Hör-Kurzgeschichten zum kostenlosen Anhören und Herunterladen. Auch ich hatte nun die Gelegenheit, dafür zu schreiben: "Der schlechtberatene König", zeitlich angelehnt an "Die Drachen kommen" von 2000.
Köng Æþelred (manchmal auch: Æþelræd) II. Unræd von England herrschte mit Unterbrechung von 979 bis 1016. Dieser König ist eine historisch sehr spannende Figur. Denn einerseits übte er mit insgesamt 36/37 Jahren eine sehr lange die Herrschaft aus, baute eine Flotte, die der Überlieferung nach eine der größten ihrer Zeit gewesen sein soll, und kann eigentlich als ein durchaus fähiger König bewertet werden. Seine auch als fruchtbar und umsichtig beurteilte Politik (Campbell), bei der er nicht davor zurückschrak, neue Wege zu beschreiten, sollte allerdings überwiegend erst nach seinem Tod Früchte tragen und konnte nicht verhindern, daß er bei der Nachwelt in schlechtem Ruf stehen sollte.
Æþelred trat ein schweres Erbe an, darüber hinaus in einer Zeit, die von Wikingerüberfällen gezeichnet war. Bezeichnend ist, daß seine große Flotte nicht auslief, als es Not tat. Und liest man die negativ parteiliche Anglo-Saxon Chronicle, dann stellt sich seine Herrschaft als gezeichnet dar durch Verrat und Intrigen in den eigenen Reihen sowie erhebliche finanzielle Belastung durch wiederholte Zahlungen von "Danegeld", dem Erkaufen von Frieden. In sofern ist der Beiname "Unræd" nicht unpassend, bedeutet er doch "der Schlechtberatene". König Æþelræd hat auch heute noch in der geschichtswissenschaftlichen Diskussion in England seinen Reiz als spannende und umstrittene Persönlichkeit nicht verloren.
Photo mit freundlicher Genehmigung von S.
Fryers, auf flickr
Nachtrag: Daß der Titel beim Autorennamen steht, hatte ich eigentlich nicht beabsichtigt ... unpassend.
29/09/09
HISTORICA 2009 im Schloß Bergedorf bei Hamburg
Das diesjährige Jahrestreffen des Autorenkreises Historischer Roman Quo
vadis "Historica" findet vom 13.-15. November 2009
in einem besonders passenden Rahmen statt: im Schloß Bergedorf bei
Hamburg. Als einer der beiden Gründungsväter von Quo vadis bin ich auch
dieses Jahr wieder sehr gespannt darauf, und zu meiner Freude wächst und
gedeiht es von Jahr zu Jahr.
Schon im Vorfeld gibt es Lesungen von namhaften Autoren an verschiedenen Orten in Bergedorf, der Kurzgeschichtenpreis 2009 wird verliehen, wir laden zu einer Posiumsdiskussion ein und als Höhepunkt tragen 30 Autoren in der traditionellen, gemeinsamen Lesenacht Ausschnitte aus ihren Werken vor. Das Abendprogramm mit allen lesenden Autoren und ihren Werken ist als PDF hier zu finden, eine Übersicht findet sich auf der Webseite des Autorenkreises.
Ein Programmpunkt der besonderen Art ist die Podiumsdiskussion am 14.11.09 um 15.00 Uhr, die sich mit den Fragen auseinandersetzt: "Warum haben historische Romane, besonders solche mit weiblichen Hauptpersonen, trotz Beliebtheit beim Publikum einen so schlechten Ruf, werden generalisierend als Schund abgetan, vom Feuilleton ignoriert? Wie wird der historische Roman von der Öffentlichkeit, den Leserinnen und Lesern wahrgenommen?" Na wenn das kein Feld für Die elfte Pferdin ist ...
Puppenspielerin und Autorin Maren Winter, die auch die QV-Webseiten designte, gestaltete die Ankündigung Treffens, wie immer ehrenamtlich.
24/09/09
Der Eid der Kreuzritterin
Was für ein erbärmlicher Titel. Liebe Kolleginnen und Kollegen, laßt Euch doch von den Kaffeesatzlesern der Verlage nicht so abgrundtief erniedrigen.
Zu einer solchen Titelei kriegen mich keine zehn Pferde. Deswegen nun endlich die Weltpremiere des lang erwarteten und selbstverständlich unglaublich authentischen Historischen Romans voller Liebe, Hass, Blut, Tränen und Tragik:
"Das Beste, was ich seit Tolkien gelesen habe." - Mary Room Brandy
"Der Name der Rose ist Altpapier dagegen." - Veri Berummt
"Historisches Frauenschicksal authentisch bis in die Zehennägel." - U.S. Nonamian Post
Nachtrag: Da eine Kollegin sich gerade danach erkundigt hat: Selbstverständlich ist eine Fortsetzung dieses Erfolgsromans bereit ins Arbeit. Der Titel steht schon: "Die Schimmelin des Papstes".
P.S. Dies richtet sich nicht gegen Kolleginnen und Kollegen, schon gar nicht gegen Einzelne - auch nicht gegen die Autorin des Überschrift-Buchtitels - sondern gegen die Praxis unserer geliebten Verlage. Gegen die aber auch die Autorinnen und Autoren selber sich wehren müßten, hießen sie sie nicht gut.
21/09/09
Neue Lesungen im Angebot
In eigener Sache: Die Lese-Infomappe
(PDF) ist auch anläßlich der Neuauflage des renommierten (papiernen) Bödecker-Autorenverzeichnisses
frisch aktualisiert. Einige Veranstaltungen sind ausgedünnt worden,
dafür ein paar weitere dazugekommen:
- Für Erwachsene biete ich nun Lesungen aus "Die Seele des Wolfes. Der zweifelhafte Ruhm des Peter Stubbe" an, ein historischer Roman, der im Frühjahr 2010 im Gmeiner-Verlag erscheint. Vorbild ist der Fall des Peter Stubbe, der am Reformationstag 1589 nahe Bedburg bei Köln als Werwolf hingerichtet worden ist.
- Ebenfalls für Erwachsene sowie für die Oberstufe Geschichte und Biologie steht der Doppelvortrag zur Geschichte der Falknerei und zu Grundlagen der Systematik falknerisch relevanter Greifvögel. Diesen halte ich auf dem Falkner-Lehrgang der Falknerei Burg Rabenstein diesen Jahres.
21/07/09
"Indianer-Spiele": Book on Demand kann sich lohnen ...
Nachdem "Indianer-Spiele"
im Verlag an der Ruhr ausgelaufen war, entschied ich mich dazu, es
selbst via Print on Demand neu herauszubringen. Zu Print on
Demand-Möglichkeiten hatte ich im
Literaturcafe bereits einen Erfahrungsbericht verfasst.
Dafür,
daß man nach der Abgabe die Sache so vor sich hin laufen lassen kann,
lohnt sie sich durchaus ein wenig: Immerhin haben sich knappe 30
Exemplare allein zwischen April und Ende Juni verkauft. Keine großen
Sprünge, bedenkt man die Bereitstellungsgebühren, aber das Buch ist
weiterhin lieferbar, hat sogar eine Farbseite (in diesem Falle
allerdings nur für die Vorstellung eines anderen Buches) und man kann
davon sogar gelegentlich Pompfenbaumaterial kaufen. Nett!
3
Beispielseiten (siehe auch Neue
ABs) - Inhaltsverzeichnis
»» Bestellen!
20/07/09
Bühnenkehrer und Fortsetzungsroman online
Frank Böhmert, Übersetzer und nebenher der Autor sowohl zweier
Perry-Rhodan-Bücher im Heyne-Verlag (Die
Sternenhorcher, Die
Traumkapseln, Die
Psi-Fabrik) und als Gastautor eines Rhodan-Hefts (Die
Ratten der Jersey City), hat auf dem diesjährigen Burg
Herzberg-Fesitval mit dem Opener gespielt, nein, nicht
gespielt, sondern gelesen.
Traditionell eröffnete
die Freak City-Band das 1. Fesitval am Donnerstag, und dort stand
Frank mit auf der Bühne und las während zweier Stücke kurze literarische
Schlaglichter, entlehnt aus seinen Rhodan-Büchern, jedoch anonymisiert,
also ohne Namensnennung der Protagonisten und ohne eigentliche Handlung,
sondern als "literarischer Bilderprojektor". Eine Form, die sehr gut
ankam!
Ach ja, anschließend fegte er dann die Musiker von der Bühne,
da sie gar nicht mehr aufhören wollten zu spielen. Besser als den
Stöpsel ziehen zu müssen.
Nun veröffentlicht Frank in seinem Weblog seinen nächsten Roman online, Stück für Stück: Frisch Geschriebenes bietet sich dort nun in kurzen Abständen der geneigten Leserschaft. Kein Science-Fiction. Ich erlaube mir die ersten Zeilen zu zitieren, die auch gleich die zeitliche Verortung der Geschichte erkennen lassen:
|
Ich hatte Schwein und gerade eine Kastanie in der Hand, als mich
die leere Kakaopackung am Kopf traf. |
26/06/09
Das steinerne Auge: Historische Anthologie zu Überwachung und Kontrolle
Angesichts der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen, die
zunehmend in Richtung Kontrolle, "garantierte" Sicherheit und
Überwachung gehen, erschien es mir so reizvoll wie wichtig, sich auch
beruflich enger mit dem Thema auseinanderzusetzen. Eine Frucht dieses
Bestrebens liegt nun vor:
Ein Gott verlangt Unterwerfung im Ägypten des Echnaton, in Rom
planen Christen unter Neros Augen einen Anschlag, ein jüdischer Arzt
muss heimlich bei einer christlichen Geburt helfen, die Inquisition
bedient sich des gemeinen Denunziaten, ein Cembalo fällt der
Bönhasenjagd der hamburger Tischlerinnung zum Opfer, eine
BND-Außenstelle findet sich verraten und einem Mann wird die Identität
gestohlen – durch Zeiten und Kulturen wandert der Augenstein von einem
Ereignis der Bespitzelung und Intrige zum nächsten, erzählt von
bekannten Autorinnen und Autoren des historischen Romans, darunter Tessa
Korber, Malachy Hyde, Martina André, Sabine Ebert und vielen anderen.
Eine Reise durch des Menschen Lust an Intrige und Verrat.
Für die Anthologie "Das steinerne Auge", das ich als Buchprojekt beim Autorenkreis Historischer Roman Quo vadis ansiedelte, konnte ich eine Reihe bekannter wie weniger bekannter Autorinnen und Autoren des Genres Historischer Roman gewinnen. Sie verfassten jeweils eine Kurzgeschichte zu einer historischen Epoche bzw. Kultur, die sich mit gesellschaftlichen und politischen Dynamiken der Kontrolle und Überwachung auseinandersetzt. Das Bestreben der Menschen, ein Übermaß Sicherheit zu schaffen oder ihren Willen gegenüber anderen mit Meinungskontrolle durchzusetzen, das Spiel mit der Angst der Bevölkerung sollte in all seinen Facetten Darstellung finden. Im Arbeitstitel "Du bist ein offenes Buch" genannt, wurde dies Titel einer der Kurzgeschichten.
Und tatsächlich ist das Ergebnis spannend und vielfältig geworden. Mit
unterschiedlichen Stilmitteln, mal unterhaltender, mal literarischer,
mal mehr berichtend, mal mehr erzählend, nahmen sich die Autorinnen und
Autoren der Herausforderung an. Die siebzehn Beiträge waren im Rahmen
meiner Tätigkeit als Herausgeber des Buches erfrischend in ihrer
stilistischen und inhaltlichen Vielfalt zu redigieren.
Nun ist es
an den geneigten Lesern, sich ihrerseits ein Urteil zu bilden!
Die Autoren sind:
Sabine Wassermann, Alessa Schmelzer,
Malachie Hyde, Angeline Bauer, Tessy Korber, Lea Korte, Peter Erfurt,
Jörgen Bracker, Olaf Kappelt, Sabine Ebert, Klas Ewert Everwyn, Beate
Klepper, Heidi Rehn, Barbara Zoeke, Harald Gröhler, Martina André
gemeinsam mit Oliver Pifferi sowie Walter Laufenberg.
Wickenhäuser,
Ruben Philipp (Hg.): Das steinerne Auge. Historischer Episodenroman zu
Terror, Überwachung und Bespitzelung im Wandel der Zeiten, Bookspot
Hardcover 2009
25/05/09
Werwolf runnin'
Der Werwolf schafft noch
... sozusagen. Wilde Zeiten damals.
Nachtrag:
Könnte
klappen! Mit der tollen neuen Buch-FSK, für die da einer aus der, ja
natürlich, guten alten SPD, der besseren CSU, die
Idee hatte. Nun ja, sobald diese FSK auf andere Themen als
Rechtsextremismus ausgreift, heißt das. Großartige großartig ausgereifte
und großartig bedachte Ideen von großartigen Politikern einer
großartigen Regierung, Gratulation!
23/02/09
Valentine vertritt Erika
Da die gute alte Erika zunehmend an einem hakenden Problem leidet, und die Zeit für eine Grundreinigung fehlt, tritt nun erst einmal die valentine von Olivetti an ihre Stelle. Und diese "Dame" ist nicht nur gut zu tippen; sie ist auch optisch und haptisch ein Genuß. Entworfen ca. 1969 von Sottsass und King, ist sie von ungewöhnlichem Design - allein schon das Schuber-Prinzip ist eine ebenso ansehnliche wie praktische Idee. Gutes, gleichmäßiges und sauberes Schriftbild, da macht Schreiben auch als solches schon Spaß. Gibt es auch als Notebook ...

20/02/09
Tippen auf LSD (oder besser Speed)
... so ungefähr scheint die Arbeit mit der multidimensionalen NEO-Tastaturbelegung
zu sein. Sechs statt drei bis vier Ebenen.
Auf der Suche nach einer
effizienteren Anordnung aus den Tiefen des Netzes gefischt, will sie
ausprobiert werden ... die Probleme der mechanischen Schreibmaschinen,
die QWERTZ bedingten, gibt es ja seit einem Weilchen nicht mehr. Sie
sieht jedenfalls vielversprechend aus. Wobei Engelbarts
Fünffinger-Tastatur
(hier
auch Videos, und eine
7-Tasten-Variante) auch durchaus interessant ist.
20/01/09
Verlängerung des Urheberrechtsschutzes: Wer profitiert wirklich?
Die Schöpfer? Und der Storch bringt die Kinder. Ein informatives Video über die Interessen hinter dem Betreiben, begleitend der Kampagne Sound Copyright:(via Schockwellenreiter)
PS. TAMB verschluckt immer noch ab und zu den /object-Tag beim Publizieren. Deswegen sind eingebettetete Videos manchmal "verschwunden" ...
12/01/09
Erika
Falls es noch jemanden geben sollte, der eine alte Erika der Schreibmaschinen-Werke Dresden (Nr. 8) sein Eigen nennt oder sich noch daran erinnern kann, wie so ein schönes Stück gewartet wird - sie hakt, wenn man schnell schreibt, die betagte Dame. Die Frage ist, ob hier eine Feder ausgeleiert ist und der Wagen deswegen nicht mehr gar so fix transoprtiert, oder ob sie einfach nicht zum Schnellschreiben geeignet ist ... wobei das Haken in letzter Zeit zugenommen hat. Danke für guten Rat!
23/09/08
Erfahrungsbericht zu Print on Demand: "Book on Demand" und "lulu"
Ein kleiner Erfahrungsbericht zu Print on Demand, mit dem Vergleich zwischen den Anbietern Books on Demand und Lulu.com, findet sich im Literaturcafe. Viel Vergnügen.
22/09/08
Quo vadis-Vollversammlung in Speyer
Der Autorenkreis Historischer Roman hatte am Wochenende seine
Vollversammlung mit langer Lesenacht in Speyer abgehalten. Die neuen
Sprecher sind Titus Müller und Marlene Klaus - ein herzliches
Dankeschön an Frank Becker für seine große Mühe in den vergangenen
Jahren! In aller Eile hier die Pressemeldung:
| Speyer, 21. September 2008 Eine Lanze für historische Romane Speyer. In Speyer ist am Sonntag (21.9.) das Jahrestreffen des Autorenkreises Historischer Roman „Quo Vadis“ zu Ende gegangen. Rund dreißig deutschsprachige Schriftsteller waren für drei Tage in die Domstadt gekommen, um hier über ihre Arbeit und neue Anforderungen an den unterhaltsamen und zugleich gründliche recherchierten historischen Romans zu sprechen. Bei den Literaturinteressierten der Gastgeberstadt bedankten sich vierzehn der angereisten Autoren am Samstagabend (20.9.) mit einer „Langen Lesenacht“, in deren Verlauf die Autoren aus ihren aktuellen Werken lasen und den neuesten Gemeinschaftsroman von „Quo Vadis“-Mitgliedern, „Das dritte Schwert“, vorstellten. Den Auftakt der Veranstaltung bildete die Verleihung des Sir Walter Scott-Preises am Freitagabend (19. September). Speyers Oberbürgermeister Werner Schineller zeichnete die Preisträger aus. Mit dem „Goldenen Lorbeer“ geehrt wurde Andreas Izquierdo für seinen Roman „Der König von Albanien“, der „Silberne Lorbeer“ ging an Wolfgang Mock für das Buch „Simplon“, und den „Bronzenen Lorbeer“ erhielt Titus Müller für seinen neuesten Roman „Das Mysterium“. Für den Sir Walter Scott-Preis hatte eine vierköpfige Jury unter 81 Werken von 79 Autoren zu wählen. Der Preis wurde nach 2006 zum zweiten Mal vergeben und ist mit 2500 Euro, 1000 Euro beziehungsweise 500 Euro dotiert. Zu Sprechern gewählt wurden Marlene Klaus und Titus Müller. Neue Pressesprecherin ist Agnes Imhof. Das nächste Jahrestreffen von „Quo Vadis“ wird im November 2009 in Bergedorf bei Hamburg stattfinden. Der Autorenkreis Historischer Roman wurde 2002 in Berlin gegründet und hat sich zum Ziel gestellt, deutschsprachige Romane zu fördern, die spannend erzählt werden und zugleich die geschilderte historische Epoche recherchiert wiedergeben. Hinweis an die Redaktionen: Verantwortlich für den Inhalt: Sabine Ebert |
10/09/08
Zu retten: Sammlung Ehrig
Eine beeindruckende Sammlung von 130.000 Stücken an Utopie und
Fantastik in deutscher Sprache gilt es vor dem Untergang zu bewahren.
Sie wird derzeit aufwändig erfasst - beispielsweise werden auch die
kompletten Umschläge inklusive Klappen usw. digitalisiert (darunter, wie
der Infoflyer demonstriert, schöne Blüten der SF-Buchkunst).
Damit diese große Arbeit über die fast schon gesamte deutsche Fantastik weitergehen kann, sucht die Sammlung nun dringend weitere Abonnenten. Mehr Infos gibts hier. Und wer an einem Abo interessiert ist, mag sich daüber im passenden Thread informieren ...
Nieder mit dem Künstlerpack - Künstlersozialversicherung dichtmachen!
Das Land der Gartenzwege jodelt mal wieder. Die Künstlersozialversicherung, eine Institution, die freien Autoren und Künstlern (die zumeist nicht zur verdienenden Oberschicht gehören) bezahlbare Versicherungsbeiträge ermöglicht, soll nach dem Willen einiger sogenannter Volksvertreter von - wer hätte es gedacht - Baden-Württemberg, Hessen, Brandenburg und anderen Flecken "abgeschafft oder zumindest unternehmerfreundlich reformiert" werden. (ausführlichere Besprechung des Vorgangs im art Magazin). Soll das Künstlerpack sich doch für die Werbung prostituieren, und wenn da andere schon verdienen, doch bitte einer ordentlichen Arbeit nachgehen, davon gibts zudem in unserem Lande mehr als genug, wie wir alle wissen, und wer, sagen Sie mir, braucht denn noch nicht voll marketingtechnisch durchgestylte Literatur oder gar andere Bilder als den Röhrenden Hirsch - wo braucht der Kapitalismus denn bitteschön Künstler, wenn er zwei, drei Ikonen und sonst Designer hat?
Dichter und Denker? Daß ich nicht lache.
PS. Im
Zusammenhang mit der Wirtschaft:
Fällt es eigentlich niemandem auf,
daß Millionen Unternehmen anzuvertrauen, die sich allen Ernstes ... so
ähnlich ... wie ... FunnyMäh
oder FräddyMäck nennen ...
also ... sagen wir ... ein klein wenig ... absurd ... ist? Mehr
Realsatire ist doch gar nicht mehr möglich ...
08/09/08
Über die Trennung von Textinhalt und Textsatz
Autoren wundern sich gelegentlich, weshalb sie ihren in verschiedenen
Schriftstilen formatierten, mit, sagen wir, achtzehn Punkt großen und
fetten Überschriften versehenen Text als einheitliches Courier 12 Punkt
- 30x60 - Dokument vom Gegenlesen zurückbekommen. Die Begründung liegt
darin, daß Inhalt und Satz (= quasi das "Layout") zwei Paar Schuhe sind,
die man besser nur sehr bedacht, und schon gar nicht in Rohtexten,
vermischen sollte. Courier ist eine sehr
magere Schrift, das ist richtig. Aber sie ist nicht proportional, das
heißt der Abstand zwischen allen Buchstaben und Leerzeichen ist gleich,
und jeder Buchstabe ist eindeutig und schnell von allen anderen zu
unterscheiden. Beides ist nicht nur eine Erleichterung für Korrektur und
Lektorat, sondern vermindert auch die Gefahr des Übersehen von Fehlern.
Zudem ist die Normseitenzahl bei 30 Zeilen á 60 Zeichen präzise
einzuschätzen (journalistische Beiträge rechnen nach Zeichen, der
klassische Buchverlag aber nicht). Und der Text soll nicht "schön
aussehen", er soll inhaltlich gut sein.
Die
Gestaltung ist die Aufgabe von anderen. Für das Texten bin ich immernoch
Verfechter von Word
5.5, respektive neueren vergleichbaren "bare bones"-Editoren. Für
den Satz ist der quasi-Standard LaTeX
gut geeignet, auch wenn für komplexen Vielfarb-Boxen-Bilder-Satz, wie
die Übersetzung des Jugger-Buchs, mächtige grafische Satzprogramme eine
große Erleichterung darstellen (und nein, mit OOo oder word kommt man
bei so etwas keine halbe Seite weit). Und für das kleine Handout oder
das fixe Konzept ist OpenOffice
natürlich vollauf ausreichend; zur Not sogar für einfaches Folder- und
Flyerdesign. Ach ja, und OpenOffice ist leider noch nicht in der Lage,
simple Fett-Formatierung in einem längeren Text textübergreifend/via
SuchenErsetzen durch Nicht-Fett zu ersetzen, wenn man es mal mit Leuten
zu tun hatte, die das Fett direkt einstellen. Kleinigkeiten, die einen
die Wände hochjagen. Aber das kostenpflichtige Pendant von M$ ist nicht
besser.
Aus Sparsamkeit gehen allerdings einige Verlage dazu
über, ihren Autoren "Masken" vorzulegen, in die der Text gefüllt werden
solle - ein schöpferischer Unsinn und durchaus kontraproduktiv, wie ich
meine. Journalisten geben ihre Beiträge oft schon direkt in eine Quark-
oder InDesigndatei ein, was angesichts der Notwendigkeit exakter
Textlängen zumindest in eingen Fällen wieder um durchaus Sinn ergibt.
Ein
pointierter Beitrag zum Sinn von Text und Satz findet sich hier: Allin
Cottrell. Word
Processors: Stupid and Inefficient.
01/08/08
Hausdurchsuchung schnell und einfach: Verlagsräume sollten wegen angeblicher Titelschutzverletzung gefilzt werden
Nun handelt es sich bei Geschäfträumen vermutlich nicht um
gleichwertig schützenswerte Objekte wie bei Privaträumen, aber der Fall,
der nach meinem Eindruck wieder einmal von der spezialfachlichen
Inkompetenz von Teilen der Justiz durchsetzt zu sein scheint,
verdeutlicht erneut die Beliebigkeit, mit der die Staatsmacht in Büros
und Wohnungen einzudringen vermag, ohne sich um die Schwere der
auslösenden Anschuldigung zu scheren.
Im aktuellen Falle bekam Random House Besuch von einer offenbar ungewöhnlich scharfsinnigen Staatsanwältin, die das Titelschutzrecht eines Print on Demand-Autors durch den Titel "Im Schatten des Elfenmonds" verletzt sah. Dies ist auch insofern interessant, als die Publikation von Titeln via PoD teilweise sogar quasi-kostenlos erfolgen kann und somit ähnlich wie bei Domain-Namen auch eingängige Titeltexte zumindest theoretisch en masse publiziert werden könnten. Und dem Argument des klagenden Autors, sein Titel sei sehr berühmt, wurde offensichtlich ohne jede auch nur halbwegs seriöse Prüfung gefolgt - wir erinnern uns an zahlreiche unsägliche Klagen zum Thema Internet, bei der ähnlich kompetent Freiheitsrechte verletzt zu müssen gemeint wurde. Im Übrigen hat es das Titelschutzrecht in sich; so ist ein Titel nach meinem nicht-juristischen Wissensstand nicht etwa durch eine Titelschutzanzeige geschützt (es sei denn, das Buch befindet sich bereits in der fortgeschrittenen Druckvorbereitung), sondern erst durch die Publikation. Und die Frage, wann ein Buchtitel einen anderen verletzt, dürfte ein Eldorado für Fachanwälte darstellen.
Nun ja, immerhin ist Random House kein Waisenknabe und die Rechtsabteilung des Verlages wird eine Menge Spaß haben (allerdings, für den sich betroffen fühlenden Autor ist es jedenfalls eine ganz klasse PR-Maßnahme). Entsprechend deutlich äußerte sich das Haus auf das merkwürdig anmutende Vorgehen:
"Wir werden diese in der deutschen Verlagslandschaft nach unserem
Wissen einmaligen Vorwürfe eines strafbaren Handelns bei der
Titelfindung mit dem nötigen Nachdruck zurückweisen, um den bereits
jetzt sehr diffizilen Bereich Titelschutz nicht zukünftig noch durch die
Gefahr einer Kriminalisierung der Lektorinnen und Lektoren und
Verlagsjuristen weiter zu belasten." - Quelle:
buchmarkt.de
31/07/08
Buch übers Urheberrecht - nicht nur für Internetnutzer
Von iRights, unterstützt von der Bundeszentrale für politische Bildung und dort für 2 Euro als Printpublikation zu haben (der Ratgeber, nicht iRights), ist ein kostenlos herunterladbarer Ratgeber zum Thema Urheberrecht erschienen. Darin behandelt werden in leicht verständlicher, aber kompetenter Form Fragen von den Kopier- und Darstellungsmöglichkeiten fremder Texte und Textteile über Bilder, Persönlichkeitsschutz der Photographierten, der Definition von Bildzitaten und Verwendung von Musikstücken, Liedtexten und dergleichen - ein knapp gehaltenes und dennoch sehr umfassendes Werk, das sowohl für Sach- und Fachbuchautoren, als auch für aktive Nutzer des Internets sehr interessant sein dürfte.
Hier ist der kostenlose PDF-Download: iRights.info auch als Buch.
Als Ergänzung empfielt sich für Autoren, Musiker und darstellende Künstler das Standardwerk rund um Vertragsrecht, Steuerrecht, Nutzungsrecht: Der "Buchholz": Ratgeber Freie (ermäßigt für VS-Mitglieder).
29/07/08
"Indianer-Spiele" neu aufgelegt!
Endlich ist es soweit: Nach einer letzten Mammutsitzung in Sachen
Buchsatz und Titelgestaltung wird die 130-Spiele-Sammlung "Indianer-Spiele",
die nach zehn Jahren vom Verlag an der Ruhr remittiert worden war, bald
wieder dem geneigten Leser und der geneigten Leserin zur Verfügung
stehen, sogar preisgünstiger als damals. Im Eigenverlag dank moderner
BoD-Möglichkeiten und vor allem dank der häufigen Nachfrage, ob der
Titel noch irgendwo zu haben sei (zudem passend zum Start des Tipiprojekts
von JANUN).
Während Satz und Layout komplett neu erstellt wurden,
habe ich den Inhalt, abgesehen von Aktualisierungen, ein paar Photos und
ein paar geänderten Illustrationen, weitgehend so belassen wie im
ursprünglichen Buch. Ich bitte nur noch um etwas Geduld,
bis der BoD-Verlag die Freischaltung des Titels durchgeführt hat
(bekanntermaßen kommt es ja zumeist gerade kurz vor dem Ziel noch zu ein
paar verzögernden Kleinigkeiten). Es ist lieferbar!
Viel
Vergnügen!
3
Beispielseiten (siehe auch Neue
ABs) - Inhaltsverzeichnis
Hier der Inhalt:
Vorwort zur Wiederauflage 5
Vorwort 6
Einführung
7
1. Jagd-, Schleich- und Lauerspiele 22
2. Wächterspiele 44
3.
Ballspiele 49
4. Wurfspiele 58
5. Laufspiele 88
6. Kräftemessen
103
7. Spiele zur Übung des Atemanhaltens 110
8. Spiele mit
Stöcken 113
9. Spiele mit Bisonhaut 120
10. Ratespiele 122
11.
Würfel- und Brettspiele 130
12. Nichteinzuordnende Spiele 158
Exkurs:
Mutproben und brutale Spiele 171
Literaturliste 180
Fußnoten 185
Der Titel: Wickenhäuser, Indianer-Spiele. Spiele der Ureinwohner
Amerikas für die Kids von heute, zahlr. Ill., Pb, 194 S., Norderstedt
2008, 14.-€
ISBN 978-3-8370-5719-5
»» Bestellen!
Nachtrag:
Das Buch ist seit heute lieferbar.
21/06/08
"Das dritte Schwert": Herausgeber oder doch nicht
Es ist soweit: Der dritte Gemeinschaftsroman von Quo
vadis, "Das dritte Schwert", ist im Aufbau-Verlag erschienen. Ein
gutes Zeichen, daß das Buch trotz
der Verwirrung um den Aufbau-Verlag ausgeliefert wurde.
Die
ausführlichere Vorstellung zu diesem Buch werde ich zu einem späteren
Zeitpunkt online stellen.
13/06/08
Die Verwirrung um den Aufbau-Verlag
Seit einer Weile liegt eine Gewitterfront über der deutschen Verlagslandschaft als Nachwehe der Übernahme der DDR durch die BRD: Die Insolvenz des Aufbau-Verlages, von dem es erstaunlicherweise zwei gibt, einen mit und einen ohne, oder doch mit den Rechten an den verlegten Büchern.
Während der Geschäftführer Strien den Besitzer Lunkewitz in einem offenen Brief scharf angreift und ihm Vorwürfe macht, er verrate seine ursprünglichen Ideale - immerhin handelt es sich um einen ehemaligen '68er, der mit Immobilien handelt und sich mittlerweile gern neureichgebend mit Zigarre ablichten läßt - hat der Besitzer selbst nun die Dokumentation zur Privatisierung und dem (gleich zweimaligen) Verkauf des Verlages in einem umfangreichen PDF der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Das Herbstprogramm wird erscheinen, aber die Zukunft des Verlages erweist sich als hochinteresssantes juristisches Gelände, zumal ein Aufkauf durch eine Großverlagsgruppe in letzter Konsequenz einer Schließung ähneln könnte - sprich Kaffesatzlesen ist einfacher. Im Augenblick wissen daher auch die Autoren nicht, wie es wirklich bei Aufbau weitergehen wird. Wir formulieren noch an einem offenen Brief, und das kann bei Autoren etwas dauern. Leider.
Nachtrag:
Lesenswert ist die ausführliche Stellungnahme von
Herrn Lunkewitz in der Süddeutschen.
03/03/08
Umgangsformen eines großen Spieleverlags
Es gibt aber auch andere ebenfalls hervorragende Spieleverlage, die sehr wohl noch wissen, wie man freundliche Absagebriefe verfassen kann - mein Dank und Respekt dafür (Hans im Glück Verlag):
Übrigens hatte ich damals auch von allen anderen Verlagen eine Antwort in letzterer, angenehmer Form erhalten. Im Gegensatz zu der Behauptung des Redakteurs der hingeschmierten Notiz ist sein Stil gottlob noch nicht "das Übliche" in der Branche. Oder war es damals, vor einigen Jahren, zumindest noch nicht gewesen.
27/02/08
Was erwarten Leser vom Historischen Roman? Eine Umfrage
Der Autorenkreis Historischer Roman Quo vadis hat auf der langen Lesenacht im vergangenene Jahr in Lauf auf Initiative von Frank S. Becker eine Umfrage unter den immerhin rund 200 Zuhörern gemacht, was sie am Historischen Roman besonders reizt: Ist es das Geschlecht der Hauptfigur? Ist es die Epoche der Handlung? Wie wichtig sind Titel und Titelbild?
Heraus kam ein recht interessantes Ergebnis, das insbesondere für die sich fröhlich vermehrenden Marketinghybristen in den Verlagen lehrreich sein mag - wenn jene bereit wären, ihre private Weisheit in Frage zu stellen:
"So spielt bei der Kaufentscheidung das Geschlecht der Hauptperson des Romans praktisch keine Rolle, auch das Interesse für die Epochen ist breit gefächert, eine Vorliebe für das Mittelalter gibt es nicht."
Die Umfrage ist als PDF auf den Seiten des Kreises herunterladbar.
25/02/08
Die Klapperschlange kann bald wieder gefangen werden ...
Indianer-Spiele,
die Sammlung von rund 120 Spielen aus dem "alten" Nordamerika, von
Schleich- und Lauerspielen bis hin zu Würfel- und Brettspielen [alte
Leseprobe], ist seit vergangenem Jahr vergriffen - nach immerhin
zehn Jahren. Damit kann man ganz zufrieden sein.
Da immer wieder Anfragen eintrudeln, ob und wo das Buch noch zu bekommen
sei, bereite ich derzeit einen Neudruck des Titels vor. In nicht allzu
ferner Zukunft wird das Buch also wieder bestellbar sein. Bald können
wieder Klapperschlangen gejagt und der Schatz des Grizzlys gestohlen
werden ...
19/02/08
Lesungen: Infomappe komplett überarbeitet und online
So, endlich ist die Lese-Infomappe in komplett neuer Gewandung -
wurde auch Zeit - als
PDF ladbar und umfasst
alle aktuellen Themen, aus denen ich lese, von den alten Titeln wie
Indianer-Spiele für die 3./4. Klassse bis hin zu Rassenideologie für die
Oberstufe (und letztere Veranstaltung ist noch in Vorbereitung). Ein
wenig ungünstig ist allerdings zugegebenermaßen, daß ich nur noch wenige
Lesungen im Jahr halte ... aber bei rechtzeitiger Anfrage läßt sich da
sicher noch ein Plätzchen finden.
07/02/08
"Klischees vom Fließband": Über das Jugendbuch heute
Wolfgang Bittner
hat sich in
einem Artikel im Freitag dem Jugendbuch gewidmet und zerfetzt es mit
einigem Furor und Spaß bei der Arbeit: "Hier und da werden zwar
so genannte Jungenbücher angeboten, in denen außer Fußball oder Horror
vor allem der erste Sex eine wesentliche Rolle spielt " - also
genau das, was auch in der sogenannten "Hochliteratur" zum Aufplatzen
sogenannter Popliteraten und anderer seltsamer Phänomene führt. Schön
böse fährt er fort:
"Ein genauerer Blick auf die
einzelnen Titel in den Verlagsprogrammen zeigt deutlich, welche Inhalte
sich die oft sehr jungen Lektorinnen zurzeit für "nicht
problemorientierte Mädchenbücher" vorstellen. (...) Was dabei auf der
Strecke bleibt, ist die Literatur, sind gute Bücher sowohl für Mädchen
als auch für Jungen. Den Autorinnen und Autoren wird ihre Kreativität
ausgetrieben, außerdem die Freude am schöpferischen Schreiben. "
Auch
wenn es durchaus noch hier und da gute Jugendbücher gibt (übrigens
darunter viele Übersetzungen, und wohl nicht weil es keine
entsprechenden deutschen Autoren gäbe, sondern, wage ich zu mutmaßen,
weil Übersetzen in der Verlagswelt einfach sowas von "in" ist):
Insgesamt hat er erstaunlich recht, finde ich angesichts sowohl eigener,
als auch aus erster Hand berichteter Erfahrungen mit Verlagen. Und nicht
nur im Jugendbuch, auch in anderen Genres werden die Autoren mehr und
mehr als reine Textzuliefermaschinen gesehen, die gefälligt auf
Bestellung stilgerecht passgenau schnell! schnell! zu produzieren und zu
so unwichtigen Themen wie Titelbild, Titeltext und dergleichen doch
bitte, bitte den Mund zu halten haben, denn dafür gibt es ja die
Weisheiten des Marketings und der Vertreter. Es geht hier schließlich um
ein Produkt, meine verehrten Damen und Herren!
Nein, ich möchte sogar
geneigt sein zu rufen: Was spricht er mir aus der Seele.
Lektoratskorrekturen damals und heute
Sie hatten schon etwas, die guten alten Lektoratskorrekturen von Hand,
die man auf Kopien angezeichnet zur Abnahme vom Verlag bekommen hatte,
mit den Häkchen, Schirmchen, Ösen, Durchstreichungen und
doppeltgeklammerten Anmerkungen nach DIN
16511*.
Von Hand redigiertes Lektoratsskript, Anmerkungen von Lektorin und Autor
(Mauern des Schweigens, 1999)
Wie schnöde sind dagegen die binären Korrekturen, die via "Änderungen nachverfolgen" und über die Notizfunktion in die Textdatei eingetragen werden. Das ist natürlich sehr zeitsparend und praktisch - bei Projekten wie dem Gemeinschaftsromanen sogar so gut wie unumgänglich -, aber auch recht steril ...
Moderne Korrekturdatei mit Änderungen und Notiz (Gemeinschaftsroman)
Zudem ist das Schreiben von Texten, die für einen selber von besonderem Wert sind, nach meinem Empfinden per Hand und schon aus rein praktischen Gründen mit Füller besonders angenehm. Oder seltener gar auf einer wunderschönen schwarzen Erika. Da ist dann auch der reine technische Schreibvorgang ein Genuß, und im Falle des Füllers auch auf Parkbänken oder in Cafés zu bewerkstelligen, ohne daß Laptop und Kaffeetasse um den Platz auf dem Tisch ringen müssten. Neidisch?

* Die im Link gezeigten Korrekturzeichen weichen bei fehlerhaften
Wortzwischenräumen minimal von anderen DIN 16511-Darstellungen ab.
04/02/08
Wie meinen?
"Brotvormischung 'Easy Nordic' für das qualitativ hochwertige Nordic Brot für Nordic WalkerInnen und gesundheitsbewusste moderne Menschen (...)" - Produktbeschreibung auf der Webseite des Backmischungsherstellers; Quelle31/01/08
Religionskritisches Kinderbuch soll indiziert werden
Das Kinderbuch von Schmidt-Salomon,
"Wo
bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel", Alibri
Verlag 2007, soll möglicherweise indiziert werden, da dort "die
drei großen Weltreligionen Christentum, Islam und das Judentum
verächtlich gemacht" werden. Man fühlt sich bei dieser
Wortwahl düster an den in Bayern allen Ernstes diskutierten Tatbestand
der "Ketzerei" erinnert. Aber insbesondere kritisiert wird im
Indizierungsantrag der BMFSFJ, der u. a. hier
als PDF verlinkt wurde, die stereotype Darstellung eines Rabbi.
Der
Autor, der selber Zielscheibe antisemitischer Angriffe gewesen sein
soll, weist den Antisemitismusvorwurf dagegen zurück, greift seinerseits
die indizierende Stelle als mit alten Klischee verbunden an - "die
allermeisten Juden [denken] progressiv, wenn nicht gar säkular",
er aber greife die "ultraorthodoxen Wirrköpfe" an
- und vermutet einen Zensurversuch gegen das Buch. Auch der Illustrator
wirft den Indizierenden eine bewußt tendenziöse Sichtweise vor, die die
tatsächliche Darstellung verzerre, zumal drei große Weltreligionen
gleichermaßen scharf angegriffen würden, nicht nur das Judentum (hier
einige Beispielseiten). Die Süddeutsche Zeitung bespricht
das Buch: "Die Illustratoren malen dazu keine eigenständigen Bilder,
sondern pinseln farbige Thesen", und stellt auch eine
Photostrecke zur Verfügung. Allerdings bedient sich auch manche - um
nicht zu sagen jede der genannten Religionen - des in der SZ genannten
Instrumentariums der "Bildpropaganda" in Kinderbüchern, da handelt es
sich weiß Gott um keine Waisenkinder. Allerdings scheint das Buch den
Blick auf die größten institutionalisierten Vertreter der drei
Religionen zu fokussieren, und spart die zahlreichen unabhängigen
Religionsgemeinschaften und Ausprägungen mit hier mehr, dort weniger
autoritärem Fürhungsstil aus. Stoff genug also für eine kontroverse
Debatte.
Ein Buch zu indizieren, insbesondere wenn es provozierend religionskritisch ist, ist ein außerordentlich schwerwiegender Vorgang. Andererseits ist der Vorwurf des Antisemitismus gerade in Deutschland, wo er eine besondere Sensibilität erfordert, durchaus nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Ein guter Grund, sich selbst ein Urteil zu bilden.
Nachtrag: Eine interessante Marginalie ist der Umstand, daß hier ein Buch in der Bildstrecke der Zeitung zu großen Teilen abrufbar ist.
Addendum:
Das Kinderbuch ist von der BPJM als
nicht antisemitisch eingestuft worden. Tatsächlich sind
Behauptungen, die Darstellung eines Rabbi dort erinnere an Karikaturen
aus der Nazizeit, m. E. aus der Luft gegriffen - es fehlen eben die
Attribute, derer sich die Hetzblätter bedienten, vielmehr werden
schlicht jene eines Orthodoxen abgebildet. Die anderen Religionen
bekommen nicht minder ihr Fett weg, und inhaltlich ist das Buch ein
Anreger zum kritischen Denken und reizt Kinder zum Nachfragen und zur
Diskussion, was in einer aufgeklärten Gesellschaft einen hohen
Stellenwert haben sollte. Gerade angesichts der Tatsache, daß die
dargestellten Religionen selber in Büchern und anderswo unter Kindern
massiv für ihre Sache werben.
15/01/08
Lesung bei Lehmanns: Riss in der Tafel
Heute Abend werden wir, mein Kollege Frank Robertz und ich, in der Buchhandlung Lehmanns Berlin aus "Der Riss in der Tafel" lesen. Begleitet wird die Kombination aus Vortrag und Lesung mit anschaulichem Bild- und Tonmaterial, um das Phänomen der "School Shootings" und seine Präventionsmöglichkeiten Interessierten nahezubringen.
Beginn: 20:15
Ort: Lehmanns Fachbuchhandlung, Hardenbergstr.
5
Illu. für "Riss in der Tafel", von Jörg
Kreutziger
05/12/07
Quo vadis in neuem Internet-Gewande
Maren Winter
hat sich der Mammutaufgabe angenommen, den Internetauftritt von Quo
vadis komplett neu aufzubauen. Damit kann ich dankenswerterweise endlich
nicht nur das Provisorium ad acta legen, sondern auch die
Web-Administration in ihre kundigen Hände legen.
Besonders
praktisch sind auch die neuen online-Autorenprofile:
Alle Autorinnen und Autoren des Kreises können nun eine eigene
Profilseite mit einer Auswahl ihrer wichtigsten Veröffentlichungen,
Vita, Foto und dergleichen haben. Außerdem ist es nun möglich, die
Autoren nach Bundesländern zu finden, was für Regionaltreffen sehr
praktisch sein kann.
Außerdem haben wir mit der neuen
Internet-Adresse http://www.historische-romane.org
eine etwas leichter zu merkende Adresse gewählt. Natürlich bleibt
http://www.akqv.org wie bisher (gleiches Linkziel) ebenfalls aktiv! In
diesem Sinne: Ein ganz, ganz herzliches Dankeschön an die fleißige
Maren! Zudem: Auch sie hat die gesamte Arbeit vollständig ehrenamtlich
erledigt.

... und in der neuen. Alle Mammuts gewuppt.

22/11/07
Fanclub Goldfisch
Eine ungewöhnliche Fanbezeugung vor einer Lesung: In aller Ruhe breite ich in einer Hauptschule die Wikingerutensilien auf dem Tisch aus. Ein wenig abseits steht ein Aquarium mit dicken Goldfischen und gurgelt gemütlich vor sich hin. Ruhe vor dem Sturm. Und dann plötzlich ein Plätschern. Klingt, als würde jemand einen Stock höher schluckweise Wasser in den Ausguss gießen. Oder als ob der Umwälzer des Aquariums Macken hat. Kommt aber näher. Ist auch kein Plätschern. Sondern ein Platschen. Von einem Goldfisch. Der mir über den Tisch entgegengehüpft kommt. Und sich, freilich erfolglos, weigert, ins Aquarium zurückgetragen zu werden.
Das nenne ich einen Fan.
19/11/07
Biete Schullesung für ausgestopften Falken/Uhu!
Nachdem Schulen ihre ausgestopften Vögel teilweise wegwerfen wollen,
mache ich ein Angebot: Für einen ausgestopften Falken oder Uhu biete ich eine
freie Lesung zum Thema eigener Wahl (auch wenn ich, nach zeitweise
60-80 Veranstaltungen im Jahr, kaum noch Lesungen halte). Unter anderem
für die Lesung "Rabe
und Kreuz" könnte ich einen Falken als Anschauungstier sehr gut
brauchen. Bevor er also in die Mülltonne oder an eine Wand flattert ...
Lesung "Rabe und Kreuz"/"Die Drachen kommen"
mit
Wikingeraustattung
Bei Interessse bitte melden!
26/10/07
José Saramago: Die Stadt der Sehenden
Nachdem die Buchhändlerin Saramagos jüngstes Buch über den
abwesenden Tod nicht im Regal stehen hatte (so viel zum Sortiment
unserer Buchhandelsketten, immerhin ist er Nobelpreisträger), fand sich
die gleichfalls als Taschenbuch erschienene Ausgabe der "Stadt der
Sehenden" (Rezension).
Und diese Wahl war nicht zu bereuen: Nachdem Saramago in der "Stadt der
Blinden" auf schauerliche Art in die Abgründe der menschlichen Seele
eingetaucht war, nimmt er sich in der "Stadt
der Sehenden" den Staatsapparat als solchen vor.
Als die Stimmzettel einer hauptstädtischen Kommunalwahl auf
unerklärliche Weise überwiegend weiß geworden sind, reagiert die
Regierung hysterisch - sie geht von einer Verschwörung des Volkes gegen
sie aus, nimmt dies als persönlichen Angriff, läßt die Wähler bei der
Wahlwiederholung beschatten und foltert eine Auswahl an unbescholtenen
Bürgern, als trotz aller Beschattung wiederum überwiegend weiße
Stimmzettel auftauchen.
Da die Ursache des Weißwählens aber weiterhin
im Dunkeln bleibt, wird die Hauptstadt kurzerhand in
"Belagerungszustand" versetzt, nach dem besonders der Innenminister als
Konkurrent des Verteidigungsministers lechzt - die Regierung des Landes
evakuiert sich und belagert die eigene Hauptstadt. Auf faszinierende
Weise schafft sie sich durch ihre paranoiden Ängste ihre eigenen
Chimären, durch deren Bekämpfung wieder neue Chimären gezeugt werden.
Zudem geht es der Regierung auch nicht um das Wohl ihres Volkes,
vielmehr werden die Entscheidungen aus persönlichen Machtbedürfnissen
der einzelnen Minister, aus ihrem verletzten "Ehrgefühl" heraus
getroffen. Die Regierung kämpft gegen das eigene Volk, ohne daß sie
weiß, wogegen sie eigentlich kämpft. Da die belagerte Hauptstadt jedoch
ganz gut ohne Regierung und Polizei funktioniert, werden Agent
Provocateurs eingeschleust, die unter anderem einen Terrroranschlag auf
die Bahnstation verüben, der offiziell natürlich von den wie auch immer
gearteten "Weißwählern" stammen soll. Stets unter Beteuerung, alles nur
um der Erhaltung des Staates und der Demokratie Willen zu tun, wandelt
sich der Statt in ein rücksichtsloses, totalitäres Gebilde.
Eine Groteske, die, wie immer in Saramagos einzigartig faszinierendem Stil geschrieben, unterhaltsam schildert, wie die Ellenbogenqualifikation sogenannter Volksvertreter zu absurden Ereignissen führt, wenn der Bürger sich allzu souverän verhält. Und angesichts der Technikgläubigkeit gegenüber Wahlcomputern und absurden Wahlstift-Kreationen von ganz eigener Aktualität.
12/10/07
Frank Böhmert: Der Elefant auf dem Dach
Nachdem mein verehrter Kollege, Übersetzer und Perry-Rhodan-Autor
seinen Elefanten nicht ohne eine gesunde Portion Selbstbewusstsein noch
einmal ins Rennen geschickt hat, erlaube ich mir, meine Besprechung
von "damals", die mittlerweile offline ist, im Blog einzustellen. Auch
weil Bücher eben nicht sauer werden wie alte Milch - wenngleich unser
Buchmarkt uns dies so gern als Tatsache verkaufen möchte.Also, "Der Elefant auf dem Dach".
Obwohl der Titel es impliziert, ist dieses Buch ganz und gar kein Kinderbuch. Darüber haben sich auch die Verlage den Kopf zerbrochen. Denn für gewöhnlich wird ein Roman schön brav einer Sparte zugeordnet, und genau hier wird es kompliziert: Ein Stoffelefant? Alles klar, es ist eine Kindergeschichte - nein. Auf dem Dach? Also ein Buch zum Thema Feuerwehr - auch nicht. Oder ist er mit Diamanten gefüllt, der Elefant: Ein Krimi - ebensowenig. Ohne Book on Demand hätten wir auf dieses Buch daher wohl noch ein Weilchen warten müssen. So aber traute sich mit Allitera ein BoD-Verlag an "Der Elefant auf dem Dach" heran. Keine Notwendigkeit für den Autor, Zuschussverlage reich zu machen oder am Selbstverlag arm zu werden, was das Erscheinen eines Romanes bekanntlich erheblich behindern kann. Und das ist ein Glück.
Denn hier wird das hungrige Auge von einer fantastischen Geschichte erwartet. Kein Fantasy, wie es der Verlag blasphemischerweise im Rückentext behauptet, sondern Fantastik: Es geht nicht um feuerballschwingende Magier, Drachen oder die Verarbeitung von keltisch-gefälligem Mystizismus. Vielmehr um einen Stoffelefanten im absolut unverklärten Berlin-Kreuzberg der Gegenwart.
Plüschtiere haben bekanntermaßen ein schweres Schicksal, wenn sie im Kinderzimmer pubertierender Sprößlinge ihr Dasein fristen müssen. Erst recht, wenn sie zwar äußerlich rundum gewöhnliche Plüschpuppen sind, aber in unbeobachteten Augenblicken zum Leben erwachen und beim Erscheinen von Menschen wieder einschlafen. Die Welt lernt der Stoffelefant Berni nur durch den Fernseher kennen, wenn die Menschen schlafen und er sich heimlich das Nachtprogramm ansieht. So hat Berni bald genug von seinem bisherigen Dasein. Die Fluchtversuche scheitern kläglich und machen seiner jungen Besitzerin ärger, den sie wiederum an ihm ausläßt, denn natürlich glaubt ihr keiner, daß ihr Elefant zum dritten Mal von allein aus dem Regal gefallen oder aus eigener Kraft beim Kaffeesatz im Abfalleimer gelandet wäre. Wir erfahren nicht, wie Berni seine Flucht gelingt, ob es der Mut der Verzweiflung ist oder die Hand eines entnervten Mädchens, die ihn schließlich im Müllschlucker verschwinden lässt: Geschickt eingeflochten wird hier die Erkenntnis, daß wir den nacherzählten Bericht des Elefanten an den Verfasser lesen, und daß der Erzähler zweifelt, ob der ins Philosophische gleitende Elefant an dieser Stelle der Realität treu geblieben ist - ein wirksames Mittel, um das Stofftier von seiner Niedlichkeit zu entzaubern und es in all seiner Misere zu offenbaren. Sei es aus eigener Kraft, sei es durch fremde Hilfe, jedenfalls gelingt Berni die Flucht. Da liegt er nun im Abfallschacht des Hauses, macht unliebsame Bekanntschaft mit einem Rattenpärchen, und seine Odyssee beginnt. Im Tröderladen eines Händlers lernt er einen angeberischen Raben kennen, der wie er Stofftier und lebendig ist und seine Sicht der Welt aus Kriminalromanen bezieht, verliebt sich auf dem Flohmarkt in eine wunderbare Giraffe und muß lernen, daß nette Menschen finstere Seiten haben können. Seine Reise aber geht noch weiter.
Für erwachsene Fantastikfreunde ist das auch für unterwegs gut geeignete, weil nicht zu dicke Buch - 119 Seiten - ein Kleinod. Die Menschen kämpfen mit ihren Alltagsproblemen in ihrer unverblümten Alltagssprache, und die Stofftiere geben der Atmosphäre etwas skurriles, zumal sie mit ihren ganz speziellen Fehlerchen und Schwächen auftreten. Wer den durch und durch desillusionierten Berni kennengelernt hat, dem fällt der Abschied vom Bild einer lilablassblauen Welt der heiteren Plüschtiere nicht mehr schwer. Eine Geschichte, gelegentlich etwas düster, atmosphärisch dicht, eine Milieuschilderung ohne Kitsch, aber mit Hoffnungen und Träumen. Und auch amüsant. Also genau das Richtige, um die Taschenlampe mitzunehmen, die Bettdecke über den Kopf zu ziehen und zu schmökern.
22/09/07
Frisch aus der Druckerpresse: "Der Riss in der Tafel. Amoklauf und schwere Gewalt in der Schule"
Das Buch "Der Riss in der Tafel. Amoklauf und schwere Gewalt in der Schule" vom Kriminologen Dr. Frank Robertz und mir ist in dieser Woche von Springer Medizin Verlag ausgeliefert worden. Das erste Kapitel steht als Leseprobe (PDF) online bereit! Desweiteren finden sich auf den Seiten von IGaK weitere Arbeitsblätter zum Download - dieses kostenlose Angebot wird sukzessive noch erweitert.
Zum
Inhalt:Erfurt, Columbine, Emsdetten - diese Orte sind zum Inbegriff für "School Shootings", also Amokläufe beziehungsweise schwere Gewalttaten durch Jugendliche an Schulen geworden. Was haben diese Gewalttaten gemeinsam? Wer sind die Täter? Welche Rolle spielen die Medien und das gesellschaftliche Umfeld? Wie entwickeln die Täter ihre tödlichen Phantasien? Frank J. Robertz und Ruben Wickenhäuser vom Berliner Institut für Gewaltprävention und angewandte Kriminologie (IGaK) tragen in diesem ersten anwendungsorientierten Fachbuch zum Thema die unterschiedlichen Aspekte anhand bekannter Fälle zusammen: Präventionsmöglichkeiten, Einschätzung von Bedrohungen, Krisenintervention, Umgang mit traumatisierten Schulgemeinschaften und auffälligen Jugendlichen, Hilfestellungen für Lehrer, Polizisten und Eltern. Zu einigen Kernthemen kommen weitere Experten zu Wort. Ziel ist stets die realistische Gefahreneinschätzung und -vorbeugung. Inklusive Arbeitsmaterialien für Schulpsychologen, Krisenteams und Lehrerkollegien mit Checklisten für die Vorbereitung des Ernstfalls.
Dies düfte das erste Fachbuch in deutscher Sprache zum Thema sein, das sich an ein breiteres Publikum richtet.
19/09/07
Shuhu! Klaus Frick übers Juggern
Gelegentlich tut ein Schuss unverschämte Eitelkeit einfach gut.
Deswegen erlaube ich mir, ausnahmsweise auf eine Buchbesprechung
hinzuweisen, und zwar von Klaus
N. Frick, seineszeichens kein Geringerer als Chefredakteur im
Perry-Rhodan-Universum. Er urteilt über "Juggern.
Der Trendsport":
"Ich glaube, das wäre endlich
ein Sport für mich. (...) (Das Buch) sieht alles in allem ziemlich cool
aus; das macht sicher Spaß. Ein rotziges Layout spricht zudem an. Ein
Buch, das eine neue Sportart präsentiert, also – und das auf recht
witzige Art und Weise." - weiterlesen
Wenn das kein Grund für einen "Vater" ist, auf sein "Kind" stolz zu sein
... danke!
PS. Und ja, Kritik bin ich mir natürlich
bewußt. Aber Ärger gab's damit genug - now it's time for
happyness!
09/08/07
STRG+C auf die Finger hauen: picapica
Das Projekt Picapica der Uni Weimar könnte gerade für Fach- und
Sachautoren von größerem Interesse sein. Mit Picapica
soll es möglich sein, Plagiate im Netz ausfindig zu machen. Da auch
Magazine und Zeitschriften sich gern freizügiger bei Publikationen
unwissender Autoren kostenlos bedienen, eröffnet sich hier vielleicht
eine Möglichkeit, den Kopierern auf die Finger zu hauen - und ein
kleines Honorar für die kopierte Mühe zu erhalten. Schriftsteller können
hier sicherlich die Justiziare der Gewerkschaft
(ja, die gibt es wirklich und immernoch, trotz ver.di-Fusion ...)
hinzuziehen. Abgesehen davon dürfte der verwendete Algorithmus eine
recht spannende mathematische Sache darstellen.
Wohlgemerkt:
Bei kommerziellen Produkten. Privatleuten gegenüber muß man sich nicht
gleich wie die Pariser Polizei verhalten, die einen Schüler wegen
der Übersetzung eines (!) Harry Potter-Kapitels festnahm, da
reicht die Bitte um Autorennennung bzw. Löschung. Zumindest, wenn man
einen Funken Würde in sich hat.
08/08/07
Harry Rowohlt ist sauer
"In der ersten Geschichte bedröhnt sich der Held, ein Wikinger, mit Kartoffelwein, und ein weiterer Wikinger frißt sich durch die feindlichen Reihen wie durch die Körner an einem Maiskolben. Nun spielt das alles aber zur Zeit Ludwigs des Frommen (...) und da gab es in Europa noch keine Kartoffeln und keinen Mais. (...) Inzwischen habe ich es satt, Produkte des US-Highschool-Systems zu übersetzen, die glauben, das Grüne auf den Landkarten wären Wiesen. Und daß Bier brennt. (...) Wir (...) übersetzen treu und brav jeden Ami, der je in South Dakota Creative Writing belegt hat."
So donnert Harry Rowohlt in seiner Kolumne Pooh`s Corner, und es tut wohl. Wer mag es übelnehmen, wenn der historische Roman angesichts solcher Peinlichkeiten kein Ansehen im Feuilleton zu erringen vermag (allerdings, ungerecht ist das schon - denn andere, stehts wahnsinnig beachtete Genres tun sich auch nicht gerade nur mir geistigen Höhenflügen hervor, ich sage nur Popliteratur). Fragt sich nur, warum unsere verehrten Verlage nicht ihre eigene Erbärmlichkeit erkennen, wenn sie dergleichen annehmen, nur weil es aus Übersee herüberkriecht. Ein deutscher Autor würde dergleichen - im historischen Roman und hoffentlich - sowas von um die Ohren gehauen bekommen ...
Und nein, Antiamerikanismus buchstabiert
sich anders.
PS. Und bei allem gerechtfertigtem Zorn: Man
kann sich natürlich auch gut mit reichlich prächtiger
übersetzter Lektüre trösten ...
02/08/07
Weblog - Itinerarium von Quo Vadis. Autorenkreis Historischer Roman ist online
Der Autorenkreis
Historischer Roman Quo Vadis hat mit dem Itinerarium
ein Weblog eröffnet, in dem Autorinnen und Autoren des Kreises über
Neuigkeiten, Lesungen, ihre Bücher und Nachrichten aus der Verlagswelt
berichten. Dank der Blogsoftware Serendipity können die Autoren hier selbst Beiträge verfassen; das Itinerarium ist damit sozusagen ein "Gemeinschaftsblog".
01/08/07
"Schwarzbuch Scientology" in der Auslieferung
Es war abzusehen, daß die Betreffenden (auf passende Bezeichnungen wird wegen zu befürchtender Repression an dieser Stelle verzichtet) die Auslieferung mit Abmahnungen und dergleichen zu verhindern suchten. Doch hier ist einmal auch ein gutes Wort über Großverlage auszusprechen: Random House hat sich vorausschauend mit Schutzschriften gewappnet und seine wohl nicht eben kleine Rechtsabteilung auf Trab gebracht, und so ist das Schwarzbuch Scientology von Ursula Caberta nun im Handel.
Wer weiß, möglicherweise ist es geschickt, das Buch schnell zu kaufen, wenn man auf mögliche künftige schwarze Balken beim Lesen verzichten möchte.
17/07/07
Uhus kleine Lesestunde: Infoblätter online
Infoblätter zu meinen neuen Lesungen stehen
jetzt online. Ich mache nicht mehr allzu viele Veranstaltungen pro
Jahr (nie wieder über 50 Stück in einem Jahr ...), daher ist
rechtzeitiges Anfragen bzw. Buchen wichtig - danke!
Hier ein kleiner
Überblick (die Liste wird noch erweitert):
Indianer: Eine Rundumbetrachtung
Diese Veranstaltung richtet sich an Jugendliche der 7./8. Klassen.
Das Gewicht liegt auf einem Vergleich der historischen mit der
gegenwärtigen Kultur vor allem eines Plainsindianervolks. Klischees
werden gesucht und gefunden, widerlegt ... und vielleicht auch hier und
da bestätigt.
Dazu werden neben gelesenen Textabschnitten aus
verschiedenen meiner Bücher auch reale Zeitzeugenzitate herangezogen, es
wird historisch-"authentische" indianische Musik mit moderner
verglichen, und weiteres.
Zielgruppe: 7./8. Schulklasse
Mehr
Informationen (PDF)
Wikinger: Ein Buch entsteht
Anläßlich der laufenden Schreibarbeit an einem historischen
Jugendbuch über die guten alten Wikinger wird neben weitgehend
authentischer Gewandung und Dias die Mechanik hinter der Schreibarbeit
und die "technische Seite" des Erzählens geschildert. Dazu wird ein
Textausschnitt in zwei Varianten vorgelesen: Der Urfassung und dem in
mehrfacher Hinsicht geänderten Text. Auch die einzelnen Schritte vom
handgeschriebenen Text hin zum Buch auf dem Ladentisch werden mit den
Jugendlichen besprochen.
Zielgruppe: 6./7. Schulklasse
Mehr
Informationen (PDF)
Der Riss in der Tafel: School Shootings
Erfurt, Columbine, Emsdetten - diese Orte sind zum Inbegriff für
"School Shootings", Amokläufe beziehungsweise schwere Gewalttaten durch
Jugendliche an Schulen geworden. Was haben diese Gewalttaten gemeinsam?
Wer sind die Täter? Welche Rolle spielen die Medien, "Killerspiele" und
das gesellschaftliche Umfeld? Wie entwickeln die Täter ihre tödlichen
Phantasien?
Gemeinsam mit dem Co-Autor und Kriminologen Dr.
Frank J. Robertz vom Berliner Institut
für Gewaltprävention und angewandte Kriminologie (IGaK)
wird auf dieser Veranstaltung anschaulich und kompetent auf die
Problematik, aber vor allem auch auf Präventions- und
Interventionsmöglichkeiten im schulischen und polizeilichen Alltag
eingegangen. Die Veranstaltung wird durch Lesung, Lichtbilder und
Diskusssion mit dem Publikum sehr anschaulich - und die wichtigen Punkte
bleiben besser im Gedächtnis haften und können im Anschluß diskutiert
werden.
Zielgruppe: Lehrer, Eltern, Polizisten, Kriminologen,
Schulpsychologen, Schulsozialarbeiter, Forensische Psychologen,
Psychotherapeuten
Mehr
Informationen
21/06/07
Elektronische Kopien: Ihr könnt mir mal den Dolch putzen.
Im Allgemeinen ist es ja erfreulich, wenn ein Autor seine Werke in der Deutschen Nationalbibliothek sieht. Aber diese Sache kann nur ein Aprilscherz sein:
"In Deutschland sollen alle Web-Autoren in Zukunft dazu verpflichtet werden, regelmäßig elektronische Kopien ihrer Inhalte an die Nationalbibliothek abzuliefern. (...) Die Bundesregierung plant in der so genannten Pflichtablieferungsverordnung Unternehmen und Blogger dazu zu verdonnern, regelmäßig die Nationalbibliothek mit allen ihren geistigen Ergüssen beliefern zu müssen." -- weiterlesen
Liebe hochkompetente Fachmännchen, ihr könnt mich mal. Gern auch kreuzweise. Alternative: Laßt sie in Daten ersaufen - her mit dem passenden FTP-Pfad zum automatischen Publizieren ...
24/05/07
Harm Paulsen rotiert
In der
Zeit hat er eine schöne Vorstellung bekommen, der gute Harm Paulsen
Jarl!
Vor acht Jahren hat er mir bei den Recherchen für "Die
Drachen kommen" fröhlich und kompetent Ratschläge gegeben aus seiner
Erfahrung als "Experimenteller Archaeologe", als der er mit seiner
Wikinger-Truppe für das Museum Haithabu
tätig ist (rechts in voller Montur auf einem der Wikinger-Tage des
Museums). Großartig für die in einem Roman so wichtigen praktischen
Erkenntnisse, die Bücher und Realia nicht oder nicht eindeutig
erschließen können.
Nun hat er auch eine dieser
"Experimental-Dokus" betreut, die sich diesmal um die Steinzeit dreht.
An sich empfinde ich diese Nachempfindungen der Vergangenheit ja eher
als merkwürdig, aber da er dieser hier zur Seite gestanden hat, dürfte
sich ein Blick auf jeden Fall lohnen:
SteinZeit
- das Experiment, 27. Mai, 28. Mai (jeweils 21.45 Uhr) sowie am 4.
und 11. Juni (jeweils 21.00 Uhr), ARD.
04/04/07
Kurzgeschichtenwettbewerb: Ausschreibung online
Die Ausschreibung für den Kurzgeschichtenwettbewerb von Quo Vadis im
Rahmen des Jahrestreffens
in Lauf steht nun online.
Freunde
des Schreibens können Kurzgeschichten von bis zu 5 Normseiten
einreichen. Der Preis ist mit 500 Euro für den ersten, 300 Euro für den
2. und 200 Euro für den 3. Platz dotiert. Der 4. bis 10. Platz bekommt
jeweils 50 Euro.
Viel Spaß beim
Schreiben!
29/03/07
Von dem Verhalten extraterrestrischer Raupen
... oder ähnlichen Wesen, nachzulesen im frisch erschienen Roman des verehrten
Kollegen Frank Böhmert - es sei nur soviel verraten: In diesem
Perry-Rhodan-Taschenbuch bei Heyne tummeln sich nicht nur fröhliche
Raupenaliens in einer sehr eigenen Kultur und mit einer ebenso eigenen
Mentalität, sie tummeln sich noch dazu gelegentlich auf einem "Herzberg"
- ein nicht
ganz zufällig gewählter Name.27/03/07
Abgabe
20/03/07
Neue Lesungen: Indianer für 7./8. Klasse
Nach dem ersten Testlauf in Schwabach hier nun eine Beschreibung der
neuen Lesung:
Indianer der Plains - eine abenteuerliche
Rundumbetrachtung
Im Gegensatz zu meinen anderen
Indianer-Lesungen richtet sich diese Veranstaltung an ein etwas
älteres Publikum (7./8. Klasse).
Daher wird hier neben der Reise
ins gelesene Abenteuer aus zweien meiner Romane
der Schwerpunkt gelegt auf das gegenwärtige Leben, die
Selbstwahrnehmung eines Plainsindianerstammes und das Indianerklischee.
Und
damit das Ganze nicht zur verstaubten Vorlesung wird, sind
- ein
Beispiel für historisch-traditionelle Musik,
- eines für moderne
Interpretation durch einen indianischen Künstler,
- ein
zuckersüßes für die esotherische Verballhornung
-
sowie Sprachlektionen, wie sie in den Schulen des betreffenden
Reservats eingesetzt werden
dabei.
Darüber hinaus
- natürlich die unvermeidlichen Dias
-
originalgetreue Repliken (Lederköcher, Rohhauttasche, Pfeile,
Feuerbohrer ...)
- und, nicht zuletzt, diverse Zitate von
historischen und gegenwärtigen Zeitzeugen, die die kritische Sicht auf
den Charakter des betreffenden Volkes aus verschiedenen Blickwinkeln
ermöglichen.
Ein Infobogen zu dieser Lesung ist in Arbeit!
03/01/07
Die Drachen und der Ulmer Buchkristall
Im vergangenen Herbst hatte ich die Freude in dem beeindruckenden
Kristall-Gebäude der
Stadtbibliothek Ulm Lesungen zu halten. Und die Entscheidung hat sich
gelohnt, diese Lesungen anzunehmen (bei achzig Auftritte pro Jahr drohte
das Reisen das Schreiben zu ersetzen). Prima Veranstaltungen - und vor
allem eine wirklich beeindruckende, erst wenige Jahre zuvor
fertiggestellte Bibliothek. Und schöne Aufnahmen. Ganz herzlichen Dank
an die Organisatorin Frau Koukol dafür!
Lesung "
Die Drachen kommen": Klischees untersucht anhand von Wiki und Hägar :::
und ein in einen "echten" Wikinger verwandelter Zuhörer.
(Photo links oben: © Stadt Ulm)
Technorati Tag: Lesung, Jugendbuch, Wikinger
23/10/06
Sir Walter Scott-Preis 2006 vergeben
Am Sonntag wurde der erste Sir Walter Scott-Literaturpreis für den
historischen Roman in Schwäbisch Hall vergeben.
Die
glücklichen Preisträger sind:
Goldener Lorbeer: Catalina - Markus Orths
Silberner Lorbeer: Die Hüter der Rose - Rebecca Gablé
(Mitglied bei QUO VADIS)
Bronzener Lorbeer:
Miss Emily Paxton - Peter Prange
Preisgeld waren 4.000 Euro.
Der nächste Preis wird 2008 ausgelobt werden.
Ein Bericht über
die aufwändige Preisverleihung erfolgt bald
auf den Seiten des Autorenkreises Quo Vadis.
Der Berg Gold und Silber
Die Goldgeber
Die Gold- und
Silbermünzen sowie die Anthologie wurden von folgenden Verlagen
gespendet bzw. gefördert:
Ursula Luebbe Stiftung,
Knaur Taschenbuch, Aufbau-Verlag, rowohlt, Verlagsgruppe Lübbe, Diana
Verlag, Heyne, blanvalet.
15/09/06
USA: Explosives Manuskript?
Es mag zwar sein, daß unter der Bush-Administration Bücher wieder ihrer
Gefährlichkeit Willen gewürdigt werden, insbesondere, wenn es sich um
ketzerische Werke handelt. Aber der Grund, weshalb Rowling ihr
Manuskript des letzten Harry Potter-Bandes
zunächst nicht mit in die Kabine nehmen sollte, wäre doch interessant
- wurde befürchtet, daß sie daraus tödliche Papierflieger fertigen
könnte? Mit der Drohung, den Schluß zu verbrennen, den Piloten erpresse?
- Jedenfalls durfte sie ihr Skript dann doch im Handgepäck mitführen.
06/09/06
Auswahlliste Quo Vadis-Literaturpreis
Die Auswahlliste des
Quo Vadis-Literaturpreises steht. Die Jury hat sich für folgende Titel
entschieden:
Der Nomade - Beate Rygiert
Hahnemanns Frau - Angeline Bauer
Die Hüter
der Rose - Rebecca Gablé
Miss Emily Paxton - Peter Prange
Schnee in Venedig - Nicolas Remin
In Berlin vielleicht - Gabriele
Beyerlein
Catalina - Markus Orths
Die Reihenfolge ist
(noch) zufällig - sie wurde erwürfelt.
Auf dem
Jahrestreffen werden die drei Preisträger aus der Liste ausgewählt werden.
28/08/06
Jugger - das erste Sachbuch zum Sport ist draußen!
Mit Freude kann ich verkünden, daß das
erste Sachbuch über "
Jugger", den Mannschafts-Pompfensport um
einen Hundeschädel (aus Schaumstoff... ),
soeben erschienen ist. Das Taschenbuch ist durchgängig vierfarbig
gedruckt, wodurch das reichhaltige Bildmaterial ausgezeichnet zur
Geltung kommt, ebenso die frisch-bunte Gestaltung. Und nachdem ich
gerade die (endlich) eingetroffenen Belegexemplare ausgepackt habe,
muß ich sagen: Ich bin ehrlich und völlig begeistert *
juchu*.
Auszüge von Telefonaten mit dem Regisseur und
Drehbuchautor des dem Sport zugrundeliegenden
Films "Blood of Heroes", David Webb
Peoples, sind ebenso in den Text eingewoben wie von einzelnen
deutschen Spielern. Neben Pompfenbauanleitungen und Grundlagen zu
Taktik und Strategie werden auch die in den USA und Australien
gespielten Varianten geschildert. Primär ist es für die pädagogische
Praxis geschrieben und enthält dementsprechend auch Arbeitsblätter und
eine theoretische Auseinandersetzung mit diesem Sport. Daraus erklärt
sich auch der Kaufpreis, der ebenso wie der Titel vom Verlag
festgelegt worden ist und dem üblichen Preisniveau des darauf
spezialisierten Hauses entspricht.
Erweiterungen, Errata, Erläuterungen und dergleichen
finden sich auf der
Autorenwebseite zum Buch.
Zwei Dinge seien gleich vorweg gesagt: "
Aggressionsabbau" darf nicht im streng pädagogisch-soziologischen
Sinne verstanden werden. Folgt man der Aussage Noltings, so
kann dies durch Sportarten dieser Art nicht geleistet werden. Dies
wird auch in dem ausführlichen Beitrag im Buch zur Frage "Sport und
Gewaltprävention" erläutert, den ich einem engagierten Experten und
Freund verdanke. Was das Juggern meiner Ansicht nach, und gemäß dem
Rückentext des Buches, aber um so mehr kann, ist Dinge wie Fairness,
Teamgeist, Integration u.w. zu stärken und zu fördern.
"statt Prügeln " ist
eine für meinen Geschmack recht negative Formulierung. Zudem ist
Jugger nicht für hochaggressive bzw. bereits gesellschaftsunfähige
Jugendliche geeignet.
Hier das Inhaltsverzeichnis:
-
Vorsatz
Dank - Grußwort D.W. Peoples - Vorwort
-
Juggern im Park
-
Herkunft des Jugger
Geschichte - Der Film - Jugger als Sport - Showjugger
-
Juggern kann jeder
Voraussetzungen - Schutzkleidung - Der Spielablauf - etc.
-
Taktik und Strategie im Spiel
Aufstellung - Befehle - Taktische Maneuver - etc.
-
Die Turniere
Austragungsorte - Der Turnierveranstalter - Die Trophäen - etc.
-
Ist Juggern ein gewalttätiger
Sport?
Fairness - Pompfen im Dienste der Gewaltprävention? - Juggern in einer Schüler-AG - etc.
-
Pompfen-Bauanleitungen
Grundsätzliches - Bambuskern - GFK-Kern - Stab - Kette - Q-Tip - Langpompfe - Kurzpompfe - Schild
-
Anhang
Arbeitsbätter - Trainingsvorlagen - Legende - Kontaktadressen - etc.
Dank
Ohne die offenherzige
Unterstützung, die ich von Spielern und anderen Informanten bei meinen
Recherchen und Nachfragen erfahren habe, wären viele Facetten dieses
Buches nicht möglich gewesen. An dieser Stelle möchte ich allen
Beteiligten für ihre Hilfe danken!
Hier also jene, denen
besonderer Dank gebührt:
David Webb
Peoples, USA, für seine Erläuterungen zur Erfindung des
Jugger und zum Film.
Lester Balz
und den Berliner Juggern, darunter
Thomas
Müller-Danert und Steven Senst
,
für reichhaltiges Bildmaterial, Anekdoten und taktische und strategische
Erläuterungen, darüber hinaus für die Offenheit, mit der sie
Interessierte bei den Trainings willkommen heißen.
The Duck für Redigieren und wissenschaftliche Erläuterungen.
Maximilian Lautenschlaeger für
hervorragende Photographien.
Liquid Eye
und dem Jugger e.V.
für ebenso gute Photos.
Bo Colen
, USA, für Erläuterungen zu US-Jugger und Dokumentarfilmteaser.
Adam, Australien, für Informationen zu dem Spiel down under.
Für ihre ausführlichen Erläuterungen Entstehungsgeschichte, Lokalregeln und
Pompfenbau:
Arach - Bayern (
Drachenblut)
Bastian Kahn
und Ingo Vigneron - Saarland (
Juggerhood of Saar/Illuminati/Jugger Frankreich)
Cornelius "Neilo" Felbinger - Birklehof (P.E.ST.)
Daniel Felsmann - Bielefeld (
Luteus Teutones)
Penguin -
Hamburg (USA/Australien/Deutschland)
Siggi
- Hamburg (Gorditos Cojones)
Jan 'Ace' Schliep -
Oldeslohe (da Moshas)
Ulrich Janus
- Warwick (Ex-Hobbiz).
Ruben Philipp
Wickenhäuser: Juggern ... Der Trendsport ..., Pb., Mülheim an der
Ruhr, Verlag an der Ruhr 2006, ISBN - 3-8346-0178-0 (17.- Euro,
durchgehend vierfarbig)
... beim Verlag
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Rezensionsexemplare können Sie
anfordern beim Verlag an der Ruhr, Alexanderstr. 54, 45472 Mülheim a.
d. Ruhr.
16/08/06
Grass und die Waffen-SS
Was ist da passiert - da hat einer der bedeutendsten deutschen
Schriftsteller eröffnet, daß er als Jugendlicher zur Waffen-SS
eingezogen worden ist. Es heulen neben jenen, die berechtigte Kritik
anbringen, die Vielen, die aus Neid und Mißgunst heulen oder jene, die
damals selbst gern vorne gestanden hätten und eben deswegen umso lauter
heulen gegen den, den sie im Grunde ihres Herzens als Nestbeschmutzer
ansehen müssen.
Nestbeschmutzer, denn: Im Gegensatz zu
vielen anderen hat Grass der Öffentlichkeit zwar seine Mitgliedschaft
vorenthalten, sich jedoch, seit er erwachsen geworden, für die
Demokratie, gegen die Ewiggestrigen eingesetzt, und zwar gegen massive
Anfeindungen und Opposition insbesondere der Rechten und der bürgerlich
Konservativen unserer auf wundersame Weise demokratisch gebliebenen
Republik. Wie viel lieber muß einem Demokraten aber ein engagierter
Kämpfer für Demokratie und Menschlichkeit sein, der einen Teil seiner
jugendlichen Vergangenheit verschweigt, gegenüber jenen, die sich
schönhubernd mit der Mitgliedschaft in jener schwarzen Truppe brüsten
und das wunderbar Kameradschaftliche der Waffen-SS herausstellten, zumal
der alten, also jener, die noch keine Milchgesichter einzog, sondern
stramme arische(*) Hitlersjünger. Oder gegenüber jenen Unzähligen, die
nach einer feinen Entnazifizierung reichlich mit Persilscheinen
ausgestattet in Amt und Würden zurückkehrten, ja sogar wie im Falle
eines führenden Rassenkundlers im Nachkriegsdeutschland Ehrenmitglied
der Deutschen Forschungsgemeinschaft geworden sind.
Daß Grass in
jugendlicher Verblendung vom Nationalsozialismus durchaus angetan
gewesen ist, hat er nicht verschwiegen; im Gegensatz zu den
Ewiggestrigen und vielen heutigen Kriegstreibern und Revanchisten hat er
jedoch daraus Konsequenzen gezogen und nach der bedingungslosen
Kapitulation laut und unbeirrbar gegen jene angeschrieben und sich
politisch aus Überzeugung für unsere Republik engagiert. Den einfachen
Weg eines unpolitischen Schriftstellers, der heutzutage sehr populär
geworden ist, hat er nicht beschritten, und dafür gebührt ihm m. E.
Hochachtung.
(*) Es entsprach dem wissenschaftlichen Konsens der
Rassenkunde re. Anthropologie - seinerzeit eine international durchaus
anerkannte Wissenschaft - daß die sog. "arische Rasse" ein Hirngespinst
sei, wie führende Wissenschaftler wie Fritz Lenz auch während der
NS-Zeit unbekümmert schrieben; in diesem Sinne wird der Begriff hier auf
die Mitläufer, Wasserträger, Paladine und Profiteure der NS-Diktatur und
ihrer politischen Vertreter im allgemeinen angewandt.
01/08/06
Wenn Faulheit über Sprache siegt
... und deswegen
erlaubt der Duden das Deppen-Apostroph. Warum nur ist die Sprache schuld,
wenn die Leut zu faul sind, sie zu erlernen? Bei "zu doof"
könnte man wenigstens noch sagen, eine Sprache ist für die Menschen da.
Aber so doof kann man können die meisten doch nicht
sein ... ganz großer Wurf, du Volk der Dichter und Denker ...
(
LawBlog)
PS. Ich drehe höchstpersönlich dem Lektor den Hals um, der
mir so ein Ding in den Text kleistert. Doppelt, wenn`s sein muß.
31/07/06
Eeeendspurt!
Es ging ungefähr ein halbes Jahr schneller als erwartet: Gerade sind
die Autorenkorrekturen für das eeeerste Sachbuch über den Sport des
Juggerns eingetroffen - und es wird bunt (geradezu bonbonbunt ...).
Das Buch richtet sich in erster Linie an Lehrer und Pädagogen, die Lust
darauf haben, diesen doch sehr ungewöhnlichen Sport im Rahmen einer
Schul-AG oder eines Jugendclubs umzusetzen, außerdem als Handreichung
für Spieler, die ihren Lehrern, Bezirksämtern, Sportplatzwarten oder wem
auch immer verdeutlichen wollen, daß Jugger eben keine wüste
Prügelei ist - eher eine wilder Pompferei.
Es dürfte dank
Entstehungsgeschichte, Zitaten vom Regisseur des "Mutterfilms" u.a. aber
auch für Spieler interessant sein.
Bald mehr ...
Technorati
Tag
28/07/06
Von den Freuden der Literatur
Kürzlich kam ein E-Mail-Leserbrief herein, der sich zu unseren
Gemeinschaftsromanen äußerte. Dabei verwendete der verehrte Leser
überwiegend nette Ausdrucksweisen wie "Mist" und "wirklich Schrott". Das
Ganze gipfelte darin, daß der Ungehaltene meinte erkannt zu haben, wir
hätten die Gemeinschaftsromane "[nur um des] Kommerz[es Willen]"
geschrieben - sprich, er hat keinen Schimmer vom Litertaur - Geld
Anachronismus.
Kritik gehört zum Beruf. Selbst, wenn der Leser
den gemeinschaftlich geschriebenen Roman von zwölf Autoren (=ein
literarisches Experiment) mit gleichen Maßstäben beurteilen will wie den
Roman von einer Person. Aber die Grundlagen eines anständigen, und
selbst bei Enttäuschung minimal freundlichen Umgangstons erwarte ich,
auch von der verehrten Leserschaft. Reagiert Euren Alltagsfrust bitte
woanders ab.
29/06/06
Google stellt Auszüge aus Büchern online - Börsenverein zieht nach
Wie der neue Dienst von Google zu bewerten ist, Bücher zu digitalisieren
und auszugsweise über die Suchmaschine zur Verfügung zu stellen, bleibt
abzuwarten.
Wachsamkeit scheint jedenfalls geboten: Sollte sich der
Dienst negativ auswirken, so könnten gerade kleine Verlage bedroht sein
- und es sind die Verlage - häufig gerade die kleinen, nicht-durchBWLten
Verlage -, die Inhalte schaffen (respektive ihre Schreibknechte,
romantisch "Autoren" genannt), nicht die unwortigen
"Wertschöpfer". Andererseits kann der neue Suchdienst den Absatz von
Büchern auch fördern, da man sie nach Bedarf besser identifizieren kann.
Der
Börsenverein will nun eingefasst in feste Regeln nachziehen, um
Google&Co. nicht das "Informationsmonopol" zu überlassen.
26/04/06
+
Niemals vergessen. Niemals verharmlosen.
14/04/06
Freie Internet-Forendiskussionen: Das war's dann wohl.
Durch das aktuelle Urteil des Hamburger Landgerichts ist dank unklarer
Definition eine Situation geschaffen worden, die für öffentliche Foren
sich als höchst problematisch erweisen könnte. So
müssen Forenbetreiber nun möglicherweise für die Beiträge in ihren Foren haften
, ganz gleich, ob sie Kenntnis von rechtswidrigen Beiträgen haben oder nicht.
Zumindest legt der Urteilsschluß des LG dies nahe:
"
Nur vage äußerte sich die Kammer zur Frage, ob sich ihre Sichtweise auf
jedes Webforum oder nur auf Dienste von Presseorganen bezieht. Sie
spricht von derjenigen "Person, die Einrichtungen unterhält, über die
Inhalte in pressemäßiger Weise verbreitet werden". Dies gelte "auch für
Unternehmen, die Inhalte über das Internet verbreiten." Der Heise
Zeitschriften Verlag verbreite in seinem Webforum Äußerungen von Nutzern
"pressemäßig". Dies dürfte folglich auf jedes Internet-Forum zutreffen,
eine weitere Differenzierung nehmen die Richter zumindest nicht vor."
Konsequenterweise schalte ich mit sofortiger Wirkung die öffentlich
einsehbaren Kategorien
unseres Quo Vadis-Forums ab, schon allein aus Protet gegen diese
Entscheidung, die sich zu einem indirekten massiven Eingriff in die
Rechtssicherheit und verkappter, jedoch um so effektiverer Zensur
mausern könnte. Wer sich ehrenamtlich in Foren engagiert, sollte nicht
mit einem Fuß im Gefängnis (oder vor dem finanziellen Bankrott zugunsten
von besonders schlauen Geschäftemacherles) stehen - herzlichen Dank auch.
Ende der Durchsage.
28/03/06
+ Stanislav Lem
|
Der Schriftsteller
und Philosoph Stanislav Lem ist tot. Seine Romane, deren
Utopien meines Erachtens noch weitaus gewagter waren als jene
eines - doch recht teilweise etwas entnervent konservativen -
Asimov, sind Meisterwerke des Science Fiction. Sie belegen, daß
dieses Genre weit mehr ist als nur Unterhaltung, daß es vielmehr
die Äußerung von Gedankengängen ermöglicht, die ansonsten
vielleicht ellenlange, unverständliche Seiten eines Fachjournals
füllen würden; und daß nicht nur Gesellschaftskritik,
sondern Kritik am sich doch gerne selbstgerecht gebenden
menschlichen Wesen als solchem möglich ist. Stanislav Lem war ein großartiger Autor und darüber hinaus ein beachtenswerter Philosoph. |
01/03/06
Noch ne Rechtschreibung
Unglaublich, sie haben wieder was zum Verschlimmbessern gefunden - und
wenn ihnen nichts mehr einfällt, dann führen sie bestimmt wieder die
gute alte Sütterlin-Schrift ein
Also ich schreibe, wie ich will. Fürs Verzweifeln werden die
Lektoren (viel besser als ich) bezahlt.
"Die
Rechtschreibreform ist vollkommen in Ordnung ... wenn man weder lesen
ncoh schreiben kann." -- Loriot
23/02/06
Der klingelnde Papagei
Diese und andere (natürlich tatsächlich geschehene) Anekdoten aus dem
Schriftstellerleben finden sich in dem stets
beneidenswert gutgelaunten Weblog meines verehrten Kollegen und
Mitherausgebers des "
12.Tages" Titus. Und der klingelnde Papagei ist der echte Papagei einer
Buchhändlerin, der
klingeln kann wie ein Telefon. Und der bei Lesungen gern an der völlig
falschen Stelle in Gelächter ausbricht ...
Und Titus, wann
kicherte es bei Dir im Hintergrund?
16/02/06
Neues von der Bücherfront: Ein Buchhändler-Weblog
Amüsante Anekdoten von der Bücherfront finden sich im neuen Weblog "
Buchhändleralltag und Kundenwahnsinn" (wir Autoren sind ja
gewissermaßen nur die Küchenjungen der Nachschubfabriken, gaaaaanz weit
hinten).
(via
Schockwellenreiter)
05/02/06
Vom Orm gestreift
Walter Moers hat mit "
Die Stadt der Träumenden Bücher" ein großartiges Werk
geschaffen: Einen verschriftlichten Traum, der vor Phantastik - nicht
der ausgelutschten Fantasy - nur so überquillt. Darin geht es unter
anderem um das "Orm", das die dortigen zamonischen Autoren durchströmen
kann:
"'Das Orm durchströmte seinen Geist und entführte ihn weit hinauf an einen Ort des Universums, [...] ein[en] Planet[en] ohne Substanz, [...] aber von solch geballter Vorstellungskraft, daß er die Sterne in seiner Nähe zum Tanzen brachte. Hier konnte man eintauchen in die schiere Fantasie und Kraft tanken, die den meisten zeitlebens vorbehalten war. [...] Als er von diesem Ort zurückkehrte, war er zum Bersten gefüllt mit Worten, Sätzen, Ideen, alle vorgefügt, poliert und geschliffen, er brauchte alles nur noch niederzuschreiben' [...] Das war der Traum des faulen Dichters: einfach den Griffel in die Hand nehmen, und alles schreibt sich wie von selbst. Schön wär's" - Die Stadt der Träumenden Bücher, S. 340 f.
Schön war's. Jetzt weiß ich, was damals passiert ist, als
ich siebzehn war: Das Orm ist schuld!
Denn nie zuvor hatte ich mit
Schreiben oder gar Dichten was am Hut gehabt und war dann von einem
Augenblick zum anderen wochenlang kaum bei Sinnen gewesen, ein kariertes
Blatt nach dem anderen wurde gefressen und unzählige Kugelschreiber
verschrieben, stundenlag, atemlos, bis dann zweihundert Seiten ... nun
ja, Text ... fertig waren. Wenngleich ganz un-ormig ein unbeholfener
Versuch das Ganze und ein Steinbruch für das erste später
veröffentlichte Buch - es zu schreiben, das war großartig
und unvergleichlich, das war wirklich wie ein Rausch, da haben Worte
jede Barriere niedergetrampelt, um aufs Papier zu kommen. Und verdammt,
wenn so ein Wort, ein Satz, eine Handlung rauswollen, dann fackeln sie
nicht lange.
Nur ganz, ganz selten wiederholt sich eine Ahnung dieses
Zustands, und der ist nicht von langer Dauer. Aber selbst diese kleinen
Augenblicke haben es in sich.
"Vom Orm durchströmt"
zu werden - das war einfach großartig.
23/01/06
Heuschrecken in Discworld: Pratchett attacks today's modern economy
After a time of heavy decline (a peak was "The Truth", where Terry
Pratchett even mistreated his own characters - Vetinary will surely NOT
be cheated by a little aristocratic bastard just because he has his
hands on a printing machine, not as Vetinary operates according to so
many books before! Also, the Vampire line gets a bit overstreched imho),
he did some proper work with "Monstrous Regiment", and I really liked
"Night Watch" again.
Now, with "Going Postal", he managed to publish a really great piece of work.
In this stunning Discworld novel, Pratchett fiercely attacks modern economy.
The con artist Moist v. Lipvig has to reopen the Post Office of
Ankh-Morpork. Which is a hard job, since
semaphore towers (note some resemblance to our internet and telephone
culture) transmit messages at a much higher speed. Problem is: The
towers have been built by idealists and were than overtaken by one big
company, the Grand Trunk, at a very low price. The Trunk runs them
without mercy - no time for maintenance, no time for safety, only the
money counts, and monopoly rules. Anyone critizising the company is
fired or even killed by "accidentially" falling off a clacks tower.
While the board of the company consists of egocentric bankers and economists,
true "Heuschrecken", its head is a powerful counterpart to Moist.
When the post office starts to work, it shows that economy is not just making
money ... and it starts to seriously annoy the Grand Trunk. Moist is up
against an enemy as cunning but much more vicious than he is.
Pratchett manages to paint an excellent picture of an ultracapitalist
company, while always maintaining his unique sense of humor. A worthy
and delighting addition to the today's Heuschrecken debate. Besides, the
described semaphore system is quite fascinating.
PS. Never, ever
try to read the German translation. Pratchett's humor sounds dreadful
when translated (and YES, my English does, too). It is like eating a big
cake solely made of sugar icing. And translating "Granny Weatherwax"
with "Oma", and not "Großmütterchen" or similar, is really heavy stuff.
Extremely awful!
PPS. For a list of errors in the translation (or
suggestions how to translate it better - if that is possible) see
IT&W
(
TechnoratiTag)
16/01/06
Der zwölfte Tag kommt ...
Endkorrektur fertig! Das Skript zu "
Der zwölfte Tag", zweiter Gemeinschaftsroman von
zwölf Autorinnen und Autoren von Quo Vadis, geht Mitte der Woche ins
Lektorat. Diesmal haben Mani Beckmann, Guido Dieckmann, Rebecca Gablé,
Malachy Hyde, Tessa Korber, Kathrin Lange, Walter Laufenberg, Titus
Müller, Belinda Rodik, Eric Walz, Sabine Wassermann sowie meine
Wenigkeit daran mitgewirkt.
Nach dem Lektorat kommen nur noch die
Fahnenkorrekturen, und bald wird das gute Stück im Buchhandel zu haben
sein ... und Titus und ich werden als Herausgeber erstmal verschnaufen
können. Bis dahin warte ich gespannt auf die Satzfahne ...
03/12/05
Boulevardpresse? Hetzblatt! Dem die Politik ins Hinterteil kriecht ...
Jetzt meckern wir mal ausnahmsweise nicht wieder über die USA, sondern
kehren vor unserer eigenen Tür. Und das tut Gerhard Henschel in dem
Artikel "
Von Tag zu Tag wird’s schmutziger. B*** als Kulturproblem"
mit einiger Hingabe und sachlich geballtem Zorn. Ein Auszug:
"Wie
ist es nun aber möglich, daß B*** die grundgesetzlich verbürgte
Unantastbarkeit der Menschenwürde eines angeblichen
Vergewaltigungsopfers zerstampfen und in dessen Intimsphäre
tollhäuslerisch wüten darf, aus dem niederen Beweggrund, finanziell von
einem Skandalprozeß um eine angebliche Vergewaltigung zu profitieren?
[...] Und wer, wie Gerhard Schröder es getan hat, einen ausländischen
Staatsgast zum gemeinsamen B***-Interview willkommen heißt, der sollte
sich die Frage vorlegen, ob es nicht anständiger gewesen wäre, den Gast
in einem gutgeführten Bordell zu begrüßen als in Kai Di******* dreckiger
Sexualnachrichtenkaschemme."
Eines muß ganz klar gesagt
werden: Sich mit den Chefredakteuren gewisser Blätter in einem Raum zu
befinden, ist keine Ehre, sondern allenfalls ekelerregend.
Hingegen
mögen's 12 Millionen wahlberechtigte (!) Bundesbürger und rufmorden
durch den Kauf des Blattes eifrig mit. Wundert sich noch jemand, daß wir
früher alte Damen als Hexen verbrannt haben?
(via
IT&W)
PS. Sehr nett der
Werbespot der TAZ zum Thema, den der Axel Springer Verlag, der auf diesen
Rechtsschutz im Gegensatz zu seinen Opfern natürlich rechtswirksamen
Anspruch hat, inzwischen hat verbieten lassen. Egal, wenn man ihn sich
rechtzeitig angesehen hat ...
01/12/05
DAS ist doch eine Annahme!
Das Skript meines ersten Sachbuchs von 1996/97, Indianer-Spiele,
hatte ich damals an einem Donnerstag an den mir bis dato unbekannten Verlag
an der Ruhr gesendet, und am darauffolgenden (!) Montag morgen rief
der Lektor atemlos bei mir an: "Sie haben es doch noch nicht verkauft?"
Am
nächsten Tag war der Vertrag da. Seitdem hat es vier Auflagen erlebt und
läuft weiterhin gut. Der Verlag an der Ruhr ist ein kleiner,
hochambitionierter Fachverlag für pädagogische Sachbücher, der in
Schulen und bei Pädagogen bekannt ist. Und der weiß, wie man Backlist
schreibt.Gerade
passierte etwas ähnliches.
Nachdem der Verlag Interesse an einem
Exposé bekundet hatte, hatte ich die Probekapitel hingeschickt. Am
nächsten Tag hatte ich schnell eine Mail mit ein paar Erläuterungen zu
meinem Anschreiben geschrieben. Nur neunzig (90) Minuten später war die
Antwort eingetroffen: Das Skript sei angenommen, der Vertrag komme in
den nächsten Tagen! Heute habe ich die Verträge unterzeichnen können.
Anderswo wartet man Monate, um nur eine Ablehnung zu bekommen.
Und
soviel sei über das Projekt verraten: Es geht diesmal nicht über
Indianer. Und es wird ziemlich abgefahren, wenn ich mich nicht irre.
Da
spitzt der Uhu begeistert seine Feder ...
Also DAS nenne ich
einen Verlag!
Nachtrag: Und auch hier flog der Uhu gegen eine Scheibe. Na
super.
11/11/05
Das ist doch noch eine Ablehnung!
Versendet man selber ein Skript an Verlage mit der Bitte um Prüfung, so
erhält man mittlerweile allzu oft Antworten, die den Autor wie einen
lästigen Bittsteller dastehen lassen.Aber auch heute noch gibt es Verlage mit Anstand. Verlage, die auf ein Skriptangebot hin bei Ablehnung nicht nur mit einem Brief antworten und das Skript beifügen (*), sondern auch noch freundlich dabei sind. Ein solcher erfreulicher Fall ist Droemer Knaur:
Ein Standart(**)schreiben? Natürlich. Aber eben: Ein freundliches. Eine kleine Geste, die nicht zu unterschätzen ist.
(*)Rücksenden des Skriptes: Eine selten gewordene Tugend, wobei die Masse der wöchentlichen Manuskripteinsendungen - aber bitte nicht selbstgerecht-ignorant der "unangeforderten Manuskripteinsendungen" - selbst in kleinen Verlagen ein ungeheueres Volumen erreicht hat.
(**)Siehe Kommentare.
07/10/05
Hasenbrot online
Wer sich fragt, woher der Begriff "Hasenbrot" stammt,
findet die Antwort in dem neu eröffneten Weblog "
Böhmerts Hasenbrot" des Übersetzers und Autors Frank Böhmert
(Übersetzer: E-D, Ungezählte Romane für DTV u. v. a.; Autor: 2 Perry
Rhodan-Romane bei Heyne, davon einer mit kiffenden Aliens,1 Romanheft, 1
Elefant unter dem Dach, 1 Fanzine mit 7 Ausgaben u.w.)
Er, der er
der E-Mail und dem Internet kürzlich abgeschworen hatte, ist nun doch
(auch) der Weblog-Sucht erlegen ...
26/07/05
"Der Riß in der Tafel" beim Springer Medizinverlag
Hervorragend!
14/07/05
Auf die Katholiken ist Verlass
Denn Papst Ratzinger hatte erwartungsgemäß "Harry
Potter" verdammt angegriffen. Wie Frank Robertz
heute
in seinem Blog schreibt, hat der inzwischen Sich (ehemals) Niemals Irrende
bereits 2003 entsprechend auf einen Beitrag der katholischen Soziologin
Kuby geäußert, die Ratzingers Zustimmung noch in seiner Kardinalszeit
gewann und desweiteren auf ihrer Webseite zehn Thesen und einiges
Weitere dazu veröffentlicht hat, was wohl den durchaus beliebten
Tatbestand des Fundamentalismus erfüllt.
In seinem Naturell
als Wissenschaftler hat Frank dieses Buch rezipiert und darin die gute
alte Gut-und-Böse-Mentalität wiedergefunden, die schon in der frühen
Neuzeit zu einer allzu heißen Nächstenliebe geführt hat. Man
lese und sei erleuchtet.
13/07/05
Das Kriminologen-Weblog
Frank Robertz
, mein verehrter Kollege und promovierter Kriminologe, hat nun mit
blogology ein eigenes Weblog eröffnet.
Das dürfte interessant
werden - immerhin ist er nicht nur Fachmann für Serienmord und
dergleichen, sondern auch höchst aktiver Wissenschaftler. Und man kann
nachlesen, wie man nach einem Studium, für das man sich in Zukunft bis
über beide Ohren zu verschulden haben wird, mit Engagement und Kompetenz
prima 1-Euro-Jobs an Land ziehen kann.
Was in unserem Lande mit
Wissenschaftlern angestellt wird, beschreibt er schon im zweiten Eintrag
seines nagelneuen Weblogs: Neben der Praxis von Ein-Euro-Jobs für die
Wissenschaft beschreibt er, wie die Evangelische Fachhochschule Berlin
nach der Ausschreibung einer Professur Rückporto für die von ihr zuvor
angeforderten Fachbücher
verlangt ...
Man darf gespannt sein, welche Eskapaden des deutschen
Bildungssystems hier noch zu beobachten sein werden. Frohes "bloggen"!
08/07/05
Sören und die Wanderharfe
Der
Harfinist Sören Wendt, der die Lesungen meines Kollegen
Titus Müller musikalisch begleitet, tritt mit seiner historischen
Böhmischen Wanderharfe auch als Solist und im Zusammenspiel mit anderen
Musikern auf Konzerten und Veranstaltungen auf.
Auf seiner
umfangreichen Internetseite bietet er dem Ohr auch einige sehr
schöne Hörproben. Ich kann ihn auch aus Erfahrung von der Lesung
damals nur wärmstens empfehlen.
Also: Zurücklehnen und anhören!
23/06/05
Ein Typar für Quo Vadis
Der Autorenkreis Historischer Roman hat nun einen eigenen Typar.
Den Entwurf für den Siegelstempel hat unsere Autorin und Grafikerin
Maren Winter dankenswerterweise angefertigt; nun liegt er hier, bereit,
alles zu siegeln, was an entsprechenden Korrespondenzen und Dokumenten
(wie die Kalbspergamenturkunde für den künftigen Preisträger des
Literaturpreises) von Quo Vadis erstellt werden wird.
Und man muß
sagen, daß die Qualität des Typars von der Firma
Lederkram sehr gut ist und auch nicht zu teuer war: Es ist gut ausgewogen,
der Siegellack bleibt nicht haften, das Siegelbild ist scharf und klar.
30/05/05
Autoren-Interviews online
Mittlerweile 29 Schriftstellerinnen und Schriftsteller des
Autorenkreises Historischer Roman stellen sich, ihre Ambitionen und ihre
Arbeitsweisen in der
Interviewsammlung von Quo Vadis vor. Darunter finden sich bekannte Autoren
wie Tilman Röhrig, Rebecca Gablé und viele andere.
Die
Interviews sind
online als PDF-Dokument frei verfügbar.
14/05/05
Die Medien zum 8. Mai und das Pin-Up
Es stimmt nachdenklich, wenn der Anstreicher einem in bald jeder zweiten
Ausgabe diverser Illustrierten - oft genug auch auf dem Titelblatt - in
manchmal angenehm diabolischer, manchmal ästhetisch-fotogener, manchmal
überhöht-heldenhafter Pose begegnet.
Verwandelt die,
man möchte bald sagen: schamlose Nutzung seiner Anziehungskraft ihn, der
haupt- und mitverantwortlich an dem von den Deutschen verübten
Massenmord - sei es mit Gas oder Krieg - gewesen ist, verwandelt diese
Nutzung ihn nicht unweigerlich in eine Art zynisches Pin-Up, das man um
der Leser Willen nach Belieben und gefällig auf seine Titelseiten und in
seine entsprechenden Texte druckt?
Deutlicher noch als in den
Printmedien wird dies im Film, wenn neben g.k.pisierten Serien inklusive
endloser und unweigerlich mitfühlender Täterselbstdarstellungen mächtig
mit jenem Anstreicher in Haupt- und Nebenrollen gemenschelt wird - wie
zynisch muß einem Opfer der Titel "Hitler Privat", Einschaltquoten
garantierend, in den Ohren klingen.
Verweist ausgerechnet das
Fernsehen aber auf seine dokumentierende, ja aufklärende Funktion, so
ist dies Anachronismus: Ein Medium, das sein Fähnlein nach den
Einschaltquoten richtet; das sich ohnehin so schwer zum Vermitteln von
Fakten und komplexeren Zusammenhängen - auch schon bei simplen
Problemstellungen - eignet; bei dem mehr als in jedem anderen die Gefahr
einer ungewollten Heroisierung, Idealisierung oder einfach nur
Vermitmenschlichung besteht, ein solches Medium ist wohl kaum dazu in
der Lage, die diabolische Faszination, mit der es spielt, in einer
grotesken Spielfilm-Dokumentarfilmhybridisierung zu beherrschen,
geschweige denn aufzulösen.
Was hier geschieht, erweckt den
Eindruck nicht einer Vergangenheitsaufarbeitung, sondern einer
schlichten wirtschaftlichen Kalkulation um Zuschauerzahlen. Und wäre
damit derart zynisch, daß jeder mahnende oder gar anklagende Gestus der
Ausführenden - um das Wort "Täter" zu vermeiden - in sich zusammenfallen
muß.
Zu den Dynamiken, die aus Tätern Opfer machen - man bedenke nur die
Verschiebung des Fokus von den Opfern des deutschen Terrors auf deutsche
Bombenopfer und Vertriebene, die rechten Kreise werdens danken - und zur
allgemeinen derzeitigen Geschichtswahrnehmung hat der Historiker Prof.
Dr. Norbert Frei das Buch
"1945 und wir. Das Dritte Reich im Bewusstsein der Deutschen"
geschrieben, das seinen Rezensionen nach eine lohnenswerte und eben:
informative Lektüre sein dürfte.
Rezensionen:
Perlentaucher Überblick:
http://www.perlentaucher.de/buch/20319.html
Desweiteren
http://www.zeit.de/2005/09/P-Frei
02/05/05
Sieben Häupter und Zwölf Tage
"
Die sieben Häupter", der Quo Vadis-Gemeinschaftsroman von zwölf
Autoren, ist nun nicht nur mehrfach bei Aufbau Taschenbuch nachgedruckt,
sondern auch in den Buchclub aufgenommen worden.Das zweite Vorhaben: " Der zwölfte Tag", in dem es um die Flucht des (angeblichen?) Mörders des Königs William Rufus von England geht, ist bereits zu einem Drittel fertig: Rebecca Gablé, Guido Dieckmann, Titus Müller und Mani Beckmann haben ihre zwei Kapitel geschrieben. Im Vergleich zu den "Sieben Häuptern" haben wir diesmal auf dem letzten Jahrestreffen die Handlung schon im Vorfeld sehr detailiert ausgetüftelt.
Nach Zeitplan werden am 15. 12. diesen Jahres die letzten beiden Kapitel bei den Herausgebern, Titus Müller und mir, zum Gegenlesen landen.
22/03/05
School Shooting im Reservat
Das Buch zu "School Shooting", das ich mit
Dr. Frank Robertz für Eltern, Lehrer und Pädagogen mache, bleibt leider
sehr aktuell.
Heute morgen
meldete die Tagesschau einen solchen Vorfall in einem Indianerreservat in
Minnesota. Der indianische Schüler tötete sechs bis neun Menschen,
verletzte dreizehn bis achtzehn (hier widersprechen sich Text und
Bildunterschrift) und richtete sich selbst.
21/02/05
10.000 qm für Kinder und Jugendliche - ohne Soldaten!
10.000 Quadratmeter sollen in diesem Jahr auf der Leipziger Buchmesse für Kinder und Jugendliche zur Verfügung gestellt werden. Und zwar ohne die Bundeswehr, die sich ausgerechnet dort präsentiert hatte.
Die "Junge Welt" schreibt über das Wachsambleibenmüssen - schade, daß es an Vernetzung nach außen hin mangelt.
Denn einer hohen Vernetzung des Widerstandes oder einer großen Kommunikationsfreude war dies wohl kaum geschuldet (2004 ergaben auch mehrfache Nachfragen bei den Organisatoren schlicht Schweigen). Dennoch hat der Protest Früchte getragen.
Allerdings schreibt die Initiative "Leipzig gegen Krieg", daß im Ausstellerverzeichnis die BW noch vertreten wäre (der Verweis ist aber offline). Vernetzt euch, Leute ...
Börsenblatt-Ankündigung
20/02/05
Autohaus Schrott und Sägewerk Handlos
Bei trockenen Recherchen unvermutet über eine amüsante Fundgrube gestolpert (Google sei dank):Nicht nur ungewöhnliche Firmennamen, sondern auch eine ganze Datenbank an hintergründigen Sprichworten findet sich auf der Homepage "Die Unmoralische"
03/02/05
Quo Vadis tagt in Magdeburg in der Festung Mark
In diesem Jahr wird der Autorenkreis Historischer Roman Quo Vadis das Jahrestreffen anlässlich des 1200-Jährigen Jubiläums der Stadt in Magdeburg abhalten (9.-11.9.).Für die Auftaktveranstaltung und die Lesenacht, bei der die Autoren mit auf zwei bis drei Ebenen Kurzlesungen halten werden (inklusive musikalischem Rahmenprogramm), haben wir heute die Festung Mark gewinnen können.
29/01/05
DTV auf intellektuellem Höhenflug
Schön ist es geworden, das DTV-Taschenbuchlexikon des Mittelalters.Solange man es nicht umdreht. Denn ausgerechnet auf diesem neunbändigen Werk, das durchaus den Anspruch eines Standartwerks vertreten kann, sind auf jedem einzelnen Band zwei Rezensionen abgedruckt. Die eine vom FOCUS, die andere von der WELT.
Was bezweckt DTV damit, dieser Verlag, auf den ich bislang eigentlich große Stücke gehalten habe? Ein plumpes Lustigmachen über die geisteswissenschaftlichen Käufer? Oder ist da die Marketingabteilung mit dem Verlag durchgegangen?
26/01/05
Ausschreibung Quo Vadis-Literaturpreis
Für den in Gold- und Silbermünzen dotierten Quo Vadis-Literaturpreis können Neuerscheinungen und verlagsvertraglich zur Veröffentlichung vorgesehene Skripte eingereicht werden. Hier findet sich die nähere Beschreibung dazu.Außerdem steht für potentielle Sponsoren ein Handout zum Download zur Verfügung.
Nachtrag:
Die betreffende Seite ist erst ab 28.1. online!
24/01/05
Operation 1653
Bernd Langer, einer meiner Nachbarn, hat mit
Operation 1653 ein
ebenso spannendes wie informatives Buch über seine Erlebnisse in der Autonomen Szene der achtziger
Jahre unter anderem in
Berlin-Kreuzberg im Roten
Antiquariat/Plättners veröffentlicht. Eingebettet in eine packende, thriller-artige Rahmenhandlung einer durch maschinengeschriebene Briefe der "Organisation" angeheizte Odyssee schildert er seine Erfahrungen und Aktivitäten in der Szene. Und natürlich hat Bernd Langer schon weitere Projekte in Arbeit ...
Eine ausführliche Vorstellung des Buches findet sich hier.
Nicht nur für zeitgeschichtlich Interessierte eine Fundgrube!
10/01/05
"adidas School Shooting T-Shirts"
Dieses Angebot zeugt mal wieder von grenzenlosem Zynismus: Ein Händler bietet ein T-Shirt mit der Überschrift "adidas True School Shooting Shirt" an. Wir erinnern uns, School Shooting waren die Schülermassaker in Erfurt, Columbiune und mehrere anderen Schulen. Interessant für unser Buchprojekt ...03/01/05
Autorenblog
Titus Müller, mein Kollege und Mitherausgeber, hat nun mit seinem Journal ebenfalls ein Blog gestartet, mit dem man ihm über die Schulter sehen kann.Wenn er jetzt noch vernünftige Blogsoftware verwendet (wie wärs mit thingamablog...?) und daher das Ganze nicht in ein winziges Framchen packen lässt, kann man sich weiterer Nachrichten aus der literarischen Welt bei ihm erfreuen!
22/12/04
William Rufus: Der zweite Gemeinschaftsroman
Rebecca Gablé hat mit dem Schreiben des ersten Kapitels unseres neuen Quo Vadis-Gemeinschaftsromans zu William Rufus begonnen. Ab sofort kann jeder im Diskussionsforum des Autorenkreises sich über den Fortgang der Arbeit informieren und mit den Autoren Kontakt aufnehmen!20/12/04
Lesungs - Selbstauskunft (pflichtverletzung, schadensersatzpflichtig)
Mehr noch, in dieser datenschutzrechtlich sicher nicht uninteressanten "Selbstauskunft" wird einem auch noch gedroht:
"Mir ist bewußt, dass falsche oder fehlende Angaben durch mich eine Pflichtverletzung darstellen und ich schadensersatzpflichtig werden kann."
Einen solchen Wisch mußte ich in den sieben Jahren meiner regen Lesetätigkeit an Schulen, Bibliotheken und anderen öffentlichen Einrichtungen noch nicht ausfüllen, und das werde ich auch jetzt nicht tun.
Nachtrag:
Gerade kam die Bestätigung des Verbandes Deutscher Schriftsteller Berlin/Justiziarin, daß derlei Selbstentblätterung nicht notwendig ist. Rechnung mit Steuernummer genügt. Natürlich.
Nachtrag II:
Der Berliner Senatsverwaltung, auf die sich das Quartiersmanagement beruft, das wiederum die Finanzierung regelt, genügt angeblich eine gewöhnliche Rechnung nicht.
Nachtrag III:
Die Sache wurde unbürokratisch erledigt, in den nächsten Tagen bekomme ich mein Honorar. Merke: Keine "Selbstauskunft" für Lesungen ausfüllen.
Nachtrag IV:
Hassmails! Ich bekommen von einem der organisatorisch beteiligten Poeten auf diesen Beitrag tatsächlich meine ersten hysterischen Hassmails! In einer ebenso unbeherrschten wie beleidigenden Sprache, daß sie eigentlich um der Unterhaltung Willen veröffentlicht werden sollten - aber dann fliegt hier wohl eine Bombe durchs Fenster ... gute Güte.
15/12/04
Na ENDLICH!
Endlich regt sich konkreter Widerstand gegen die Einverleibung des VS (ehemals in der IG Medien) in ver.di. (Siehe dazu auch den Kommentar zur Berliner Mitgliederversammlung von Frank Böhmert).Ob die Pläne einer gewerkschaftlichen Neugründung Erfolg haben werden oder nicht - aber allein der Versuch dazu war schon überfällig. Jürgen Alberts nimmt das nun in Angriff.
09/12/04
Lesung in Neukölln
Die letzte Lesung mit 30 und für dieses Jahr: Auf der Veranstaltung "Verd!chtet in Neukölln" werde ich am Samstag, den 12.12.04 lesen: Aus "Weißer Bruder Timo" und "Im Labyrinth der Sandberge", dazu Proben aus "Indianer-Spiele" mit Dias und Gegenständen.Wann: 16 Uhr
Wo: Cafe Selig, Herfurthplatz, Berlin-Neukölln
Wie lange: ca. 60 Minuten
Für wen: Kinder zwischen 9 und 11 Jahren
08/12/04
Patridioten
"Ich brauche Brot, Zwiebel, Früchte, Gemüse und dann und wann ein Glas Rotwein. Ich brauche die Liebe meiner Frau (...) Aber eines brauche ich nicht: Ein Vaterland. " schreibt Sehpferds Sinnliche Seiten. Und der Schockwellenreiter kommentiert die sinnentleerte Debatte unserer sinnsuchenden statt politikmachenden Politiker um den angeblichen Mangel treffend mit Schopenhauer und einem passenden Artikel aus DIE ZEIT.Zum Wohle.
02/12/04
Was braucht man mehr ...
... zum Schreiben als eine angenehme Bar mit enormer Kerzendichte, dejuppiisiertem Publikum (Wagenburg, Kiez, Schwestern/Erzieherinnen, Studenten, Berufsschnitzern, gelegentlich volltätowierten Bedienungen), Metal/Punk und ähnlichen Musikrichtungen zur Untermalung, aus den Wänden brechenden, goldenen Einhörnern und Ebern, alles in allem also einer einzigartigen Atmosphäre? Insbesondere an trüben Winternachmittagen ... dieMarabu-Bar, gottlob auch (noch) mit halbwegs moderaten Preisen.
Nachtrag:
Ich habe nichts mit Schreibwerkstätten, den Enthusiasten oder dergleichen zu tun. Ich schreibe da nur gern.
Nachtrag II:
Die Marabu-Barist nicht mehr. Dieser Beitrag ist hinfällig.
25/11/04
Verband Deutscher Schriftsteller Berlin= "kahler ast e. V."
Frank Böhmert beklagt sich bitterlich über die letzte Vollversammlung des VS Berlin.Wenngleich die Äußerung eines Übersetzerkollegen: "Tja, was willst du denn, Frank, die Berliner VS-Mitglieder veröffentlichen doch auch gar keine Bücher!" nicht zutrifft, so ist es doch nicht die Aufgabe einer Gewerkschaft, ihren Mitgliedern Lesungen und Veröffentlichungen zu organisieren.
Zu loben ist hingegen beispielsweise die hervorrragende Rechtsberatung des VS bei Verlagsverträgen.
24/11/04
Ein Wochende = ein Gemeinschaftsroman
So, nun wird also im Januar ein Gemeinschaftsroman von etwa fünfzehn Autorinnen und Autoren an einem Wochenende entstehen, zu verdanken dem Engagement von Andreas Eschbach und veranstaltet von der "Bundesakademie für Kulturelle Bildung". Und zwar das Gegenteil eines historischen Stoffes - Science Fiction.Klingt spannend, gerade wo im Januar die Schreibarbeit am zweiten Aufbau-Gemeinschaftsroman von Quo Vadis losgeht ...
Bleibt zu hoffen, das das Ganze nicht in Richtung Literaturwerkstatt geht. Das wär so ziemlich das Letzte, was ich jetzt noch brauchen könnte ...
21/11/04
QUO VADIS-Kooperation mit der Universität Innsbruck
Wie nach dem Vortrag von Prof. Wiesmüller und Prof. Holzner auf der heutigen Jahresvollversammlung des Autorenkreises Historischer Roman Quo Vadis eingeleitet, werden wir fortan mit dem Projekt historischer Roman der Universität Innsbruck, der umfassenden wissenschaftlichen Datenbank Historischer Romane ab 1770, kooperieren. Die Datenbank soll bei gesicherter Finanzierung mit Romanen ab 1945 aktualisiert werden; Quo Vadis wird u. a. diese Aktualisierung unterstützen.17/11/04
Werbeslogen Leer Zeichen Wu T
Die sinnentleerte Verkorksung der Sprache bei Werbeslogans und Markennamen, unter anderem durch das Einfügen Un Zutreffender Leer Zeichen (und absichtlicher falshshreibung), findet ihren Kommentar im Blog Industrial Technology & Wichcraft.14/11/04
Hörproben fertig!
Endlich habe ich Zeit gefunden, eine Hörprobe aus "Die Drachen kommen", inklusive den bei den Lesungen eingesetzten Klangkulissen, ins Netz zu stellen (ca. 3 MB): Hier Anhören. Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich Hörproben der "Sieben Häupter" und der "Mauern des Schweigens" angefertigt. Diese finden sich hier.
13/11/04
Lesereise I
Die LesArt-Lesewoche in Lauf, Schwabach und Fürth ist mit drei bis vier Schulveranstaltungen pro Tag ohne Heiserkeit erlesen worden (dank dem Leserhausmittelchen Ingwer). Ein großes Lob an die Leiterin der Bücherei Lauf, die zu den Abendlesungen so bekannte Namen wie Horst Ehmke, Rafael Seligmann, Salim Alafenisch, Rüdiger Safranski und Marlene Streeruwitz geladen hatte. Hochinteressant!Und sehr solide organisiert.
02/11/04
M$ WORD 5.5 - Aus der Guten Alten Zeit
OpenOffice (kostenloses, famoses Textverarbeitungs- und
Tabellenkalkulationsprogramm, siehe Buch von
Kai) verwende ich für alles, was mit Layout und Datenbankverwaltung zu tun
hat. Meine eigentliche Arbeit, das
Bücherschreiben, verrichte ich auch unter OS X noch wie damals zur
Zeit meines ersten PCs - 16 MHZ 386 SX/2MB RAM Babycase - mit word 5.5,
einem MS-DOS-Programm.Nostalgie? Ganz und gar nicht. Hier die Vorzüge, die das Programm für mich unschlagbar machen:
- In 11 Jahren ein problematischer Absturz
- In 11 Jahren kein zerstörtes Dokument
- Extrem hohe Lade- und Speichergeschwindigkeit auch umfangreicher Texte (600 und mehr Seiten)
- Komplett mausunabhängig, ausgereifte Tastaturbefehle
- Einheitliche, dicke, klar lesbare DOS-Schrift (bei -12 Dioptrien nicht ganz unwichtig)
- Farbliche Kodierung der Formatierung anstelle "WYSIWYG"-Darstellung erleichtert Querlesen (insbesondere bei 7 pt. oder kursiven Textpassagen)
- Blitzschnelle Navigation (Fußnote-Text, zu Textmarken usw.)
- Nur echte Vollbildschirmdarstellung: Volle Konzentration aufs Wesentliche
- Bei Bedarf Ausblendung aller Menüs möglich: Nichts als Text auf dem Bildschirm!
- Konvertierung in NurText und RTF, Druckformatvorlagen, Makroaufnahme (Tastenkürzel), Textblöcke, Serienbriefe ...
- Sehr kleine Dateien
- Bildschirmdarstellung farblich verstellbar
- Alles in allem unter 3 MB, bei Bedarf sogar unter 1,4 MB groß
- Kein ständiges Wechseln von einem neuen Textverarbeitungsprogramm zu einem noch neueren
- Tut unter allen Betriebssystemen mit einfacher DOS-Emulation
- Tut sogar auf einem 16 MHZ 2MB RAM PC
- Und: Seit 13 Jahren kein einziges Update erforderlich!
23/10/04
"School Shootings"
Gemeinsam mit dem Kriminologen Dr. Frank J. Robertz arbeite ich das Fachbuch zum Thema School Shootings (darunter sind beispielsweise die Mehrfachmorde in den Schulen von Columbine bzw. Erfurt zu verstehen) zu einer populärwissenschaftlichen Publikation um. Sie soll vor allem Lehrern, aber auch interessierten Laien in leicht verständlicher, aber pointierter und fundierter Form einen Einblick in die Problematik und Prävention solcher Vorfälle geben. Damit der Inhalt des Buches eng an den Bedürfnissen der Leserinnen und Leser orientiert werden kann, sind wir für Ihre Mithilfe dankbar.Bitte nennen Sie uns per E-Mail die wichtigsten Fragen, die Sie einem Experten zum Thema gerne stellen würden. Natürlich sind wir auch für andere Hinweise dankbar! Die eingehenden Fragen werden von uns gesammelt und für die Umsetzung im Buch ausgewertet. Ihre E-Mailadresse wird dabei selbstverständlich vertraulich behandelt.
Vielen Dank!
20/10/04
Feldjäger auf der Buchmesse: Leipzig "schiesst"
Spät, aber mit genügend Vorlauf vor der Leipziger Buchmesse 2005 zum Thema Leipzig liest.Was auf der Leipziger Buchmesse passiert, wird einem erst nach einer Weile richtig klar. So ungeheuerlich ist das, was sich dort seit Jahren zuträgt. 2004 ist es dann eskaliert.
An dem Ort, an dem internationale Schriftsteller vorgestellt, an dem Bücher bewundert und beworben werden und der Grundstein für so manche literarische Publikation gelegt wird, ausgerechnet an diesem Ort der Hochkultur stehen Soldaten vor dem größten Stand der Buchmesse und preisen dort - nein, weniger Bücher, als vielmehr ihr Krisensimulationsspiel an. Sie machen Werbung, weniger für Bücher, als vielmehr für die Bundenswehr. Wenige stört es. Die es gestört hat, haben sich 2004 Gehör verschafft. Aufgelöst wurden die Proteste von der Polizei sowie - und hier wird es besonders problematisch - von den Feldjägern.
Der Einsatz von Feldjägern (man halte sich erneut den Ort des Geschehens vor Augen) wurde von Minister Rasch (Sachsen) als "auf der Grundlage des Gesetzes über die Anwendung unmittelbaren Zwanges duch Soldaten der Bundeswehr" legitimiert, unberührt durch den Protest des PEN, Harry Rowohlts, Peter Handkes u. v. a.
Es ist unvorstellbar, daß die Bundeswehr auf den Buchmessen ihre Werbetrommel rühren darf. Und doch ist es so. Damit diese abstoßende Verhöhnung der Literatur - und auch unserer kulturellen Werte an sich - ein Ende findet, muß der Protest weiter gehen. Und lauter werden.
Wenn die Bundeswehr schließlich die Verlagsstände der Messe als Panzerabstellflächen zur Anwendung unmittelbaren Zwanges konfisziert hat, dann hat Leipzig, was es verdient: Keine Buchmesse mehr.
Zum Verlinken von Seiten zum Thema "Leipzig schießt" / "Bücher statt Bomben" hier ein von mir erstelltes Linkstreifchen.
Die Entwicklung wird unter Leipzig schießt (wieder?) beobachtet.
Artikel zum Thema (Leipzig 2004):
http://www.mdr.de/leipzig-liest/625582.html
http://www.freitag.de/2004/25/04251001.php
http://www.netzeitung.de/buecher/buechernews/278950.html
18/10/04
Wer Bibliotheken schließt...
"Wer Bibliotheken schließt, fördert den internationalen Terrorismus" , ließ der Friedrich-Bödecker-Kreis 2002 in einer Presseerklärung verlauten.
Wer einen Fall solcher Förderung kennt, oder vom Ausmaß deutscher
Bibliotheksschließungen einen Eindruck bekommen will, findet auf der Seite
"
Bibliothekssterben" beim Bundesverband Information Bibliothek e. V. eine
Möglichkeit, Bibliotheks-Todesanzeigen aufzugeben und nachzuschlagen.Weiter so, du "Volk der Dichter und Denker".
(DfdH an Kai)
14/10/04
Spalter! Spalter!
Frank Böhmert ist mit den "Sternenhorchern" im Andromeda-Taschenbuchsechsteiler (Heyne) ins Perry Rhodan-Universum eingestiegen und spaltet seither die Fangemeinde des SiFi-Heftchenklassikers fröhlich weiter mit dem TB "Traumkapseln" und nun auch einem eigenen Heft, "Das Land unter dem Teich".Er kassiert stapelweise Leserreaktionen dieser...
"Gratulation! Frank Böhmert hat es geschafft den schlechtesten Roman des Zyklus abzuliefern. Und das ist in diesem Langeweile-Zyklus eine echte Leistung ! (...) Nesse war der größte Blödsinn, den ich in PR je gelesen habe. Das wars, ich steige nach 25 Jahren PR frühestens bei Band 2300 wieder ein. Ihr seit (sic) am Tiefpunkt!" "Ein unsäglich schlechter Roman. Diese unerträgliche flapsige Sprache hat mir das Lesen verleidet. Hat irgendjemand Rhodan schon mal sagen hören: "Du bist mir ja einer". Bitte in dieser Form kein neuer Roman von Frank Böhmert."
... und dieser Art:
"Frank Böhmert! Frank Böhmert! Frank Böhmert!"
"Seit langen wieder mal ein Roman den ich noch am Freitag komplett gelesen habe. Endlich lesenswerte Dialoge. Perry und insb. Rorkhete haben gelernt wie Menschen zu sprechen und nicht nur Hel/den/code zu parlieren."
Nu, Kollege ist auch Anhänger der Punkliteratur, wie er mit "Der Elefant auf dem Dach" bewiesen hat. Hehe.
11/10/04
Verlage sind "Bücherverhinderer"
In dem hier als mp3 herunterladbaren dradio-Feature wird viel über die Schwierigkeiten des Veröffentlichens und des Erstveröffentlichens im Besonderen gesagt. So weit nichts Neues.Interessant ist allerdings die Aussage einer Rowohlt-Lektorin, Verlage seien durch ihre Qualitätsprüfungen im Lektorat, wenn ich sie wirklich richtig verstanden habe, im positiven Sinne "Bücherverhinderer"(zu dem Lästigkeit implizierenden Ausdruck "unverlangt eingesandte Manuskripte" könnte man noch einiges sagen).
Mit der stark wachsenden Macht der Martketing-Abteilungen jedenfalls würde diese Aussage ihre negativste Auslegung erfahren.
(Danke für den Tip an Kai)
29/09/04
Werkstattbericht: Anstehende Projekte
Neben den Recherchen für den kürzlich hier erwähnten zweiten Gemeinschaftsroman stehen noch allerlei weitere Vorhaben an.Neben den "solitären" erarbeite ich derzeit den Rahmen für einen frühneuzeitlichen Kriminalroman mit dem Kriminologen und Fachbuchautor Dr. Frank Robertz, dessen Spezialgebiet eigentlich "Schoolshooting" ist. Historische Interpretation und kriminologisch-psychologische Analyse des Täters in diesem authentsichen Fall bieten eine besonders spannende Herausforderung!
Außerdem plane ich gemeinsam mit dem Künstler David von Bassewitz einige Projekte, auf deren Umsetzung ich bei seinem künsterlischen Können und dem reizvollen Stil selbst enorm gespannt bin ... Seine Homepage enthält eine umfangreiche Galerie seiner Arbeiten.
27/09/04
Recherchebeginn Gemeinschaftsroman 2
Die Recherchearbeit für die historischen Dossies des zweiten Gemeinschaftsromans hat heute begonnen. Nachdem "Die sieben Häupter" gerade im Aufbau Taschenbuch Verlag erschienen ist, wird dort 2006 ein zweites Vorhaben dieser Art veröffentlicht werden. Die Schreibarbeit der Autorinnen und Autoren (darunter wieder Rebecca Gablé, Guido Dieckmann und weitere Schriftsteller, die bereits am ersten Projekt mitgewirkt haben, aber auch andere) beginnt am 1. 1. 2005 und dauert insgesamt ein Jahr.Zum Thema sei schon so viel verraten: Die Handlung wird sich um den Mord an William Rufus, Nachfolger Wiliam the Conquerers, drehen.
21/09/04
"Die sieben Häupter" bei Lehmanns
"Die sieben Häupter", ein Gemeinschaftsroman von zwölf Autorinnen und Autoren des Autorenkreises Historischer Roman Quo Vadis, ist im Aufbau-Verlag erschienen.In der Lehmanns Buchhandlung / Haus Hardenberg in Berlin konnten sechs Autorinnen und Autoren den Roman einem großen Publikum vorstellen. Eine für uns Lesende (und für die Zuhörer hoffentlich ebenfalls) sehr angenehme Veranstaltung - herzlichen Dank an Lehmanns!
Von links nach rechts: Horst Bosetzky, Rebecca Gablé, Gunnar Cynybulk (Lektor), Mani Beckmann, Tanja Kinkel, Titus Müller (Hg.), Ruben Wickenhäuser (Hg.)
Anmerkung:
Die Lehmanns Buchhandlung hat nichts mit dem die NS-Ideologie fördernden J. F. Lehmanns-Verlag der Vor- und frühen Nachkriegszeit zu tun. Siehe dazu die Untersuchung von Dr. Sigrid Stöckel

*Quaak*
Der Uhu führt hier ein Weblog, ist aber gewiß kein "Blogger".





